Der flache Sarkasmus unserer Medienwelt

Mario Vargas Llosa schreibt (Alles Boulevard, 2013):

Doch unter dem unnachgiebigen Druck der herrschenden Kultur, die Witz über Intelligenz stellt, Bilder über Ideen, Humor über Ernsthaftigkeit, das Banale über das Tiefe und das Frivole über das Seriöse, bringt unsere Zeit keine Meister mehr hervor wie Ingmar Bergman, Luchino Visconti oder Luis Bunuel. Unterdessen wird ein Woody Allen zur Ausnahmeerscheinung gekrönt, Woody Allen, der verglichen mit einem David Lean oder einem Orson Welles dasselbe ist wie in der Malerei Andy Warhol gegenüber Gauguin oder Van Gogh und im Theater ein Dario Fo im Vergleich zu Tschechow oder Ibsen.

Die Abschaffung des Lehrers

Mario Vargas Llosa schreibt über den Einfluss von Michel Foucault auf die Bildungspolitik (Alles Boulevard, 2013):

In Europa wie auch in einem großen Teil der übrigen Welt gibt es seither in der Politik und in der Kultur praktisch keine Persönlichkeiten mehr, denen dieser zugleich moralische und intellektuelle Status einer »klassischen Autorität« zukommt und für die im Volk einmal die Lehrer oder Lehrmeister standen, mit Bezeichnungen wie magister, maestro, maitre, die so gut klangen, weil sie sich mit Wissen und Idealismus verbanden. Nirgendwo ist dies so katastrophal für die Kultur gewesen wie in der Bildung. Aller Glaubwürdigkeit und Autorität beraubt, hat der Lehrer – aus der progressiven Warte oftmals nur noch ein Vertreter der repressiven Macht, das heißt ein Feind, dem man zur Erlangung der Freiheit und der menschlichen Würde Widerstand leisten, den man fertigmachen muss – nicht nur das Vertrauen und die Achtung verloren, ohne die er seine Funktion als Erzieher – als Vermittler von Wissen wie von Werten – gegenüber den Schülern unmöglich ausüben kann, sondern auch den Respekt ihrer Eltern und jener revolutionären Philosophen, die nach Art des Verfassers von Überwachen und Strafen im Lehrer eines dieser finsteren Instrumente sahen, deren sich – genau wie die Gefängniswärter und die Psychiater in den Heilanstalten – das Establishment bedient, um dem kritischen Geist und der gesunden Aufsässigkeit von Kindern und Jugendlichen die Zügel anzulegen. (P. 896ff).

Und in seiner paranoiden Anprangerung der Tricks, deren sich ihm zufolge die Macht bedient, um die öffentliche Meinung ihren Diktaten zu unterwerfen, leugnete er [gemeint ist Foucault] bis zum Schluss die Wirklichkeit von Aids – der Krankheit, an der er starb – als ein weiteres Täuschungsmanöver des Establishments und seiner wissenschaftlichen Kollaborateure, um die Bürger einzuschüchtern und sie sexuell zu unterdrücken. Sein Fall ist paradigmatisch: Der intelligenteste Denker seiner Generation hatte, bei aller Ernsthaftigkeit, mit der er seine Forschungen auf den unterschiedlichsten Gebieten betrieb – Geschichte, Psychiatrie, Kunst, Soziologie, Erotik und natürlich Philosophie -, immer einen Hang zu Ikonoklasmus und Provokation, was zuweilen zu einer bloßen Attitüde geriet. Auch darin war Foucault nicht allein, er machte sich einen Generationsauftrag zu eigen, der die Kultur seiner Zeit tief prägen sollte: die Neigung zu Sophismus und Geblende. (P. 930ff)

Der spinöse Dekonstruktivismus

Mario Vargas Llosa schreibt über den Dekonstruktivismus von Jacques Derrida (Alles Boulevard, 2013):

Der delirante Inhalt mancher postmodernen Theorien – besonders des Dekonstruktivismus – war zuweilen jedoch noch schlimmer als ihre obskurante Form. So vertrat vor allem Jacques Derrida die These, und fast alle postmodernen Philosophen schlossen sich an, dass es falsch sei zu glauben, Sprache bilde die Wirklichkeit ab. In Wahrheit bildeten die Wörter sich selbst ab, böten „Versionen“, Masken, Verkleidungen der Wirklichkeit, weshalb die Literatur nicht die Welt beschreibe, sondern nur sich selbst, sie sei eine Abfolge von Bildern, die die verschiedenen Lesarten der Wirklichkeit, welche die Bücher gäben, dokumentierten, und dabei verwende sie diesen subjektiven und trügerischen Stoff, der die Sprache nun mal sei.

Auf diese Weise erschüttern die Dekonstruktivisten unser Vertrauen in jede Wahrheit, den Glauben daran, dass es logische, ethische, kulturelle oder politische Wahrheiten gibt. Letztlich existiert nichts mehr außerhalb der Sprache, denn die Sprache ist es, die jene Welt errichtet, die wir zu kennen glauben, die aber nichts weiter ist als eine von den Wörtern hergestellte Fiktion. Von da war es nur ein kleiner Schritt zu der Behauptung, Sprache sei, wie Roland Barthes es formulierte, „schlicht und einfach: faschistisch“. (P. 945–953)

Wann immer ich mich auf die obskurste Prosa und die erstickenden literarischen oder philosophischen Untersuchungen von Jacques Derrida eingelassen habe, hatte ich das Gefühl, meine Zeit elend zu verplempern. (P. 993)

Was tut die „Pille danach“?

In den letzten Monaten wurde ich von Christen mehrmals „zurechtgewiesen“, da ich im Gespräch auf eine mögliche abtreibende Wirkung von Ulipristal hingewiesen habe. Dass die „Pille danach“ kein Verhütungsmittel ist,  sondern im Verdacht steht, einen Abtreibungsmodus auszulösen, ist nun Gegenstand eines FAZ-Artikels:

Allerdings gibt es Befunde, die zusätzliche Brisanz in die Debatte bringen. Die Gruppe um Bruno Mozzanega von der Universität in Padua meldet erhebliche Zweifel an, dass Ulipristal tatsächlich ein Mittel zur Notfallverhütung ist. Sie behauptet vielmehr, dass es eher in die Kategorie „Abtreibungspille gehört („Reproductive Sciences“). Der Unterschied ist keineswegs trivial. In dem einen Fall verhindert das Mittel, dass ein Embryo entsteht, im anderen Fall, dass der bereits vorhandene Embryo weiterleben kann.

Eine „Pille danach“ wirkt so, dass sie den Eisprung verhindert oder hinauszögert. Das monatlich in den Eierstöcken heranreifende Ei soll nicht weiter reifen, und der Follikel, der das Ei enthält, soll nicht platzen. Sonst könnte das reife, gesprungene Ei in die Eileiter gelangen und dort von einer Samenzelle befruchtet werden. Die „Pille danach“ kann nie sicher sein. Denn hatte eine Frau zum Zeitpunkt des Verkehrs gerade einen Eisprung, nützt die Notfallverhütung nichts. Kurz vor dem Eisprung mitunter auch nicht, denn es ist bekannt, dass zum Beispiel der Orgasmus der Frau einen Eisprung vor der Zeit auslösen kann. Die Angaben zur Sicherheit der Notfallverhütung sind deshalb vage: Es heißt, dass Ulipristal etwa 80 Prozent jener Schwangerschaften, zu denen es nach ungeschütztem Verkehr hätte kommen können, verhindert.

Allerdings wirkt Ulipristal über einen weiteren Mechanismus wie eine Abtreibungspille.

Mehr: www.faz.net.

Kuyper: Das Wort Gottes

Abraham Kuyper schreibt über das Wort Gottes:

Man muss wohl unterscheiden zwischen „Wort Gottes“ im absoluten Sinn und dem Wort Gottes, wie es uns geoffenbart und der Kirche in der Heiligen Schrift gegeben ist. Die Heilige Schrift hört einmal auf. Wenn das Ende aller Dinge gekommen ist, wird auch die Schrift mit dieser ganzen Erde dahin sein. Es ist nicht so, als wäre in der Bibel als Buch irgendeine magische Kraft vorhanden, die schon als solche auch ohne die Einwirkung des Heiligen Geistes ihren Dienst täte. Das Buch als solches ist eine Sammlung bedruckten Papiers. Was darin Kraft besitzt, ist allein das Wort Gottes, das durch die Schrift rauscht, und dieses Wort Gottes wird uns nur bewusst durch die erleuchtende und versichernde Wirkung des Heiligen Geistes.

Wenn wir von der Heiligen Schrift als „Wort Gottes“ reden, meinen wir ein bestimmtes Wort Gottes, und zwar das Wort, wodurch er seine Gnade oder sein Evangelium geoffenbart hat mit alledem, was zum rechten Verstand dieses Evangeliums nötig ist. Daher unser ernster Protest gegen die Behauptung, wir hätten wohl in der Schrift ein Wort Gottes, aber die Heilige Schrift sei nicht selbst Gottes Wort. Das ist Unsinn … Obwohl das, was der Mensch sprach, Menschenwort bleibt, so dient es doch alles dazu, um uns das eine Wort von Gottes Gnade in seinem Reichtum und seiner Wirkung auf unser Herz verstehen zu lehren.

Gender Hokuspokus

Die sogenannten „Gender Studies“ wollen sich dem Frausein wissenschaftlich nähern. Doch das Gender-Dings ist keine Forschung, sondern eine quasi-religiöse Dogmatik, die große Mengen Steuergelder verschlingt. Alexander Kissler kommentiert den ideologischen Hokuspokus für Cicero:

Bald wird es ordentlich Zuwachs geben an Deutschlands Universitäten. Die bisher rund 250 Gender-Professuren sind erst der Anfang. Die nächste Stufe wird gezündet. Jetzt folgen Lehrstühle für Genderfundamentaltheologie, für vergleichende Genderreligionswissenschaft, für Genderdogmatik und auch für Exegese und Hermeneutik der Genderoffenbarung, der Genderwunder. Denn ein Glaubenssystem sind Gender Studies und Gender Mainstreaming. Ein Gender-Hokuspokus. Nun ist es heraus.

Aber worum geht es eigentlich? Hören wir auf einen Berliner Eingeweihten: Der Gender-Glaube verkündet für teures Staats-, also Steuer-, also unser aller Geld, dass Mannsein und Frausein eine „gesellschaftliche Konstruktion“ seien. Auch die „starren Alternativen von Homo und Hetero“ sollen überwunden werden zugunsten von „fluideren, beweglichen Formen von Geschlechtlichkeit“. Die „Lebenswelt der Menschen“ habe sich bereits von den „traditionellen Geschlechterrollen“ verabschiedet. In der Erziehung stehe dieser Schritt noch aus, weshalb der „Queer History Month“ an Berliner Schulen eine wunderbare Sache sei. Ganz in diesem Sinn argumentieren auch das baden-württembergische Kultusministerium und manche Gewerkschaft und sehr viele Lobby-Gruppen.

Mehr: www.cicero.de.

Josia-Konferenz 2014

Die Planungen für die Josia-Konferenz im Herbst 2014 haben begonnen:

Das Leitungsteam von Josia und viele weitere Mitarbeiter nahmen sich am vergangenen Wochenende die Zeit, um über die Zukunft von Josia zu sprechen, den Blog für das kommende Jahr zu planen und vor allem auch die nächste Josia-Konferenz im Herbst 2014 zu organisieren.

Mit der Organisation und Planung kamen wir gut voran. Zusammen konnten wir die vergangene Josia-Konferenz im Herbst 2013 Revue passieren lassen und uns Gedanken über die nächste machen. Dann ging es darum, in kleinen Gruppen zu überlegen, welche Themen jungen Christen auf der Seele brennen könnten und diese in Form von Blogbeiträgen für die kommenden Monate im Voraus zu planen. Ihr dürft jetzt schon gespannt sein!

Mehr hier: Josia-Freizeit: Weiter gehts…www.josiablog.de.

Edith und Francis Schaeffer im Interview (2)

Franky Schaeffer hat Anfang der 80-er Jahre eine Interviewreihe mit seinen Eltern Edith und Francis Schaeffer produziert. In dem nachfolgenden Teil sprechen sie über die Entstehung von L’Abri und Verlegung der ersten Bücher.

Das spätere Studienzentrum in der Schweiz L’Abri entstand in einer für Schaeffers schwierigen Zeit. Francis wurden von zahlreichen Zweifeln geplagt. Er wollte  wissen, ob Gott existiert und was echtes geistliches Leben ist. Deshalb beschäftigte er sich mit dem Thema Heiligung und begriff, dass das Gestorbensein und Auferstandensein mit Christus für die Nachfolge Jesu große Aktualität besitzt. Die in dieser Zeit entstandenen Manuskripte befassen sich mit Rechtfertigung, Vergebung, substantieller Heilung der Seele und Versöhnung zwischen den Menschen. Schaeffer verdeutlichte, dass wir „Nein!“ zur Sünde und manchmal auch zu uns selbst sagen müssen, um ein verheißungsvolles Leben in der Kraft des Heiligen Geist führen zu können.

Aus dieser Krise heraus wurde 1955 offiziell L’Abri geboren. Es begann mit Freunden Priscillas, die aus der Universität in das Haus der Schaeffers kamen und Fragen über das Christentum, die Wahrheit und das Leben stellten. Das Interesse vor allem junger Leute war so groß, dass das Leben neu organisiert werden musste.

L’Abri arbeitete mit vier Grundprinzipien:

  • Sie würden nicht um Geld bitten, sondern ihre Bedürfnisse Gott mitteilen;
  • Sie würden nicht um Mitarbeiter werben, sondern abhängig davon sein, dass Gott die richtigen Leute senden würde;
  • sie würden nur kurzfristig planen, um von Gottes Leitung abhängig zu sein;
  • sie würden nicht sich selbst bekanntmachen, sondern Gott vertrauen, dass er ihnen Menschen in Not senden würde.

Schaeffers wollten damit keine verbindlichen Regeln für andere Christen oder Werke entwickeln. Diese Regelungen entstanden aus dem Wunsch, zu demonstrieren, dass Gott keine Illusion ist und auf Gebete antwortet.

E21-Konferenz 2014

Bald beginnt die Evangelium21-Konferenz in Hamburg. Auf uns warten wieder bewegende Vorträge und Seminare. Ich haben Wolf Christian Jaeschke und Eowyn Stoddard kurz zu ihren Seminaren befragt. Die Gespräche sind auf der Internetseite von E21 zu finden: www.evangelium21.net.

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