„Auf Klo“ oder die Jugendformate der Öffentlich-Rechtlichen

Sie heißen „Mädelsabende“, „Deutschland 3000“ oder „Auf Klo“ – die Jugendformate der Öffentlich-Rechtlichen auf Instagram und YouTube (ich habe darüber berichtet, z.B. hier oder hier). Sie wollen locker und neugierig wirken – aber die Ideologie dahinter ist fatal, meint Hannah Lühmann in einem bemerkenswert kulturkritischen Kommentar zu den „Aufklärungskanälen“ des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks.

Worum geht es? Die Formate, die auf Jugendliche ausgerichtet sind, sprechen bestimmte Themen an, die sie für sehr wichtig halten, etwa Penisgröße, Prostata, Spermiendichte, Feminismus, Transsexualität usw. Die Sendungen sind meist nach dem gleichen Muster aufgebaut. Ein Jugendlicher stellt fest, „dass es ein Phänomen gibt (Akne, Magersucht, Penisse, Jungfernhäutchen, Häusliche Gewalt, Gewerkschaften, Transsexualität), befragt dann irgendwelche Experten oder sonstige Protagonist*innen (das Gendern ist fester Teil der DNA der meisten dieser Formate) dazu, was man über dieses Phänomen wissen muss, ‚wie es sich anfühlt‘ oder ‚mit welchen Vorurteilen man da konfrontiert ist‘ und bereitet die so gewonnenen ‚Fakten‘ dann spielerisch für ein Publikum auf, das sie dann als Bestandteile seines ‚total aufgeklärten‘ Weltbilds weiterträgt.“ Auf diese Weise sollen dann „Toleranz“ und „Aufklärung“ gestärkt werden. Tatsächlich handelt es sich um naive Propaganda, die durch Rundfunkgebühren finanziert wird.

Hannah Lühmann schreibt:

„Mädelsabende“ & Co wirken, als wollten sie diese These illustrieren: Es begegnet einem eine scheinbar bunte Welt der verschiedensten Phänomene, aber dann wird sie immer nur ins gleiche staunende Abnick-Schema gepresst: „Frauen, die keinen Kinderwunsch haben und sich deswegen die Gebärmutter rausnehmen lassen? Aha! Wow! Das gibt es also auch. Das wusste ich nicht. Ist aber völlig okay. Habe ich wieder total viel gelernt. Danke für euren wertvollen Beitrag.“

Es wirkt, als traute sich niemand mehr zu denken. Die einzige Form, in der Neues zugelassen wird, ist der „Bericht“ des „Betroffenen selbst“, der als einziger kompetent darüber sprechen kann. Das alles ist nun, gesellschaftlich betrachtet, nichts Neues und es ist vielfach kulturkritisch beschrieben worden. Es wäre nur eben wünschenswert, wenn Formate, die den Anspruch haben, die Jugend zu bilden, sich vom Zeitgeist zumindest so weit distanzieren könnten, dass sie etwas anbieten, aus dem man lernen kann, anstatt ideologisch zu verdummen. Es handelt sich beim Beschriebenen natürlich um ein Problem, das massiv etwas mit dem Strukturwandel der Öffentlichkeit und den Medien zu tun hat: Formate sind heute nun mal interaktiv, es geht schon lange nicht mehr um klassische Sender-Empfänger-Modelle, und das ist ja auch richtig und gut.

Leider ist der Artikel hinter einer Bezahlschranke. Hier der Link: www.welt.de.

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