Die Woke-Aktivisten und der Wohlfühlstaat

Josef Joffe, Mitherausgeber der ZEIT, sieht die bürgerliche Freiheit in den westlichen Gesellschaften von zwei Seiten her bedroht. In einem NZZ-Beitrag schreibt er:

Der liberale, also machtbegrenzte Staat wird von zwei neuen Feinden heimgesucht, die vor einer Generation nicht einmal im Albtraum aufschienen. Der eine Feind ist der weiche Totalitarismus. Vor vierzig Jahren als «Dekonstruktion» in Frankreich erfunden, wanderte er nach Amerika aus, wo er zu grotesker Form aufstieg und jetzt im gesamten Westen en woke ist. Woke, etwa «aufgewacht» oder «erleuchtet», nennen sich jene, die überzeugt sind, es gebe eine weisse Vorherrschaft über die «Verdammten dieser Erde», wie es in der Internationale heisst: über Frauen, Dunkelhäutige, Schwule, Fremde, Andersgläubige. Alle sind Opfer der infamen Verschwörung weisser Männer.

Am anderen Ende kommt der Feind als guter Onkel daher. Der ist der freundliche für- und vorsorgende Staat, der sich freilich nicht erst seit Covid-19-Zeiten unaufhörlich ausbreitet. Das demokratische Gemeinwesen arrondiert seine Macht ohne Waffengeklirr und mit der stillen Duldung des Demos.

Wokeness ist im Kern Stalinismus ohne NKWD, Maoismus ohne Rote Garden. Als Ziel gilt die Erlösung von der weissen Oberherrschaft. Tatsächlich ist wokeness jedoch eine Attacke gegen das Beste im Westen: Renaissance, Aufklärung, Liberalismus.

Mehr: www.nzz.ch.

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10 Kommentare
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Helge Beck

Verstehe nur Bahnhof

Clemens Altenberg

Die woken identity politics sind halt eine Empörung darüber, was white men in der Geschichte alles Schlimmes angerichtet haben, aber dabei vergessen und missachten sie, was wir den white men alles verdanken, vor allem den Liberalismus. Der wird von links und rechts bedroht. Ich verstehe nicht, warum anscheinend nur die linke Bedrohung aus reformatorischer Sicht eine Erregung wert ist. Wenn ein wichtiger Mann von der Zeit sich so klar ablehnend äußert, braucht Deutschland keine Angst haben, dass alle Linken verblöden und totalitär werden. Auch in Österreich machen sich Standard und Falter, die größten Printmedien der linken Reichs“hälfte“, über die wokeness-Exzesse lustig. „Ist links das neue rechts?“ betitelte der Falter letztens eine Story.   

Schlotti

@Clemens Altenberg Sie schreiben: „Die woken identity politics sind halt eine Empörung darüber, was white men in der Geschichte alles Schlimmes angerichtet haben …“ Ihr Nachsatz klingt dann so, als könnten sie diese Empörung der wip zumindest teilweise nachvollziehen. Mir begegnet in verschiedenen Medien dasselbe Argument, was die weißen Männer alles falsch gemacht haben usw. Und ich kann ihnen nur recht geben. Das zeigen schon die blühenden Landschaften Afrikas, wo es keinerlei Stammes- und Bürgerkriege gibt, der japanisch-chinesische Krieg gilt in der Geschichte als Musterbeispiel eines auf der Genfer Konvention geführten Krieges, voller Respekt, Pol Pot hat allein durch seine Überzeugungskraft und sein gewinnendes Wesen Kambodscha in die Zukunft geführt, die Kultur verschiedenster indigener Völker beruhte auf der Vorstellung von Menschenrechten, lange bevor diese im Westen überhaupt bekannt waren usw. usw. Selbstverständlich könnte man unzählige, grausame Taten, Kriege und vieles mehr von Weißen nennen. Für mich zeigt sich bei all dem aber kein Charakterzug einer bestimmten Rasse oder eines Volkes.… Weiterlesen »

Last edited 13 Tage zuvor by Schlotti
Clemens Altenberg

@ Schlotti

Klar kann ich die Empörung über historisches und aktuelles Unrecht nachvollziehen, Sie doch sicher auch, es sei denn Sie glauben es sei alles so von Gott gewollt, dann braucht´s keine Ethik.
Ich habe weder geschrieben, dass nur weiße Männer Übles tun, noch dass sie nur Übles tun. So wie Sie verdamme oder romantisiere ich niemanden aufgrund von Herkunft oder Hautfarbe.
„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“
Damit ist man gegen die Lügen der Identitären geimpft, egal ob sie von links oder von rechts kommen.   

Schlotti

@Clemens Altenberg

Natürlich kann ich Empörung über historisches und aktuelles Unrecht verstehen! Deshalb habe ich ja auch geschrieben, dass es selbstverständlich viele grausame Taten und Kriege von Weißen gegeben hat und gibt.

Mein zweiter Abschnitt war auch nicht auf sie bezogen. Das hätte ich deutlicher machen müssen und tut mir leid. Es ging mir dabei eher um Meinungen von Vertretern der Identitätspolitik, die nicht wie sie differenzieren. Bei denen hat man aber wirklich das Gefühl, alles Übel und alles Leid auf der Welt, hätte seinen Ursprung im weißen Mann.

Dieser Identitätspolitik gegenüber halte ich die biblische Anthropologie und Soteriologie für weitaus erhellender, für die Gesellschaft stabilisierender und vor allem weitaus hoffnungsvoller!

Liebe Grüße
Schlotti

Helge Beck

„Am anderen Ende kommt der Feind als guter Onkel daher. Der ist der freundliche für- und vorsorgende Staat, der sich freilich nicht erst seit Covid-19-Zeiten unaufhörlich ausbreitet.“

Was da wohl gemeint ist? Ist der Staat mit weissen Männern gleichzusetzen?

Und das hier:
„Das demokratische Gemeinwesen arrondiert seine Macht ohne Waffengeklirr und mit der stillen Duldung des Demos.“

Wie bitte?

Chrissen

Ich bin weiß, ich bin ein Mann, ich bin ein wiedergeborener Christ und „toxisch“ – und das ist auch gut so.

Last edited 12 Tage zuvor by Chrissen
Clemens Altenberg

@ Chrissen

„Ich bin toxisch und das ist gut so“ – das erinnert an Nietzsche, wonach wir unser Böses in unser Bestes umtaufen müssen.

Chrissen

@Clemens Altenberg: Ich finde all das, was dem weißen, dem heterosexuellen und klassisch-maskulinen Mann als „toxisch“ zugeschrieben wird, für durchweg positiv, insofern solidarisiere ich mich mit meinen heterosexuellen Geschlechtsgenossen, obwohl ich selbst schwul bin. Bedenklicher finde ich eher Menschen wie Sie, die die Heilige Schrift für links-grüne Politik mißbrauchen und verzerren. So etwas habe ich nämlich schon öfter von Ihnen gelesen. Gott ist nicht politisch korrekt. Die Bibel ist nicht politisch korrekt. Gott schmiert den Menschen keinen Honig um den Mund. Gott redet nicht, wonach einem „die Ohren jucken und kitzeln“ …

Clemens Altenberg

Bin jetzt auch kein Fan von dem Begriff „toxic masculinity“, der ist mir zu ideologisch und diskriminierend. (Witzig ad absurdum geführt hat ihn Zizek: https://www.youtube.com/watch?v=dyEN0MKxJjY ) Die ihn ernsthaft benutzen verstehen darunter Egozentrismus, herablassendes und übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen, aggressive Homophobie, keine Schwäche zeigen dürfen… Deshalb habe ich mich gewundert, dass Sie ihn bejahen, aber wir verstehen wohl etwas anderes darunter. Welche Zuschreibungen, die Sie positiv sehen, meinen Sie?  
Ich versuche nicht, die Bibel in ein politisches Schema zu pressen, weil da passt sie in keines hinein. Welche Stelle habe ich denn „missbraucht und verzerrt“?