Gott, Christ und Welt

Augustinus schreibt im Gottesstaat (civ XV, c, 7):

Die Guten gebrauchen die Welt, um Gott zu „genießen“, die Bösen aber umgekehrt, um die Welt zu „genießen“, wollen sie Gott gebrauchen.

Josia-Konferenz 2014: Eine Botschaft, die alles ändert

Josia konferenz 2014 sidebarEs ist wieder soweit: Anmeldungen für die 2. Josia-Konferenz mit dem Thema „Eine Botschaft die alles ändert!“, die vom 2. bis 4. Oktober in Gießen stattfinden wird, sind ab sofort möglich. Einen Überblick zu den Programmpunkten, Referenten und Workshops gibt es hier, außerdem kann ein Flyer heruntergeladen werden.

Ich selbst konnten 2013 an einem Josia-Konferenztag dabei sein und fand es klasse.

Also, hier geht’s zur Anmeldung: www.josiablog.de.

Schöne neue Sterbehilfewelt

In der Diskussion um Sterbehilfe geht es um Selbstbestimmung, um Grauzonen, die abgeschafft gehörten, und um die Suche nach Hilfe im Ausland. Traurige Einzelschicksale liefern die emotionale Begleitmusik.

In seinem Beitrag „Schöne Sterbehilfewelt“ schreibt Daniel Deckers:

Die Argumente, die für eine Ermöglichung des ärztlich assistierten Suizids angeführt werden, ähneln spiegelbildlich jenen, die hierzulande in den achtziger und neunziger Jahren zugunsten der Straffreiheit der Abtreibung angeführt wurden: Wieder geht es um Selbstbestimmung, wieder um die Abschaffung von Grauzonen, wieder um die Suche nach Hilfe im Ausland. Illustriert werden die Argumente durch tragische Einzelschicksale, in denen sich kollektive Ängste idealtypisch verdichten: die Furcht vor einer inhumanen Apparatemedizin als der Schattenseite des Fortschritts, die Zunahme von Demenzerkrankungen und Pflegebedürftigkeit als Kehrseite der Alterung der Gesellschaft, die Aporien eines Gesellschaftsvertrags, nach dem eine Generation für gleich zwei sorgen muss.

Sich dieser epochalen Veränderung des Diskursrahmens zu verweigern hieße den Kopf in den Sand stecken; sich von kollektiven Ängsten und aporetischen Einzelschicksalen treiben zu lassen käme einem Scheitern angesichts des ethischen Imperativs gleich, Maß und Mitte zu wahren. Euthanasie in Staaten zu legalisieren, in deren Gesundheitssystem Palliativmedizin ein Fremdwort ist, erscheint geradezu als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Hier: www.faz.net.

Skizzen zu Rudolf Bultmann

Ich habe gestern einige Audio-Schnipsel aus einem Seminar zu Rudolf Bultmann entdeckt. Da ich darin unter anderem auf Eta Linnemanns Verhältnis zu ihrem Lehrer eingehe und die Krise der liberalen Theologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts umreiße, stelle ich die Aufnahmen zusammengeflickt in das Blog. Es könnte ja sein, dass das jemanden interessiert. Der Teil über die eigentliche Theologie Bultmanns ist nicht aufgenommen worden.

Die Kartierung der Schizophrenie

Es könnte ein Durchbruch in der Erforschung von Schizophrenie sein. In der bisher größten Studie der biologischen Psychiatrie wurden 108 Orte im Genom entdeckt, die mit der Entwicklung von Schizophrenie assoziiert sind. Die FAZ berichtet heute in ihrem Teil „Natur und Wissenschaft“ (Nr. 168, Mittwoch, 23. Juli 2014, S. N1) ausführlich über die Studie.

Wenn es die Neuroleptika noch nicht geben würde, dann könnte diese Gruppe von Psychopharmaka jetzt entwickelt werden – auf diese Formel bringen die Autoren einer in dieser Woche in der Zeitschrift „Nature“ erscheinenden Studie ihre Ergebnisse (doi:10.1038/nature13595). Forschungsgruppen aus vierzig Instituten weltweit – darunter mehreren deutschen – haben die bislang größte Untersuchung zur Genetik der Schizophrenie vorgelegt. Die Arbeit identifiziert 108 Genorte, die mit Schizophrenie assoziiert sind; 83 davon werden zum ersten Mal in einer wissenschaftlichen Arbeit genannt.

Stephan Rippe, einer der Autoren der Studie, wird mit folgenden Worten zitiert:

Wir wussten bisher einige wenige Dinge über die Biologie der Schizophrenie, weil bekannt war, wie die durch Zufall gefundenen Medikamente wirken, die bereits mehr als fünfzig Jahre alt sind. Unsere große Hoffnung ist jetzt, dass man durch den Umweg der Genetik auch die Forschung und Entwicklung im Hinblick auf Medikamente wieder anstoßen kann.

Von einer Vorhersage der Erkrankungswahrscheinlichkeit anhand des genetischen Befundes sei man jedoch noch weit entfernt.

Mehr Informationen in der genannte FAZ-Ausgabe oder bei Nature.

Georg Whitefield

George Whitefield at 300  verschobenGeorg Whitefield wurde 1714 als Sohn eines Gastwirts geboren. Als er 34 Jahre alt war, schloss er sich dem „Klub der Heiligen“ an, der in Oxford unter John Wesley geführt wurde. Nach Überwindung einer großen geistlichen Krise entwickelte er sich durch Gottes Gnade zu einem gewaltigen Evangelisten und Prediger. Ab 1739 predigte Whitefield auch im Freien, oft vor Tausenden von Hörern.

Die Neue Ausgabe der Zeitschrift CREDO ist Whitefield gewidmet. Sie kann hier heruntergeladen werden: www.credomag.com.

Eine unglaubliche Gleichmacherei

Warum werden Wesensmerkmale wie Behinderung, Begabung oder sexuelle Identität oft einfach wegdiskutiert? Christian Geyer mischt sich in eine verlogene Debatte um die angeblich erlösende Gleichheit ein.

Nicht jeder kann alles. Und nicht jeder kann das, was er kann, genauso gut wie jemand anderer, der es besser kann. Die Pointe der Inklusionssemantik liegt aber darin, jeden Unterschied als Ungleichheit zu deuten und jede Ungleichheit als Ungerechtigkeit. So wird unter der regulativen Idee der „Vielfalt“ (Schule der Vielfalt, „diversity management“ in Unternehmen) ein egalitäres Anspruchsdenken installiert, das so weit geht, Unterschiede als solche möglichst gar nicht mehr namhaft zu machen. Geschlecht, Behinderung, Alter oder Intelligenz gehören dann gar nicht erwähnt, sie erscheinen als bloße Zuschreibungen im Auge des Betrachters.

Die Analyse kategorialer Unterschiede wird als Essentialismus geschmäht, dem ein naiver Wesensbegriff zugrunde liege. Die propagierte Dekategorisierung („alles ist Zuschreibung“) vollzieht sich aber zunehmend auf dem Rücken der Betroffenen. Frau Allmendinger beispielsweise macht unfreiwillig die diskriminierenden Folgen für die Behinderten sichtbar, ja, befördert sie selbst. So kritisiert die Arbeitsmarktforscherin, „dass viele Bundesländer Inklusion fördern wollen, ihr Förderschulsystem aber unangetastet lassen“. Sie fordert, „Förderschulen konsequent zu schließen“ – und lässt damit die Katze aus dem Sack.

Das tut der Erlösungsstrategie der Inklusion aber keinen Abbruch. In ihrem Zentrum steht die Verabsolutierung des Prinzips der sozialen Partizipation. Es stellt alle anderen Bedürfnisse der Betroffenen in den Schatten. Gemeinschaft ist Trumpf: Alle sollen sich überall zugehörig fühlen können.

Das ist die Gegenthese zur ausdifferenzierten Gesellschaft, ein sozialer Radikalismus, vor dem schon der Anthropologe Helmuth Plessner in seiner Schrift „Grenzen der Gemeinschaft“ gewarnt hat. Natürlich soll niemand wegen seiner geschlechtlichen Identität diskriminiert werden dürfen. Doch das begründet umgekehrt noch keine Verpflichtung, alle möglichen sexuellen Gemeinschaftsmodelle am Ehebegriff partizipieren zu lassen.

Die Illusion der Vielfalt liegt ja darin, alle Ungleichheiten für unwirksam und unwichtig zu halten, haben sie sich erst einmal zur Vielfalt gerundet. Aber auch sexuelle Inklusion hat zwischen Deskription und Normativität von Vielfalt zu unterscheiden, sollen nicht legitime Fragen wie solche nach der Sicherung des Kindeswohls als unerheblich abgetan werden. Daher auch die Gefährlichkeit von Frau Allmendingers Appell zur Schließung der Sonderschulen. Um einer Gemeinschaftsideologie willen wird die besondere Förderung von besonders zu Fördernden fahrlässig aufs Spiel gesetzt.

Mehr: www.faz.net.

Theologie des Willens oder Theologie der Gnade?

Als zu Beginn des 5. Jahrhunderts n.Chr. die Belagerung Roms durch die ostgermanischen Goten bevorstand, musste eine junge Frau mit dem Namen Demetrias 410 n.Chr. aus der Stadt fliehen. Demetrias stammte aus dem angesehenen Geschlecht der Anicii. Auf ihrer Flucht gelangte die wohlhabende Adlige zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter nach Nordafrika, wo sie eine mitreißende Predigt Augustinus‘ über die Ehelosigkeit hörte.

Demetrias kam zum Glauben an das Evangelium von Jesus Christus. Die Bekehrung einer so vornehmen Frau Roms fand weit über das Gebiet von Karthago hinaus öffentliches Interesse. Proba, die Großmutter der Demetrias, und Juliana, ihre Mutter, erbaten sich aus gegebenem Anlass geistlichen Rat von drei damals in der abendländischen Kirche sehr angesehenen Theologen, nämlich von Augustinus, Hieronymus und Pelagius. Die drei Theologen kamen dieser Bitte nach und ihre Antwortschreiben sind uns erfreulicherweise erhalten geblieben. Die Antwortschreiben von Augustinus und Pelagius sind zwar nicht so stilvoll wie der Brief des Hieronymus, stehen aber für unterschiedliche Menschenbilder, die zu kennen für Theologen wichtig ist.

Ein Seminar „Theologie des Willens oder Theologie der Gnade?: Was wir aus den Demetriasbriefen von Pelagius und Augustinus lernen können“ führt am Samstag im MBS-Studienzentrum München in das Leben von Pelagius und Augustinus sowie in den sogenannten „Pelagianischen Streit“ ein. Anschließend werden auf Grundlage der beiden Briefe (und einiger anderer Dokumente) die „Gnadenkonzepte“ von Pelagius und Augustinus untersucht und Konsequenzen für die Verkündigung erarbeitet.

Technische Störungen

In den vergangenen Tagen gab es beim TheoBlog leider mehrfach technische Störungen. Die Plattform des bisherigen Hosters ist an ihre Grenzen gestoßen, so dass die Internetseite zeitweise komplett ausfiel. Inzwischen ist das Blog zu einem Anbieter umgezogen, der eine bessere Performance bietet. Ich hoffe, dass mit dieser Migration die Hauptursachen für die Störungen überwunden sind und das Blog wieder schneller „anspricht“.

Von mehreren Seiten wurde mir berichtet, dass es zudem Probleme beim Empfang der RSS-Feeds gibt. Wenn jemand Schwierigkeiten mit dem Einlesen der Feeds hat, empfehle ich folgende Adressen:

Ich bitte, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Vielen Dank!

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