Chroniken von Narnia

Die Chroniken von Narnia sind wahrscheinlich das in den letzten Jahrzehnten am heftigsten angefeindete Stück Kinderliteratur. Nicht nur einzelne Interessensgruppen attackieren die Bücher für ihre dezidiert christliche Moral, auch selbst literarisch im Christentum verwurzelte Schriftsteller wie etwa die Harry Potter Autorin JK Rowling kommen über die Art, wie C.S. Lewis mit Susan Pevensie umgeht, nicht hinweg. Das Blog SonntagsGesellschaft liefert eine „unapologetische“ Verteidigung der Narniachroniken:

Dass die Chroniken letztendlich nicht vielmehr seien, als die in eine Welt voller Fabelwesen transponierte Bibel habe ich so mehr als einmal vernommen. Davon ausgehend, dass Propaganda für egal welche Denkrichtung selten Grundlage guter Literatur sein kann, nicht gerade eine Ermutigung, sich endlich einmal in Lewis Werk einzuarbeiten.

Zuletzt allerdings kam ich dann günstig an die Hörbücher und musste im Verlauf des Zuhörens den Großteil meiner Vorurteile über Bord werfen.

Tatsächlich sind die meisten der sieben Narnia-Bücher gute, auch überdurchschnittlich gut geschriebene, Kinderbücher. Ja, natürlich haben Sie Ihre predigenden Elemente, etwa wenn wir in Prinz Caspian akzeptieren sollen, es sei richtiger einem kleinen Kind und den Anweisungen eines nur von diesem zu sehenden Löwen zu folgen, als dem von den anderen und ebenfalls Narnia verpflichteten Kindern und den Regeln des Narnia von The Lion, the Witch and the Wardrobe. Aber das ist nicht halb so übel wie der Jargon der Eigentlichkeit und der Zivilisationshass die zum Beispiel das viel gelobte Momo beschwört. Man lese dazu den herrlich bissigen Verriss in der Bahamas.

Vor allem aber: Meist herrscht bei Lewis das Primat der Literatur, Moral wird durch Darstellung vermittelt, nicht durch plumpe Propaganda, und das wiederum hebt ihn schon deutlich über die meisten Kinderbuchautoren. Erinnert sei an Philip Pullman oder an Dumbledores Monologe in Harry Potter.

Hier mehr: sonntagsgesellschaft.wordpress.com.

Die Chroniken von Narnia: Gesamtausgabe von Clive S Lewis

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Kommentare

  1. Schandor meint:

    Rowling hat nichts von Lewis verstanden. Ihre Kommentare der beste Beweis dafür.

    Aber die Konnotationen, die der Autor in seinem Artikel in bezug auf Aslan erwähnt, entspringen kranken Geistern (nicht Gehirnen – bin ja kein Evolutionist). Wer C.S. Lewis so etwas nahelegt, ist schlicht krank.

    Ebenso ekelhaft finde ich die Kritik, die ihm von Christen anderer Lager immer wieder entgegengebracht wird und die mitunter soweit geht, ihm das Christentum wenn nicht ganz abzusprechen, so jedoch in höchste Zweifel zu ziehen (der späte und sehr geschätzte Martyn Lloyd-Jones etwa, aber das ist klar: Lewis ist dem Puritanismus ja entflohen, mitunter auch deswegen, weil Lewis die Gnadenlehren nicht verstanden hat, was auch wieder kein Wunder ist, weil die Calvinisten sie oft selbst nicht verstehen und dann auch noch schlecht verkünden). Hauptsache, Christen lassen kein gutes Haar an Mitchristen:
    „Kein Tier zeigt eine solch hemmungslose Feindschaft gegen den Menschen wie die Christen, wenn sie ihre Mitchristen angreifen“, bemerkte der heidnische Historiker Ammianus Marcellinus einmal dazu.
    Das Gegenteil dessen praktiziert jetzt die Ökumene: Da sind alle ganz, ganz lieb miteinander, alles unter dem Begriff der „Einheit“ – nur dass Rom die Einheit in der Vielheit sucht und nicht die Einheit in der Wahrheit.

    Aber C. S. Lewis anzugreifen, egal wie, das geht nicht in Ordnung. Ja, er hat ein paar Aussagen gemacht, die Engelssucher und sonstige Puristen beunruhigen können. Na und? Wer von uns hat das noch nicht?

    Ich möchte anregen, seine Trilogie für Erwachsene neu zu lesen, insbesondere Perelandra – dort kann man lernen, wie der Feind das Unschuldige verführt …

  2. Sicherlich, man muss mit Lewis nicht einer Meinung sein. Aber seine Werke zu lesen, lohnt sich definitiv.

  3. Ich freue mich über die Verlinkung, zeigt sie doch, dass man sich nicht in der kuscheligen Ecke eines gemeinsamen Glaubens oder einer gemeinsamen Meinung einrichten muss, um sich für die Gedanken anderer zu interessieren.

    Stark widersprechen muss ich jedoch dem Kommentierenden Schandor. Es ist mehr als nur schlechter Stil jemandem, dessen Meinung man nicht teilt, einen kranken Geist zu attestieren. Zumal noch Sie, Schandor, sich beim Lesen nicht all zu viel Mühe zu geben scheinen. Denn an der von ihnen herausgegriffenen Stelle geht es um die Konsequenzen, die eine 1:1 Übersetzung des Textes in Bibel-Terminologie für die Chroniken hätte. Dass diese nicht sinnvoll ist wurde zuvor schon anhand der Problematik nachgewiesen, dass es sich nach der Übersetzung um eine blasphemische Erzählung handeln würde.
    Und was heißt „Aber C. S. Lewis anzugreifen, egal wie, das geht nicht in Ordnung.“? Wenn Sie damit Kritik meinen, geht es natürlich in Ordnung. Und von verbal diffamierenden oder körperlichen Angriffen sollte man ja wohl bei allen Schriftstellern, und übrigens auch bei allen Nichtschriftstellern, absehen.

  4. Schandor meint:

    @Sonntagsgesellschaft

    Doch doch, ich hab’s genau gelesen und weiß auch, was ich gemeint habe. Was ich so stark angegriffen habe, ist nicht der Meinungsunterschied (der ist ja immer da), sondern die möglichen Konnotationen, auf die der Artikel zu sprechen kommt (ich meine damit die sexuellen Konnotationen zwischen Aslan … Sie wissen Bescheid).

    Und was Ihren letzten Satz anbelangt: Ja, ich meine damit Kritik. Sie haben mich verstanden. Und was den Rest anlangt, gebe ich Ihnen völlig recht.

  5. @Schandor: Moment, verstehe ich das richtig: Willst Du wirklich sagen, dass C. S. Lewis zu kritisieren, egal wie, nicht in Ordnung gehe? Also auch, wenn es nicht polemisch ist? Du drückst Dich missverständlich aus!

  6. „Willst Du wirklich sagen, dass C. S. Lewis zu kritisieren, egal wie, nicht in Ordnung gehe?“ –> so lese ich diese eindeutige Klarstellung auf meine Nachfrage. Nun, darüber gibt es dann nichts mehr zu diskutieren. Einem Katholiken könnte man noch entgegenhalten, dass doch zumindest der Papst Lewis kritisieren dürfen müsse, ein Protestant mit dieser Haltung muss sich höchstens gefallen lassen, dass man ihn als Neukatholiken begreift mit Lewis als persönlichem Papst.

    Noch einmal zu den „Kranken Geistern“: die Assoziation ist bei einer Eins zu Eins Übersetzung keine Frage des Meinens. Wenn man etwa „Gott“ oder „Jesus“ wörtlich für „Aslan“ einsetzt stehen im Text Dinge wie „Jesus leckte ihr übers Gesicht“. Da gibt es nichts dran zu rütteln, und genau deshalb ist es ein gerechtfertigtes stilistisches Mittel eine solche Ersetzung vorzunehmen, um einer Eins zu Eins Übersetzung entgegenzutreten.

    Wenn ich es richtig sehe sind Leser und Autoren hier vornehmlich Protestanten. Vielleicht hilft es Ihnen ja sich den Streit über die Transsubstantiationslehre noch einmal zu vergegenwärtigen. Hier ist es der moderne Protestantismus, der in weiten Teilen ein Wörtlichnehmen der Eucharistie ablehnt, aus eben diesem Grund: Die Vorstellung tatsächlich seine Zähne in den Leib Christi zu schlagen schien vielen Reformatoren dann doch ein wenig zu krass, oder wie der Kommentierende Schandor meint, krank.

  7. Es ist jedenfalls sehr aufschlussreich, wie empfindlich viele (evangelikale) Christen reagieren, wenn man es mal wagt, C. S. Lewis zu kritisieren (und sei es noch so sachlich). Was gerade Evangelikale so toll an C. S. Lewis finden, werde ich wohl nie verstehen! Ich sage natürlich nicht, dass ALLES falsch ist, was C. S. Lewis vertreten hat. Aber ich wehre mich dagegen, dass (fast) ALLES als wahr erachtet wird, was C. S. Lewis mal vertreten hat. Ich würde jetzt ja gerne mal ein paar konkrete Kritikpunkte nennen, aber erst mal muss mir Schandor die Erlaubnis dafür geben… 😉

  8. @Der Calvin: Aus einer Kritik wird auf einmal die Empfindlichkeit vieler. Da bitte ich doch um mehr Gelassenheit. Lewis selbst hat Kritik an ihm und seinen Werken nicht verboten. Er war keiner dieser mimosenhafter Schriftsteller. Und wer Schandor kennt, ich kenne ihn als Kommentator seit Jahren, weiß, wie er das, was er da geschrieben hat, meint.
    Liebe Grüße, Ron

  9. Schandor meint:

    Ja, Gelassenheit ist angesagt! Da stimme ich zu!

    Ich erkläre also, dass ich – wie Ron angedeutet hat – cum grano salis verstanden werden wollte.

    Erklärung: Mich stört der Tenor jener Kleingeister, die an einem größeren Geist wie Lewis nach Fehler suchen, um sie ihm dann nachzuweisen, vorzuwerfen und plakativ herauszustellen. Es geht nicht vorrangig um eine einzelne Sache, sondern darum, dass viele kritisieren, ohne Lewis zu kennen, will sagen, die 2000 Seiten Leserückstand aufweisen zu haben.

    Ich habe viele – nicht alle, da mir alle nicht zugänglich waren – seiner Bücher gelesen, und viele davon öfter. Da spürt man auch bald, was Lewis wichtig war und was er „so dahin gesagt“ hat. Ich finde bei Lewis selbst theologische Sichtweisen, die ich nicht (mehr) teilen kann. Die überlese ich einfach im Wissen, dass ich ganz sicher weniger Durchblick habe als er hatte. Lewis kann (und hat) wie Medizin wirken – manchmal ist eine zu kräftige Dosis adstringierend.

    @Sonntagsgesellschaft (witziger Name übrigens 😉
    So tierisch ernst hab ich davon nichts gemeint, daher auch meine übertriebene Behauptung, man dürfe Lewis generell nicht kritisieren. Aber wenn jemand Lewis’ Stil schon mit dem noetischen Elektronenmikroskop zu Leibe rückt, so sollte er dabei die Übersicht nicht vergessen, denn wer eine solche Übersicht haben will, der muss auch viel übersehen …

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