Lutherbibel 2017: Was ist von der neuesten Revision zu halten?

Gottfried Herrmann hat in der Zeitschrift Theologische Handreichung und Information (35. Jg, August 2017, Nr. 3, S. 13–34) die Lutherbibel 2017 unter die Lupe genommen.

Nach dem Erscheinen der Lutherbibel 2017 im Herbst 2016 bekam ich in unserer christlichen Buchhandlung öfters von älteren Kunden zu hören: „Es soll da eine neue Bibel geben. Haben Sie diese?“ Sie waren durch den Medienrummel auf die LB 2017 aufmerksam geworden. Und wenn der Kunde die „neue Bibel“ dann in der Hand hielt, kam die Frage: „Muss ich die haben?“ Meine Antwort war (nach allem im Vorhergehenden Beobachteten): „Nein, sie können auch mit ihrer bisherigen Lutherbibel leben und selig werden.“

Fazit: Wenig sinnvolle Verbesserungen, viele unnötige Änderungen, die zur Verunsicherung der Bibelleser beitragen!

Hier: 2017/09/2017_THI_Heft_3.pdf.

Kommentare

  1. Johannes meint:

    Positiv ist auf jeden Fall, dass im Kartenteil jetzt vom „Land der Bibel“ die Rede ist und nicht mehr anachronistisch bzw. ideologisch vorbelastet von „Palästina“.

  2. DrHardy meint:

    „… selig werden“ (im obigen Kommentar von Gottfried Herrmann) ist natürlich ein völlig unverständlicher Ausdruck, dessen Bedeutung allenfalls theologischen Akademikern bekannt sein dürfte. In der Allgemeinheit versteht man darunter vielleicht so etwas wie „happy werden“ – jedenfalls nicht „gerettet/errettet werden“!

  3. Schandor meint:

    Bin jetzt auf die HFA gekommen – da verstehe ich den Text 🙂

    Es ist, wie wenn ein Nebelschleier weggeweht wird, wenn man die Bibel in normaler Sprache liest.
    Jaja, ich weiß schon, NA usw. Hab diese Thematik aber für mich abgehakt.

    Bei Luthers, Schlachters, Elberdingsens & Co muss ich mich nach der Lektüre eines Verses immer fragen: Was steht da? Was ist gemeint? Sicher? Was sagen die Kommentatoren? Warum so verschieden? Das frustriert ungemein.
    Ich will lesen und verstehen, nicht ständig rätseln.
    Ist das nachvollziehbar? (Und ich will nichts Schlechtes über die anderen Übertragungen gesagt haben!)

  4. Anton meint:

    Ich fand den farbigen Sonderteil bei der Jubiläumsausgabe mit Artikeln zu Luthers Übersetzungsmethode, Zitaten aus seinen Vorworten zu den biblischen Büchern etc. unheimlich wertvoll und bereichernd. Kann nur empfehlen. Es ist nicht zu übersehen, dass Luthers Übersetzung sich zum Auswendiglernen viel besser eignet als manch andere „genaue“ Übersetzung, die mit Nebensätzen und allerlei grammatischen Feinheiten so überladen ist, dass man kaum am Ende des Satzes den Anfang noch kennt. Luthers Übersetzung ist einprägsam, eben „griffig“ – und nicht zufällig, in den begleitenden Artikeln wird einleuchtend begründet, wie und warum Luther vorgegangen ist, um dies zu erreichen. Beim Zuhörer, der damals nicht selten Analphabet war und nur durch Zuhören das Wort wahrnahm, ist das von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung. Auch sein Gebrauch von zentralen Begriffen wie „Heil“, „selig“ oder „predigen“ wird erklärt. Das hat mir sehr geholfen und zu einer höheren Wertschätzung der Lutherübersetzung beigetragen, die ich früher auch für unmodern und „schwerfällig“ hielt. Übrigens, in den erwähnten Artikeln wird auch an konkreten Beispielen gezeigt, wie texttreu Luther übersetzt hat, da braucht er sich nicht zu verstecken. Übrigens, für das Alte Testament, insbesondere Propheten, ist meine bevorzugte Übersetzung die von Naftali Herz Tur-Sinai – sehr seltsam und gewöhnungsbedürftig beim ersten Lesen, aber manche Zusammenhänge habe ich erst darin begriffen. Und so ausdrucksstark, dass einem manchmal fast die Haare zu Berge stehen. Da habe ich in besonderem Maße gespürt, wie kräftig und skandalös die Prophetenworte wohl für ihre Zeitgenossen gewesen sein müssen. „Es war nun, als sie all die Worte hörten, da erschraken sie miteinander und sprachen: Wir müssen unbedingt all diese Dinge dem König melden“ (Jer 36,16).

  5. Schandor meint:

    Naja, eine Übersetzung ist (nur) dann „genau“, wenn sie das, was der Autor sagen wollte, in die Zielsprache bringt, so dass sich im Leser das semantische Korrelat manifestiert, oder einfach ausgedrückt: dass der Leser im besten Fall dasselbe denkt wie der Autor.

    Viele Übersetzer verstehen das nicht und fürchten sich vor den heiligen Buchstaben. Daher „übersetzen“ sie wortwörtlich und übersetzen damit gerade nicht. Wenn man einfach die Wörter in die Zielsprache überträgt, hat man eine Übertragung angefertigt, aber keine Übersetzung. Ironischerweise wird gerade die HFA als „Übertragung“ genannt, obwohl sie in eminentem Sinn eine Übersetzung ist. Dass es hier und da sinnerläuternde Hinzufügungen gibt, halte ich für sehr, sehr hilfreich für das Verständnis des antiken Textes. Dass der Übersetzer sich irren kann, weiß ich auch. Doch lieber ein zwei Irrtümer als einen Text, der mir buchstäblich Kopfweh bereitet.
    Leider können die Leute von der HFA (übrigens auch die Leute von der NGÜ) den zweiten vom dritten Fall nicht mehr unterscheiden. Schade. So steht da etwa: Die Jünger von Jesus. Dabei waren die gar nicht von Jesus, sondern von Galiläa.

    So kann man etwa schlecht übersetzen „nach dem Fleische“.
    Gut übersetzt ist dagegen: nach menschlicher Herkunft.
    Denn mit Fleisch hat das nichts oder nur wenig zu tun, sondern mit Herkunft.
    Bei Fleisch denkt der Leser sofort (!) entweder an „Fleischeslust“ oder an das, was man am Tier verzehren kann.
    Zum Thema Übersetzung kann jeder Interessierte hier Interessantes lesen:
    https://bibelbund.de/2014/09/implizite-information-zwischen-den-zeilen-der-bibel-lesen/

    Ich glaube, man tut sich bei der Lutherübersetzung schwer: Einerseits möchte man Luther drinlassen, andererseits wäre Luther der erste, der die Pflicht, den Menschen von heute „aufs Maul“ zu schauen, einmahnen würde.

  6. christ-ian meint:

    Die Heilige Schrift [Naftali Herz Tur-Sinai] (1954) gibt es online unter:

    https://bibel.github.io/NHTS/index.html

  7. christ-ian meint:

    Erste persönliche Ersteinschätzung der Tur-Sinai (nach kurzem Blick):

    ist mir nicht konkordant genug. ZB 1. Mo 15,6:

    Schlachter 2000: Und [Abram] glaubte dem HERRN, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an. (Luther und Elberfelder praktisch gleich)

    Tur-Sinai: Und er glaubte an den Ewigen, und der rechnete es ihm als Tugend an.

    vgl. Ps 106,31:

    Schlachter 2000: Das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet auf alle Geschlechter, in Ewigkeit. (Lu und Elb. wieder entsprechend)

    Tur-Sinai: Das ward ihm als Verdienst gerechnet für Zeit um Zeiten, ewiglich.

    Tugend und Verdienst, statt Gerechtigkeit (Rechtfertigung wäre auch möglich), das ist wirklich „jüdisch“. Keine Gnade aus Glauben, sondern gesetzliche „Selbstrechtfertigung“ bzw. Selbstgerechtigkeit aus Werken.

    Nicht konkordant auch bei 1. Mo 1,2b:

    Schl.2000: und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.

    Tur-Sinai: und Gottes Windhauch wehte über die Wasser.

    1 Mo 6,3a; Schl.2000a: Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten, denn er ist [ja] Fleisch; …

    Tur-Sinai: Da sprach der Ewige: «Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, dieweil er ja Fleisch ist; …

    Tur-Sinai macht aus dem Geist in 1 Mo 1,2 einen Windhauch. Ist nicht falsch, aber nicht vollständig, vgl. NT Joh. 3,8: Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.

    Besser wäre m. E. im AT: Geistwind für das hbr. ruach.

  8. Herzlichen Dank für die Veröffentlichung dieser Analyse!
    Wer noch eine Ergänzung oder Weiteres dazu sucht, findet das unter:
    https://das-verkuendigte-wort.de/downloads/download-info/lutherbibel-2017-revidiert/ Meine Ergebnisse sind zusammengefasst unter den Stichworten:
    Näher am Urtext / Näher an Luther / Näher am Zeitgeist / Ferner vom Volk

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