„Wir haben die Sprache der Heiligen Schrift verlernt“

Horst Georg Pöhlmann in seinem Vorwort zur Ausgabe der Loci Communes (1521) von Philipp Melanchthon (1997, S. 9):

Durch diese Dogmatik sollten die scholastischen Lehrbücher ersetzt werden, in denen die biblische Botschaft durch philosophische und kirchliche Traditionen überfremdet wäre. Dogmatik sollte wieder Theologie der Bibel werden, die sie in ihren Anfängen gewesen sei. Ihr Sinn sei es, »zur Schrift einzuladen« (W 6). Melanchthon schreibt: »Wir haben – unter dem Einfluß der philosophischen Lehrer – nicht nur den Inhalt, sondern auch die Sprache der Heiligen Schrift verlernt und haben, wie in Esra zu lesen ist, ausländische Frauen geheiratet und ihre Sprache anstelle der unseren gesprochen« (2,62); wir müssen aus den »Quellen« schöpfen, nicht aus »Wasserlachen« (3,2). So wollte die Reformation das durch Menschensatzungen verdunkelte biblische Urzeugnis des christlichen Glaubens wiederentdecken.

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