Gott gewollte Religionsvielfalt?

Es war ein historischer Moment. Am 4. Februar 2019 haben Papst Franziskus und der Kairoer Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb in Abu Dhabi das „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnet. 

Erster Kernpunkt der Erklärung ist die Behauptung, „dass die Religionen niemals zum Krieg aufwiegeln und keine Gefühle des Hasses, der Feindseligkeit, des Extremismus wecken und auch nicht zur Gewalt oder zum Blutvergießen auffordern“. Alle Religionen sind demgemäß unterschiedslos friedlich und tolerant. Falls doch im Namen einer Religion zu Gewalt und Intoleranz aufgerufen wird, dann geschieht das, weil weil die Religion missbraucht werde.

Ein zweiter Kernpunkt der Erklärung erfährt zunehmend auch innerhalb der Katholische Kirche Kritik. Es heißt dort:

Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat. Diese göttliche Weisheit ist der Ursprung, aus dem sich das Recht auf Bekenntnisfreiheit und auf die Freiheit, anders zu sein, ableitet. Deshalb wird der Umstand verurteilt, Menschen zu zwingen, eine bestimmte Religion oder eine gewisse Kultur anzunehmen wie auch einen kulturellen Lebensstil aufzuerlegen, den die anderen nicht akzeptieren.

Während die Konklusion, dass nämlich niemand zum Glauben an eine bestimmte Religion gezwungen werden darf, unumstrittene Zustimmung findet, wird darüber diskutiert, ob Gott die Vielfalt der Religionen aktiv gewollt und geschaffen habe.

Die FAZ berichtete am 29. April 2019:

Aus der Sicht der Kritiker widerspricht die Behauptung, dass Gott die Vielheit der Religionen gewollt habe, dem christlichen Missionsauftrag, wie er etwa am Schluss des Matthäus-Evangeliums formuliert sei: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ Und im Evangelium nach Markus werde neben dem Missionsauftrag ausdrücklich die Einzigartig- und Ausschließlichkeit der christlichen Religion als Weg zur Erlösung festgestellt. Jesus sage zu seinen Jüngern: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.“

Der konservative Weihbischof Athanasius Schneider aus Astana in Kasachstan berichtet, er habe bei einem Besuch im Vatikan Anfang März vom Papst eine Klärung erbeten, ob dieser im umstrittenen Pluralitätspassus der Erklärung von Abu Dhabi den tätigen, aktiven Willen Gottes oder bloß dessen zulassenden, permissiven Willen gemeint habe. Eine eindeutige, gar verbindliche Antwort habe er nicht erhalten.

Kommentare

  1. Tim-Christian meint

    Schon vor drei Jahren gab es ja dieses erschreckende Video zur „Gebetsmeinung des Heiligen Vaters“:

    https://www.youtube.com/watch?v=no5mAPHiCYQ&t=2s

    Seitdem hat dieser Papst so viel zur Unterminierung der römisch-katholischen Lehre beigetragen, dass die römischen Kanonisten sich doch einmal ernsthaft mit der Möglichkeit eines ‚Papa haereticus‘ beschäftigen sollten.

    Ich verfolge das ganze übrigens keineswegs mit Schadenfreude! Der theologische Relativismus aus Rom schadet auch uns. Wenn man dort beispielsweise in Sachen Frauenordination, Homo-Segnungen und Synkretismus einknickt, wird auch der Druck auf konservative protestantische Kirchen noch zunehmen.

  2. Markus Jesgarz meint

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage aus dem Beitrag:
    Im Wortlaut: Die gemeinsame Erklärung zur Geschwisterlichkeit aller Menschen
    https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-02/papst-franziskus-abu-dhabi-gemeinsame-erklaerung-grossimam.html
    am 6.2.2019 von „vatican news“ im 1. Satz:
    Der Glaube lässt den Gläubigen im anderen einen Bruder sehen, den man unterstützt und liebt.
    Meine Meinung ist:
    1.
    Leider unterstützt der Papst Franziskus den islamischen Antisemitismus.
    Im Beitrag:
    Gewalt
    https://thereligionofpeace.com/pages/quran/violence.aspx
    steht unter
    1.
    Koran (9:5) am Ende:
    Der historische Kontext ist Mekka, nachdem die Götzendiener von Muhammad unterworfen wurden und keine Bedrohung darstellten. Sobald die Muslime die Macht hatten, vertrieben sie gewaltsam jene Ungläubigen, die nicht konvertieren wollten. (https://thereligionofpeace.com/pages/games/discover-truth/verses/9-5.aspx)
    [Anmerkung: Der Vers sagt, Ungläubige „zu bekämpfen, wo immer man sie findet“. Selbst wenn der Kontext eine Zeit der Schlacht ist (die es nicht war), zeigt die Version, dass Angriffe gegen jene „Ungläubigen“ bejaht sind, die sich nicht auf dem Schlachtfeld befinden. Der islamische Staat bezog sich 2016 auf diesen Vers, indem er die Gläubigen aufforderte, Terroranschläge zu begehen: Allah befahl nicht nur das „Bekämpfen“ der Ungläubigen, als sei gesagt, dass wir nur Frontoperationen gegen sie durchführen sollen. Vielmehr hat Er auch befohlen, sie zu töten, wo immer sie sind – auf oder außerhalb des Schlachtfeldes. (https://pjmedia.com/homeland-security/2016/09/07/isis-magazine-to-jihadists-target-young-adults-engaged-in-sports-activities-in-the-park/)]
    2.
    Koran (9:29) am Ende:
    „Leute des Buches“ bezieht sich auf Christen und Juden. Nach diesem Vers sind sie gewaltsam zu unterwerfen, die einzige Rechtfertigung ist ihr religiöser Status. Vers 9:33 sagt den Muslimen, dass Allah sie angewiesen hat, den Islam „allen Religionen überlegen“ zu machen. Dieses Kapitel war eine der letzten „Offenbarungen“ von Allah und setzte die hartnäckige militärische Expansion in Gang, in der Mohammeds Gefährten in den nächsten 100 Jahren zwei Drittel der christlichen Welt erobern konnten. Der Islam soll alle anderen Menschen und Glaubensrichtungen beherrschen. (https://thereligionofpeace.com/pages/games/discover-truth/verses/9-29.aspx)
    2.
    Der wahre Gott der Bibel möchte kein Antisemitismus.
    In 1.Mose 12,3 steht:
    https://www.bibleserver.com/text/LUT/1.Mose12%2C3
    Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

  3. Clemens Altenberg meint

    Antisemitisch ist die Bibel natürlich nicht, auch wenn Gott oft harte Worte für sein Volk findet. Stellen wie jene, in der Jesus zu einer Gruppe Juden sagt, sie hätten den Teufel zum Vater (Joh. 8,44) waren leider immer wieder ein gefundenes Fressen für Antisemiten.

    Zu den Gewaltaufrufen gegen Andersgläubige im Koran ist hier ja schon einiges geschrieben worden, ein Patent darauf hat der Islam aber nicht, da haben das AT und Augustinus Vorarbeit geleistet:

    „Ruft den Völkern zu: / Ruft den Heiligen Krieg aus! Bietet eure Kämpfer auf! / Alle Krieger sollen anrücken und heraufziehen. Schmiedet Schwerter aus euren Pflugscharen / und Lanzen aus euren Winzermessern! / Der Schwache soll sagen: Ich bin ein Kämpfer. “ (Joel 4,9f)

    „Was, in der Tat, ist denn überhaupt so falsch am Krieg? Dass Menschen sterben, die ohnehin irgendwann sterben werden, damit jene, die überleben, Frieden finden können? Ein Feigling mag darüber jammern, aber gläubige Menschen nicht […]. Niemand darf jemals die Berechtigung eines Krieges bezweifeln, der in Gottes Namen befohlen wird […] Alle Gewalt wird nur auf Gottes Befehl oder mit seiner Erlaubnis ausgeübt.“ (Augustinus, Contra Faustum Manichaeum)

    Schön, dass der Papst und der Großimam davon wegwollen, aber zu behaupten, das wäre nie der Fall gewesen, ist einfach Fake News.

  4. Roderich meint

    @Clemens,
    es ist sehr zu bezweifeln, dass er Großimam gegen den Djihad ist – da wird auch viel behauptet, wenn man in der Minderheit ist, siehe Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus.

    Augustinus‘ Rechtfertigung des gerechten Krieges hatte übrigens nichts zu tun mit einer generellen Aufforderung zum Krieg „gegen Ungläubige“.

    In dem von Dir vermutlich zitierten Wikipedia-Artikel steht ja auch:

    Augustins Kriterien für einen gerechten Krieg des vom Christentum geprägten Römischen Reiches waren:
    1.) Er muss dem Frieden dienen und diesen wiederherstellen (iustus finis).
    2.) Er darf sich nur gegen begangenes, dem Feind vorwerfbares Unrecht – eine gravierende Verletzung oder Bedrohung der Rechtsordnung – richten, das wegen des feindlichen Verhaltens fortbesteht (causa iusta).
    3.) Eine legitime Autorität – Gott oder ein Fürst (princeps) – muss den Krieg anordnen (legitima auctoritas). Dabei muss der Fürst die innerstaatliche Ordnung wahren, d. h. die gegebenen Strukturen des Befehlens und Gehorchens.
    4.) Sein Kriegsbefehl darf nicht gegen Gottes Gebot verstoßen: Der Soldat muss ihn als Dienst am Frieden einsehen und ausführen können.

    Du wirst hoffentlich einsehen, dass dies meilenweit vom von Muhammad vorgelebten und befohlenen Jihad entfernt ist??!!!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechter_Krieg#Augustinus_von_Hippo

  5. Clemens Altenberg meint

    @Roderich,

    Mohammed hätte wohl in seiner kranken Logik unter alle vier Punkte ein Hakerl gemacht als er z.B. das Massaker am jüdischen Stamm der Banū Quraiza befahl.

    Religiöser und sonstiger Terror hält sich selbst fast immer für rational und notwendig, das zeigen oft die Manifeste, die die Täter davor verfassen, siehe „The Great Replacement“ des Christchurch Attentäters.

    Das kann, wie man leider kürzlich bei dem Attentat auf eine Synagoge in Kalifornien gesehen hat, auch heute noch bei Christen der Fall sein:

    “Before he allegedly walked into a synagogue in Poway, Calif., and opened fire, John Earnest appears to have written a seven-page letter spelling out his core beliefs: that Jewish people, guilty in his view of faults ranging from killing Jesus to controlling the media, deserved to die. That his intention to kill Jews would glorify God.”

    Der Täter war aktives Mitglied der calvinistisch geprägten Orthodox Presbyterian Church, sein Vater ist dort sogar Ältester. Nachdem der Pastor das Manifest gelesen hatte, das nicht nur von Hass auf Juden, sondern auch von der calvinistischen Gnadenlehre handelt, musste er zugeben: “We can’t pretend as though we didn’t have some responsibility for him — he was radicalized into white nationalism from within the very midst of our church.”

    https://www.washingtonpost.com/religion/2019/05/01/alleged-synagogue-shooter-was-churchgoer-who-articulated-christian-theology-prompting-tough-questions-evangelical-pastors/?noredirect=on&utm_term=.b47a642d0d26

    Ich will das Gewaltpotential von Islam und Christentum nicht gleichsetzen, der Koran ist da ganz anders als das NT, das stimmt. Die Geschichte des Islam ist auch fast von Anfang an eine Kriegsgeschichte, im Christentum dauerte es ca. 400 Jahre bis Augustinus zu Gewalt und Zwang gegen Schismatiker (die Donatisten) aufrief, worauf man sich dann später bei der Inquisition und den Kreuzzügen berufen hat. Um das mit gutem Gewissen tun zu können, musste man nur auf Augustins kreative Auslegung von LK 14,23 („Nötigt sie hereinzukommen.“) zurückgreifen.

  6. Roderich meint

    @Clemens,

    ja klar: in Islamischer Sicht gibt es „Frieden“ nur, wenn alle Welt dem Islam angehört, daher würde jeder Offensivkrieg des Islam das erste Kriterium erfüllen. (Es reicht also nicht, diese summarischen Kriterien der beliebigen Interpretation freizustellen, sondern man müsste die Kriterien spezifizieren).

    Ja, vor Radikalisierung müssen wir uns in Acht nehmen. Meines Erachtens reicht es dafür aber, dass der Staat das Gewaltmonopol hat.
    Jemand kann vollkommen richtige Ansichten vertreten (Islamisierung ist eine reale Möglichkeit und – wegen der Benachteiligung von u.a. Christen unter der Scharia – auch eine Bedrohung unseres Rechtsstaates), aber vollkommen falsche Methoden anwenden (Töten der Leute mit anderer Ansicht).

    Richtige Ansichten werden nicht schon dadurch falsch, dass Leute in falscher Weise danach handeln.

    Was das Ausmaß von Jihad vs. Kreuzzüge angeht, empfehle ich dieses sehr gute fünf-minütige Video: es gab in den ersten Jahrhunderten ca. 711 Offensivkriege des Islam, dem standen ca. 11 Kreuzzüge von Christen gegenüber, die nicht zuletzt eine Reaktion auf die Offensivkriege des Islam waren. Zum Teil würde ich sogar sagen: die Kreuzzüge erfüllen die Kriterien des „gerechten Krieges“ von Augustinus, man kann sie z.T. als Defensivkriege deuten.
    Das rechtfertigt nicht das im Rahmen der Kreuzzüge begangene Unrecht, aber es zeigt doch, wo das Kernproblem lag (und bis heute liegt).
    https://www.youtube.com/watch?v=I_To-cV94Bo

    Siehe auch die „List of Terrorist Incidents“ bei Wikipedia: fast jeden Monat über 50 von Muslimen begangenen Anschläge, und nur ganz wenige Ausnahmen (fast schon „Anomalien“), also von Leuten anderer Religion und Anschauung begangene Anschläge.
    Siehe z.B. die im April 2019.
    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_terrorist_incidents_in_April_2019

    Hier die gesamte Liste von 2019:
    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_terrorist_incidents_in_2019
    Unten die von anderen Jahren.

  7. Clemens Altenberg meint

    Der Herr in dem Video hat schon recht, es ist naiv und gefährlich, jede Kritik am Islam mit dem Argument „Aber die Christen haben doch auch…“ zu kontern. Aber sich moralisch zu entrüsten, dass im Namen des Islam Eroberungen gemacht und Sklaven genommen wurden und so zu tun als hätten sich christliche Reiche stets nur verteidigt, ist vor allem deshalb scheinheilig, weil er als Amerikaner wissen müsste, dass Christen nichts Anderes machten, als sie seinen Kontinent betraten.

    Gestern war ich bei einem Vortrag des Philosophen Alexander Grau, ein bestimmt nicht linker Denker, und der sagte zur Überraschung des Publikums, dass das was wir jetzt an islamistischen Terror sehen die letzten verzweifelten Reste von einem Fundamentalismus sind, der keine Zukunft hat, da auch die muslimische Jugend immer öfter ein freies Leben gegenüber der rigorosen Moral der Religion bevorzugt. Sein Wort in Gottes Ohr!

    Wenn ich muslimische Studenten und Studentinnen habe, sind das Menschen die mit Terror nichts am Hut haben, aber doch einen festen Glauben, und die sehr unter der Stigmatisierung leiden, die leider durch immer neue Attacken aufgefrischt wird.

  8. Tim-Christian meint

    Nur als kurze Anmerkung: Es wäre schon hilfreich, die Unterscheidung zwischen Muslimen und Islamisten aufrechtzuerhalten. Die klassische Islamische Normenlehre (fiqh) kennt nämlich sehr wohl kriegsrechtliche Überlegungen und Vorgaben, die sich von denen des Augustinus nicht allzu sehr unterscheiden. So ist z.B. das Töten von Frauen und Kindern ausdrücklich verboten. Auch direkte Angriffe auf die Gotteshäuser der Buchbesitzer (ahl al-kitāb) sind eigentlich tabu. Die Islamisten halten sich freilich nicht daran.

  9. Markus Jesgarz meint

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage im 2. Absatz am Anfang:
    Erster Kernpunkt der Erklärung ist die Behauptung, „dass die Religionen niemals zum Krieg aufwiegeln und keine Gefühle des Hasses, der Feindseligkeit, des Extremismus wecken und auch nicht zur Gewalt oder zum Blutvergießen auffordern“. Alle Religionen sind demgemäß unterschiedslos friedlich und tolerant.
    Meine Meinung ist:
    1.
    Der Papst verharmlost den Islam.
    Im Beitrag:
    Das hartnäckige Schweigen des Papstes zur Christenverfolgung
    https://de.gatestoneinstitute.org/13669/papst-schweigen-christenverfolgung
    am 3. Februar 2019 von Giulio Meotti steht
    1.
    im 9. Absatz ab dem 2. Satz:
    „Der authentische Islam und die korrekte Lesart des Korans sind gegen jede Form von Gewalt“, behauptete
    http://w2.vatican.va/content/francesco/en/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html
    [Der Text wird angezeigt, wenn Sie in das Eingabefeld von „Auf Seite suchen“ den folgenden Text eingeben:
    Authentic Islam and the proper reading of the Koran are opposed to every form of violence
    (Das Zitat steht unter „253.“ am Ende.).]
    der Papst, nicht ganz korrekterweise. Er bemerkte https://w2.vatican.va/content/francesco/en/letters/2014/documents/papa-francesco_20141221_lettera-cristiani-medio-oriente.html
    [Der Text wird angezeigt, wenn Sie in das Eingabefeld von „Auf Seite suchen“ den folgenden Text eingeben:
    Islam is a religion of peace, one which is compatible with respect for human rights and favours peaceful coexistence on the part of all
    (Das Zitat steht im 12. Absatz im 2. Satz am Ende.).]
    auch nicht ganz richtig, dass „der Islam eine Religion des Friedens ist, die mit der Achtung der Menschenrechte und dem friedlichen Zusammenleben vereinbar ist“.
    2.
    am Ende:
    Papst Franziskus steht nun vor dem potenziellen Risiko, dass eine christliche Welt vom muslimischen Halbmond physisch verschluckt wird – wie auf dem vatikanischen Logo,
    https://www.vaticannews.va/en/pope/news/2019-01/pope-francis-morocco-visit-logo-hope-interreligious-dialogue.html
    das für die bevorstehende Reise des Papstes nach Marokko gewählt wurde. Es ist an der Zeit, dass die Politik des Appeasement ersetzt wird.
    2.
    Die Aussage des Papstes über den Islam ist kontrafaktisch: Der Islam ist eine friedliche Religion.

  10. Markus Jesgarz meint

    @Clemens Altenberg
    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage am Ende:
    Wenn ich muslimische Studenten und Studentinnen habe, sind das Menschen die mit Terror nichts am Hut haben, aber doch einen festen Glauben, und die sehr unter der Stigmatisierung leiden, die leider durch immer neue Attacken aufgefrischt wird.
    Meine Meinung ist:
    1.
    Jeder Student muss bekennen, dass er die Sure 9 ablehnt.
    Im Beitrag:
    Gewalt
    thereligionofpeace.com/pages/quran/violence.aspx
    steht:
    Koran (9:14) – „Kämpfe gegen sie, damit Allah sie durch deine Hände bestraft und sie beschämt und dir den Sieg über sie gibt und die Brüste eines gläubigen Volkes heilt.“ Demütigen und Verletzen der Nichtgläubigen hat nicht nur den Segen Allahs, sondern sie sind als Mittel angeordnet, um seine Strafe auszuführen und „heilt“ sogar die Herzen der Muslime.
    Koran (9:20) – „Diejenigen, die glauben und ihre Häuser verlassen haben und mit ihrem Reichtum und ihrem Leben auf Allahs Weg strebten, sind in Allahs Sicht von viel größerem Wert. Sie sind siegreich.“ Das arabische Wort, das in diesem Vers als „Streben“ interpretiert wird, hat dieselbe Wurzel wie „Jihad“. Der Kontext ist offensichtlich ein heiliger Krieg.
    2.
    Leider bekennt nicht jeder Ihrer muslimischen Studenten, dass er die Sure 9 ablehnt.

  11. Clemens Altenberg meint

    @ Markus Jesgarz

    Da reagieren moderate Muslime nicht anders als moderne Christen: mit Kontextualisierung und Relativierung der brutalen Stellen. So wie man nicht davon ausgehen soll, dass alle die die Bibel als Wort Gottes anerkennen für das Totschlagen von Homosexuellen, Zauberinnen, unbelehrbaren Söhnen sind oder glauben, dass Gott immer noch zum heiligen Krieg aufruft, darf man nicht annehmen, dass es immer nur Lippenbekenntnisse sind, wenn Muslime sich vom Djihad im Sinne eines physischen Kampfes distanzieren.

    Ich glaube meinen Studenten, wenn für Sie Stellen wie „Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als töte er die ganze Menschheit“ ihren Glauben prägen.
    Nicht alle folgen dem Auslegungsprinzip der Abrogation, nach der verhängnisvollerweise die friedlichen Verse durch die Aufrufe zum Kampf ausgehebelt werden, weil letztere jüngeren Datums sind.

    „Islam = Frieden“ ist zwar etymologisch fragwürdig und faktisch leider viel zu oft falsch, aber begrüßenswert wenn es so gelebt wird.

    Der Papst geht zu weit, wenn er versucht die Differenzen vom Tisch zu wischen, aber Muslimen nur unter die Nase zu reiben, wie schlimm ihre Religion ist bedeutet von der anderen Seite vom Pferd zu fallen und ist auch für Attraktivität des christlichen Glaubens kontraproduktiv. Im Dialog sollten die problematischen Punkte nicht ausgelassen oder schöngeredet werden, aber auch nicht das einzige Thema bleiben.

  12. Tim-Christian meint

    Das stimmt. Schon in der klassischen islamischen Koranexegese (tafsīr) gibt es die Lehre von den Offenbarungsanlässen (asbāb an-nuzūl), der zufolge geschaut werden muss, in welchen historischen Kontext die entsprechenden Verse herab gesandt wurden.

    Zudem hat jeder sunnitische Muslim einer sogenannten Rechtsschule (maḏhab) zu folgen, die aus dem Koran und den Überlieferungen (ahādīth) detaillierte Verhaltensregeln sowohl für den einzelnen Gläubigen als auch für die Gemeinschaft ableitet. Das gilt auch für das Kriegsrecht. Das Problem mit den Dschihadisten und Extremisten besteht nun gerade darin, dass sie diesen klassischen Zwischenschritt ablehnen und die Quellen unmittelbar selbst auslegen. Freilich zumeist, ohne dafür theologisch und/oder rechtsmethodisch qualifiziert zu sein. Leider sind es diese Gruppen, die sich zunehmend ausbreiten, weil sie aus Saudi Arabien und den Golfstaaten finanziert und gefördert werden (z.B. Salafisten).

  13. Roderich meint

    @Clemens,
    der Unterschied ist aber, dass bei uns das AT schon vom NT ausgelegt wird, und das NT fordert diese Dinge nicht. Wir müssen also nichts kontextualisieren oder relativieren, sondern nur das NT ernstnehmen.

    Hingegen müssen Muslime eine Auslegung finden, die dem expliziten Text des Koran widerspricht. Das Abrogationsprinzip ist nun mal herrschende Rechtsauslegung.

    Siehe das Buch „Jesus vs. Mohammed“ von Mark A. Gabriel, da werden die Unterschiede zwischen Jesus und Mohammed sehr klar herausgestellt. Und so wie Jesus für uns Christen das ultimative Vorbild ist, so ist Mohammed für Muslime das ultimative Vorbild.

  14. Tim-Christian meint

    @Roderich

    (1.) Die Einordnung der biblischen Testamente, Bücher und Aussagen in ihren heilsgeschichtlichen bzw. bundestheologischen Kontext – genau das ist doch Kontextualisierung! Eine Kontextualisierung, die vom Bibeltext her gerechtfertigt und gefordert ist – aber nichtsdestotrotz Kontextualisierung.

    (2.) Das Abrogationsprinzip (nasḫ) gibt es. Es dispensiert aber den islamischen Theologen nicht von der Notwendigkeit, den Kontext bzw. den konkreten Offenbarungsanlass zu beachten. Gerade der Schwertsvers in der Sura at-Tauba steht im Kontext der Eroberung Mekkas und der Konsolidierung der islamischen Macht auf der arabischen Halbinsel. Er hat also in rechtlicher Hinsicht nicht die uneingeschränkte Gültigkeit (muṭlaq), die die Extremisten jeglicher Couleur ihm beilegen.

    (3.) Die Bücher von Mark A. Gabriel, Hamed Abdel-Samad, Konstantin Schreiber etc. haben definitiv auch ihre Berechtigung (und ich bin auch keineswegs der Meinung, dass mit dem Islam alles Friede, Freude, Eierkuchen ist). Nichtsdestotrotz sollten wir uns – auch und gerade im Sinne einer missionarischen Gesprächsführung! – auch mit den genuin muslimischen Positionen vertraut machen. Wir würden ja auch nicht wollen, dass sich jemand, der sich über das Christentum schlau machen möchte, sich ausschließlich mit Büchern von Uta Ranke-Heinemann und Karlheinz Deschner beschäftigt.

    LG

  15. Tim-Christian meint

    Gute Einführungen zum Thema sind z.B.:

    Abdal-Hakim Murad, „Understanding the Four Madhhabs: Facts About Ijtihad and Taqlid“ (sehr kurz)

    Wolfgang Johann Bauer, „Bausteine des Fiqh: Kernbereiche der ´Usul al-Fiqh- Quellen und Methodik der Ergründung islamischer Beurteilungen“

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