Ingolf Dalferth: Sünde ist „Blindheit für die Quelle des Lebens“

Der Theologe und Religionsphilosoph Ingolf Dalferth wird in einem DLF-Gespräch zu seinem „Sündenbuch“ befragt. Obwohl ich Dalferth in mehreren Punkten nicht folgen kann (ich deute Sünde etwa stärker als Aufstand gegen Gott), empfehle ich das Interview all jenen, die sich mit dem Thema „Sünde“ beschäftigen.

Stark ist Dalferths Kritik am Selbstverwirklichungswahn und dem Transhumanismus:

Oh, ja. Ich meine, das 20. Jahrhundert ist voll von diesen Versuchen. Man versucht, einen neuen, einen besseren, einen effektiveren Menschen zu schaffen. Das waren nicht nur die Versuche in den 20er- und 30er-Jahren in den bekannten Regimen. Das ist in der Gegenwart ganz massiv der Fall, wenn ich ins Silicon Valley blicke. Die Versuche, die Beschränktheiten und Begrenztheiten und Schwächen des Menschen, die vor allem von dort aus gesehen ins seinen körperlichen Bestimmtheiten liegen, führen dazu, dass man die Körperabhängigkeit des Menschen abbauen muss und dafür sich einsetzen sollte, dass es zu einer konstruktiven, produktiven Mensch-Maschine-Vereinigung kommt.

Das sind die transhumanen Entwürfe, die Zukunftsbilder sind, die nicht, wie viele andere Menschenbilder, versuchen, die Vernunft gegenüber dem Körper oder den Körper gegenüber der Vernunft starkzumachen, sondern diese ganze Geschichte so zu überwinden, dass wir aus der Körperlichkeit hinauskommen und mit den Maschinen in eine neue Symbiose begeben. Und warum ist das interessant? Weil das verknüpft wird mit Erwartungen, dass wir zum Beispiel auch das Todesproblem lösen können.

Auch sein Buch ist übrigens eine Fundgrube zum Thema.

  

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