Schule: Klare Regeln als Erfolgsmodell

Wer zu spät kommt, darf nicht mehr in die Klasse. Handys sind genauso verboten wie Kaugummis. Seit es an einer Berliner Schule klare Regeln gibt („Strenge“ würde ich das nicht nennen), explodieren die Anmeldezahlen. ZEIT Online berichtet über eine Erfolgsgeschichte:

Michael Rudolph führte diese Regeln ein, als er 2005 an die Bergius-Schule kam. In den Jahren zuvor hatte er an einer Schule in Kreuzberg gearbeitet und sich dort den Ruf erworben, Berlins strengster Schulleiter zu sein. „Es ist ein Kernbereich der Erziehung, Signale auszusenden, wenn sich jemand falsch verhält“, sagt er. „Wir wollen das Verhalten der Schüler, wenn irgend möglich, positiv beeinflussen“.

So altbacken das klingen mag, sein Konzept ist erfolgreich: Als Rudolph kam, stand die Bergius-Schule kurz vor der Schließung. Für das neue Schuljahr waren gerade einmal 38 Schüler für 116 Plätze im siebten Jahrgang angemeldet, der Rest wurde zugewiesen. Ein Jahr später waren es 91 Anmeldungen, 2011 dann 155 für 125 Plätze. Michael Rudolph hat eine Problem- in eine Musterschule verwandelt. Die Bergius-Schule hat heute auch unter Lehrern einen guten Ruf. Den Übergang von der Realschule zur Sekundarschule, die in Berlin mittlerweile Haupt- und Realschule zusammenfasst, hat sie gut überstanden.

Hier: schule-strenge-berlin.pdf.

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Peter
Peter
8 Jahre zuvor

Wenn man sich auf der Schulhomepage etwas umschaut, wird man feststellen, dass hier keine besonderen Regeln aufgestellt wurden. Neu scheint daher zu sein, dass sie jetzt durchgesetzt werden.
In dieser Form, wie sie an dieser Schule durchgeführt wird, wäre sie in Bayern (und wohl auch in anderen Bundesländern) nicht möglich. So wird z. B. laut Schulordnung 2.12 ein mitgeführtes Handy eingezogen. Der Schüler kann es nach Ableistung von gemeinnütziger Arbeit nach vier Wochen wieder haben. Das ist ein Eigentumsentzug, der rechtlich nicht möglich ist. Aber wahrscheinlich ist das Klientel an dieser Schule so, dass es sich gegen Eingriffe nicht wehrt oder wehren kann. Wie gesagt: In Bayern ist das ein Unding! Oder dass die Schülernamen mit Notendurchschnitten der letzten vier Jahre veröffentlicht werden, widerspricht jedem Datenschutz. Das hat nichts mehr mit pädagogisch sinnvollem Verhalten zu tun. Ich halte das schlicht für rechtswidrig.

Gruß
Peter

jason
8 Jahre zuvor

Der Schulleiter war vor einigen Wochen bei Günther Jauch. Von dem mag man ja halten was man will, allerdings wird dieser Schulleiter in der Sendung meiner Meinung nach recht stark verrissen. Verschiedene Regeln wie bei Schulschwänzen eine Woche je eine Stunde früher kommen und Hofdienst machen – das ist schon nicht dumm. Der Erfolg gibt ihm recht.

Würde es mehr solche Schulen geben, dann würde man sich über die im Zuge von PISA berüchtigt gewordene Risikogruppe weniger Sorgen machen müssen…

jason
8 Jahre zuvor

Der Schulleiter war vor einigen Wochen bei Günther Jauch. Von dem mag man ja halten was man will, allerdings wird dieser Schulleiter in der Sendung meiner Meinung nach recht stark verrissen. Verschiedene Regeln wie bei Schulschwänzen eine Woche je eine Stunde früher kommen und Hofdienst machen – das ist schon nicht dumm. Der Erfolg gibt ihm recht.

Würde es mehr solcher Schulen geben, dann würde man sich über die im Zuge von PISA berüchtigt gewordene Risikogruppe weniger Sorgen machen müssen…

bildungs-system.de
8 Jahre zuvor

@jason „Der Erfolg gibt ihm recht.“ – Wow, also war Hitler wohl auch ein rechtschaffender Mann, immerhin hatte er auch einige Zeit lang Erfolg? Dass sich dieses System bewert liegt wohl daran, dass ein enormes Zwangssystem ist, indem noch niemand stark genug eingeschränkt oder unterdrückt wird, dass er oder sie sich wehren würde. Jemanden zu sanktionieren, wenn er zu spät kommt, sorgt dafür, dass jemand wohl nicht mehr zu spät in die Schule kommt. Aber warum sollte jemand zu spät in die Schule kommen? Vielleicht, weil er kein Spaß an Schule hat! Die Ursache dafür, dass jemand zu Spät kommt wird nicht bekämpft nur die Smyptome. Hier erschafft sich die Schule eine geschönte parallel Welt. Ja, es scheint alles gut zu laufen, aber Unterricht und Schule sind für die Schülerinnen und Schüler vermutlich noch genauso langweilig und unbrauchbar für den Alltag wie zuvor. „Wir wollen das Verhalten der Schüler, wenn irgend möglich, positiv beeinflussen“. Die Definition von „positiv“ ist wohl… Weiterlesen »

bildungs-system.de
8 Jahre zuvor

@Ron „Schon wieder ein Hitler-Verlgeich. Ich dachte, es hätte sich herumgesprochen, dass dies nur selten weiterhilft.“ Dann lassen wir den Hitlervergleich weg. In Immobilien Spanien zu investieren gibt einige Jahre auch finanziellen Erfolg. Bis sie feststellen, dass sie Immobilien für mehrer hundertausend Personen gebaut haben, die alle leer stehen. Mir geht es darum, dass Erfolg erst einmal definiert werden sollte und im Anschluss geschaut werden kann, welcher Erfolg wurde womit erreicht. Erfolg ist nicht gleich Erfolg. „Zwangssystem? Die Lehrer werden unter Druck gesetzt und haben kaum Möglichkeiten, sich zu wehren.“ Wovon werden die Lehrkräfte unter Druck gesetzt? Vom Staat? Von den Schülern? Ja da stimme ich gerne zu. Und wenn sie sich nun so wehren, wie du es nennst, dann sind es wie immer nur kurzfristige symptomatische Lösungen. Dein weiteres Beispiel sagt mir nichts. „Ach Du liebe Zeit. Wenn die Schule keinen Spass macht, braucht auch niemand zu kommen. Also helfen wir den Schülern, nur zu tun, was ihnen Spass… Weiterlesen »

Armin
8 Jahre zuvor

Hallo….. da jetzt das Stichwort Lehrling gefallen ist, klinke ich mich mal ein. Ich habe schon einige Lehrlinge begleiten dürfen… und möchte in Zukunft auch gerne in meinem Betrieb Lehrlinge ausbilden. Aber ich muss sagen, dass ich mir langsam echt Sorgen mache. Wenn es nur das Rechnen wäre oder Physik…. Es fehlt komplett an sozialer Kompetenz. Ich kann dieses Wischiwaschi nicht mehr hören. Die Schulen (und Eltern) von heute produzieren Menschen, die nicht in der Lage sind sich zu konzentrieren, sich einzufügen und wirkliche Anstrengungen zu ertragen. Disziplin, Gehorsam und Geduld sucht man vergebens. Diese Dinge sind aber enorm wichtig. Was soll ich mit einem Lehrling, der nicht auf das hört, was man ihm sagt? Nehmen wir die Bedienung einer gefährlichen Maschine. Bevor ein Lehrling damit arbeiten darf, muss er geschult werden. Dies setzt voraus, dass er zuhören und sich konzentrieren kann und dass er Sachverhalte, die er vielleicht noch nicht versteht, akzeptiert. Sonst fehlt ihm unter Umständen eine Hand… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
8 Jahre zuvor

Der Lehrling (sic) von heute will Spass. Arbeit ist Muss; „Spass“ will dazu „Ausgleich“ sein. Wenden wir uns nun dem Begriff zu: „Spass“. Spass = angenehm unterhalten, erheitern, belustigen, vergnügen (Duden). DAS will der Lehrling von heute. Der Chef befiehlt im etwas, doch das nimmt ihm der Lehrling von heute krumm, denn das macht keinen „Spass“. Spass ist von echter Freude genauso weit entfernt wie sein böser Nachbar, der Spott. JA: Wenn eine Arbeit auf Dauer keine Freude macht, dann ist das schlimm. Aber das hat mit Spass nicht das Allergeringste zu tun. Der Lehrling von heute will die ihm übertragenen Aufgaben nicht nur nicht ausführen, er kann es auch gar nicht, und das versteht der Geselle und der Chef nicht mehr, da beide einer anderen Zeit entstammen. Sie kennen zwar die Guck-Guck- u. Videospielwelt, aber sie entstammen ihr nicht. Der Lehrling von heute entstammt der Guck-Guck (Fernsehen über alles, vor allem über 3-4 Stunden pro Tag), Videospiel-, Fortgeh-und-Amüsier- u.… Weiterlesen »

Jonas
8 Jahre zuvor

Exzellent beschrieben, Schandor! Danke Dir! Hätte man besser kaum ausdrücken können. Nun – Hochkulturen kommen und gehen, unsere geht, eine andere kommt. Möglicherweise eine aus dem Fernen Osten.

Armin
8 Jahre zuvor

@Schandor:

Danke für deinen Beitrag.

Aber jetzt mache ich mir noch mehr Sorgen. Ich bin gerade 31 Jahre alt. Komme ich denn wirklich aus einer so anderen Zeit? Wenn der (ich nenne es mal) „Verfall“ so schnell voranschreitet, dann Gnade uns Gott! (Das meine ich ernst)

Die Folgen sind ja schon für mich als Handwerksmeister mit eigenem Betrieb schlimm genug.
Aber was bedeutet das erst für uns als Gesellschaft?
Und auch für mich als Vater von zwei kleinen Kindern? Hoffentlich gibt Gott die Gnade, dass ich ihnen genug beibringen und sie zu denkenden Menschen erziehen kann!

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[…] Rons Blog hat ein Leser einen längeren Beitrag über den “Lehrling” von heute verfasst. Ich las ihn meiner Frau vor. Trotz oder gerade […]