20.000 Euro für ein Baby

Der SPIEGEL hat einen Beitrag über Leihmutterschaft mit dem Ziel veröffentlicht, für die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare mehr Verständnis zu wecken. Ich halte es für falsch, dass die Adoption im Rahmen der „Ehe für alle“ solchen Paaren grundsätzlich offen steht. Eltern-Kind-Beziehungen sind viel älter als menschengemachte Gesetze. Es ist meiner Meinung nach das natürliche und unverbrüchliche Geburtsrecht eines jeden Kindes, Mutter und Vater zu haben und von ihnen umsorgt zu werden. Geht das nicht, sollten möglichst nach „verwandten“ Alternativen gesucht werden.

Trotzdem verweise ich gern auf den Artikel „20.000 Euro für ein Baby“, da er Einblicke in die Szenarien rund um die Leihmutterschaft gibt.

Also vier Eltern für ein Kind:

Die Embryos sind zu diesem Zeitpunkt bereits einen Tag alt und wachsen in einem Embryoneninkubator vor sich hin. Die beiden Eltern in spe gehen essen.

Das Kind wird insgesamt vier Eltern haben. Pia als Leihmutter, Vladan als biologischen Vater und Peter als sozialen Vater. Die vierte im Bunde ist eine Eizellspenderin. Es war Pia wichtig, dass die Eizelle nicht von ihr kommt. Zu verstörend die Vorstellung, das Baby käme aus dem Bauch, sie sähe es an und es habe ihre Augen. Sie weiß nicht, ob sie es dann noch weggeben kann. Und das müsste sie auch nicht. Nach deutschem Recht gilt die austragende Frau als Mutter, sie dürfte es behalten und Vladan könnte nichts dagegen tun.

Doch das ist der Deal: 20.000 Euro dafür, dass sie das Baby hergibt. Behalten wäre nicht fair, dafür hat Vladan nicht 100.000 Euro ausgegeben. Und so muss eine Eizellspenderin her: Es ist einfacher, sich von diesem Kind zu distanzieren, wenn es genetisch vollkommen fremd ist.Und unter zypriotischen Studentinnen finden sich zahlreiche Eizellspenderinnen.

So auch die Mutter von Vladans und Peters Kind: Informatikstudentin, 22 Jahre jung, braune Augen, braune Haare, türkisch-britische Abstammung. Im Feld „persönliche Nachricht“ hat sie geschrieben: „Enjoy every moment.“ Das ist alles, was er von ihr weiß. Eine Informatikstudentin in dieser doch recht kleinen Stadt müsste leicht zu finden sein. Ob Vladan das interessieren würde? Nein. Er winkt ab. Nein. Schwamm drüber, er ist froh, dass er das Baby von ihr haben wird, mehr will er nicht. Und sie wird außer dem schnell verdienten Geld auch nichts davon wissen wollen, sonst hätte sie nicht diesen anonymen Weg gewählt.

Mehr: www.spiegel.de.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Es war Pia wichtig, dass die Eizelle nicht von ihr kommt. Zu verstörend die Vorstellung, das Baby käme aus dem Bauch, sie sähe es an und es habe ihre Augen. Sie weiß nicht, ob sie es dann noch weggeben kann.

    Ich kann es Pia nachfühlen. Ein Mensch aus dem Bauch! Wie eklig kann es denn noch werden? Muss man solche Horrorszenarien im 21. Jh. noch mitmachen?

    Wie lange müssen ästhetisch orientierte Aufzieher (weg mit dem schändlichen „Eltern“-Wort!) noch warten, bis Alpha/Beta/Gamma/Delta/Epsilon-Föten maschinell entkorkt werden?

    Was Pia aber nicht sieht: Wenn sie das Produkt auf diese Weise sozialisiert, könnte sich eine soziologische (sprich: pathologische) Nebenwirkung oder besser Fehlentwicklung einstellen. Am Ende „mag“ sie das Produkt noch, sieht gar ein „Kind“ in ihm. Dem ist strikt vorzubeugen, entweder mit Emotionssuppresiva oder durch Child-Rotating. Dadurch kann das lästige Beziehungsgefühl abgebaut oder verhindert werden. Filmtip dazu: Equilibrium.

    Außerdem dürfte das, man verzeih mir den altertümelnden Ausdruck, Kind der Maxime „Enjoy every moment“ durch onomatopoetische Lautäußerungen entgegenwirken.

    Eine Weiterentwicklung wäre das Child-Leasing: Da kann man es nach vier oder fünf Jahren zurückgeben und sich ein neues auf http://www.amazon.de/childstore kaufen. Warum also so halbherzig, Pia?

  2. Theophil Isegrim meint:

    Das ist einfach nur krank. Anstatt Verständnis weckt dieser Artikel nur Abscheu bei mir. Zwischendurch tauchte auch das Wort „fair“ auf. Die merken doch nichts mehr.

    Ich habe den Eindruck, wenn sich das nicht wieder ändert, und danach sieht es nicht aus, wird das ganz übel enden.

  3. In der Tat. Wir wissen genug, um einen düsteren Science Fiction à la 1984 dazu schreiben zu können. @Schandor, das wäre doch was für Dich. 😉

    Liebe Grüße, Ron

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