Schätze der Gnade online

51nkOLENz4LDer Verlag für Kultur und Wissenschaft hat erfreulicherweise die Druckfahnen des Buches:

im Internet bereit gestellt.

Im Vorwort des Buches heißt es:

Der Glaube an Jesus Christus wird in Europa gegenwärtig durch zwei sich überschneidende Entwicklungen herausgefordert. Wir beobachten zum einen, dass sich die Gesellschaft zunehmend vom Christentum entfremdet. Viele Menschen haben den Bezug zur Kirche verloren und hinterfragen oder bedrängen den Glauben und das christliche Leben. Klare Glaubensüberzeugungen werden zunehmend pauschal abgelehnt und bekämpft. Gleichzeitig ist festzustellen, dass das Christentum selbst seine Kraft und Ausstrahlung verliert, da es sich von Christus entfernt. Bereitwillig säkularisieren sich Gemeinden sowie einzelne Gläubige und geben biblische Positionen zugunsten gesellschaftlich akzeptablerer und zeitgemäßerer Standpunkte auf. Viele Christen verlieren angesichts dieser Entwicklungen den Mut, ihren Glauben klar zu bekennen und konsequent auch dort zu leben, wo dies auf Widerstand stoßen könnte. Einige fragen sich sogar: Wie sollen Theologie, Verkündigung, Mission und Gemeinde unter diesen Umständen fortbestehen?

Im Herbst 2009 trafen sich neunzehn Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in München, um sich über diese „Krisenerfahrung“ auszutauschen und darüber nachzudenken, was diesen Tendenzen entgegengesetzt werden kann. Die Gesprächsteilnehmer kamen aus unterschiedlichen Berufen und gemeindlichen Hintergründen, unter ihnen Pastoren, Lehrer, Verleger und Studenten. Einige kamen aus Landeskirchen, die meisten gehörten Freikirchen an. Was sie verband, war die Liebe zur reformatorischen Theologie sowie der Glaube an die Kraft des Evangeliums.

Auch wir waren damals dabei. Wir erinnern uns sehr gut an unsere Einigkeit in der Bewertung der gegenwärtigen Herausforderungen. Wir alle teilten die Sorge darin, dass wichtige Aspekte des biblisch-historischen Glaubens in vielen Kirchen und Gemeinden immer mehr verwässert werden. So schwindet das Vertrauen in die Heilige Schrift, das Wissen um die Verlorenheit des Sünders, die Freude über die Glaubensgerechtigkeit, die Dankbarkeit für den stellvertretenden Sühnetod von Jesus Christus oder auch die „Retterliebe“. Trotzdem machte sich in der Runde kein Pessimismus breit. Wir erkannten, dass die „Krise“ eine Chance sein kann, wenn wir gemeinsam biblische Wahrheiten und die Heiligung des Lebens wiederentdecken und auf die Kraft des Kreuzes, die heilsame Gnade Gottes wie auch die Stärke des Heiligen Geistes vertrauen.

Da wir nordamerikanische Netzwerke wie die „Gospel Coalition“ oder „Together for the Gospel“ und auch Organisationen wie „Desiring God“, „9Marks“ oder „Redeemer City to City“ gut kannten, überlegten wir, ob es nicht an der Zeit sei, auch in Deutschland eine ähnliche Vereinigung aufzubauen. Nach mehreren Gesprächen und Gebet haben wir uns entschlossen, erste Schritte in diese Richtung zu gehen. Die Gemeinschaft wurde verbindlicher, wir formulierten unsere „Theologischen Grundlagen“, gaben dem Netzwerk den Namen „Evangelium21“, hielten erste Konferenzen ab und gründeten schließlich im Jahr 2012 einen eingetragenen Verein.

Seit 2011 findet jährlich eine 3-tätige Konferenz statt, die von vielen hunderten Personen besucht wird und durch die Pastoren, Prediger, Älteste und sonstige engagierte Christen im Glauben gestärkt und zugerüstet werden. Außerdem ist inzwischen mit dem Netzwerk „Josia – truth for Youth“ eine Tochterorganisation entstanden, die das Anliegen hat, die Vision von „Evangelium21“ der nächsten Generation nahezubringen.

Durch gegenseitige Vernetzung, Austausch und die Bereitstellung verschiedener Ressourcen soll den ungünstigen Trends mit der Strahlkraft des Evangeliums entgegengewirkt werden. Obwohl die Mitglieder des Netzwerks „Evangelium21“ verschiedenen Kirchen und Gemeinden angehören, verbindet sie das uneingeschränkte Vertrauen in die Heilige Schrift sowie eine reformiert ausgerichtete Theologie. Gegründet auf den von den Reformatoren wiederentdeckten Wahrheiten – Gnade allein, Glaube allein, die Schrift allein, Christus allein, und zu Gottes Ehre allein – wollen sie demütig und zugleich mutig Impulse setzen, durch die Gemeinden belebt werden.

Als uns angeboten wurde, im Jahrbuch des Martin Bucer Seminars Einblicke in unsere theologischen Wurzeln und Anliegen zu geben, haben wir dankbar zugesagt. Die Beiträge dieses Bandes stammen allesamt von Autoren, denen der evangeliumszentrierte Gemeindebau ein Anliegen ist.

Die ersten drei Beiträge sind kirchengeschichtlich ausgerichtet. Thomas Schirrmacher, Rektor des Martin Bucer Seminars, zeigt in „Johannes Calvin: Warum wir mehr über den Reformator wissen sollten“, weshalb es die Theologie des französischen Reformators in Deutschland besonders schwer hat. Calvin ist nicht nur für den reformierten Flügel der Reformation von großer Bedeutung, sondern hat die gesamte neuzeitliche Christenheit beeinflusst. Die Calvinforschung der letzten Jahrzehnte hat aufgedeckt, dass das Calvinbild durch jahrhundertelange Propaganda verzerrt wurde. Schließlich entfaltet Professor Schirrmacher, dass Calvin bereits als junger Theologe Herausragendes zu leisten vermochte. Schon in der ersten Auflage seiner Glaubenslehre aus dem Jahr 1536 sind wirkmächtige Schwerpunkte seiner Theologie angelegt. Ron Kubsch stellt in seinem Beitrag die seit einigen Jahren beachtete Bewegung des „Neuen Calvinismus“ vor. Was genau steckt hinter dem Namen? Was sind die historischen Quellen, die Inhalte und Schwerpunkte der verhältnismäßig jungen Bewegung? Der Aufsatz geht solchen Fragen nach und entwickelt einen kurzen Ausblick. Matthias Lohmann zeigt in dem Beitrag „Zurück zu alten Ufern“, dass in Deutschland zwei große freikirchliche Denominationen reformierte Wurzeln haben. Er skizziert die theologischen Prägungen von Johann Gerhard Oncken und Hermann Heinrich Grafe und betrachtet die ursprünglichen Glaubensbekenntnisse dieser Freikirchen.

Es folgen einige theologische Aufsätze.

Richard Phillips erörtert die Frage, ob es unter den Bedingungen der Postmoderne überhaupt noch möglich ist, absolute Wahrheit zu denken. Er zeigt, dass manche Einsichten postmoderner Erkenntnistheoretiker nachvollziehbar und nützlich sind, es aber alles in allem keinen Grund gibt, ihren Relativismus zu übernehmen. Mit Herman Bavinck sagt Phillips, dass zwar der endliche Mensch das Unendliche nicht erschöpfend versteht, aber es eben doch verstehen kann, insofern Gott etwas davon offenbart. Der Christ kann mit Hilfe des Heiligen Geistes so viel Wahrheit erkennen, wie nötig ist, um sich in dieser Welt zurechtzufinden und ein gottgefälliges Leben zu führen.

Seit Jahren wird inständig darüber diskutiert, was das Evangelium eigentlich sei. Bryan Chapell verteidigt die reformatorische Deutung: Gott hat seine Verheißung erfüllt. Er hat einen Messias gesandt, um gebrochene Menschen zu retten. Daher kann man das Evangelium auch sehr gut mit den Worten zusammenfassen: „Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten“ (1Tim 1,15).
Um das Jahr 1515 erkannte Martin Luther bei der Lektüre des Römerbriefes die Rechtfertigung allein aus Glauben. Die sogenannte „Rechtfertigungslehre“ wurde zum zentralen Artikel der reformatorischen Bewegung, mit dem die Kirche steht und fällt. Philip Ryken erklärt mit Hilfe gut verständlicher Bilder diesen Glaubensartikel, damit er in uns so wie einst bei Luther die Freude an Gottes Gerechtigkeit weckt. Diese „Gabe der Rechtfertigung ist für jeden da, der da glaubt und das Evangelium annimmt. Durch seine freie Gnade bietet Gott auf der Grundlage des Versöhnungswerks Jesu Christi völlige und abgeschlossene Rechtfertigung. Wer an Jesus Christus glaubt, wird im ewigen und gerechten Gericht Gottes auf ewig für gerecht erklärt.“

In seinem zweiten Beitrag plädiert Matthias Lohmann für die Auslegungspredigt als Hauptform der biblischen Verkündigung. Er belegt, dass die ganze Bibel in einem Zusammenhang mit dem Evangelium von Jesus Christus steht und deshalb die Texte in der Predigt immer von Jesu Christi her auszulegen sind. „Das Evangelium gehört in jede Predigt!“ gibt außerdem praktische Hilfestellung dafür, wie der Evangeliumsbezug eines Abschnitts erkannt und entfaltet werden kann.

Menschen, die durch Jesus Christus mit Gott versöhnt sind, haben allen Grund, sich an Gott zu freuen und ihm fröhlich zu dienen (vgl. Ps 68,4). Warum fehlt uns bei Gottesdienst, beim Studium der Heiligen Schrift oder beim Beten so oft die Freude? Christian Wegert erörtert solche Fragen anhand von Philipper 1,1–6 und zeigt, dass unser Gottesdienst von unerschütterlicher Freude und Zuversicht getragen sein kann, sogar dann, wenn wir vor scheinbar unlösbaren Aufgaben stehen. Auch wenn wir im eigenen Leben und in der Gemeinde von Jesus Christus Unvollkommenheiten entdecken, dürfen wir wissen: „Jesus Christus wird seine Kinder vollenden auf den Tag seiner Wiederkunft hin!“

Titus Vogt stellt sich in seinem Artikel „Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne!“ dem Verhältnis von Gottes Souveränität und menschlicher Verantwortung. Er weist nach, dass für den Apostel Paulus Gottes Souveränität und Gerechtigkeit sowie die Verantwortung des Menschen zusammengehören.

Welche Funktion hat das Gesetz im Leben des Christen? Wie sollen Christen die Freiheit vom Gesetz konkret verstehen? Suspendiert die Liebe vom Gebot, so wie das oft behauptet wird? Die Antworten auf solche Fragen können sehr unterschiedlich ausfallen. Ron Kubsch empfiehlt im letzten Aufsatz „Liebe und tue, was du willst“ ein Gesetzesverständnis jenseits von Gesetzlosigkeit und Gesetzlichkeit.

Im Anhang des Bandes befinden sich die „Theologische Grundlage“ des Netzwerkes „Evangelium21“. Das Dokument wurde in den Jahren 2010 und 2011 vom Trägerkreis gemeinschaftlich erarbeitet. Obwohl dabei auf den Bekenntnistext der „Gospel Coalition“ zurückgegriffen wurde, folgt es nicht in allen Punkten der Vorlage, sondern repräsentiert den Konsensus innerhalb des deutschen Netzwerkes.

Wir danken all denjenigen, die zum Gelingen des Bandes beigetragen haben, zuallererst den Autoren für ihre Beiträge. Ein herzliches Dankeschön geht an Ivo Carobbio für seine zügige und zuverlässige Übersetzungsarbeit sowie an Micha Heimsoth für das Lektorat. Beate Hebold hat wieder einmal mit Fleiß und Sorgfalt den Satz übernommen. Wir danken außerdem dem „Verlag Crossway“ für das Überlassen der Übersetzungsrechte an den Aufsätzen der „Gospel Coalition“ sowie dem „Verlag für Kultur und Wissenschaft“ für die Herausgabe des Jahrbuches.

„Die wahre Erkenntnis Christi besteht darin“, schreibt der Reformator Johannes Calvin (Institutio III, 2, 6), „dass wir ihn annehmen, wie ihn uns der Vater darbietet, nämlich umkleidet mit seinem Evangelium. Denn wie er dazu bestimmt ist, der Zielund Lichtpunkt unseres Glaubens zu sein, so können wir nur dann den rechten Weg zu ihm einschlagen, wenn uns das Evangelium vorangeht.“ Wo das Evangelium uns den Weg weist, „öffnen sich dann alle Schätze der Gnade“. Wir wünschen den Lesern des Buches Wegweisung durch das Evangelium.

Ron Kubsch und Matthias Lohmann

Die PDF-Datei des Buches kann hier heruntergeladen werden: JB_2013_Schaetze.pdf.

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M. Weber über den Einfluss des Christentums

Der 20-jährige Max Weber beglückwünschte 1884 seinen Bruder Alfred mit einem Brief zur Konfirmation. In dem Schreiben ist zu lesen:

[Die christliche Religion] ist eine der Hauptgrundlagen, auf denen alles Große beruht, was in dieser Zeit geschaffen ist; die Staaten, welche entstanden, alle großen Taten, welche dieselben geleistet, die großen Gesetze und Ordnungen, welche sie aufgezeichnet haben, ja auch die Wissenschaft und alle großen Gedanken des Menschengeschlechts haben sich hauptsächlich unter dem Einfluß des Christentums entwickelt. […] Das wird Dir, je mehr Du in die Geschichtstafeln der Menschheit blickst, um so klarer werden.

Wie wichtig sind der EU die Familien?

Was die Familie vom Europäischen Rat und vom Europäischen Parlament vermutlich zu erwarten hat, beschreibt iDAF im neusten Rundbrief:

Die Staats- und Regierungschefs erkennen zwar die demografischen Entwicklungen als Herausforderung und die Bevölkerungsalterung als zusätzliche Gefahr für die Sozialsysteme an, aber sie verweigern eine vorrangige Option für die Familie. Die im Jahre 2002 beschlossene Barcelona-Strategie zur Förderung der staatlichen Kinderbetreuung bleibt Bestandteil der Arbeitsmarkt- und Wachstumspolitik. Das Grundverständnis der EU ist offenbar, dass Kinder und Mutterschaft ein Hemmnis zur Selbstverwirklichung der Frau und eine vermeidbare Ursache von Geschlechterdiskriminierung sind. Der Europäische Rat schweigt zur längst überfälligen Anerkennung der nicht-monetären Wirtschaftsleistung von Frauen und Mütter. Die EU weigert sich, Wohlstand, Wohlfahrt und Bruttoinlandsprodukt (BIP) lebensnah zu messen, ausgehend von der kleinsten sozialen Einheit aller Mitgliedsstaaten: der Familie. „Familienmainstreaming“ statt „Gendermainstreaming“, dafür hätten sich vor allem die Prioritäten „Innovation“, „Integration“ und „Solidarität zwischen den Generationen“, sowie die Schwerpunkte „informelles Lernen“, „neue Kompetenzen“ und „neue Beschäftigungsmöglichkeiten“ angeboten.

Arbeitsmarktpolitik soll auch im neuen Fünfjahrplan nicht durch die Integration einer auf Familienbedürfnisse und -interessen ausgerichteten Perspektive ergänzt, und mithin effizienter werden. Echte Wahlfreiheit ist weiterhin keine Option, denn die EU definiert sich als grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt und steuert die nationale Arbeitsmarktpolitik von Brüssel aus. Davon sind ausnahmslos alle Bürger in allen Mitgliedsstaaten und auch die Familie betroffen.

U. Wilckens: Wort und Glaube

Starke Worte von Prof. Ulrich Wilckens (Theologie des Neuen Testaments, 2014, Bd. 2, S. 9):

Daß die Verkündigung des Evangeliums als Wort Gottes gehört (1Thess 2,13) und im Glauben angenommen wird (1Kor 15,1f.), ist alles andere als selbstverständlich. Das liegt nicht an der mehr oder weniger starken intellektuellen Überzeugungsfähigkeit und rhetorischen Begabung, auch nicht an der persönlichen Ausstrahlungskraft unterschiedlicher Prediger. Menschen mögen Menschen von sich überzeugen – aber darum geht es in der Verkündigung des Evangeliums nicht. Dessen Inhalt ist: »Jesus Christus als der Herr« (2Kor 4,5), der für unsere Sünden gekreuzigte Messias, den Gott auferweckt hat (1Kor 15,3-5; 2Kor 5,14f.). Dies zu vermitteln, vermag nur Gott selbst. Daß in den Herzen Glauben entsteht (Röm 10,8f.), ist ein schöpferischer Akt Gottes wie der, mit dem er im Anfang »aus der Urfinsternis Licht aufstrahlen ließ« (2Kor 4,6) und Nicht-Seiendes ins Sein gerufen hat (Röm 4,17; Hebr 11,3).

Übung macht doch keine Meister

Du schaffst alles, wenn du nur lange genug übst – heißt es oft. Doch eine neue Studie zieht diesen Satz in grundsätzliche Zweifel. Patrick Bernau hat für die FAZ neueste Forschungsergebnisse zusammengefasst:

In den vergangenen Wochen schon kam eine Studie aus Schweden ins Gespräch, die zeigte, dass man vom Üben zumindest nicht musikalisch wird. Doch jetzt wird es noch deutlicher: Die renommierte Fachzeitschrift „Psychological Science“ hat einen neuen Überblick veröffentlicht, für den Forscher insgesamt 88 einzelne Studien aus verschiedenen Bereichen ausgewertet haben – und sie kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Es kommt vor allem aufs Talent an.

Nur zehn Prozent der menschlichen Leistung in einzelnen Disziplinen hängt davon ab, wie viel die Menschen üben, haben Brooke Macnamara von der angesehenen Princeton University und zwei Kollegen ausgerechnet. Für den Rest der Leistung sind andere Faktoren verantwortlich. Nicht alle davon sind angeborenes Talent.

Wichtig könnte zum Beispiel sein, in welchem Alter sich die Menschen zum ersten Mal mit einer Disziplin auseinandersetzen, schreiben die Forscher: Je jünger, desto leichter tun sie sich später. Aber auch die generelle Intelligenz und der Umfang des Arbeitsspeichers im Gehirn könnten eine Rolle spielen.

Mehr: www.faz.net.

Erziehung: Wann der Staat einzugreifen hat

Robert Spaemann ( Gesinnungsethik und Verantwortungethik, in: Peter M. Schmidhuber (Hrsg.): Orientierungen für die Politik? Vier philosophische Vorträge von Arno Baruzzi, Nikolaus Lobkowicz, Manfred Riedel, Robert Spaemann, München 1984, S. 66–67):

Der Gedanke einer gestuften Verantwortung ist für jede konkrete Ethik unerlässlich. So haben Eltern in der Regel die positive Verantwortung für das Wohl und die Erziehung der Kinder. Die subsidiäre Verantwortung des Staates bezieht sich nicht darauf, das Wohl und die Erziehung des Kindes zu optimieren, d. h. sie den Eltern immer dann aus der Hand zu nehmen, wenn die Erziehung nach Auffassung der Behörden bei anderen Personen besser wäre als bei den Eltern. Fast allen Eltern müssten dann die Kinder weggenommen werden, denn wer erzieht schon seine Kinder so, dass jemand anderes sie nicht vielleicht noch besser erzöge? Aufgabe des Staates kann es nur sein, die Unterschreitung bestimmter Minimalforderungen, die sich aus der Menschenwürde des Kindes ergeben, zu verhindern und tätig zu werden, wenn diese gefährdet sind.

Gefunden beim iDAF: iDAF_Nachricht_Zitat_13_2014.pdf.

Wahnsinn mit Methode

Thomas Lachenmaier schreibt in seinem Artikel „Wahnsinn mit Methode“ (factum, 5/2014, S. 14–17, hier: S. 17):

Um eine Familie zu gründen, müssen eine Frau und ein Mann als solche authentisch sein und eine Vorstellung davon haben, was eine Familie ist. Wo der Mensch alles ist, aber nicht männlich oder weiblich, da wird sich auch keine Familie bilden können, wie sie von der Schöpfung angelegt, von Gott gedacht ist. In erster Linie richtet sich Gender gegen die Familie. Der immense Aufwand, den mehr als 200(!) Gender-Lehrstühle allein in Deutschland betreiben, um die Identität von «Mann» und «Frau» zu zerstören, zeigt Wirkung.

Wer heute eine Umfrage in der Fussgängerzone macht, sogar wenn er ein kirchliches Orientierungspapier zurate zieht, der wird nicht mit einem schlüssigen Bild von Familie konfrontiert, sondern mit einem «anything goes», mit der Auflösung der Familie. Alles kann Familie sein: zwei Männer mit oder ohne Kinder, eine polygame WG, eine Frau mit zwei Männern. Warum nicht auch bald eine alleinstehende Frau mit ihren sieben Katzen, wenn sie mit ihnen eine hinreichend verlässliche Beziehung hat?

Der Religionspädagoge und Buchautor Andreas Späth erinnert in einem Aufsatz an ein bemerkenswertes Wort von C. S. Lewis. Mitte des vorigen Jahrhunderts schrieb Lewis: «Denn die Macht des Menschen, aus sich zu machen, was ihm beliebt, bedeutet (…) die Macht einiger Weniger, aus anderen zu machen, was ihnen beliebt.» Es lässt sich heute sehen, wie viel Macht diese einigen Wenigen, die sich Gender auf die Fahnen geschrieben haben, über die Vielen haben. Sie bestimmen die politische Agenda und sie gehen dabei energisch vor. Ein Zitat der EU-Kommissarin für Justiz, Grundrecht und Bürgerschaft, Viviane Reding, markiert diese Entschlossenheit: «Wir wollen keine Völker, die sich der gleichgeschlechtlichen Ehe widersetzen. Falls dies nicht verstanden wird, müssen wir eben eine härtere Gangart einschlagen.»

Der Islam will die Welteroberung

Der Greifswalder Althistoriker Egon Flaig, Autor einer bemerkenswerten Geschichte der Sklaverei, hat für die FAZ einen Essay über Mohammeds kämpferische Religion verfasst:

Nirgendwo unter der Herrschaft des Islam, und auch nicht im spanischen Kalifat, waren Juden Bürger ihrer Stadt; sie blieben stets Unterworfene. In manchen deutschen Städten – Worms, Augsburg und anderen – des Hochmittelalters waren die Juden Stadtbürger besonderen Rechts, sie hatten das Recht, Waffen zu tragen, und waren bessergestellt als ärmere christliche Einwohner. Sie waren bis ins vierzehnte Jahrhundert, als sich ihre Situation verschlechterte, weit besser integriert, als die Juden im muslimischen Spanien es jemals sein konnten. Wer die politische Integration für die wichtigste hält, kann nicht umhin, Augsburg über Córdoba zu stellen. All das ist seit über fünfzehn Jahren wissenschaftlich bekannt. Aber wer will es hören?

Hier: www.faz.net.

Kirche für Atheisten

Sie singen beseelt im Chor – wie bei einem Gottesdienst. Sie halten stille Andacht – wie in der christlichen Messe. Was fehlt – ist Gott. Wir sind gottlose Gesellen und feiern das Leben, lautet das Motto der „Sunday Assembly“.

Schon 2013 habe ich hier kurz atheistische „Gottes“-dienste erwähnt. Am 6. Juli strahle der ARD-Weltspiegel einen gut gemachten Bericht aus. Interessant finde ich, dass Dave Tomlinson, einer der Vordenker des emergenten Christentums (siehe auch hier), in der „Sunday Assembly“ auftritt und von ihr lernen möchte. Ich vermute, dass der Bericht nur ca. 7 Tage online abrufbar sein wird. Also jetzt mal reinschauen.

Hier: www.daserste.de.

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