Die kalte Seite des Feminismus

Es lohnt sich, ab und zu mal eine Stimme des linken Feminismus im O-Ton zu hören bzw. zu lesen. Die britische Journalistin, Autorin und Bloggerin Laurie Penny stellt in einem Interview mit der SZ ihr neues Buch Babys machen und andere Storys vor:

Ich liebe Babys, aber keine eigenen, denn ich will mit Kacke nichts zu tun haben. Nein, ernsthaft: Damit ich mir Kinder vorstellen könnte, müssten sich die Umstände dramatisch ändern und ich weiß nicht, ob sie das jemals tun werden. Es ist eine Schande, dass Frauen sich immer noch zwischen Mutterschaft und allem anderen entscheiden müssen. Außerdem bin ich überhaupt nicht wild auf eine Schwangerschaft. Dafür sollte es wirklich technische Alternativen geben.

SZ: Das ist ein Witz, oder?

Nein, das meine ich völlig ernst. Wir brauchen technische Alternativen zur Schwangerschaft. Warum gibt es noch keine? Die moderne Medizin kann Gliedmaßen wieder annähen und Gesichter transplantieren. Heutzutage ist so vieles möglich, was vor ein paar Jahrzehnten undenkbar war. Eizellen werden bereits in Petrischalen befruchtet. Warum sollten Babys nicht im Labor entstehen? Wieso ist eine technische Alternative zum Mutterleib so undenkbar? Schon in den Siebzigern haben Feministinnen über künstliche Gebärmütter nachgedacht.

Zumindest sollten Wissenschaftler diesen Fragen nachgehen. Es ist nicht nur eine feministische Frage: Schließlich gibt es auch Menschen, die keine Gebärmutter haben. Ich verstehe überhaupt nicht, was an dieser Idee verrückter ist als an der Idee, einen Arm, ein Herz oder ein Gesicht zu transplantieren.

Laurie Penny wird im deutschsprachigen Feuilleton übrigens verehrt. Es gibt sogar das Gerücht, sie ziehe demnächst nach Berlin. Sie gilt als Autorin, „die den Nerv für klare Worte hat und sich eine bessere Welt immerhin vorstellen kann“. DER SPIEGEL bezeichnete ihr Buch Fleischmarkt als „brillantes Plädoyer für einen neuen Feminismus“. Marie Schmidt zog für DIE ZEIT sogar folgendes Fazit: Am utopischen Horizont des Feminismus, den Laurie Penny vertritt, liege eine Gesellschaft, in der es so viele verschiedene Geschlechteridentitäten gäbe wie Menschen. Laurie Penny fordere deshalb Solidarität zwischen „all jenen, die in der heutigen Welt an Geschlechtszuschreibungen leiden“ (Quellen bei Wikipedia).

Mehr: www.sueddeutsche.de.

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Schandor
Schandor
4 Jahre zuvor

Ja, Penny hat recht. Sowas altmodisches! Auch ich stelle mir vor, die Menschen in Zukunft in Flaschen zu ziehen und danach einfach zu entkorken. Als „zweiten Bildungsweg“ (der erste versagt ja) denk ich mir, sie schlafschulis und hypnopädisch zu konditionieren. Mädchen sollen empfängnisfrei bleiben („Je zivilisierter, desto sterilisierter!“). Mir gefällt an der Idee: Man könnte Alpha-Männchen/Weibchen für Managementaufgaben ziehen, dann Beta-Männchen/Weibchen/x für das mittlere Management, Gamma-x’ens für normale Tätigkeiten wie das Abkassieren und schließlich Delta-Wesen für die Aufgaben, die heute die Masse erledigt: Putzen, Müllbeseitigung, Förderbandtätigkeiten (bis die Roboter das erledigen können) und dergleichen. Dann hat jeder Freude und der… Weiterlesen »

Gast
Gast
4 Jahre zuvor

@Schandor Sarkastisches bzw. zynisches Zu-Ende-Denken der Thesen sind aktuell viel gebrauchte Mittel in der Auseinandersetzung mit den Laurie Pennys dieser Welt. Zum Glück beobachte ich aber auch andere Wege. In der FAZ gab es jetzt öfter eine Debatte zu der sog. Regretting Motherhood. Die Debatte dort benutzt nicht vordringlich das Mittel des Sarkasmus. Und das ist gut so. Die Debatte – so sie denn zielführend und nicht weitere emotionale Gräben schaffen soll (die Pennys dieser Welt wollen und müssen erst einmal ernst genommen werden) – muss hinter die Fassade eines Feminismus, eines Genderismus, einer bereuenden Mutterschaft zurück. Da kommen dann… Weiterlesen »

Wolfgang Rieß
Wolfgang Rieß
4 Jahre zuvor

Danke an theoblog für den Hinweis auf das Interview mit der mir bisher unbekannten Laurie Penny!

Mich erinnern die Ideen von Penny an einen alten Klassiker unter den Zukunftsromanen: Aldous Huxley, Schöne neue Welt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_neue_Welt

Leider wird manches bereits verwirklicht. Ich denke da besonders an die „Betreuung“ von Kleinkindern in Kinderkrippen.

Ich nehme an, auch der Kommentar von Schandor bezieht sich auf die „Schöne neue Welt“.

W. R.

Adler
4 Jahre zuvor

Man kann es nicht oft genug betonen: Eines der größten Problem ist der Sozialismus in Deutschland: Der Staat regelt immer mehr Bereiche unseres Lebens! Diese ganzen linken Horror-Wahnideen (Feminismus, Gender Mainstreaming, Abtreibungsmassenmord, Homosexualisierung, Pornografisierung, Entchristianisierung, Atheismus, Postmodernismus, Entmündigung der Eltern u.v.m.) werden staatlich durchgesetzt. Wir werden dazu gezwungen, diesen ganzen Schund mit unseren harterarbeiteten Steuern zu finanzieren. Das ist eine Riesen-Sauerei! Und es ist absolut beängstigend, wie stark Bildung und Erziehung in Deutschland verstaatlicht sind. Der Staat verteidigt sein Monopol sehr aggressiv! Wer seine eigenen Kinder selbst erziehen und sogar unterrichten möchte, muss mit staatlichem Widerstand rechnen. Der deutsche Staat… Weiterlesen »

MartinS
MartinS
4 Jahre zuvor

Ich wusste gar nicht, dass man hier in Kommentaren auch den Fettdruck verwenden kann. Hätte ich das mal früher gemerkt :).

Reinhard
Reinhard
4 Jahre zuvor

Zur Frage „Wieso ist eine technische Alternative zum Mutterleib so undenkbar?“ gibt es durchaus auch eine naturwissenschaftliche Antwort: Jede Entwicklung braucht die richtige Umgebung, sonst geht das schief, Stichworte sind Epigenetik und Plastizität. Aber für diese Zusammenhänge interessieren sich solche Leute gewöhnlich nicht, siehe Gender-Debatte.

Schandor
Schandor
4 Jahre zuvor

@Adler

Prädikat: Gut gebrüllt, Löwe!