Warum dankt Paulus Gott für den Glauben?

Warum dankt Paulus seinem Gott für den Glauben der Christen in Rom? Müsste er nicht eigentlich seinen Geschwistern für ihren Glauben danken? Er dankt Gott, da Er der Geber ihres Glaubens ist. Römer 1,8 bringt sehr schön zum Ausdruck, dass der Glaube eine gute Gabe Gottes ist: „Als Erstes möchte ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle danken, denn in der ganzen Welt spricht man von eurem Glauben.“

Johannes Calvin schreibt in seinem Kommentar: 

Zuerst ist nun der Aufmerksamkeit wert, dass er [also Paulus] ihren Glauben lobt und ihn dennoch als Geschenk Gottes betrachtet. Daraus lernen wir, dass der Glaube eine Gabe Gottes ist. Denn wenn Danken die Anerkennung einer Wohltat bedeutet, so gesteht jemand, dass der Glaube von Gott kommt, wenn er ihm dafür dankt. Wenn wir nun sehen, dass der Apostel seine Lobsprüche immer mit einem Dank beginnt, sollen wir damit ermahnt werden, dass alles Gute, das wir haben, Gottes Wohltat ist.

Mit einer solchen [festen] Redeweise möchte er uns daran gewöhnen, dass wir so immer mehr dazu gebracht werden, Gott als den Spender alles Guten anzuerkennen und andere zur selben Betrachtung zu ermutigen. Wenn dies schon bei den Gaben beachtet werden soll, dann umso mehr beim Glauben, der keine unbedeutende oder gewöhnliche Gnade Gottes ist.

Wir haben also keinerlei Grund, auf unseren Glauben stolz zu sein. Er ist nicht belohnungswürdige menschliche Leistung, sondern ein zutiefst persönliches Vertrauen, welches uns Gott durch seinen Geist schenkt. Deshalb schreibt Paulus an anderer Stelle (2Thess 2,13):

Für euch hingegen, vom Herrn geliebte Geschwister, können wir Gott immer nur danken, denn ihr gehört zu den Erstgeborenen seiner neuen Schöpfung. Er hat euch dazu erwählt, durch das heiligende Wirken seines Geistes und durch den Glauben an die Wahrheit gerettet zu werden.

VD: TW

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25 Kommentare
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Daniel

Auch auf die Gefahr hin, Dir, Ron, oder sogar Calvin zu widersprechen… aber ich sehe bei Rö 1,8 keinen zwingenden Grund, den Glauben als Geschenk Gottes zu verstehen. Nur als Beispiel: Ich könnte Gott für das handwerkliche Geschick meiner Freunde danken, die mir beim Renovieren helfen. Damit danke ich Gott, dass er mir begabte Leute zur Seite stellt. Ob ihr Geschick gottgegeben oder „selbst erlangt“ ist, geht aus meinem Dank jedoch noch nicht hervor…
Wäre Eph 2,8 eine deutlichere Stelle? Auch wenn sie wohl nicht so klar ist, wie man meinen mag (Is ‚Faith‘ the Gift of God? – TGC)…

Chrissen

Also ich danke Gott bei jedem Gebet und bei jeder Fürbitte tatsächlich zuerst dafür, daß er mir den Glauben geschenkt hat. Wenn ich mir meinen Lebensweg rückblickend anschaue, hat der HERR alles so gefügt, daß ich gläubig werden konnte. Hätte mir eine gute Freundin in den 90er Jahren keine grüne Gideon-Bibel geschenkt, hätte ich sie 10 Jahre später nicht im Bücherregal gefunden, als es mir sehr schlecht erging. Ich hätte dann nie die „Einladung“ Jesu – Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid – gelesen. Damals ging ich unmittelbar auf die Knie und habe das erste Mal ernstlich zu Gott gebetet und seine „Einladung“ angenommen …

Jutta

Mir hat ER den Glauben geschenkt. Und auch ich danke IHM dafür. Nie hat jemand mir vom Erlöser erzählt, und mich „eingeladen“ zu Jesus Christus zu kommen. Nie habe ich zuvor eine Predigt gehört in einer Gemeinde. Auch in esoterischen Kreisen ist ja Jesus Christus – zwar nicht als der Christus – eine Lichtgestalt, und nie habe ich ein böses Wort gegen IHN vernommen oder gelesen. Aber natürlich ist das nicht der Jesus aus der Bibel, der am Kreuz sühnt für die vielen. Mein Weg war krumm und merkwürdig .. bis mir eben dann gesagt wurde, ich müsse die Bibel lesen und in eine Gemeinde gehen. Wie lange habe ich damit gerungen, Sünder zu sein .. dass ein Unschuldiger für mich bezahlt hat. Dass es dieses Opfer gebraucht hat, weil GOTT nicht hinter Sein Wort zurück kann. Mein Weg ist immer noch merkwürdig, eine Gemeinde in die ich gehen will, gibt es hier an meinem Ort nicht, da es keine… Weiterlesen »

Last edited 1 Monat zuvor by Jutta
Ben

Es ist doch keine Frage, dass Paulus an vielen Stellen bezeugt, dass der Glaube – oder die glaubensvolle Reaktion auf das Evangelium – auf Gott zurückzuführen und daher Ihm zu verdanken ist. 1Thess 2,13 ist ebenfalls eine so deutliche Stelle: „Darum danken wir auch Gott ohne Unterlass dafür, dass ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Wort Gottes, der in euch wirkt, die ihr glaubt.“ Paulus und seine Gefährten sind überzeugt: hätte Gott nicht an dem Tag, als sie den Thessalonichern das Evangelium verkündet hatten, in den Zuhörern den Glauben an dieses Wort gewirkt, hätten sie es nicht als Gottes Wort erkannt, nicht darauf vertraut und wären ohne Christus in ihren Sünden geblieben. Jede andere Interpretation ist Unsinn. Da ist der Wunsch der Väter der Interpretation. Ähnlich der historisch kritischen Methoden: „Was nicht sein darf, kann nicht sein.“ So kann man durch jede… Weiterlesen »

Last edited 1 Monat zuvor by Ben
Daniel 2

@ Daniel: ich sehe gerade, dass wir den gleichen Kommentatornamen verwenden (https://theoblog.de/hat-augustinus-die-abendlaendische-ursuendeslehre-erfunden/35380/#comments ). Damit es keine Verwirrung gibt: hier kommentieren gelegentlich mehrere Daniels ;-)…

Clemens Altenberg

Der Glaube ist ein Geschenk – das ist schön und gut im wahrsten Sinne des Wortes – aber ein theologisches Argument für eine uneingeschränkte Prädestination ist dieser paulinische Gruß keiner. Wenn er Prädestination für einen zentralen Glaubensinhalt gehalten hätte, hätte er das explizit erklärt wie bei anderen. Geschenk trifft es gut – ein solches kann man annehmen, aber auch ablehnen.

Dieter Aebi

Der Glaube ist nicht nur Geschenk Gottes (welches der alte Adam nicht annehmen kann, weil er nicht aus Gott ist, Jo 8,44+48), sondern auch Gabe, die nicht aus uns ist (Ep 2,8, so auch die Annahme) und: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat“ (Jo 6,29).

Clemens Altenberg

Bevor man den Schritt in den Glauben wagt, bevor man die Entscheidung fällt sich auf Gott einzulassen, glaubt man im profanen Sinn (nicht wissen ob es wahr ist und ob man tatsächlich eine Antwort bekommt), noch nicht im christlichen Sinn (Vertrauen auf Gott, mit dem man bereits in Kommunikation getreten ist). C.S. Lewis beschreibt das schön in Mere Christianity: Der Glaube beginnt mit einem „so tun als ob“ und Schauen was passiert. Heute habe ich gelesen, wie Jesus Petrus rügt: „Du Kleingläubiger! Warum hast du gezweifelt?“ Wenn Gott selber der Urheber des Zweifels wäre, wären solche Worte eine zynische Verhöhnung.   Eine Frage: Wie geht eigentlich Prädestination mit der Sünde gegen den Heiligen Geist unter ein Dach? Eine Definition dieser Sünde besteht ja darin, zu wissen, dass das Evangelium wahr ist, und sich trotzdem willentlich dagegen zu entscheiden es anzunehmen. Eine Sünde ist das ja nur, wenn dies aus menschlichem Willen geschieht, der sich bewusst entscheidet, sein Ziel zu verfehlen.… Weiterlesen »

Jutta

„Zum Schluss: Wer nicht durch Gott von der Herrschaft der Sünde befreit und in den Dienst gestellt wird, mag in der Lage sein, zivil zu leben. Gott lieben und zu seiner Ehre leben kann nur, wer erkannt hat, dass in seiner eigenen Natur nichts Gutes wohnt, noch nicht einmal das Vermögen, zu glauben. .. “ https://theoblog.de/wp-content/uploads/2020/07/Wilson_Augustinus-2.pdf Man spricht ja auch von „Sozialisation“. Menschen in allen Kulturen werden sozialisiert, da ja jede Kultur bestrebt ist, zu überleben und sich zu vermehren. Das aber hat ja eben noch nichts mit Glauben an den Schöpfer zu tun, respektive mit dem rettenden Glauben. Wenn ich überlege, was damit gemeint ist, Gott wirklich zu lieben und vollkommen sein soll, wie ER vollkommen ist .. dann ist der sogenannte freie Wille ganz schnell ad acta gelegt. So stelle ich mir das auch vor, mit dem Wählen des Glaubens an Jesus Christus, zumal ja Jesus auch sagt, man solle die Kosten überschlagen. Wenn ich frei bin, den… Weiterlesen »

Last edited 1 Monat zuvor by Jutta
toblog

Die vorauslaufende Gnade und Leistung Gottes ist es m. E., alle Lügen, die wir vorher glaubten beiseite zu schieben und die Wahrheit so klar zu positionieren, dass man sie ergreifen kann. Dieses Annehmen der Wahrheit ist bewusst und freiwillig, aber auch komplett leistungslos auf meiner Seite. Gibt es einen theologischen Begriff, der eine freiwillige und zugleich leistungslose Entscheidung beinhaltet?

Last edited 1 Monat zuvor by toblog
Clemens Altenberg

@ Ron Ich kenne die Lehre der doppelten Prädestination ganz gut, wenn ich da was falsch verstehe bitte ich um Aufklärung. Die Konsequenzen, die ich daraus ziehe, sind ja nicht meine Erfindung, sondern wurden ihr seit jeher entgegengehalten, auch innerhalb des Protestantismus. Wenn Gott die bewusste Entscheidung trifft, einem Großteil der Menschen keine Chance auf Errettung zu geben und sie auf ewig zu verdammen, dann lässt er ihnen keine andere Möglichkeit als den Zweifel (oder fixe falsche Überzeugungen). Wie würden Augustinus, Luther, Calvin dem widersprechen können? Zur Sünde als Zielverfehlung (dies war eines der ersten Dinge, die ich in Freikirchen gelernt habe) – das ist überall nachzulesen, hier gut zusammengefasst auf bibelstudy.org: We get the English word „sin“ in the KJV Old Testament from two main Hebrew words. The definition of the word chattath (Strong’s Concordance #H2403), first used in Genesis 4:7, is „an offense.“ The second word, chata (Strong’s #H2398), which first appears in Genesis 39:9, means „to miss.“ Brown-Driver-Briggs… Weiterlesen »

Jörg

https://theoblog.de/warum-dankt-paulus-gott-fuer-den-glauben-der-christen-in-rom/35431/#comment-87274
„Werke Gottes“ in Jh 6,28, sind nicht Werke, die Gott tut, sondern solche, die er fordert. Folglich gilt dasselbe auch für V. 29.

toblog

ad Prädestion eine Textauszug von Günter Rohrmoser: Höher als alle Vernunft: „Prädestination heisst, dass jeder vom Erbarmem Gottes lebt…Was Paulus mit der strengen Rede von der Prädestination betonen will, ist das in jedem Falle vorgängige Handeln Gottes, der vom Menschen nicht korrigierbare und überschreitbare Primat Gottes. Dieses theologische Interesse ist wichtig für Paulus, unabhängig von der Frage nach Glaube und Unglaube, Heil oder Verdammnis.“

Clemens Altenberg

@ Ron
 
Da hab ich bei Calvin anderes gelesen. Er schreibt doch ganz deutlich, dass es Gott sei, der den Menschen dazu antreibe das zu tun, was er ihm verboten hat. Gottes Vorsehung verordne es, dass der Mensch falle:
 
Institut. l. IV. c. 18. §. 2. Homo justo Dei impulso agit, quod sibi non licet. L. III. c. 23. §. 8. Cadit igitur homo, Dei providentia sic ordinante
 
 
Auch Adam soll nicht durch den Missbrauch seiner Freiheit gefallen sein, sondern Gott habe den Fall in seinem ewigen Ratschluss herbeigeführt:
 
 
Institut. l. III. c. 23. §. 4. Nonne ad eam, quae pro damnationis causa obtenditur, corruptionem, Dei ordinatione praedestinati ante fuerant ? Cum ergo in sua corruptione pereant, nihil aliud quam poenas luunt ejus calamitatis, in quam ejus praedestinatione lapsus est Adam, ac posteros praecipites secum traxit. §. 7. Disertis verbis hoc extare negant (Sophistas sc. papistici), decretum fuisse a Deo, ut sua defectione periret Adam, quasi vere
 

Clemens Altenberg

@ Ron: Ja, gefunden habe ich die Stellen in einer katholischen Quelle, doch es bleibt Calvin selbst, den ich da im O-Ton zitiert habe, auch über Adam. Es sind Calvins eigene Gedanken, die es einem unmöglich machen sie logisch nachzuvollziehen, wenn er sogar in ein und demselben Werk einmal das eine und dann das Gegenteil behauptet. Calvin lässt die Menschen in Gottes Namen zum Teufel fahren („Cadit igitur homo, Dei providentia sic ordinante“, oder, wie du zitiert hast: „Was von den Menschen unrecht und ungerecht geschieht, eben das sind rechte und gerechte Werke Gottes.“) – und trotzdem behauptest du, laut Calvin sei es nicht Gott, der für den Unglauben der Verlorenen verantwortlich ist? Da komme ich mir vor wie bei Hegel, der behauptet Widersprüche seien gar keine Widersprüche („Es ist nicht schwer einzusehen, dass die Manier, einen Satz aufzustellen, Gründe für ihn anzuführen und den entgegengesetzten durch Gründe ebenso zu widerlegen, nicht die Form ist, in der die Wahrheit auftreten… Weiterlesen »

Clemens Altenberg

Danke für die differenzierte Antwort! Wie du so schön schreibst glauben nicht nur „Kierkegaardianer“ mit für den Intellekt letztlich nicht ganz auflösbaren Fragen. Auch wenn ich es wahrscheinlich zu einem guten Teil bin, war S.K. nicht daran interessiert, „Kierkegaardianer“ heranzuzüchten (deshalb hat er auch unter Pseudonymen geschrieben). Strictu sensu suchen Philosophen keine Anhänger, sondern verwehren sich dagegen und wollen zum selber denken anregen (siehe dazu auch entsprechende Zitate bei Sokrates, Nietzsche, Marx, Wittgenstein, Spaemann…) Wenn es darum geht, Kierkegaard gegen den Vorwurf zu verteidigen, er sei der erste große Irrationalist der abendländischen Geistesgeschichte, der erste unter der sogenannten „line of despair“ bin ich aber tatsächlich „Kierkegaardianer“ der seinen Lehrer dagegen verteidigt – was nicht schwer ist, da sich eben bei Luther, Calvin u.a. ganz ähnlich lautende Zitate finden. Anzuerkennen, dass es im Glauben Paradoxa gibt, führt nicht zwangsläufig zu „despair“ und einer Selbstaufgabe der Vernunft. Es kann auch rettend für den Glauben sein. Schon vor Kierkegaard schrieb Schopenhauer: „Die Philosophie… Weiterlesen »