Endgültige Rechtfertigung: Baxter oder Owen?

Die Puritaner Richard Baxter (1616–1691) und John Owen (1616–1683) haben beide ein bewegtes Leben geführt, bedeutende Bücher geschrieben und zeitweise sogar zusammen gearbeitet. (Tim Cooper hat die komplizierte Beziehung der beiden Theologen in seiner Arbeit John Owen, Richard Baxter and the Formation of Nonconformity untersucht.) Die Werke der Spätpuritaner werden noch heute in reformierten Kreisen gern gelesen (und nicht nur dort). Baxter hat vor allem durch sein Buch Der reformierte Pastor bleibenden Einfluss auf das Denken von Geistlichen. Owen wird wegen seiner hohen Sicht des Heiligen Geistes gern studiert.

Weniger bekannt ist, dass Baxter und Owen unterschiedliche Auffassungen auch in solchen theologischen Fragen hatten, die den Kern der reformatorschen Theologie, also die Soteriologie, betreffen (Wie wird der Mensch gerettet?).

Während Richard Baxter die Anrechnung (Imputation) des aktiven und passiven Gehorsams (und der Gerechtigkeit) von Jesus Christus ablehnte (wie heute etwa auch N.T. Wright), war dieser Punkt für John Owen zentral für das richtige Verständnis des Evangeliums. Und während für Baxter ein Mensch durch die Rechtfertigung aus Glauben und seinen Gehorsam errettet wird, hielt Owen daran fest, dass der begnadigte Sünder allein durch Glauben und die Anrechnung des Erlösungswerkes von Jesus Christus erlöst wird. Freilich erzeugt der Glaube auch für Owen Werke der Liebe. Doch diesen Werken kommt keine soteriologische Funktion zu. Sie entstehen auf natürliche Weise als Frucht des Geistes, weil der Mensch errettet ist. Sie werden also in der Heiligung verortet. Für Baxter hat die Rechtfertigung des Sünders auf Erden hingegen nur einen provisorischen Charakter. Die zukünftige (o. endgültige) Rechtfertigung erfolgt im letzten Gericht und bezieht die Werke des Gläubigen mit ein. Denn: „Wenn gute Werke oder aufrichtiger Gehorsam zu Christus, unserem HERRN, nicht Teil der Bedingungen für unsere vollständige Rechtfertigung sind, wo würde das enden?“ (Aphorismes of Justification, S. 325). „Unsere vollständige Rechtfertigung und unsere ewige Errettung haben die gleichen Bedingungen unsererseits. Und aufrichtiger Gehorsam ist ohne jeden Zweifel eine Bedingung für unser Heil: also auch für unsere Rechtfertigung“ (ebd., S. 311). John Owen war hingegen – meiner Meinung nach zurecht – so besorgt über die Rechtfertigungslehre von Baxter, dass er ihr eine eigene Ausarbeitung widmete („Gospel Grounds and Evidences“, in: The Works of John Owen, Bd. 5, Edinburgh: T&T Clark, S. 401–457).

Wer tieferen Einblick in die Debatte (und ähnliche reformierte Kontroversen der Gegenwart) erhalten möchte, sollte sich dieses Interview mit R. Scott Clark anhören.

 

Kommentare

  1. Schlotti meint:

    Ich habe die Debatte um Piper nur am Rand mitbekommen. Sie entzündete sich wohl an der Aussage von Piper, dass es nicht stimme zu sagen, die Rettung (salvation) geschehe sola fide. Piper wollte wohl Platz für die Aussagen im NT lassen, die vom Gericht sprechen, in denen die Werke durchaus eine Rolle spielen. Man sollte allerdings beachten, dass Piper niemals die Rechtfertigung sola fide leugnen würde!

    Dann ging es hin und her, wobei sogar die Frage diskutiert wurde, ob auch die Heiligung allein aus Glauben geschehe. Ich muss sagen, dass mir diese Debatte gegen den Strich ging und geht. Denn manchmal habe ich das Gefühl, die Leute kämpfen um die Formulierungen bzw. sind erst bereit die Rechtgläubigkeit von jemandem anzuerkennen, wenn dieser genau die selben Worte gebraucht wie man selbst.

    Clark ist ein Historischer Theologe. Interessant, dass Mark Jones, ebenfalls ein großer Kenner der Puritaner, vehement Partei für Piper ergriffen hat. Ich fand seine Mahnung sehr gut, dass wir in theologischen Fragen nicht immer das Schlimmste von unseren Kontrahenten annehmen sollten. Ich finde seine Aussage am Ende eines Artikels sehr treffend:

    „All of this brings us back to our initial comment: why are some in the Reformed church today so apparently insistent on misreading others and making a mountain out of a molehill when they simply do not need to? That’s what concerns us. It is a lack of charity and ultimately threatens not only the good name of faithful ministers, but also threatens the peace of the church.“

    Ich gestehe allerdings, dass ich recht allergisch auf R. Scott Clark reagiere. Er gehört für mich zu den reformierten Hardlinern, die allzu gerne für alle festlegen möchten, wer wirklich reformiert ist und wer nicht. Ich teile seine Einstellung zum Konfessionalismus nicht. Denn für mich ist er ein klassisches Beispiel eines Theologen, der das sola scriptura nur in der Theorie aufrecht erhält. In der Praxis sind für ihn die Bekenntnisse die vollkommen korrekte Interpretation der Bibel in jedem Punkt. Also: Was die Bibel sagt, ist in den Bekenntnissen festgehalten. Also kann nichts, was den Bekenntnis nicht entspricht, Lehre der Bibel sein. Natürlich würde er dem vehement widersprechen, denn er will ja an der Bibel als Norm festhalten. Aber wie gesagt scheint mir bei allem was er schreibt, in der Praxis das Bekenntnis über der Bibel zu stehen.

    Bei meinem Kommentar sollte man allerdings bedenken, dass ich halt ein Frameianer bin. 🙂

    Liebe Grüße
    Schlotti

  2. @Schlotti: Nun, Piper wird ja in dem Interview nur am Schluss erwähnt. Das ist nicht das Hauptthema. Das eigentliche Thema ist Baxter.

    Dass es ein Gericht der Werke gibt, wird ja niemand infrage stellen. Es geht allerdings um: Entscheiden unsere Werke über unser Heil (mit)? Oder geht es um ein Gericht der Werke? Mark Jones’ Kritik verstehe ich da nicht ganz, obwohl auch ich die Hermeneutik der Verdächtigung nicht mag. Denn missverständlich hat sich Piper geäußert und damit für Unruhe gesorgt. Er hat seit vielen Jahren die Möglichkeit, aufgrund der vielen Rückfragen präziser zu formulieren. Er will das offensichtlich nicht und folgt in dieser Frage Daniel Fuller aus Überzeugung. Die Puritaner, die Jones zitiert, werden wohl keine Probleme mit dem Westminster haben (wie Fuller und Piper).

    In dem erwähnten Buch zur Federal Vision Theology sind im Übrigen auch Beiträge von Horton, VanDrunnen oder Godfrey enthalten. Die würde ich nicht als Hardliner bezeichnen.

    Aber klar, Fans von Frame, der ja Shepherd in einigen Punkten verteidigt hat, werden ihre Vorbehalte haben.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Schlotti meint:

    @Ron
    Ich bin etwas ausführlicher auf Piper und Clark eingegangen, weil letzterer sich intensiv zur Debatte geäußert hat. Sein Beitrag über Baxter (auf seinem Blog) dient m.M.n. dann auch nur dazu zu zeigen, dass die falsche Lehre von heute ihren Ursprung früher hat.

    Was die Formulierung von Piper angeht, gebe ich dir 100%ig recht! Als ich einige Zitate von ihm zum Thema gelesen habe, haben sich bei mir die Nackenhaare aufgerichtet. Zum Beispiel zu sagen, dass die Rechtfertigung allein aus Glauben geschieht, es aber falsch sei zu sagen die Rettung bzw. das Heil sei allein aus Glauben, halte ich nicht nur für missverständlich, sondern irreführend. Da macht man ein Fass auf, das es meiner Meinung nach nicht wert ist. Selbst wenn er (wie Jones meint) einige Puritaner auf seiner Seite hat. Ich kann z.B. gut mit der Aussage leben, dass gute Werke die notwendige Konsequenz/Folge der Rechtfertigung allein aus Glaube sind.

    Ich finde übrigens die Verteidigung Frames von Shepherd überzogen. Ich sehe mich nicht als FVler, sondern halte tatsächlich am reformatorischen Verständnis der Rechtfertigung fest! Frameianer (sozusagen) bin ich in der Frage des Traditionalismus. Ich kann mich gut mit „something close to biblicism“ identifizieren.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  4. @Schlotti: Da sind wir uns – wieder einmal – einig. Ähnlich wie damals Baxter kann ich psychologisch viel Verständnis für das Anliegen aufbringen. Wir predigen ja so oft eine billige Gnade. Aber Neo-Nomismus löst die Probleme nicht, sondern die Gemeinschaft mit Christus.

    Gute Werke sind, um es mit dem weisen Calvin zu sagen, notwendige Zeugnisse der Gnade.

    Liebe Grüße, Ron

  5. toblog meint:

    Hallo zusammen,

    ich denke, sobald in irgend einer Weise eine Kooperation meinerseits, d. h. des alten Lebens, des Fleisches zur Erlangung oder zum Behalten des Heils erwartet wird, stehen wir nicht mehr auf dem Boden des NT. Ich befürworte also klar die Owen-Position. Wenn das Heil in irgendeiner Weise von mir abhängt, kann es keine Heilsgewissheit geben!

    Meine Heilsgewissheit beruht darauf, dass ich Teil des auferstandenen Lebens Jesu bin, welches nicht mehr sterben kann. Erst wenn ich glaube, dass ich Jesus, sein Kreuz und seine Auferstehung nicht mehr brauche, gibt es ein Problem. Gott hat sich durch die Auferweckung des Sohns einen neuen Menschen geschaffen, dessen Leben gegenüber den Ansprüchen des Todes grundsätzlich resistent ist, rechtlich komplett abgesichert. Einfach aus dem Grund, weil diesem Leben alle nur denkbare Sünde auferlegt wurde (zur Sünde gemacht), dem Tode sein Recht gegeben wurde und es dann vom Vater begnadigt und auferweckt wurde (2. Kor. 5,21). Diese Gedanken habe ich auf meiner Seite http://churchinbalance.de/kann-gott-bedingungslos-vergeben/ hergeleitet.

    Grüße toblog

  6. Hallo Ron,

    danke für das Video und die Infos zu Owen und Baxter.

    Bezeichnend finde ich, dass auch in diesem Video die von Piper zahlreich angeführten Belegstellen nicht zur Sprache kommen. Man beschränkt sich in der eigenen Exegese auf die Bibelstellen, die einem halt ins Konzept passen und die angeblich so viel leichter zu verstehen sind (die schwierigen werden dann gar nicht mehr erörtert). Ich stimme Schlotti zu, dass hier sola scriptura oft nur in der Theorie hochgehalten wird – in der Praxis sind es bestimmte Bekenntnisse oder das eigene theologische System. Schade.
    Dass es eine zukünftige Rechtfertigung geben wird, die im Zusammenhang mit unseren Werken bzw. Worten steht, machen Stellen wie Mt 12,37 m.E. sehr deutlich:

    „Denn nach deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden (δικαιωθήσῃ – Futur Passiv Indikativ), und nach deinen Worten wirst du verurteilt werden (καταδικασθήσῃ – ebenfalls Futur Passiv Indikativ).“

    Ich stimme Calvin zu, dass unsere Werke ein Zeugnis sind, oder anders ausgedrückt: Der Erweis der Tatsache, dass wir in Christus neue Kreaturen sind. Aber der Punkt ist – und auch das sagt ja Calvin und sogar Scott Clark (wenn ich ihn richtig verstanden habe) – dass diese Werke ein „notwendiges“ Zeugnis sind. Ich frage: Notwendig wofür? Und antworte: Für die Rechtfertigung am Tag des Gerichtes Gottes.

    Lieben Gruß
    Simon

  7. @Simon: Naja, es gibt unzählige exegetische Untersuchungen zum Thema. John Owen lohnt sich da beispielsweise. Oder Martyn Lloyd-Jones.

    Dass die Werke notwendig sind, habe ich ja selbst gesagt. Aber vielleicht ist das dt. Wort nicht ideal. Denn es geht darum, dass sozusagen „natürlich“ ein guter Baum gute Früchte hervorbringt. Es geht gar nicht anders (notwendig in diesem Sinn: es liegt in der Natur der Sache). Denn es sind ja Früchte des Geistes, Kennzeichen der Kinder Gottes.

    Wenn Du fragst: Wofür? Was ist denn Deine Anwort? Damit Du errettet wirst? Damit Deine Erettung nicht umsonst war? Willst Du dem vollendeten Werk, dass Jesus vollbracht hat, etwas hinzufügen? Landen wir dann nicht beim Verdienst? Ich glaube nicht, dass Du soweit gehen möchtest, dass das Werk eines Menschen Heil bringt oder Heil bewahrt.

    Da lobe ich nochmals die Weisheit Calvins, der die Dinge (auch Paulus versus Jakobus) wunderbar in einer Zeit zusammengefügt hat, als es die Bekenntnisse, hinter denen er und andere sich versteckt haben sollen, noch gar nicht gab. Niemals können unsere Werke Grund unseres Heils sein.

    Liebe Grüße, Ron

  8. Ernst R. meint:

    Von welchen Werken ist immer die Rede?

    Immer ist von guten Werken die Rede. In tausend Büchern.
    Nur noch nie hab ich gelesen, welche Werke das sind.
    Ich bitte um Aufzählung einiger wichtiger Werke.

  9. @Ernst R.: Z.B. Wahrheitsliebe (2Thess 2,10), das Messiasbekenntnis (Mt 10,32), tätige Nächstenliebe u. Barmherzigkeit (Jak 2), Liebe zu allen Menschen (2Petrus 1,5–7), …

    Liebe Grüße, Ron

  10. Hallo Ron,

    auf die Frage, wofür die Werke notwendig sind, hatte ich schon eine Antwort gegeben: Für die Rechtfertigung am Tag des Gerichtes Gottes.

    Ich belasse es bei einem Zitat Jesu: „Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Mt 7,19)

    LG Simon

  11. @Simon: Willst Du also wirklich die Werke in die Erlösung einmischen? Oder reden wir aneinander vorbei. Ich meine: Ein Kind Gottes wird Zeugnisse der Gnade in das letzte Gericht mitbringen. Es geht gar nicht anders. Diese Zeugnisse sind aber in keinster Weise Ursache des Heils. Meinst Du das vielleicht auch so?

    Liebe Grüße, Ron

  12. @Ron: Ich möchte (gemeinsam mit Piper und anderen Theologen) das hochhalten, was das klare Zeugnis der Schrift ist. Gute Werke sind notwendig, um das ewige Leben zu ererben. Notwendig im Sinne von „im Zusammenhang mit etwas nicht zu umgehen; unbedingt erforderlich; unerlässlich“ und nicht bloß „in der Natur der Sache liegend“.
    Ich könnte noch weitere Schriftstellen zitieren, aber scheinbar werden die ja sowieso nur ignoriert – womit wir wieder bei meinem Anfangskommentar angelangt wären.

    LG Simon

  13. @Simon: Welche Schriftstelle habe ich denn ignoriert? Mt 7 und Mt 12 gefährden meine These in keinster Weise. Sie bestätigen meine These: Glaube ohne Werke ist tot. Glaube, der nicht zu tätiger Liebe führt, ist gar kein Glaube. Es liegt in der Natur des Glaubens, dass er Werke hervorbringt. Aber mir scheint, als würde Dir das nicht reichen.

    Liebe Grüße, Ron

  14. @ Ron: Das möchte ich anzweifeln. Deine These ist, dass Werke im letzten Gericht für unser Heil keine Rolle spielen. Du widersprichst in Deinem Beitrag Baxter, für den die zukünftige/endgültige Rechtfertigung die Werke des Gläubigen mit einbezieht.

    Nun spricht aber Jesus in Mt 12 genau von solch einer zukünftigen Rechtfertigung (man beachte das Tempus) und betont, dass sie aus unseren Worten geschehen wird. Ich frage Dich, wie Du Dich aus dieser Nummer „rauswinden“ willst?

    Mt 7 ist eine Bestätigung dessen, dass es bei all dem nicht bloß um ein Preisgericht (oder wie auch immer man es nennen mag) geht, sondern um die Frage Himmel oder Hölle: Wenn ein Baum keine Frucht hat, wird er abgehauen. Dass die Frucht also notwendig (im Sinne von unumgänglich) ist, um nicht in das ewige Feuer einzugehen, liegt m.E. klar auf der Hand.

    LG Simon

  15. @Simon: Was mir Sorgen macht, sind nicht Mt 7 und 12. Christus wird im letzten Gericht die bereits geschehene Rechtfertigung öffentlich machen. Ich bin mit Christus gestorben (gerichtet). Der alte Mensch ist in den Tod Christi getauft (Röm 6,4). Ein neuer Mensch ist in Christus auferstanden, allein durch den Gehorsam des Einen. Um den neuen Menschen kümmert sich Gott. Christus selbst sorgt dafür, dass die Werke geschehen, die Gott zuvor bereitet hat. Denn aus Gnade bin ich selig geworden durch Glauben, und das nicht aus mir heraus: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit ich mich nicht rühme.

    Was mir Sorgen macht, ist die Tatsache, dass Du tatsächlich Deinen Werken eine heilswirksame Funktion zuzuschreiben scheinst. Also: Provisorische Rechtfertigung im Hier und Jetzt und finale (o. futuristisch) Rechtfertigung im letzten Gericht. Dann, wenn die eigentliche Rechtsprechung geschieht, werden Deine Werke einbezogen. Falls die Werke reichen, schenkt Gott Dir ewiges Leben.

    Damit bist Du – falls ich Dich nicht falsch verstanden habe (ich hoffe es immer noch!) ziemlich nah am Dekret über die Rechtfertigung (Konzil v. Triend, 1547).

    Liebe Grüße, Ron

  16. Schlotti meint:

    @Simon
    Was ich an der Formulierung die Ron von Calvin gepostet hat, so gut finde, ist ihre Ausgewogenheit. Gute Werke sind die notwendigen Zeugnisse der Gnade. Die Guten Werke folgen auf die Gnade, sind nicht deren Voraussetzung. Meiner Meinung nach gehst du aber zu weit, indem du die Werke im letzten Gericht zur Voraussetzung für das ewige Leben erklärst. Das ist für mich genau die Irreführung, die Piper durch seine Aussagen provoziert.

    Natürlich möchte ich nicht für Ron sprechen, aber du schreibst, für ihn spielen Werke im Gericht für das Heil keine Rolle. Ich würde sagen es kommt darauf an, wie man „Rolle spielen“ und „Heil“ versteht. Für mich ist die klare Aussage der Schrift, dass Werke im letzten Gericht nicht die Rolle spielen, mir das ewige Leben erworben zu haben. Dieses beruht ganz auf Gottes Gnade, in Jesus Christus. Aber das heißt doch nicht, dass damit Werke überhaupt keine Rolle spielen. Deshalb ist die Aussage so wichtig „notwendige Zeugnisse der Gnade“. Unsere Werke werden selbstverständlich zur Sprache kommen. Aber nicht als Beweis dafür, dass wir es geschafft haben genug zu vollbringen, um ewiges Leben zu haben. Vielmehr als Erweis der wirksamen, verändernden Gnade, die uns geschenkt wurde.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  17. Hier mal ein Auszug aus dem Kapitel 16 (Dekret über die Rechtfertigung):

    Aus diesem Grunde also muß man den gerechtfertigten Menschen, ob sie nun die empfangene Gnade ständig bewahrt oder sie die verlorene wiedererlangt haben, die Worte des Apostels vor Augen halten: Seid überreich an jedem guten Werke und wißt, daß eure Mühe nicht vergebens ist im Herrn“ [1Kor 15,58]; „denn Gott ist nicht ungerecht, so daß er eure Mühe und Liebe vergäße, die ihr in seinem Namen gezeigt habt“ [Hebr 6,10]; und: „Verliert nicht eure Zuversicht, die reichen Lohn bringt“ [Hebr 10,35]. Und deshalb muß denen, die „bis ans Ende“ [Mt 10,22; 24,13] gute Werke tun und auf Gott hoffen, das ewige Leben vorgestellt werden sowohl als Gnade, die den Kindern Gottes durch Christus Jesus barmherzig verheißen wurde, als auch „als Lohn“, der nach der Verheißung Gottes selbst, für ihre guten Werke und Verdienste getreu zu erstatten ist [Kan. 26 und 32]. Dies ist nämlich jener Kranz der Gerechtigkeit, von dem der Apostel sagte, er sei für ihn zurückgelegt, damit er ihm nach seinem Kampf und Lauf vom gerechten Richter verliehen werde, aber nicht nur ihm, sondern auch allen, die seine Ankunft lieben [vgl. 2Tim 4,7f].

    Und hier Calvins Kommentar (Ich zitiere Calvin, weil er als erster das Dekret kritisch kommentiert hat und sehr pointiert die reformatorische (und meiner Meinung nach biblische) Antwort gegeben hat):

    Es bleibt noch das letzte Kapitel übrig: über »das Verdienst der guten Werke«. Es gibt unter uns nun aber keinen Streit darüber, daß die Gläubigen zu guten Werken zu ermuntern und auch durch einen vor Augen gestellten Lohn anzuspornen seien. Was also?

    Erstens, daß sie »das ewige Leben« zu einem »Lohn« machen, darin weiche ich von ihnen ab. Denn wenn Gott im ewigen Leben die Werke belohnt, so mögen sie von daher nicht sogleich folgern, daß der Lohn das Leben selbst ist, womit vergolten wird. Ja vielmehr schreit überall die Schrift, daß er eine Erbschaft ist, die uns allein durch das Recht der freignädigen Annahme an Kindes Statt zuteil wird. Aber noch mehr Grund zum Widersprechen gibt es dadurch, daß sie sich nicht schämen zu behaupten: Den Gläubigen »fehle nichts daran, um sie als solche zu halten, die dem Gesetz Gottes, wenigstens unter den Bedingungen dieses Lebens, Genüge getan und das ewige Leben verdient haben.« Also, wo bleibt da jene Seligkeit, die von David gerühmt wird, Ps 32 (1), ohne die wir alle dreimal elend sind? Wehe aber den Elenden, die nicht erkennen, daß der, der sehr nahe an die Vollkommenheit herangekommen ist, den Weg noch nicht einmal bis zur Hälfte vorangekommen ist! Denn alle die ein beunruhigtes Gewissen haben, spüren, daß jenes Wort des Augustin völlig wahr ist: »Die Gerechtigkeit der Heiligen in diesem Leben besteht mehr in der Sündenvergebung als in Vollendung der Tugenden.« Treffender noch ist jenes andere Wort, das ich schon zitierte: »Solange wie sie unter der Schwachheit des Fleisches seufzen, bleibt ihnen die einzige Hoffnung, daß sie Christus als Mittler haben, durch den sie mit Gott versöhnt werden.« Aber es ist nicht verwunderlich, daß die ein bißchen beleibten Mönche derart über die Erfüllung des Gesetzes schwatzen: sie, die ohne jede Erfahrung eines Gewissenskampfes, ja, nun sogar im Rausch teils infolge von Ehrgeiz, teils infolge von Trunkenheit nur ihrem Götzenbild gern Wind zufächem wollen. Mit derselben Sorglosigkeit bieten sie den Himmel feil, während sie selbst unterdessen mit irdischen Einkünften beschäftigt sind, nach denen sie gieren. Denn vergeblich versuchen sie, durch die später darübergepinselten schönen Farben nicht gerade schwache Augen zu täuschen, wenn sie es von sich weisen, daß sich jemand der Werke »rühme« oder auf sie »sein Vertrauen setze«, da sie ja »Gottes Gaben« seien.

    Um das zu übergehen, daß sie zuvor zum größeren Teil das den menschlichen Kräften zuschrieben, von dem sie jetzt auf einmal sagen, es handle sich um Gaben Gottes: Es sind in ihrem Dekret drei unerträgliche Irrtümer. Denn auch wenn sie nebenbei erwähnen, daß die guten Werke der Frommen »durch das Verdienst Christi« verdienstlich sind, so gehen sie [erstens] über das hinweg, was doch vor allem nötig wäre: Es gibt kein Werk, das nicht durch irgendeine Krankheit angesteckt wäre, es sei denn, daß sie durch Christi Blut weggenommen würde. Ja vielmehr dichten sie den Werken eine falsche Tugend an, damit sie ohne Gnade für gut befunden werden. Ansehnlich ist gewiß, was sie einem vormachen: daß alles aus dem Geiste Christi fließt. Aber wo kann man die reine Kraft des Heiligen Geistes finden? Oder wird sie nicht »einem jeden nach Maß« zugeteilt (1Kor 12,11)? Sie mußten also beachten, daß immer etwas von unserem Bodensatz beigemischt ist, was jene Reinheit verdirbt. Weil aber vor Gott die uns anhängende Verkehrtheit alles verdirbt, was er bei uns an Werken entdeckt, so bleibt allein dies übrig, daß sie die Gnade, die sie nicht aus sich selbst haben, durch freignädige Annahme wiedergewinnen. Das geschieht, indem sie nicht für sich beurteilt werden, sondern ihren Wert von Christus entleihen und gewissermaßen erbetteln. Dies ist vollends eine allzu grobe und gottlose Träumerei, nicht anzuerkennen, daß erst durch diesen Namen allein Gott alle von ihm bei uns entdeckten Werke angenehm sind, weil die väterliche Güte alle Fehler verzeiht.

    Das Zweite ist beinahe ähnlich. Sie erwägen nicht: Wenn wir auch etwas durch ein Werk verdient haben, das geht, wie groß es auch sei, durch eine gegenteilige Übertretung ganz verloren: »Wer in einem gefehlt hat, ist ein Schuldner von allem geworden« (Jak 2,10). Welchen Lohn versprichst du dir, wenn nur dies angezeigt wird: schuldig des ewigen Todes? Sie handeln daher falsch, solange sie nicht zu diesem einzigen Heilmittel flüchten, daß sich Gott in gütiger Gunst entschließt, [auch] wenn etwas Gutes in uns ist, das bei weitem an Zahl und Gewicht überwiegende Böse nicht anzurechnen.

    Der dritte Irrtum ist aber bei weitem der schlimmste: daß sie die Heilszuversicht um der Werke willen in Ungewißheit setzen. Sie wehren dem zwar durch ein Wort, daß wir auf uns selbst unser »Vertrauen setzen«. Aber eine wie große Hoffnung werden wir darin finden, wenn sie wiederum auferlegen, auf die Werke zu sehen, damit uns insofern die Hoffnung auf Heil sicher sei? Setzen sie nicht offen die ganze Zuversicht auf uns selbst? Deshalb fügen sie solcher Lehre auch die entsprechende Klausel bei, daß in diesem Leben mit zweifelhaftem Erfolg gekämpft werden müsse, bis Gott »einem jeden nach seinen Werken vergelten wird«. Dadurch stürzen sie den ganzen Ruhm unseres Glaubens um oder »entleeren den Glauben« selbst, um ein Wort des Paulus zu gebrauchen (Röm 4,14). Aber Paulus bestreitet, daß er gerechtfertigt sei, auch wenn ihm »nichts [an Schuld] bewußt« sei (1Kor 4,4). Ich bekenne das. Doch daher gebührt es sich – damit der Besitz der Gerechtigkeit dauerhaft und ungetrübt Bestand habe -, unter Hintanstellung der Erwähnung unserer Werke unseren Richter anzuflehen, daß er nicht mit uns »ins Gericht gehe« (Ps 143,2). Hier ist nämlich der einzige Hafen unserer Sicherheit, daß Gott die Maske des Richters ablegt, um sich uns als Vater zu zeigen.

    Und dennoch schämen sich diese Gefräßigen nicht, zum Schrecken der einfachen Menschen mit einer bösen Drohung zu donnern: Niemand wird der Gerechtigkeit teilhaftig, der nicht fest einhält, was sie vorschreiben. Was? Ist kürzlich eine neue Lehre der Rechtfertigung entstanden? Und gelangen wir nicht vielmehr, wie es ein Heil gibt, so alle auf demselben Weg zu ihm? Was also wird den Propheten und Aposteln geschehen, die derlei Schulmeistern keine Beachtung schenkten? Weil daher der Trienter Schule Lebewohl zu sagen geboten ist, so laßt uns diesen festen Glauben festhalten, den die Propheten und Apostel uns aus Christi Geist überliefert haben. Wir wissen, von woher wir ihn gelernt haben.

    Liebe Grüße, Ron

  18. Alexander meint:

    Pardon, wenn ich mich hier einmische. Aber Mt 7,19 ist gewiss kein Beweisstück für die Behauptung, gute Werke wären notwendig, um im Letzten Gericht gerechtfertigt zu werden. Es geht doch im Kontext nicht um „Rechtfertigung“, sondern um die Unterscheidung zwischen wahren und falschen Propheten. Die wahren Propheten erkennt man an ihren guten Früchten, die sich durch ihre Verkündigung „bei anderen“ und „für andere“ ergeben. Bei den falschen Propheten trägt ihre Verkündigung keine gute Frucht, sie werden letztlich abgehauen. Das ist doch ein ganz anderes Thema als die Rechtfertigung des Sünders.

  19. @Ron: Es wiederholt sich das, was ich schon in meinem Eingangskommentar angemerkt habe: Die gründliche Exegese wird vermieden, stattdessen werden Bekenntnisse oder Kirchenväter zitiert. Wo bleibt das sola scriptura? Wo bleibt der aufrichtige Umgang mit der Heiligen Schrift? Mich nun einfach in eine Schublade mit Trient zu packen, ist reine Polemik.
    War Calvin etwa unfehlbar? Er wäre wahrscheinlich der erste, der das entschieden zurückweisen würde! Man lese dazu Carsons „Stolpersteine der Schriftauslegung“ Kapitel 3.18: „Man macht es sich (zu) einfach und beruft sich auf Autoritäten“!
    Ich habe mein Verständnis von Mt 12 und Mt 7 dargelegt. Solange mir niemand aufzeigt, wo ich exegetisch falsch liege, bleibe ich bei meiner Meinung.

    @ Alexander: Du hast Recht, Jesus bezieht sich in Mt 7 u.a. auf wahre/falsche Propheten. Dabei geht es jedoch nicht um die Frucht, die sich durch ihre Verkündigung „bei anderen“ oder „für andere“ ergibt – das hast Du in den Text hineingeschmuggelt. Nein, es geht um IHRE (eigene) Frucht, wie V.16 deutlich macht. Es ist die Frucht des Baumes, die darüber entscheidet, ob dieser Baum abgehauen wird oder nicht (und nicht die Frucht irgendeines anderen Baumes).
    Der Kontext macht außerdem deutlich, dass es Jesus bei diesem Prinzip nicht bloß um die wahren/falschen Propheten geht. V.13-14 reden von dem breiten Weg, der zum Verderben und dem schmalen Weg, der zum Leben führt. Diese zwei Wege gelten für alle Menschen! In V.17 und 19 spricht Jesus von JEDEM Baum und auch hier gibt es nur zwei Kategorien: gut oder schlecht. Es sind die äußerlich sichtbaren Früchte, die die verborgene Realität offenbaren. Ich gebe zu, dass es in diesem Abschnitt darum geht, dass die Früchte schon hier auf Erden ein Erkennungsmerkmal für uns sind. Aber man greift zu kurz, wenn man ihre Funktion darauf begrenzt. V.21 macht schließlich noch einmal deutlich, dass es auch um eine endgültige Rechtfertigung geht – oder in Jesu Worten: Darum, wer ins Himmelreich eingeht und wer nicht. Seine Antwort ist klar: Nur, wer den Willen des Vaters TUT.

    LG Simon

  20. Reformhaus meint:

    @Simon

    „Ich hab mein Sach auf nichts gestellt“ – das sagt der Ungläubige mit seinem Leben aus.
    Ich hab mein Sach Gott heimgestellt (Jesus anheimgestellt), so dichtet Goethe einmal.

    Mein Hoffen, mein Sehnen, meine Zuversicht – auch das sind „Werke“, Taten, Handlungen, denn es ist ein inneres Tun. Und wenn ich aus dem Supermarkt komme, verschließe ich auch mein Herz nicht vor dem Bettler. Aber ich habe keine Scharen bekehrt (leider) wie Richard Baxter oder John Owen. Ich hätte gerne. Vielleicht kommt’s ja noch?

    Du liegst exegetisch dort falsch, wo Du nicht zwischen Gesetz und Evangelium unterscheidest.
    Du liegst exegetisch dort falsch, wo Du nicht siehst, dass Jesus an dieser Stelle keine Handreichung für seine Anhänger gibt, sondern den Menschen mit sich selbst konfrontiert. Damit er vor ihm auf die Knie fällt und ihn um Vergebung bittet, ihn um Barmherzigkeit bittet. Damit er Jesus anbetet und sagt: Herr, wirke Du in mir die Werke, die Du willst!
    Für alle anderen gilt: Sie tun den Willen des Vaters gerade nicht!
    Das ist der Wille des Vaters: dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat!
    Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung (Unzucht vermeiden!)
    Das ist der Wille Gottes: das Gute, das Wohlgefällige, das Vollkommene.

    Beurteilst Du Deine Werke selbst?
    Wenn sich die Sache so verhält, wie Du sie darstellst, dann ist das Evangelium eben keines, dann ist’s ein Dysangelium. Dann steht für viele nichts zu hoffen.

    Es muss jeder, der rechte Einsicht ins Ich hat, der genügend „Autopsie“ hat, erkennen: Meine Werke werden nicht ausreichen. Ich habe keinen Grund, mich auch nur im Geringsten darauf zu verlassen.
    Du liest Jesu ernste Worte in einen anderen Kontext, drehst die Sache um, wendest sie gegen sich selbst.
    Jedes Kind Gottes strebt nach den genannten Dingen.

    Wenn Du nach Deinen Worten gerichtet wirst, wirst Du diese Werke dann brauchen, da Du es ja behauptest?

    Wenn ich für jedes unnütze Wort Rechenschaft ablegen muss, wie kann ich dann je dafür Vergebung erlangt haben?

    Jetzt antworte mir: Werde ich für jedes unnütze Wort Rechenschaft ablegen müssen?
    Deine Antwort kenne ich schon: Ja. Denn Jesus hat es ja gesagt. sola scriptura. Dagegen kann auch seine Vergebung nichts ausrichten, oder wie?

    Dann gibt es aber keine Vergebung der Sünden, und wenn Gott sagt, er werfe sie ins tiefste Meer, wolle ihrer nie mehr gedenken, dann übertreibt er halt einfach.

    So oder so – Deine Sichtweise führt nicht zur Errettung, sondern zur Verzweiflung. Dann nämlich rückt der Fokus weg von der Gnade (jaja, die „haben wir“ ja schon) und scheint auf die Werke (so, jetzt zeigen wir’s den Menschen aber, wie gut wir sind und sein können). So nicht, lieber Freund!

  21. @Simon: Nein, ich berufe mich nicht auf Bekenntnisse und ich weiche der Exegese auch nicht aus. Und es ist einfach Quatsch, dass Du mir hier reine Polemik unterstellst. Ich habe Argumente vorgebracht und ich habe Fragen gestellt. Mir geht es erst einmal darum, Dich zu verstehen. Und mir scheint es immer klarer zu werden, dass Du Deinen Werken die Fähigkeit zusprichst, Dein Heil mit zu erwirken bzw. das geschenkte Heil zu erhalten. Es wäre ja ein guter Anfang, wenn Du an diesem Punkt mal Stellung beziehen würdest. Denn Du weichst aus.

    Liebe Grüße, Ron

  22. Ich denke, die theo-logischen Schwierigkeiten bei der richtigen Einordnung der Werke resultieren daher, dass man zwischen der Funktion des Bluts Christi und der des Leibes Christi nicht unterscheidet. Mir hat man die Unterschiede nie erklärt. Lange dachte ich, es handle sich bei beidem um dieselbe Symbolik dafür, dass Jesus für mich starb und meine Sünden wegnimmt.

  23. Schlotti meint:

    Leider sind zwei meiner gestrigen Kommentare irgendwie nicht durchgekommen. Muss an meinem Computer liegen. Daher ein erneuter Versuch.

    @Simon
    Ich glaube in deinem Verständnis sind die Werke schon an der Erlangung des Heils beteiligt. Ich empfinde die Formulierung von Calvin, die Ron zu Beginn gepostet hat, als sehr treffend und ausgewogen: „Gute Werke sind die notwendigen Zeugnisse der Gnade“. Hier wird m.M.n. das biblische Zeugnis gut zusammengefasst. Die Rechtfertigung, Rettung, das ewige Leben sind ein Werk der Gnade. Wir steuern nichts dazu bei, außer unsere Sünde. Diese Gnade jedoch ist wirksam. Sie verändert, sodass sie notwendig ein verändertes Leben hervorbringt. Die Werke sind Folge, nicht Voraussetzung der Rechtfertigung oder des ewigen Lebens. Die Formulierung zeigt aber, dass sie nicht wünschenswert oder erstrebenswert sind, sondern notwendig. Aber eben notwendiges Zeugnis!

    Deine Meinung kann von den missverständlichen Formulierungen Pipers her kommen. Ich möchte allerdings nichts unterstellen. Wobei ich auch bezweifle, dass Piper dir zustimmen würde. Das zu sagen ist allerdings nicht so leicht, da ich ehrlich gesagt Pipers Position in diesem Fall nicht mit seiner Rechtfertigungslehre überein bringe.

    Was Jesus über die Rolle der Werke im Endgericht sagt, stellt überhaupt kein Problem dar. Ich finde es auch etwas seltsam, dass du denjenigen, die die oben beschriebene Position halten, pauschal unterstellst eher an Bekenntnissen festzuhalten, als an der Exegese. Die Frage ist doch, ob ein Bibelabschnitt immer alles ausdrücken muss. Muss Jesus in den Endzeitreden erst von vorne bis hinten seinen Kreuzestod betonen, die Gnade usw. und dann zu der Rolle der Werke kommen? Ich glaube nicht. Manchmal betont die Bibel verschiedene Aspekte, manchmal in einem Abschnitt nur einen. Die Zeit fehlt, aber selbst im Abschnitt finden wir Hinweise auf die Gnade.

    Weil aber in einem Abschnitt nicht immer alles gesagt wird, gilt es eine biblische Theologie zu betreiben, die Aussagen miteinander in Verbindung setzt. Dies geschieht in der reformatorischen Position, wie sie im mehrfach erwähnten Zitat ausgedrückt wird.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  24. Alexander meint:

    @Simon: Okay, dann nehmen wir bei Mt 7 das „für andere“ und „bei anderen“ raus. Die exegetischen Argumente sprechen auch so hinreichend gegen Deine Interpretation: Nach der allgemeinen Warnung, durch die enge Pforte zu gehen, folgt in Mt 7,15-23 eine Sonderwarnung, nämlich einerseits *vor* den falschen Propheten und zweitens *an* die falschen Propheten. VV. 19 und 21 behandeln sicher nicht allgemein die individuelle Rechtfertigung des Sünders. Damit würde man die beiden Verse in einen Sinnzusammenhang verpflanzen, in dem sie nicht stehen.

  25. @Ron

    Was mir Sorgen macht, ist die Tatsache, dass Du tatsächlich Deinen Werken eine heilswirksame Funktion zuzuschreiben scheinst.

    Ich kann diesen Einwand an Simon verstehen. Aber andererseits könnte man Dich fragen: Würdest Du denn Deinem Glauben eine heilswirksame Funktion zuzuschreiben? Also ist der Glaube heilsnotwendig oder werden wir ohne den Glauben gerettet?

    Da Du sicherlich den Glauben für heilsnotwendig hältst, könnte man dagegen argumentieren, dass diese Sichtweise das Sühneopfer relativieren würde. Denn wenn Christus für die Erwählten gesühnt hat, warum müssen sie dann noch glauben? Reicht das Sühneopfer nicht aus?

    Meine Meinung ist: Die Tatsache, dass der Glaube heilsnotwendig ist, ist (an sich noch) keine Relativierung des Sühneopfers. Doch wenn das so ist, warum sollte es dann ein Problem sein, (bestimmten) guten Werken eine heilswirksame Funktion zuzuschreiben? (Ich setzte natürlich voraus, dass es keinen freien Willen gibt.)

    Andere Frage: Ist es heilsnotwendig zu sterben (wenn Jesus nicht wiederkommt)? Können wir in den Himmel kommen, ohne zu sterben?

    Der Tod ist eine Bedingung, um das Heil zu erlangen. Ist das nun eine Relativierung des Sühneopfers? Ist das nun eine Leugnung von sola fide?

  26. @Simon: Irgendwie hat der Schlamassel wohl wirklich etwas mit der fehlenden Unterscheidung von Gesetz und Evangelium zu tun. Dann wird die Heiligung unter die Rechtfertigung gemischt.

    Ich will kurz und provisorisch erläutern, weshalb Mt 7 m.E. mit dem reformatorischen Rechtfertigungsverständnis kompatibel ist, ja sogar dieses Rechtfertigungsverständnis unterstreicht.

    Es geht um falsche Propheten. Sie kommen in Schafskleidern, sind aber inwendig reißende Wölfe. Sie leben im performativen Widerspruch, sind bösartige Täuscher und Zerstörer.

    Am Gerichtstag werden viele Menschen vor Jesus stehen und sagen: Herr, Herr usw. Entscheidend ist aber nicht, wer Herr sagt (ein Wortbekenntnis), sondern wer den Willen des Vaters getan hat. Die vielen, die sich auf Wortbekenntnisse und Wundertaten berufen, bekommen keinen Zutritt. Die falschen Propheten erscheinen sympathisch, rechtgläubig, vollmächtig (treiben z.B. Dämonen aus). Aber ihre äußeren Taten stehen im Widerspruch zu ihren Worten, Motiven, Zielen usw. Sie wollen verführen und zerstören. Jesus wird deshalb sagen: „Ich habe euch nie gekannt, weicht von mir, ihr Gesetzesübertreter (οἱ ἐργαζόμενοι τὴν ἀνομίαν, gemeint sind die, die im Widerspruch zum Willen Gottes leben). Jesus hat sie nicht erkannt, sie sind keine Kinder Gottes.

    (Nebenbei finde ich interessant: Die falschen Propheten kommen zu den Jüngern. Sie wenden sich an das Volk Gottes. Sie geben sich wie Jünger (Lämmer), haben aber nur Böses im Sinn. Sie wollen den Lämmern Schaden zufügen, sie „reißen“.)

    Wie können Jünger solche Wölfe erkennen?

    Die Jünger sollen sich mit der Bewertung Zeit lassen. Die Früchte werden es zeigen. Wahre Propheten geben weiter, was von Gott kommt. Und was von Gott kommt, ist wirklich. Es bringt gute Früchte hervor.

    (Deshalb soll das, was die Propheten hervorbringen, vom Wort Gottes her und von der Wirklichkeit her beurteilt werden. Vielleicht steht entfernt auch Dt 18 im Hintergrund, wo die falschen Propheten erörtert werden: „Wenn du aber in deinem Herzen sagen würdest: Wie kann ich merken, welches Wort der HERR nicht geredet hat? – wenn der Prophet redet in dem Namen des HERRN und es wird nichts daraus und es tritt nicht ein, dann ist das ein Wort, das der HERR nicht geredet hat. Der Prophet hat’s aus Vermessenheit geredet; darum scheue dich nicht vor ihm.“)

    So, wie es zwei Wege gibt (den breiten und den schmalen), so gibt es auch zwei Bestimmungsorte. Die falschen Propheten werden nicht auf der Grundlage ihres Wortbekenntnisses (oder ihrer Doktortitel) beurteilt werden. Worte sind nicht genug. Wer nur Herr sagt und die Herrschaft Gottes nicht anerkennt und unter ihr lebt, tut nicht den Willen das Vaters. Am Tag des Gerichtes wird letztendlich alle Täuscherei aufgedeckt. Die falschen Propheten betteln, aber sie werden aufgrund ihres Lebens beurteilt. Wie schon Johannes der Täufer sagte (3,10), kommen sie ins Feuer. Die anderen leben nicht im performativen Widerspruch. Wer Christus liebt, kann nicht länger selbstverkrümmt leben, sondern er tut, was Gott will und bringt Frucht. Geistbegabte Jesusjünger lieben seine Gebote (vgl. Joh 14,15). Trotz Versagens.

    Folglich deckt sich Mt 7 mit dem, was Jakobus über den Glauben sagt. Es geht nicht um Verdienste vor Gott. Jesus sagt nicht, dass die guten Bäume ihre Errettung verdient haben. Es ist gerade nicht so, dass die guten Früchte die Bäume gut machen oder gute Werke Menschen rechtfertigen. Die Frucht erwächst aus dem gerechtfertigten Leben. Denn Glaube ist, wie das Jakobus zeigt, nicht nur ein Fürwahrhalten, sondern Zustimmung und Vertrauen. Ein Glaube, der nur für wahr hält, ist tot! Ein Glaube, der den Namen verdient, führt zur tätigen Liebe.

    Werke sind allerdings nie Grund, Ursache oder Teilursache der Rechtfertigung. Sie sind Zeichen, Zeugen, Beweise der Gotteskindschaft. Ein Gotteskind kommt zum Vater, weil Christus es errettet hat und der Geist Gottes es treibt.
    Ähnlich verstehe ich Mt 12. V. 37 will nicht sagen, dass du auf der Grundlage deiner Worte gerechtfertigt wirst. Das wäre ja, wörtlich genommen, eine Form der Selbsterlösung. Das würde sonstige Befunde zur Rechtfertigung erschüttern. Wir bräuchten dann nicht einmal Christus. Ich könnte dann ebenso behaupten, dass öffentliche Bekenntnis zu Jesus rechtfertige einen Menschen (vgl. Mt 10,32–33; es ist ganz anders: das Bekenntnis ist eine Geistwirkung, vgl. Petrus in Mt 18). Nein. Unsere Worte am Gerichtstag werden offenbaren, ob wir Gerechtfertigte sind oder nicht. Das, was im Herzen ist, wird endgültig offengelegt. Gerechtfertigte plappern nicht nur Herr, Herr, sie meinen es auch. Sie leben unter der Herrschaft des gekreuzigten Königs. Ihre Worte führen zu Taten, ihre Taten stimmen mit ihren Worten überein, anders als bei den hier kritisierten Pharisäern oder zuvor den falschen Propheten. Das alles natürlich als versagende Schüler, die täglich um Vergebung ihrer Sünden bitten und diese und ihre Entsendung zugesprochen bekommen. Wir haben einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.

    Gute Nacht, Ron

  27. Theophil Isegrim meint:

    „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“ Johannes 5,24

    Ich habe das Wort von Jesus gehört und ich glaube Gott. Deshalb komme ich nicht in Gericht. Was für ein großes Glück, daß meine Erlösung nicht von meinen Werken abhängt, denn dann bliebe mir nur der Tod übrig. Ich habe nichts, was mich retten könnte. Wie sollen denn auch die paar guten Werke von mir meine Sünden tilgen? Und es ist mir nach wie vor unverständlich, wieso Gott mich überhaupt liebt. Er hat gar keinen Grund dazu. Ich halte es ja mit mir selbst und meinen Sünden oftmals nicht aus. Aber ich bin auch nicht Gott und ich liebe nicht wie Gott. 1. Korinther 13 ist nur Gott vorbehalten. Das einzige, was ich tun muß ist das Geschenk von Gott anzunehmen, und nicht die Tür vor ihm zu schließen und zu meinen, das könnte ich alles selbst. Gar nichts kann ich!

    Was für ein Gott!

  28. @Adler: Der Glaube fügt nichts hinzu. Er ist kein Verdienst, sondern Gabe und Instrument (causa instrumentalis). Durch Glauben ergreife ich den Gekreuzigten und Auferstandenen, das Evangelium.

    Die zweite Frage verstehe ich nicht.

    Liebe Grüße, Ron

  29. Philipp meint:

    Simon, ich finde es gut wie du an die Sache sachlich rangehst.
    Klar sagt Mt 7,19, dass jeder ohne gute Frucht „abgehauen“ wird, d.h. nicht ins „Himmelreich“ kommt. Aber V17 steht ja davor und gibt einfach nur einen Fakt an: Ein Christ bringt gute Frucht, ein Nichtchrist kann keine gute Frucht bringen. Das heißt doch, dass es automatisch kommt, d.h. es geht hier nicht darum, dass ich aufgrund dieser Werke beurteilt werde im Gericht, sondern darum, dass es gar nicht anders sein kann als dass ich gute Früchte bringe wenn ich ein echter Christ bin. Die Hauptintention dabei ist V16 (s. auch V20): Woran ERKENNT man echte und falsche.
    Vom Kontext her beginnt die Bergpredigt ja mit den Seeligpreisungen, d.h. mit der Rechtfertigung des Menschen und geht dann über ab 5,17ff, dass gesagt wird: Wir brauchen eine vollkommene Gerechtigkeit, mehr als die der Pharisäer (V20). An 4 Beispielen wird nun aufgezeigt was diese vollkommene Gerechtigkeit ist beim Töten, Ehebruch, Schwören und Vergelten. Eingerahmt ist das ganze mit V48 wo es wieder um diese vollkommene Gerechtigkeit geht – wenn wir das Evangelium weiterlesen wird deutlich, dass wir diese Gerechtigkeit nur durch Christus selbst bekommen und nicht aus dem Gesetz, das nicht vergehen wird (5,19). An 3 Beispielen geht es dann weiter wie man nun als Gerechter vor Gott leben soll (6,1-18) womit wir dann bald zu unserem Text kommen. Somit zeigt doch der Kontext, dass die die vollkommene Gerechtigkeit da ist und wir vollkommen vor dem Vater sind in IHM. Deswegen werden wir ja auch gute Früchte bringen (7,17), aber das zeigt viel mehr den „Automatismus“ aus die Voraussetzung zum Heil auf. V21 muss da im Licht des vorherigen gesehen werden.

    Gottes Gnade und Sein Friede euch in der Diskussion liebe Brüder,
    Grüße philipp

  30. Hallo zusammen,

    danke für die vielen Rückmeldungen und Kommentare, die mir helfen, meine eigene Position zu überdenken und (hoffentlich) klarer zu formulieren. Ich will und kann nicht auf alles eingehen, was geschrieben wurde, möchte mich aber dennoch noch einmal zu Wort melden.

    @ Ron: Zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen für den Kommentar bzgl. der Polemik. Du hast Recht, er war Quatsch. Das tut mir Leid, bitte verzeih mir! Ich bin Deinen Fragen nur in dem Sinne ausgewichen, dass ich nicht mehr (aber auch nicht weniger) sagen will, als es die Schrift tut. Und hier kann ich mich nur wiederholen: Gute Frucht ist ein notwendiger (im Sinne von unabkömmlicher) Erweis, um im letzten Gericht bestehen zu können. Ein Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen.

    Damit leugne ich in keiner Weise die Voraussetzung dieser Frucht: Nämlich, dass Gott uns in seiner Gnade ein neues Herz schenkt und seine Gebote in unser Innerstes hineinlegt – so wie er es in Jeremia und Hesekiel bzgl. des neuen Bundes verheißen hat. Ich leugne auch nicht, dass diese Frucht eine natürliche oder im Sinne von „in der Natur der Sache liegende“ notwendige Folge des Glaubens ist.

    Im Gegenteil: Gerade weil ich davon überzeugt bin, dass die gute Frucht eine natürliche Folge der Erneuerung in Christus ist, kann Gott sie auch am Tag des Gerichts als notwendigen, zwingend erforderlichen Erweis verlangen. Seine wirksame Gnade wird dadurch nicht geschmälert, sondern in ihrem vollen Ausmaß zur Schau gestellt! Ich kann mir am Ende nicht auf die eigene Schulter klopfen, nein ER ist es, der alles wirkt: Sowohl das Wollen als auch das Vollbringen (Phil 2,13). Und deshalb bekommt ER auch die Ehre dafür! Dieser Ehre berauben wir Gott aber, wenn wir die Funktion der Werke im letzten Gericht schmälern.

    Du scheinst selbige ja in Bezug auf die falschen Propheten in deinen Anmerkungen zu Mt 7 zuzugeben: Die schlechte Frucht offenbart den performativen Widerspruch. Gleiches gilt aber eben auch anders rum: Die gute Frucht offenbart die aufrichtige Liebe eines Nachfolgers Christi. Auch das gibst Du in deinen Anmerkungen zu Mt 12 zu: „Unsere Worte am Gerichtstag werden offenbaren, ob wir Gerechtfertigte sind oder nicht. Das, was im Herzen ist, wird endgültig offengelegt. Gerechtfertigte plappern nicht nur Herr, Herr, sie meinen es auch. Sie leben unter der Herrschaft des gekreuzigten Königs. Ihre Worte führen zu Taten…“
    Wir scheinen hier sehr eng beieinander zu liegen: In wessen Leben keine gute Frucht anzutreffen ist, der ist kein wahrer Nachfolger Christi und wird deshalb auch nicht in das ewige Leben eingehen. Ich ziehe nur noch konsequent die Schlussfolgerung: Ergo ist gute Frucht notwendig, unabkömmlich, um bestehen zu können.

    Das, was die Diskussion so mühsam macht, ist die oftmalige Vermischung der endgültigen Rechtfertigung, die am Tag des letzten Gerichtes geschehen wird und für die unsere Werke sehr wohl eine Rolle spielen, mit unserem gegenwärtigen Stand vor Gott als durch Glauben Gerechtfertigte. Auch Du, lieber Ron, bist hier m.E. nicht sorgfältig genug. Mt 12,37 spricht klar von einer zukünftigen Rechtfertigung (V.36 macht deutlich, dass es um das letzte Gericht geht). Und Jesus sagt sehr unmissverständlich, dass es bei dieser Rechtfertigung auf unsere Worte ankommt. Es ist zu einfach, zu behaupten, dass „sonstige Befunde zur Rechtfertigung erschüttert [würden]“, wenn wir Jesus hier so verstehen, wie ich es tue (weil es m.E. der natürliche Schriftsinn ist). Man muss vorsichtig sein, in welchem Kontext die sonstigen Befunde gemacht werden. Ja, es ist richtig, dass Paulus davon reden kann, dass wir schon aus Glauben gerechtfertigt worden sind (z.B. Röm 5,1), aber er bezieht sich dabei nicht auf das endgültige, zukünftige Gericht, sondern unseren gegenwärtigen Stand vor Gott.

    Zugegeben: Ich habe das selber noch nicht alles bis ins letzte Detail durchdacht, aber es ist meine Wahrnehmung (und hier bleibe ich bei meinem Eingangskommentar), dass viele Meinungen nicht auf gründlicher Exegese basieren, sondern einem vorgefertigen theologischen System. Hier müssen wir uns alle immer wieder hinterfragen, um am Ende des Tages die Schrift die alleinige Herrscherin sein zu lassen. Und zwar auch dann, wenn wir die Fußstapfen Luthers an manchen Stellen verlassen sollten.

    Zuletzt, und das ist mir ein großes Herzensanliegen, weil ich das Gefühl habe, dass ich an dem Punkt ständig missverstanden werde: Ich stimme Dir voll und ganz zu, wenn du schreibst „Es geht nicht um Verdienste vor Gott. Jesus sagt nicht, dass die guten Bäume ihre Errettung verdient haben.“ Das habe ich niemals gesagt (und wehre mich deshalb auch dagegen, in eine Schublade mit Trient gesteckt zu werden)…

    Liebe Grüße
    Simon

  31. @Simon: Dann solltest Du doch mit der Aussage: die Frucht ist ein notwendiges Zeugnis der Gnade, zufrieden sein. So sehen es zumindest die Reformierten seit ca. 500 Jahren. Das aber würde bedeuten, dass die Frucht nicht Teil der Rechtfertigung ist. Die Rechtfertigung ist uns fremd, anders als die Heiligung. Liege ich richtig, dass Du das auch so siehst? Was meinst Du denn dann, wenn Du sagst: Diese Werke brauchen wir für die Rechtfertigung?

    Wie schon gesagt, gefällt mir der Begriff „notwendig“ nicht so. Er suggeriert, dass das, was wir mitbringen, eine Not wendet. Aber die Not ist ja schon gewendet. Ich weiß jetzt aber auch nicht, was Calvin da im Lateinischen für ein Wort benutzt hat (necesse?) Und habe auch keine Zeit, zu suchen. Aber ich kann mit der Formulierung leben.

    Mit der futuristischen Rechtfertigung ist das so eine Sache. Die ist ja nicht reformatorisch. Besonders beliebt eben bei Leuten, die die Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium (folglich auch zwischen bedingter und bedingungsloser Gnade) ablehnen. Begründet wird sie damit, dass der Gehorsam flöten geht, wenn die Rechtfertigung schon hier auf Erden geschieht. Die Rechtfertigung ist deshalb an Bedingungen gebunden. Die Bedingung ist Gehorsam (Gesetz). Fuller geht m.W. so weit, dass er eine irdische Heilsgewissheit postuliert (also ein subjektives Wissen darum, dass ich ein Kind Gottes bin). Diese Heilgewissheit, muss sich allerdings bei der futuristischen Rechtfertigung nicht bewähren (wenn sich dort zeigt, dass der Gehorsam nicht ausgereicht hat).

    Wie siehst Du das denn? Ist die Zusage: Du bist mein Kind, nur eine provisorische? Sind die Früchte Folge der Gotteskindschaft oder Gabe zur Gotteskindschaft (die erst im letzten Gericht festgemacht wird). Ich verstehe Dich da noch nicht.

    Aber es macht einen sehr großen Unterschied aus, den man mit Indekativ oder Imperativ betiteln könnte. Es gibt einen umfangreichen und hellen Textbefund, der davon spricht, dass Christen bereits gerichtet sind. Sie sind Heilige, Gotteskinder usw. Der Befund, der für die Behauptung herangezogen wird, dass die eigentliche Rechtfertigung noch bevorsteht, ist hingegen recht dünn und dunkel. Da wird dann Röm 2 oder Mt 12 angeführt und noch die eine oder andere Stelle. Also, konkrete Fragen: Kann ein Christ wissen, dass es Kind Gottes ist? Wie deutest Du die festen Zusagen der Kindschaft, Auferstehung, Erbschaft? Röm 8 spricht doch davon, dass die Gerechtigkeit, die das Gesetz von uns fordert, in uns bereits erfüllt ist. Willst Du solche Texte im Lichte von Mt 12,27, also einer an Pharisäer gerichteten Mahnrede deuten? Anders gefragt: Ist Röm 2,13 oder Eph 1,7 hypothetisch?

    Ich habe Dich übrigens nicht in die Schublade „Trient“ gesteckt. Wenn Du meinen Kommentar sorgfältig liest, wirst Du das erkennen können.

    Liebe Grüße, Ron

  32. @Simon
    Kurze Frage zum Verständnis. Du schreibst:

    Das, was die Diskussion so mühsam macht, ist die oftmalige Vermischung der endgültigen Rechtfertigung, die am Tag des letzten Gerichtes geschehen wird und für die unsere Werke sehr wohl eine Rolle spielen, mit unserem gegenwärtigen Stand vor Gott als durch Glauben Gerechtfertigte.

    Ist unsere jetzige Rechtfertigung (also unsere forensische Rechtfertigung durch den Glauben allein) auch eine endgültige Rechtfertigung oder eine (noch-)nicht-endgültige also nur provisorische Rechtfertigung?

    Und wie verhalten sich die jetzige Rechtfertigung und die Rechtfertigung am Tag des letzten Gerichts zueinander? Ergänzt (bzw. vollendet) die futurische Rechtfertigung etwas, was der jetzigen Rechtfertigung noch fehlt?

  33. Ich weiß, dass John Piper Artikel 37 aus dem Niederländischen Bekenntnis zustimmt. Ich stimme dem auch von Herzen zu. Simon, Du auch? Sorry, dass auch ich jetzt über Bekenntnistexte spreche: 😉

    „Dann werden die Bücher (nämlich die Gewissen) aufgeschlagen werden und die Toten gerichtet werden nach dem, was sie in dieser Welt getan haben, Gutes oder Böses. Dann werden auch die Menschen Rechenschaft ablegen von jedem unnützen Wort, das sie gesprochen haben, wenn auch diese Welt es für Spaß und Scherz nimmt. Überhaupt wird dann alle Heuchelei der Menschen und alle Geheimnisse ihres Herzens öffentlich vor allen aufgedeckt werden. Und deshalb ist der bloße Gedanke an dies Gericht den Gottlosen und Verworfenen mit Recht schrecklich und furchtbar, den Frommen aber und Auserwählten höchst wünschenswert und von großem Trost. Denn dann wird ihre Erlösung erst ganz vollendet werden, und sie werden die lieblichen Früchte ihrer Mühen und Schmerzen, die sie in diesem Leben erduldet haben, erlangen; ihre Unschuld wird dann offen vor allen anerkannt werden, und sie selbst werden wiederum die furchtbare Rache sehen, die der Herr an denen übt, welche ihnen tyrannisch mancherlei Qualen und Beschwerden angetan haben. Die Gottlosen ferner werden durch das eigene Zeugnis ihres Gewissens überführt sein und zwar unsterblich werden, aber so, dass sie in dem ewigen Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, in Ewigkeit gefoltert werden. Dagegen werden aber die Gläubigen und Auserwählten mit der Krone der Herrlichkeit und Ehre beschenkt werden, und der Sohn Gottes wird ihre Namen vor Gott, dem Vater, und seinen heiligen, auserwählten Engeln nennen, und jede Träne wird von ihren Augen getrocknet werden. Dann wird man erkennen, dass ihre Sache, die jetzt als Ketzerei und Gottlosigkeit von den Obrigkeiten und Richtern verdammt wird, die Sache des Sohnes Gottes sei. Und Gott wird ihnen aus Gnade mit solcher Herrlichkeit vergelten, wie keines Menschen Seele sich je vorstellen kann. Wir erwarten daher diesen großen Tag des Herrn mit der größten Sehnsucht, damit wir aller Dinge, die uns von Gott verheißen sind, völlig in Jesus Christus, unserem Herrn, froh teilhaftig werden und in Ewigkeit genießen. Offenbarung 22,20: Ja, komm, Herr Jesus!“

    Liebe Grüße, Ron

  34. @ Ron: Die Aussage „die Frucht ist ein notwendiges Zeugnis der Gnade“ finde ich sehr passend. Nur stellt sich halt die Frage (wie Du ja selber angemerkt hast), was man unter notwendig versteht – ich sage: zwingend erforderlich – und wofür das Zeugnis notwendig ist – ich sage: notwendig im letzten Gericht als Erweis dessen, dass wir wahre Nachfolger Christi sind. Wenn Du mir hier zustimmst, sind wir beieinander (aber ich nehme an, das tust Du nicht). Die Etymologie von notwendig im Sinne von „eine Not wenden“ ist ein interessanter Hinweis, den ich so noch nicht bedacht hatte, aber natürlich habe ich das Wort niemals in diesem Sinne gebrauchen wollen (ich muss Dir nicht erklären, dass Etymologie manchmal irreführend ist, wenn es um die Verwendung eines Begriffs in der Gegenwart geht).

    Dein Hauptproblem scheint die futuristische Rechtfertigung zu sein. Meine Begründung für dieselbe sind und bleiben biblische Aussagen zum letzten Gericht. Wir müssen alle eines Tages vor dem Richterstuhl Christi erscheinen (2Kor 5,10), wo Gott jeden Menschen anhand seiner Taten richten wird (Röm 2,6; 1Petr 1,17 und zahlreiche andere Stellen). Dies zu leugnen, heißt eine grundlegende biblische Lehre zu leugnen. Und der Befund dafür ist m.E. alles andere als klein. Aber selbst wenn es nur Mt 12,37 gäbe, so könnte man diese Stelle nicht einfach so beiseite schieben.

    Ich komme zu deinen konkreten Fragen:
    „Kann ein Christ wissen, dass es Kind Gottes ist?“ Ja (Röm 8,15-16).
    „Wie deutest Du die festen Zusagen der Kindschaft, Auferstehung, Erbschaft?“ Sie sind (noch nicht ganz vollendete) Realität. Wir befinden uns in einer Spannung zwischen „already“ und „not yet“. Aber Gott hält sein Wort. Immer.
    „Röm 8 spricht doch davon, dass die Gerechtigkeit, die das Gesetz von uns fordert, nun schon erfüllt ist.“ Ich nehme an du beziehst dich auf Röm 8,4? Hier muss ich Dir (und im Übrigen auch Calvin) widersprechen. Röm 8,4 bezieht sich auf unsere Heiligung. Der Text sagt: Die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit wird IN uns erfüllt, nicht FÜR uns.
    Willst Du solche Texte im Lichte von Mt 12,27, also einer an Pharisäer gerichteten Mahnrede deuten? Die Frage verstehe ich nicht ganz. Natürlich will ich die Einzelstellen im Lichte der biblischen Gesamtaussage verstehen. Aber gleiches gilt auch andersrum: Die Gesamtaussage ist nur zu verstehen, wenn wir jede einzelne Stelle ernst nehmen.
    „Anders gefragt: Ist Röm 2,13 oder Eph 1,7 hypothetisch?“ Nein, ich sehe momentan weder Anlass Röm 2,13 noch Eph 1,7 als hypothetisch zu betrachten.

    @ Adler: Kurz zum Verhältnis von gegenwärtiger und zukünftiger Rechtfertigung: Der Ausdruck „Rechtfertigung“ ist immer forensischer Natur, er bezieht sich auf die Verurteilung vor Gericht. Unser endgültiger Freispruch steht jedoch erst noch aus. Dies wird keiner leugnen, der die biblischen Stellen zum letzten Gericht ernst nimmt. Unsere Rechtfertigung in der Gegenwart (durch Glauben) kann also nur eine Vorwegnahme der zukünftigen Rechtfertigung (durch Werke) sein. Jak 2,21.23 erklärt dieses Prinzip sehr eindrücklich: „Wurde nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerechtfertigt, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar darbrachte? … Und so erfüllte sich die Schrift, die spricht: Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.“ Durch das Werk Abrahams erfüllte sich / wurde das vollendet, was schon zuvor für ihn durch Glauben galt: Seine Gerechtigkeit vor Gott.

    Liebe Grüße
    Simon

  35. @ Ron: Ja, dem Artikel kann ich zustimmen (abgesehen davon, dass ich nicht weiß, wie sie von den Büchern auf die Gewissen kommen) 😉

  36. Philipp meint:

    1Petr 1,17 ist nicht Futur, sondern Präsens und meint somit die Züchtigung

  37. @ Philipp: Danke für den Hinweis, aber κρίνοντα ist in dem Fall ein Partizip und kein finites Verb. Wie ich meine ein substantiviertes Partizip (man beachte den Artikel τὸν), das deutlich macht, dass Gott eines jeden Richters ist. Ich bin kein Griechisch-Experte und mag falsch liegen, aber auch der Zusammenhang lässt für mich nicht erkennen, warum es hier um Züchtigung gehen sollte…

  38. @Simon: Dem ersten Absatz stimme ich zu. Damit sind wir uns einig: Die Frucht rettet nicht. Sie ist Zeugnis der, nicht Beitrag zur Rechtfertigung.

    Möglicherweise! Wenn ich dann nämlich lese, dass Abraham Deiner Meinung nach durch die Werke seine Glaubensrechtfertigung vollendet hat, dann zweifle ich wieder daran, dass Du es wirklich so meinst. So sagt es Trient! Trient lehnst Du jedoch ab. Diffusion.

    Ab der Gotteskindschaft habe ich einige Schwierigkeiten. Gotteskindschaft als Zusage mit Gewissheit, ok. Bei Röm 8 können wir uns wahrscheinlich einigen. Es stimmt beides. Christus versetzt uns durch die Gerechtmachung in die Lage, das Gesetz Christi zu erfüllen.

    Aber: Das letzte Gericht ist die Öffentlichmachung der erfolgten persönlichen Rechtfertigung. Die Erlösten werden nicht nochmals „gerechtfertigt“, ihre Rechtfertigung wird vor allen Menschen bestätigt. Ich habe den Eindruck, dass gemäß Deiner Auffassung die Rechtfertigung in eine nächste Instanz geht und uns die Sorge beschäftigen muss, dass das Urteil der ersten Instanz widerrufen werden könnte. Gerichtet werden jedoch die Werke der Erlösten. Die Frucht ist Signum ihres erneuerten Herzens. Deshalb freuen sie sich auf das Gericht, wie ja das Niederländische Bekenntnis so wunderschön sagt. Sie erwarten es. Sie sehnen sich diesen Tag herbei! Indikativ, große Sehnsucht, Trost, unaussprechliche Freude (1Petrus 1,8)!

    Liebe Grüße, Ron

  39. @ Ron: Wahrscheinlich ist „vollendet“ nicht der beste Begriff, bleiben wir bei „erfüllt“. Jakobus sagt, die Aussage der Schrift in 1Mo 15 („Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“) hat sich in 1Mo22 – also zeitlich sehr viel später – dadurch erfüllt, dass Abraham bereit war, seinen eigenen Sohn zu opfern. Wäre Abraham nicht im Gehorsam gegenüber Gott gewandelt, so wäre die Aussage der Schrift in 1Mo 15,6 bloß eine „leere Worthülse“ gewesen. Nun ist das natürlich nicht möglich: Gottes Wort erfüllt sich immer.
    Deshalb sage ich: Auch in Bezug auf uns gilt, dass sich die Zusage Gottes „du bist durch Glauben gerechtfertigt“ erfüllen wird in unserem Gehorsam, in konkreten Werken. Es ist dieser Gehorsam, diese gute Frucht, auf die Gott am Ende der Zeiten verweisen wird, um der Welt zu beweisen, dass er darin gerecht handelt, uns sein Reich erben zu lassen (vgl. Mt 25,34-36 – man beachte das einleitende „denn“ in V.35).

    „Ich habe den Eindruck, dass gemäß Deiner Auffassung die Rechtfertigung in eine nächste Instanz geht und uns die Sorge beschäftigen muss, dass das Urteil der ersten Instanz widerrufen werden könnte.“
    –> Das ist ein falscher Eindruck. Gottes Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen. Sorgen muss man sich dennoch machen, wenn das eigene Leben keine Frucht aufweist. Nicht, weil „das Urteil der ersten Instanz“ widerrufen werden könnte, sondern weil „das Urteil der ersten Instanz“ vielleicht bisher niemals zu unseren Gunsten ausgefallen ist. Eine biblische Sichtweise des letzten Gerichts wird uns davor bewahren, eine billige Gnade, Gnade als Schleuderware, zu verkündigen.

  40. Reformhaus meint:

    Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.

    Der arme Schächer am Kreuz! Er hatte keine Werke – und ist doch eins der leuchtendsten Beispiele für Gottes Gnade!

    Hallelujah unserem gnädigen Gott!

    @Simon
    Was Du treibst, ist Scholastik. Der ganze Luther und mit ihm 500 Jahre haben sich geirrt. Das ist unfassbar.

  41. @ Reformhaus: Der Schächer am Kreuz hat sich mit seinen Worten auf die Seite Jesu Christi gestellt. Er hat ihn verteidigt vor dem anderen Verbrecher, der sich über Christus lustig machte. Das passt perfekt zu Mt 12,37.

    Ich habe nichts gegen Leidenschaft, aber irgendwo muss eine sachliche Grundlage gewahrt bleiben. Mir Scholastik zu unterstellen, trägt nichts zur Diskussion bei. Ich bin gerne bereit umzudenken, wenn man mir exegetisch nachweist, wo ich falsch liege (und meine, mit diesem Prinzip Luther ganz auf meiner Seite zu haben). Bisher ist das noch nicht geschehen.

    Übrigens gab es in den 500 Jahren viele Stimmen, die – wenn es um das letzte Gericht nach Werken geht – auf meiner Seite stehen (Menno Simons, Jonathan Edwards, Charles Spurgeon, John MacArthur, John Piper…).

  42. Ich habe erfahren, dass man Heilsgewissheit bekommt, wenn man glaubt, dass man schuldig ist vor Gott und Jesus diese Schuld übernommen hat. Wie der Schächer am Kreuz: Er war in einer existenziellen geistlichen Not um sein Heil, er konnte nur noch glauben, aber keine Werke mehr vollbringen. Erst wenn ich nicht mehr glaube, dass Schuld zwischen mir und Gott steht und es dafür eine Lösung geben muss, gibt es ein m. E. ein Problem mit dem ewigen Heil (Abfallproblematik).

    Anders ist es beiden denen, die nicht in einer existenziellen geistlichen Not sind, und Jesu Worte einfach mal anhören, damit jonglieren und sich sogar riesige theologische Systeme mit bauen, aber ihren Worten nicht Taten folgen lassen. Durch den mangelnden Glaubensgehorsam beweisen sie, dass sie eigentlich gar nicht glauben, sprich: die Problematik gar nicht existenziell ernst nehmen, dass sie eine Lösung für ihr Schuldproblem brauchen (Haus auf Sand).

    Wer dagegen, wie Abraham, Glaubensgehorsam an den Tag legt, den wird Gott zu weiteren Glaubensschritten (bewiesen durch Werke) anreizen (non cogit, sed trahit), damit der Glaube wächst und sogar vollendet wird (Jak. 2,22).

  43. @Simon: Du mischt wieder die Heiligung unter die Rechtfertigung. Egal, ob Du von „vollendet“ oder „erfüllt“ sprichst. Was Jesus getan, reicht nicht aus. Wir müssen noch etwas hinzufügen, wenn es auch nur die „Erfüllung der Rechtfertigung“ ist.

    Nehmen wir mal Titus 3,5:

    Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung. Das ist gewisslich wahr. Und ich will, dass du dies mit Ernst lehrst, damit alle, die zum Glauben an Gott gekommen sind, darauf bedacht sind, sich mit guten Werken hervorzutun. Das ist gut und nützt den Menschen.

    Gott hat uns durch Christus gerettet. Das ist bereits geschehen (Aorist). Wir sind Erben ewigen Lebens, dies dürfen wir wissen und hoffen (weil es kommt). Unsere Werke spielen da keine Rolle. Die Rechtfertigung ist Voraussetzung der guten Werke. Das sollen wir lehren. Aus dieser Gewissheit (und Freude) erwachsen die guten Werke.

    Oder 2Tim 1,9:

    Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, für das ich eingesetzt bin als Prediger und Apostel und Lehrer. Aus diesem Grund leide ich dies alles; aber ich schäme mich dessen nicht; denn ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiss, er kann mir bewahren, was mir anvertraut ist, bis an jenen Tag.

    Du wirst jetzt sagen: Ja, das ist Gottes Wort. Ich glaube das auch. Ich sage das auch. Aber wir sollten auch auf das „So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein“ achten? (Jak 2,24).

    Aber irgendwie kann eben nicht Beides gleichzeitig im gleichen Sinn richtig sein (was ja Luther bekanntlich auch große Probleme bereite). Nun, Jakobus spricht in einem anderen Kontext und Sinn über Rechtfertigung als Paulus. Er spricht zu Leuten, die meinen, zu glauben und bei denen deshalb keine Früchte erkennbar sind. Er spricht zu Leuten, die einen „Hohlglauben“ haben, über den Missbrauch der freien Gnade.

    Wir kommen nicht auf einen Nenner, Simon. Du willst Gott groß machen, aber Du machst ihn klein, und den Menschen groß. Leute, die auf Dich hören, werden wohl vermehrt auf sich schauen. Auf ihre Werke. Einige werden stolz, andere verzweifeln. Es ist wirklich traurig! Du brauchst mir (uns) auch sprachlich nicht entgegenkommen. Denn Du meinst nicht, was Du dann sagst.

    Liebe Grüße, Ron

  44. Hier noch ein Nachtrag, und dann verabschiede ich mich.

    Daniel Fuller, schreibt in seiner Kritik von Luther und Calvin über die Rechtfertigung (The Unity of the Bible: Unfolding God’s Plan for Humanity, Kapitel 19):

    These two facts from Abrahams life thus lead to the thesis that the condition for justification is persevering faith. This view is supported not only by the virtual impossibility of supposing he was God’s enemy even after his first act of faith in leaving Chaldea, but also by Paul’s use of Genesis 15:6 for Abraham’s act of faith twenty-four years later (discussed in the preceding chapter), when at the age of almost one hundred he was told that he would have a son by Sarah, then ninety and barren all her life (Gen. 17; Rom. 4:17-22).

    Thus Calvin too should have taught that justification depends on a persevering faith, since he regarded Abraham as already justified when Genesis 15:6 occurred. But inconsistent with his last statement quoted just above, he insisted that “Abraham had been justified by his faith when Ishmael was as yet not conceived, who had already reached adolescence before Isaac was born. How, then, shall we say that he obtained [imputed] righteousness by an obedience that followed long after [Gen. 15:6]?” (20:816 [3.17.12]). These several inconsistencies in his attempt to harmonize James and Paul regarding Abraham’s justification therefore confirm our thesis that justification does depend on persevering faith.

    Das wird es sein, was Du meinst: Die Bedingung für die Rechtfertigung ist der beharrliche Glaube bzw. der Gehorsam. Genau hinhören: Nicht die Konsequenz der Erlösung, die Frucht der Rechtfertigung oder der Erfüllung mit dem Heiligen Geist, sondern eine Vorbedingung!

    Liebe Grüße, Ron

  45. Was bedeutet denn Hebr. 4,10: Denn wer zu seiner Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken gleichwie Gott von seinen?

  46. @Simon
    Du schreibst:

    Unser endgültiger Freispruch steht jedoch erst noch aus.

    Nein, das sehe ich anders. Ich vertrete, dass unsere (bereits erfolgte) Rechtfertigung (durch Glauben allein) schon der letzte und endgültige Freispruch ist. Das schließt natürlich nichts aus, dass wir uns nach unserem Tod vor Gott für alles verantworten müssen. Aber – und das ist das Entscheidende – während uns dann der Teufel vor Gott verklagen wird, stehen wir schon als bereits Freigesprochene da. Natürlich wird dann alles ans Licht kommen. Aber das Heilsurteil steht schon von vornherein fest, weil es bereits gefällt wurde, als wir (durch Gottes Gnade) zum Glauben kamen und ab diesem Moment für 100% und unwiderruflich freigesprochen wurden. Uns wurden da nämlich ALLE Sünden vergeben. Mehr geht nicht!

    Schließt das nun aus, dass wir gute Werke tun müssen (und können und werden)? Nein, natürlich nicht! Ich glaube sogar, dass manche guten Werke sogar heilsrelevant sind. Aber es wird kein neues oder weiteres oder endgültiges Heilsurteil mehr gesprochen. Es wurde schon gesprochen!

  47. Reformhaus meint:

    @Simon

    Es stimmt: Deine Lehre führt zu kaltem Stolz oder in die Verzweiflung.

    Mit Exegese ist das so wie mit der Forderung nach einem Beweis: Du wirst exegetisch nur das annehmen, was dir passt. Dein Eifer ist gut. Doch du hast damit das Evangelium zerstört und vernichtet. Der Mensch wird wieder auf sich zurückgeworfen. Ich attestiere dir einen Mangel an Selbstschau und an Selbstzweifel. Du zerstörst Menschen, die ängstlich sind und sich nach Erlösung sehnen – in deiner Welt gibt es keine Hoffnung auf das Heil, sondern nur auf die Genugsamkeit der eigenen Werke.
    Wärest du Luthers Zeitgenosse … ich selbst getraue mich nicht, dir das zu sagen, was Luther dir gesagt hätte.
    Aber alles, was du sagst, klingt nach der Aussage: Hier ist ein größerer als Luther.
    Nimm die Polemik ruhig entgegen, mit großer Sachlichkeit sozusagen.

    Wer das Evangelium zerstört und eine Werksgerechtigkeit daraus macht, und das machst du, und sei es auch Spurgeon oder Edwards und die vielen anderen, der wirft die Sünder in die Hände eines zornigen Gottes. Das sollst du bedenken.
    Damit ist die Sünde des Menschen größer als Gottes Gnade.
    Das alles folgt notwendig aus deiner Exegese. Und hier wird keine Not gewendet, sondern eine erzeugt.
    Kennst du denn Christen, die keine Werke haben?
    Und welche Werke meinst du? Oder verwendest du das Wort nur als Schablone?

    Ich will jetzt auch endlich eine Antwort auf meine Frage haben:
    Sind mir meine unnützen Worte, für die ich Gott mehrmals um Vergebung gebeten habe, nun vergeben, oder muss ich mich im Gericht dafür verantworten? Antworte!

  48. John Piper (Future Grace, 1995, Vorwort):

    „Daniel Fuller’s vision of the Christian life as an “obedience of faith” is the garden in which the plants of my ponderings have grown. Almost three decades of dialogue on the issues in this book have left a deep imprint. If I tried to show it with footnotes, they would be on almost every page. His major work, The Unity of the Bible (Zondervan Publishing House, 1992), is explanatory background to most of what I write.“

    John Piper (Future Grace, 1995, S. 206–207):

    „I stand shoulder to shoulder with Daniel Fuller and the conviction of his book, Unity of the Bible, that ‚a faith that only looks back to Christ’s death and resurrection is not sufficient… Forgiveness for the Christian also depends on having, like Abraham, a futuristic faith in God’s promises. Thus we cannot regard justifying faith as sufficient if it honors only the past fact of Christ’s death and resurrection but does not honor the future promises of God, thus mocking his character and integrity.“

    Fuller (Fuller, Daniel. The Unity of the Bible, Kapitel 19):

    „Was not our ancestor Abraham considered righteous [justified] for what he did [by works] when he offered his son Isaac on the altar? You see that his faith and his actions were working together, and his faith was made complete by what he did [by works]. And the scripture was fulfilled that says, ‚Abraham believed God, and it was credited to him as righteousness‘ [Gen. 15: 6]… You see that a person is justified by what he does [works] and not by faith alone. (James 2: 21—24)“

    Paulus, Röm 4,1ff:

    „Was sagen wir denn von Abraham, unserm leiblichen Stammvater? Was hat er erlangt? Das sagen wir: Ist Abraham durch Werke gerecht, so kann er sich wohl rühmen, aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? »Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden.« (1.Mose 15,6) Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus Pflicht. Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.“

    Liebe Grüße, Ron

  49. Reformhaus meint:

    Hallelujah unserem gnädigen Gott! Ich möcht’s gleich zig mal wiederholen!

    @Lieber Herr Piper,

    welches aufrichtige Kind Gottes ehrt denn die „vergangene Tatsache des Todes und der Auferstehung Christi“ und missachtet die zukünftigen Verheißungen Gottes und verspottet (!) damit Gottes Charakter und seine Integrität?

    Konstruieren Sie damit denn nicht einen falschen Disjunktiv?

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