Endgültige Rechtfertigung: Baxter oder Owen?

Die Puritaner Richard Baxter (1616–1691) und John Owen (1616–1683) haben beide ein bewegtes Leben geführt, bedeutende Bücher geschrieben und zeitweise sogar zusammen gearbeitet. (Tim Cooper hat die komplizierte Beziehung der beiden Theologen in seiner Arbeit John Owen, Richard Baxter and the Formation of Nonconformity untersucht.) Die Werke der Spätpuritaner werden noch heute in reformierten Kreisen gern gelesen (und nicht nur dort). Baxter hat vor allem durch sein Buch Der reformierte Pastor bleibenden Einfluss auf das Denken von Geistlichen. Owen wird wegen seiner hohen Sicht des Heiligen Geistes gern studiert.

Weniger bekannt ist, dass Baxter und Owen unterschiedliche Auffassungen auch in solchen theologischen Fragen hatten, die den Kern der reformatorschen Theologie, also die Soteriologie, betreffen (Wie wird der Mensch gerettet?).

Während Richard Baxter die Anrechnung (Imputation) des aktiven und passiven Gehorsams (und der Gerechtigkeit) von Jesus Christus ablehnte (wie heute etwa auch N.T. Wright), war dieser Punkt für John Owen zentral für das richtige Verständnis des Evangeliums. Und während für Baxter ein Mensch durch die Rechtfertigung aus Glauben und seinen Gehorsam errettet wird, hielt Owen daran fest, dass der begnadigte Sünder allein durch Glauben und die Anrechnung des Erlösungswerkes von Jesus Christus erlöst wird. Freilich erzeugt der Glaube auch für Owen Werke der Liebe. Doch diesen Werken kommt keine soteriologische Funktion zu. Sie entstehen auf natürliche Weise als Frucht des Geistes, weil der Mensch errettet ist. Sie werden also in der Heiligung verortet. Für Baxter hat die Rechtfertigung des Sünders auf Erden hingegen nur einen provisorischen Charakter. Die zukünftige (o. endgültige) Rechtfertigung erfolgt im letzten Gericht und bezieht die Werke des Gläubigen mit ein. Denn: „Wenn gute Werke oder aufrichtiger Gehorsam zu Christus, unserem HERRN, nicht Teil der Bedingungen für unsere vollständige Rechtfertigung sind, wo würde das enden?“ (Aphorismes of Justification, S. 325). „Unsere vollständige Rechtfertigung und unsere ewige Errettung haben die gleichen Bedingungen unsererseits. Und aufrichtiger Gehorsam ist ohne jeden Zweifel eine Bedingung für unser Heil: also auch für unsere Rechtfertigung“ (ebd., S. 311). John Owen war hingegen – meiner Meinung nach zurecht – so besorgt über die Rechtfertigungslehre von Baxter, dass er ihr eine eigene Ausarbeitung widmete („Gospel Grounds and Evidences“, in: The Works of John Owen, Bd. 5, Edinburgh: T&T Clark, S. 401–457).

Wer tieferen Einblick in die Debatte (und ähnliche reformierte Kontroversen der Gegenwart) erhalten möchte, sollte sich dieses Interview mit R. Scott Clark anhören.

 

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Schlotti

Ich habe die Debatte um Piper nur am Rand mitbekommen. Sie entzündete sich wohl an der Aussage von Piper, dass es nicht stimme zu sagen, die Rettung (salvation) geschehe sola fide. Piper wollte wohl Platz für die Aussagen im NT lassen, die vom Gericht sprechen, in denen die Werke durchaus eine Rolle spielen. Man sollte allerdings beachten, dass Piper niemals die Rechtfertigung sola fide leugnen würde! Dann ging es hin und her, wobei sogar die Frage diskutiert wurde, ob auch die Heiligung allein aus Glauben geschehe. Ich muss sagen, dass mir diese Debatte gegen den Strich ging und geht. Denn manchmal habe ich das Gefühl, die Leute kämpfen um die Formulierungen bzw. sind erst bereit die Rechtgläubigkeit von jemandem anzuerkennen, wenn dieser genau die selben Worte gebraucht wie man selbst. Clark ist ein Historischer Theologe. Interessant, dass Mark Jones, ebenfalls ein großer Kenner der Puritaner, vehement Partei für Piper ergriffen hat. Ich fand seine Mahnung sehr gut, dass wir in… Weiterlesen »

Schlotti

@Ron Ich bin etwas ausführlicher auf Piper und Clark eingegangen, weil letzterer sich intensiv zur Debatte geäußert hat. Sein Beitrag über Baxter (auf seinem Blog) dient m.M.n. dann auch nur dazu zu zeigen, dass die falsche Lehre von heute ihren Ursprung früher hat. Was die Formulierung von Piper angeht, gebe ich dir 100%ig recht! Als ich einige Zitate von ihm zum Thema gelesen habe, haben sich bei mir die Nackenhaare aufgerichtet. Zum Beispiel zu sagen, dass die Rechtfertigung allein aus Glauben geschieht, es aber falsch sei zu sagen die Rettung bzw. das Heil sei allein aus Glauben, halte ich nicht nur für missverständlich, sondern irreführend. Da macht man ein Fass auf, das es meiner Meinung nach nicht wert ist. Selbst wenn er (wie Jones meint) einige Puritaner auf seiner Seite hat. Ich kann z.B. gut mit der Aussage leben, dass gute Werke die notwendige Konsequenz/Folge der Rechtfertigung allein aus Glaube sind. Ich finde übrigens die Verteidigung Frames von Shepherd überzogen.… Weiterlesen »

toblog

Hallo zusammen, ich denke, sobald in irgend einer Weise eine Kooperation meinerseits, d. h. des alten Lebens, des Fleisches zur Erlangung oder zum Behalten des Heils erwartet wird, stehen wir nicht mehr auf dem Boden des NT. Ich befürworte also klar die Owen-Position. Wenn das Heil in irgendeiner Weise von mir abhängt, kann es keine Heilsgewissheit geben! Meine Heilsgewissheit beruht darauf, dass ich Teil des auferstandenen Lebens Jesu bin, welches nicht mehr sterben kann. Erst wenn ich glaube, dass ich Jesus, sein Kreuz und seine Auferstehung nicht mehr brauche, gibt es ein Problem. Gott hat sich durch die Auferweckung des Sohns einen neuen Menschen geschaffen, dessen Leben gegenüber den Ansprüchen des Todes grundsätzlich resistent ist, rechtlich komplett abgesichert. Einfach aus dem Grund, weil diesem Leben alle nur denkbare Sünde auferlegt wurde (zur Sünde gemacht), dem Tode sein Recht gegeben wurde und es dann vom Vater begnadigt und auferweckt wurde (2. Kor. 5,21). Diese Gedanken habe ich auf meiner Seite http://churchinbalance.de/kann-gott-bedingungslos-vergeben/… Weiterlesen »

Simon

Hallo Ron, danke für das Video und die Infos zu Owen und Baxter. Bezeichnend finde ich, dass auch in diesem Video die von Piper zahlreich angeführten Belegstellen nicht zur Sprache kommen. Man beschränkt sich in der eigenen Exegese auf die Bibelstellen, die einem halt ins Konzept passen und die angeblich so viel leichter zu verstehen sind (die schwierigen werden dann gar nicht mehr erörtert). Ich stimme Schlotti zu, dass hier sola scriptura oft nur in der Theorie hochgehalten wird – in der Praxis sind es bestimmte Bekenntnisse oder das eigene theologische System. Schade. Dass es eine zukünftige Rechtfertigung geben wird, die im Zusammenhang mit unseren Werken bzw. Worten steht, machen Stellen wie Mt 12,37 m.E. sehr deutlich: „Denn nach deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden (δικαιωθήσῃ – Futur Passiv Indikativ), und nach deinen Worten wirst du verurteilt werden (καταδικασθήσῃ – ebenfalls Futur Passiv Indikativ).“ Ich stimme Calvin zu, dass unsere Werke ein Zeugnis sind, oder anders ausgedrückt: Der Erweis der… Weiterlesen »

Ernst R.

Von welchen Werken ist immer die Rede?

Immer ist von guten Werken die Rede. In tausend Büchern.
Nur noch nie hab ich gelesen, welche Werke das sind.
Ich bitte um Aufzählung einiger wichtiger Werke.

Simon

Hallo Ron,

auf die Frage, wofür die Werke notwendig sind, hatte ich schon eine Antwort gegeben: Für die Rechtfertigung am Tag des Gerichtes Gottes.

Ich belasse es bei einem Zitat Jesu: „Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Mt 7,19)

LG Simon

Simon

: Ich möchte (gemeinsam mit Piper und anderen Theologen) das hochhalten, was das klare Zeugnis der Schrift ist. Gute Werke sind notwendig, um das ewige Leben zu ererben. Notwendig im Sinne von „im Zusammenhang mit etwas nicht zu umgehen; unbedingt erforderlich; unerlässlich“ und nicht bloß „in der Natur der Sache liegend“.
Ich könnte noch weitere Schriftstellen zitieren, aber scheinbar werden die ja sowieso nur ignoriert – womit wir wieder bei meinem Anfangskommentar angelangt wären.

LG Simon

Simon

@ Ron: Das möchte ich anzweifeln. Deine These ist, dass Werke im letzten Gericht für unser Heil keine Rolle spielen. Du widersprichst in Deinem Beitrag Baxter, für den die zukünftige/endgültige Rechtfertigung die Werke des Gläubigen mit einbezieht.

Nun spricht aber Jesus in Mt 12 genau von solch einer zukünftigen Rechtfertigung (man beachte das Tempus) und betont, dass sie aus unseren Worten geschehen wird. Ich frage Dich, wie Du Dich aus dieser Nummer „rauswinden“ willst?

Mt 7 ist eine Bestätigung dessen, dass es bei all dem nicht bloß um ein Preisgericht (oder wie auch immer man es nennen mag) geht, sondern um die Frage Himmel oder Hölle: Wenn ein Baum keine Frucht hat, wird er abgehauen. Dass die Frucht also notwendig (im Sinne von unumgänglich) ist, um nicht in das ewige Feuer einzugehen, liegt m.E. klar auf der Hand.

LG Simon

Schlotti

@Simon Was ich an der Formulierung die Ron von Calvin gepostet hat, so gut finde, ist ihre Ausgewogenheit. Gute Werke sind die notwendigen Zeugnisse der Gnade. Die Guten Werke folgen auf die Gnade, sind nicht deren Voraussetzung. Meiner Meinung nach gehst du aber zu weit, indem du die Werke im letzten Gericht zur Voraussetzung für das ewige Leben erklärst. Das ist für mich genau die Irreführung, die Piper durch seine Aussagen provoziert. Natürlich möchte ich nicht für Ron sprechen, aber du schreibst, für ihn spielen Werke im Gericht für das Heil keine Rolle. Ich würde sagen es kommt darauf an, wie man „Rolle spielen“ und „Heil“ versteht. Für mich ist die klare Aussage der Schrift, dass Werke im letzten Gericht nicht die Rolle spielen, mir das ewige Leben erworben zu haben. Dieses beruht ganz auf Gottes Gnade, in Jesus Christus. Aber das heißt doch nicht, dass damit Werke überhaupt keine Rolle spielen. Deshalb ist die Aussage so wichtig „notwendige Zeugnisse… Weiterlesen »

Alexander

Pardon, wenn ich mich hier einmische. Aber Mt 7,19 ist gewiss kein Beweisstück für die Behauptung, gute Werke wären notwendig, um im Letzten Gericht gerechtfertigt zu werden. Es geht doch im Kontext nicht um „Rechtfertigung“, sondern um die Unterscheidung zwischen wahren und falschen Propheten. Die wahren Propheten erkennt man an ihren guten Früchten, die sich durch ihre Verkündigung „bei anderen“ und „für andere“ ergeben. Bei den falschen Propheten trägt ihre Verkündigung keine gute Frucht, sie werden letztlich abgehauen. Das ist doch ein ganz anderes Thema als die Rechtfertigung des Sünders.

Simon

@Ron: Es wiederholt sich das, was ich schon in meinem Eingangskommentar angemerkt habe: Die gründliche Exegese wird vermieden, stattdessen werden Bekenntnisse oder Kirchenväter zitiert. Wo bleibt das sola scriptura? Wo bleibt der aufrichtige Umgang mit der Heiligen Schrift? Mich nun einfach in eine Schublade mit Trient zu packen, ist reine Polemik. War Calvin etwa unfehlbar? Er wäre wahrscheinlich der erste, der das entschieden zurückweisen würde! Man lese dazu Carsons „Stolpersteine der Schriftauslegung“ Kapitel 3.18: „Man macht es sich (zu) einfach und beruft sich auf Autoritäten“! Ich habe mein Verständnis von Mt 12 und Mt 7 dargelegt. Solange mir niemand aufzeigt, wo ich exegetisch falsch liege, bleibe ich bei meiner Meinung. @ Alexander: Du hast Recht, Jesus bezieht sich in Mt 7 u.a. auf wahre/falsche Propheten. Dabei geht es jedoch nicht um die Frucht, die sich durch ihre Verkündigung „bei anderen“ oder „für andere“ ergibt – das hast Du in den Text hineingeschmuggelt. Nein, es geht um IHRE (eigene) Frucht, wie… Weiterlesen »

Reformhaus

@Simon „Ich hab mein Sach auf nichts gestellt“ – das sagt der Ungläubige mit seinem Leben aus. Ich hab mein Sach Gott heimgestellt (Jesus anheimgestellt), so dichtet Goethe einmal. Mein Hoffen, mein Sehnen, meine Zuversicht – auch das sind „Werke“, Taten, Handlungen, denn es ist ein inneres Tun. Und wenn ich aus dem Supermarkt komme, verschließe ich auch mein Herz nicht vor dem Bettler. Aber ich habe keine Scharen bekehrt (leider) wie Richard Baxter oder John Owen. Ich hätte gerne. Vielleicht kommt’s ja noch? Du liegst exegetisch dort falsch, wo Du nicht zwischen Gesetz und Evangelium unterscheidest. Du liegst exegetisch dort falsch, wo Du nicht siehst, dass Jesus an dieser Stelle keine Handreichung für seine Anhänger gibt, sondern den Menschen mit sich selbst konfrontiert. Damit er vor ihm auf die Knie fällt und ihn um Vergebung bittet, ihn um Barmherzigkeit bittet. Damit er Jesus anbetet und sagt: Herr, wirke Du in mir die Werke, die Du willst! Für alle anderen… Weiterlesen »

toblog

Ich denke, die theo-logischen Schwierigkeiten bei der richtigen Einordnung der Werke resultieren daher, dass man zwischen der Funktion des Bluts Christi und der des Leibes Christi nicht unterscheidet. Mir hat man die Unterschiede nie erklärt. Lange dachte ich, es handle sich bei beidem um dieselbe Symbolik dafür, dass Jesus für mich starb und meine Sünden wegnimmt.

Schlotti

Leider sind zwei meiner gestrigen Kommentare irgendwie nicht durchgekommen. Muss an meinem Computer liegen. Daher ein erneuter Versuch. @Simon Ich glaube in deinem Verständnis sind die Werke schon an der Erlangung des Heils beteiligt. Ich empfinde die Formulierung von Calvin, die Ron zu Beginn gepostet hat, als sehr treffend und ausgewogen: „Gute Werke sind die notwendigen Zeugnisse der Gnade“. Hier wird m.M.n. das biblische Zeugnis gut zusammengefasst. Die Rechtfertigung, Rettung, das ewige Leben sind ein Werk der Gnade. Wir steuern nichts dazu bei, außer unsere Sünde. Diese Gnade jedoch ist wirksam. Sie verändert, sodass sie notwendig ein verändertes Leben hervorbringt. Die Werke sind Folge, nicht Voraussetzung der Rechtfertigung oder des ewigen Lebens. Die Formulierung zeigt aber, dass sie nicht wünschenswert oder erstrebenswert sind, sondern notwendig. Aber eben notwendiges Zeugnis! Deine Meinung kann von den missverständlichen Formulierungen Pipers her kommen. Ich möchte allerdings nichts unterstellen. Wobei ich auch bezweifle, dass Piper dir zustimmen würde. Das zu sagen ist allerdings nicht so… Weiterlesen »

Alexander

@Simon: Okay, dann nehmen wir bei Mt 7 das „für andere“ und „bei anderen“ raus. Die exegetischen Argumente sprechen auch so hinreichend gegen Deine Interpretation: Nach der allgemeinen Warnung, durch die enge Pforte zu gehen, folgt in Mt 7,15-23 eine Sonderwarnung, nämlich einerseits *vor* den falschen Propheten und zweitens *an* die falschen Propheten. VV. 19 und 21 behandeln sicher nicht allgemein die individuelle Rechtfertigung des Sünders. Damit würde man die beiden Verse in einen Sinnzusammenhang verpflanzen, in dem sie nicht stehen.

Adler

@Ron Was mir Sorgen macht, ist die Tatsache, dass Du tatsächlich Deinen Werken eine heilswirksame Funktion zuzuschreiben scheinst. Ich kann diesen Einwand an Simon verstehen. Aber andererseits könnte man Dich fragen: Würdest Du denn Deinem Glauben eine heilswirksame Funktion zuzuschreiben? Also ist der Glaube heilsnotwendig oder werden wir ohne den Glauben gerettet? Da Du sicherlich den Glauben für heilsnotwendig hältst, könnte man dagegen argumentieren, dass diese Sichtweise das Sühneopfer relativieren würde. Denn wenn Christus für die Erwählten gesühnt hat, warum müssen sie dann noch glauben? Reicht das Sühneopfer nicht aus? Meine Meinung ist: Die Tatsache, dass der Glaube heilsnotwendig ist, ist (an sich noch) keine Relativierung des Sühneopfers. Doch wenn das so ist, warum sollte es dann ein Problem sein, (bestimmten) guten Werken eine heilswirksame Funktion zuzuschreiben? (Ich setzte natürlich voraus, dass es keinen freien Willen gibt.) Andere Frage: Ist es heilsnotwendig zu sterben (wenn Jesus nicht wiederkommt)? Können wir in den Himmel kommen, ohne zu sterben? Der Tod ist… Weiterlesen »

Theophil Isegrim

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“ Johannes 5,24 Ich habe das Wort von Jesus gehört und ich glaube Gott. Deshalb komme ich nicht in Gericht. Was für ein großes Glück, daß meine Erlösung nicht von meinen Werken abhängt, denn dann bliebe mir nur der Tod übrig. Ich habe nichts, was mich retten könnte. Wie sollen denn auch die paar guten Werke von mir meine Sünden tilgen? Und es ist mir nach wie vor unverständlich, wieso Gott mich überhaupt liebt. Er hat gar keinen Grund dazu. Ich halte es ja mit mir selbst und meinen Sünden oftmals nicht aus. Aber ich bin auch nicht Gott und ich liebe nicht wie Gott. 1. Korinther 13 ist nur Gott vorbehalten. Das einzige, was ich tun muß ist das Geschenk von Gott anzunehmen, und nicht… Weiterlesen »

Philipp

Simon, ich finde es gut wie du an die Sache sachlich rangehst. Klar sagt Mt 7,19, dass jeder ohne gute Frucht „abgehauen“ wird, d.h. nicht ins „Himmelreich“ kommt. Aber V17 steht ja davor und gibt einfach nur einen Fakt an: Ein Christ bringt gute Frucht, ein Nichtchrist kann keine gute Frucht bringen. Das heißt doch, dass es automatisch kommt, d.h. es geht hier nicht darum, dass ich aufgrund dieser Werke beurteilt werde im Gericht, sondern darum, dass es gar nicht anders sein kann als dass ich gute Früchte bringe wenn ich ein echter Christ bin. Die Hauptintention dabei ist V16 (s. auch V20): Woran ERKENNT man echte und falsche. Vom Kontext her beginnt die Bergpredigt ja mit den Seeligpreisungen, d.h. mit der Rechtfertigung des Menschen und geht dann über ab 5,17ff, dass gesagt wird: Wir brauchen eine vollkommene Gerechtigkeit, mehr als die der Pharisäer (V20). An 4 Beispielen wird nun aufgezeigt was diese vollkommene Gerechtigkeit ist beim Töten, Ehebruch, Schwören… Weiterlesen »

Simon

Hallo zusammen, danke für die vielen Rückmeldungen und Kommentare, die mir helfen, meine eigene Position zu überdenken und (hoffentlich) klarer zu formulieren. Ich will und kann nicht auf alles eingehen, was geschrieben wurde, möchte mich aber dennoch noch einmal zu Wort melden. @ Ron: Zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen für den Kommentar bzgl. der Polemik. Du hast Recht, er war Quatsch. Das tut mir Leid, bitte verzeih mir! Ich bin Deinen Fragen nur in dem Sinne ausgewichen, dass ich nicht mehr (aber auch nicht weniger) sagen will, als es die Schrift tut. Und hier kann ich mich nur wiederholen: Gute Frucht ist ein notwendiger (im Sinne von unabkömmlicher) Erweis, um im letzten Gericht bestehen zu können. Ein Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen. Damit leugne ich in keiner Weise die Voraussetzung dieser Frucht: Nämlich, dass Gott uns in seiner Gnade ein neues Herz schenkt und seine Gebote in unser Innerstes hineinlegt – so wie er es in… Weiterlesen »

Adler

@Simon
Kurze Frage zum Verständnis. Du schreibst:

Das, was die Diskussion so mühsam macht, ist die oftmalige Vermischung der endgültigen Rechtfertigung, die am Tag des letzten Gerichtes geschehen wird und für die unsere Werke sehr wohl eine Rolle spielen, mit unserem gegenwärtigen Stand vor Gott als durch Glauben Gerechtfertigte.

Ist unsere jetzige Rechtfertigung (also unsere forensische Rechtfertigung durch den Glauben allein) auch eine endgültige Rechtfertigung oder eine (noch-)nicht-endgültige also nur provisorische Rechtfertigung?

Und wie verhalten sich die jetzige Rechtfertigung und die Rechtfertigung am Tag des letzten Gerichts zueinander? Ergänzt (bzw. vollendet) die futurische Rechtfertigung etwas, was der jetzigen Rechtfertigung noch fehlt?

Simon

@ Ron: Die Aussage „die Frucht ist ein notwendiges Zeugnis der Gnade“ finde ich sehr passend. Nur stellt sich halt die Frage (wie Du ja selber angemerkt hast), was man unter notwendig versteht – ich sage: zwingend erforderlich – und wofür das Zeugnis notwendig ist – ich sage: notwendig im letzten Gericht als Erweis dessen, dass wir wahre Nachfolger Christi sind. Wenn Du mir hier zustimmst, sind wir beieinander (aber ich nehme an, das tust Du nicht). Die Etymologie von notwendig im Sinne von „eine Not wenden“ ist ein interessanter Hinweis, den ich so noch nicht bedacht hatte, aber natürlich habe ich das Wort niemals in diesem Sinne gebrauchen wollen (ich muss Dir nicht erklären, dass Etymologie manchmal irreführend ist, wenn es um die Verwendung eines Begriffs in der Gegenwart geht). Dein Hauptproblem scheint die futuristische Rechtfertigung zu sein. Meine Begründung für dieselbe sind und bleiben biblische Aussagen zum letzten Gericht. Wir müssen alle eines Tages vor dem Richterstuhl Christi… Weiterlesen »

Simon

@ Ron: Ja, dem Artikel kann ich zustimmen (abgesehen davon, dass ich nicht weiß, wie sie von den Büchern auf die Gewissen kommen) 😉

Philipp

1Petr 1,17 ist nicht Futur, sondern Präsens und meint somit die Züchtigung

Simon

@ Philipp: Danke für den Hinweis, aber κρίνοντα ist in dem Fall ein Partizip und kein finites Verb. Wie ich meine ein substantiviertes Partizip (man beachte den Artikel τὸν), das deutlich macht, dass Gott eines jeden Richters ist. Ich bin kein Griechisch-Experte und mag falsch liegen, aber auch der Zusammenhang lässt für mich nicht erkennen, warum es hier um Züchtigung gehen sollte…

Simon

@ Ron: Wahrscheinlich ist „vollendet“ nicht der beste Begriff, bleiben wir bei „erfüllt“. Jakobus sagt, die Aussage der Schrift in 1Mo 15 („Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“) hat sich in 1Mo22 – also zeitlich sehr viel später – dadurch erfüllt, dass Abraham bereit war, seinen eigenen Sohn zu opfern. Wäre Abraham nicht im Gehorsam gegenüber Gott gewandelt, so wäre die Aussage der Schrift in 1Mo 15,6 bloß eine „leere Worthülse“ gewesen. Nun ist das natürlich nicht möglich: Gottes Wort erfüllt sich immer. Deshalb sage ich: Auch in Bezug auf uns gilt, dass sich die Zusage Gottes „du bist durch Glauben gerechtfertigt“ erfüllen wird in unserem Gehorsam, in konkreten Werken. Es ist dieser Gehorsam, diese gute Frucht, auf die Gott am Ende der Zeiten verweisen wird, um der Welt zu beweisen, dass er darin gerecht handelt, uns sein Reich erben zu lassen (vgl. Mt 25,34-36 – man beachte das einleitende „denn“ in V.35). „Ich habe… Weiterlesen »

Reformhaus

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.

Der arme Schächer am Kreuz! Er hatte keine Werke – und ist doch eins der leuchtendsten Beispiele für Gottes Gnade!

Hallelujah unserem gnädigen Gott!

@Simon
Was Du treibst, ist Scholastik. Der ganze Luther und mit ihm 500 Jahre haben sich geirrt. Das ist unfassbar.

Simon

@ Reformhaus: Der Schächer am Kreuz hat sich mit seinen Worten auf die Seite Jesu Christi gestellt. Er hat ihn verteidigt vor dem anderen Verbrecher, der sich über Christus lustig machte. Das passt perfekt zu Mt 12,37.

Ich habe nichts gegen Leidenschaft, aber irgendwo muss eine sachliche Grundlage gewahrt bleiben. Mir Scholastik zu unterstellen, trägt nichts zur Diskussion bei. Ich bin gerne bereit umzudenken, wenn man mir exegetisch nachweist, wo ich falsch liege (und meine, mit diesem Prinzip Luther ganz auf meiner Seite zu haben). Bisher ist das noch nicht geschehen.

Übrigens gab es in den 500 Jahren viele Stimmen, die – wenn es um das letzte Gericht nach Werken geht – auf meiner Seite stehen (Menno Simons, Jonathan Edwards, Charles Spurgeon, John MacArthur, John Piper…).

toblog

Ich habe erfahren, dass man Heilsgewissheit bekommt, wenn man glaubt, dass man schuldig ist vor Gott und Jesus diese Schuld übernommen hat. Wie der Schächer am Kreuz: Er war in einer existenziellen geistlichen Not um sein Heil, er konnte nur noch glauben, aber keine Werke mehr vollbringen. Erst wenn ich nicht mehr glaube, dass Schuld zwischen mir und Gott steht und es dafür eine Lösung geben muss, gibt es ein m. E. ein Problem mit dem ewigen Heil (Abfallproblematik). Anders ist es beiden denen, die nicht in einer existenziellen geistlichen Not sind, und Jesu Worte einfach mal anhören, damit jonglieren und sich sogar riesige theologische Systeme mit bauen, aber ihren Worten nicht Taten folgen lassen. Durch den mangelnden Glaubensgehorsam beweisen sie, dass sie eigentlich gar nicht glauben, sprich: die Problematik gar nicht existenziell ernst nehmen, dass sie eine Lösung für ihr Schuldproblem brauchen (Haus auf Sand). Wer dagegen, wie Abraham, Glaubensgehorsam an den Tag legt, den wird Gott zu weiteren… Weiterlesen »

toblog

Was bedeutet denn Hebr. 4,10: Denn wer zu seiner Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken gleichwie Gott von seinen?

Adler

@Simon Du schreibst: Unser endgültiger Freispruch steht jedoch erst noch aus. Nein, das sehe ich anders. Ich vertrete, dass unsere (bereits erfolgte) Rechtfertigung (durch Glauben allein) schon der letzte und endgültige Freispruch ist. Das schließt natürlich nichts aus, dass wir uns nach unserem Tod vor Gott für alles verantworten müssen. Aber – und das ist das Entscheidende – während uns dann der Teufel vor Gott verklagen wird, stehen wir schon als bereits Freigesprochene da. Natürlich wird dann alles ans Licht kommen. Aber das Heilsurteil steht schon von vornherein fest, weil es bereits gefällt wurde, als wir (durch Gottes Gnade) zum Glauben kamen und ab diesem Moment für 100% und unwiderruflich freigesprochen wurden. Uns wurden da nämlich ALLE Sünden vergeben. Mehr geht nicht! Schließt das nun aus, dass wir gute Werke tun müssen (und können und werden)? Nein, natürlich nicht! Ich glaube sogar, dass manche guten Werke sogar heilsrelevant sind. Aber es wird kein neues oder weiteres oder endgültiges Heilsurteil mehr… Weiterlesen »

Reformhaus

@Simon Es stimmt: Deine Lehre führt zu kaltem Stolz oder in die Verzweiflung. Mit Exegese ist das so wie mit der Forderung nach einem Beweis: Du wirst exegetisch nur das annehmen, was dir passt. Dein Eifer ist gut. Doch du hast damit das Evangelium zerstört und vernichtet. Der Mensch wird wieder auf sich zurückgeworfen. Ich attestiere dir einen Mangel an Selbstschau und an Selbstzweifel. Du zerstörst Menschen, die ängstlich sind und sich nach Erlösung sehnen – in deiner Welt gibt es keine Hoffnung auf das Heil, sondern nur auf die Genugsamkeit der eigenen Werke. Wärest du Luthers Zeitgenosse … ich selbst getraue mich nicht, dir das zu sagen, was Luther dir gesagt hätte. Aber alles, was du sagst, klingt nach der Aussage: Hier ist ein größerer als Luther. Nimm die Polemik ruhig entgegen, mit großer Sachlichkeit sozusagen. Wer das Evangelium zerstört und eine Werksgerechtigkeit daraus macht, und das machst du, und sei es auch Spurgeon oder Edwards und die vielen… Weiterlesen »

Reformhaus

Hallelujah unserem gnädigen Gott! Ich möcht’s gleich zig mal wiederholen!

@Lieber Herr Piper,

welches aufrichtige Kind Gottes ehrt denn die „vergangene Tatsache des Todes und der Auferstehung Christi“ und missachtet die zukünftigen Verheißungen Gottes und verspottet (!) damit Gottes Charakter und seine Integrität?

Konstruieren Sie damit denn nicht einen falschen Disjunktiv?

[…] Sünder oder der Gerechte vor Gott bestehen? Wir hatten vor einem guten Jahr hier auf dem TheoBlog eine Diskussion über dieses Thema. Richard Baxter hat mit seiner Lehre von der doppelten Rechtfertigung gegen Owen darauf bestanden, […]