Mangelnder Respekt vor der Authentizität von Texten

Es muss bei der Diskussionsrunde über Diskriminierung, Ästhetik und Sprache wirklich deftig zugegangen sein, wenn sich ein Redakteur der taz über inquisitorische Sprachpolizistinnen aufregt. Dabei wollte doch der Moderator nur eine Passage aus einem alten Buch vorlesen.

Deniz Yücel schreibt über den Tumult:

Es gibt Geschichten, die man einfach erzählen muss, selbst wenn man selber darin vorkommt. Zum Beispiel diese: Samstagnachmittag auf dem taz.lab. Unter dem Titel „Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen“ diskutieren die Kolumnistin und Publizistin Mely Kiyak, der Titanic-Chefredakteur Leo Fischer und die Autorin und Aktivistin Sharon Otoo über Diskriminierung, Ästhetik und Sprache. Alle auf dem Podium wissen um den Zusammenhang von Sprache und Herrschaft, niemand bestreitet das Fortleben von Rassismus. Dennoch kommt es kurz vor Schluss zum Eklat.

Gut zwanzig Leute versuchen zu verhindern, dass der Moderator (ich) eine Passage aus einem historischen Dokument vorträgt. Die Gruppe beginnt einen Tumult, brüllt und wird von einem die Contenance nicht mehr ganz wahrenden Moderator (auch ich) niedergebrüllt („Geht bügeln!“). Schließlich verlässt die Gruppe den Raum. Sharon Otoo, mit der zuvor abgesprochen war, dass das inkriminierte Wort in Zitaten verwendet werden würde, geht ebenfalls.

Mehr: www.taz.de.

VD: ET

EZW: Die Emerging Church-Bewegung

Anika Rönz hat für die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen einen Beitrag über die „Emerging Church-Bewegung“ verfasst (Materialdienst der EZW, Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen, 75. Jg., 7/12, S. 257–263). Ich tauche darin als gemäßigter Kritiker auf. Frau Rönz hat meine Position recht zutreffend zusammengefasst. Vielen Dank.

Hier der Auszug (S. 260–261):

So formuliert beispielsweise Ron Kubsch, Dozent am Martin Bucer Seminar und aktiver Blogger, folgende Vorbehalte: Zum einen problematisiert er den „pluralistischen Denkstil“ von Christinnen und Christen, die der Emerging-Church-Bewegung zuzurechnen sind. Dieser steht für ihn im Gegensatz zur biblischen Forderung nach einem unterscheidenden Denken. Hinzu kommt für ihn eine von der Emerging-Church-Bewegung betriebene Relativierung der Schriftautorität, die sich über das Sola-Scriptura-Prinzip des Protestantismus hinwegsetze und die Bibel nach dem Korrelationsprinzip nach Paul Tillich in einer Wechselbeziehung zwischen biblischer Wahrheit und kulturellen Kategorien auslege. Ebenso wirft er der Bewegung eine Verengung der Sünden- und Sühnopferlehre vor: Indem sie das Sühnopfer Jesu vor dem Hintergrund eines bestimmten Gottesbildes ablehne, verkürze sie die biblische Lehre von Sünde und Sühne. Als einen weiteren Kritikpunkt nennt Kubsch schließlich eine „Religionsvermischung“ und kritisiert hiermit zum einen die Übernahme von Praktiken aus anderen religiösen Traditionen (wie Yoga, Meditation etc.) als auch die schon angesprochene, innerhalb der Bewegung recht verbreitete theologisch-inklusivistische Haltung. Die Aussage beispielsweise, man könne gleichzeitig Hindu sein und Jesus nachfolgen, hält Kubsch für eine „merkwürdige“ Verzerrung des neutestamentlichen Verständnisses. Grundsätzlich sieht er das postmoderne Denken, wie es beispielsweise von Hegel, Nietzsche und Heidegger vertreten wurde, mit dem grundlegenden Gedanken der „Nicht-Existenz einer Metaregel“ im extremen Gegensatz zum Evangelium: „Streng genommen ist das Evangelium innerhalb eines postmodernen Bezugsrahmens überhaupt nicht verstehbar.“

Trotz seiner kritischen Grundhaltung gegenüber der Emerging-Church-Bewegung sieht er allerdings auch positive Elemente: „Vieles von dem, was die EmCh [Emerging Church] heute problematisiert, kommt mir sehr bekannt vor und ich freue mich darüber, dass diese Themen endlich einmal auf der Agenda stehen … Die evangelikale Rückzugsmentalität und die unter uns so weit verbreitete und akzeptierte Kulturfeindlichkeit bedürfen einer Korrektur. Durchaus erfreut nehme ich eine neue Aufgeschlossenheit für den wissenschaftlichen Diskurs wahr.“

Leben mit zerebraler Kinderlähmung

Das „The Austin Stone Story Team“ ist eine Künstlergemeinschaft. Die kreative Gruppe hat diesmal einen wundervollen Beitrag über Roger produziert. Roger leidet unter einer zerebralen Kinderlähmung. Und unter Einsamkeit.

Hier erzählt er, warum er gern lebt. Er lebt, weil er in Jesus Christus eine tragfähige Hoffnung gefunden hat. Sein Leben ist Anbetung Gottes. Danke für dieses kraftvolle Zeugnis, Roger!

Frankreich: „Wir wollen einen Gegen-Mai 1968“

In Frankreich wächst der friedliche Widerstand gegen die staatlich oktroyierte Gleichstellungspolitik. Viele Franzosen, die das Projekt der „Ehe für alle“ ablehnen, sind unter dreißig. Die FAZ schreibt (endlich mal):

Er habe sich bei politischen Debatten immer gelangweilt, aber jetzt wolle er verhindern, dass die Familienstrukturen noch mehr zerstört würden, sagt der Student. Die jungen Linken hätten 2006 im Widerstand gegen den von der damaligen rechtsbürgerlichen Regierung angestrebten Jugendarbeitsvertrag CPE so etwas wie einen politischen Erweckungsmoment erlebt. „Uns geht das jetzt ähnlich im Protest gegen die Ehe für alle“, sagt Frédéric.

„Sie verstehen uns einfach nicht“, sagt Vivien über die linke Staatsführung. Der Student hat sich der konservativ-christlichen Bewegung „Französischer Frühling“ („Printemps Français“) angeschlossen. Er führt einen Blog, wie so viele der „Wächter“ von den Wiesen vor dem Invalidendom.

„Sie sagen uns: Die Ehe für alle nimmt auch kein Recht weg, sie kostet euch nichts, warum seid ihr also auf den Straßen? Sie verstehen nicht, dass wir für etwas anderes kämpfen können als für unser kleines Ego. Wir kämpfen aber gegen diese Zivilisation, die sie uns aufzwingen wollen. Wir sind in einer Gesellschaft groß geworden, in der die Werte verfallen. Wir wollen einen Mai 2013, der ein Gegen-Mai 1968 ist“, schreibt Vivien.

„Viele von uns sind Scheidungskinder. Wir haben selbst erlebt, was es heißt, ohne Vater und Mutter aufzuwachsen“, sagt Carol. „Wir wollen nicht, dass es zur Norm wird, ohne Vater und Mutter groß zu werden.“

Mehr: www.faz.net.

Prof. John Lennox: „Gott im Fadenkreuz – Warum der Neue Atheismus nicht trifft“

Der Mitschnitt des Vortrags von Prof. John Lennox „Gott im Fadenkreuz – Warum der Neue Atheismus nicht trifft“, den er am 05. Dezember 2012 in München gehalten hat, kann inzwischen freundlicherweise online nachgehört werden.

John Lennox ist Professor für Mathematik an der Universität Oxford und Fellow am Green Templeton College für Mathematik und Wissenschaftsphilosophie. Er ist Autor des Bestsellers »Hat die Wissenschaft Gott begraben?« und diskutierte mehrmals öffentlich mit Richard Dawkins und Christopher Hitchens (†), den weltweit führenden Vertretern des »Neuen Atheismus«.

Vielen Dank an die Veranstalter und den Christlicher Veranstaltungs- und Mediendienst e.V.

VD: JB

Neues Handbuch der psychischen Erkrankungen

DSMAllen Frances gilt weltweit als einflussreicher Psychiater. Der Name des inzwischen emeritierten US-amerikanischen Professors ist eng verwoben mit der „Bibel der Psychiatrie“, dem Diagnostischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM). Es enthält alle wissenschaftlich anerkannten psychischen Erkrankungen.

Bei der Klassifizierung geht es auch um Macht und Geld. Frances, der selbst an der dritten Version als Autor mitwirkte und bei der vierten sogar den Vorsitz innehatte, warnt in seinem neuen Buch Normal: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen vor der im Mai erscheinenden fünften Version des DSM. Das Gespräch mit DER WELT gibt Einblicke in die Konstruktion von Krankheit, an der vor allem die Pharmaindustrie ihre Freude hat.

Frances:

Vorher gab es keine so scharfen und eindeutigen Kriterien für eine Diagnose. Als das DSM herauskam, wurde es ein Bestseller – niemand von uns hatte das erwartet. Wir dachten das Buch würde Ärzten und Psychologen nutzen, und die Mission war, der Psychiatrie Stabilität, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit zu geben – darin war es dann gewissermaßen zu gut. Aus einem temporären Leitfaden ist inzwischen eine Bibel geworden, mit gesellschaftlich viel zu hohem Wert. Es wird überall verwendet: im Gerichtssaal, in der Schule, in der Regierung. Es ist zu machtvoll geworden.

Hier das Gespräch: hd.welt.de.

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Hegels letztes Wort

Der Schriftsteller Ernst Jünger (1895–1998) begann nach dem Zweiten Weltkrieg damit, die letzten Worte Sterbender zu sammeln.  Nun wird diese Sammlung erstmals in einer Auswahl des Jünger-Kenners Jörg Magenau in einem bibliophilen Band mit dem Titel Letzte Worte herausgegeben.

Die FAZ hat in der Ausgabe Nr. 89 vom 17. April einige Zitate abgedruckt (S. 33). Besonders gefällt mir das Abschiedswort des deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831):

Von allen meinen Schülern hat mich nur ein einziger verstanden. – Und der hat mich falsch verstanden.

Sören Kierkegaard als Medienkritiker

Ein wunderbarer DLF-Beitrag über die Medienkritik Sören Kierkegaards. Das Publikum lässt sich als Masse durch die Presse leiten. „Ein wahres Martyrium ist da, wo man mit der Menge zu tun hat.“ Oder: „Je stumpfer die Zeit, desto mächtiger die Presse.“

Edith Rachel Merritt Seville Schaeffer

Die New York Times hat einen kurzen Nachruf für Edith Schaeffer (1914–2013) veröffentlicht. Die Worten stammen von Deborah Middelmann-Schaeffer.

Mrs. Edith Rachel Merritt Seville Schaeffer, born in Wenchow, China on November 3, 1914, died in her home in Gryon, Switzerland, the night of Good Friday to Holy Saturday March 29/30, 2013. Contrary to erroneous reports she had lived in her lovely chalet built in 1683 in Gryon for 13 years, where she longed to live and die, surrounded with the beloved witnesses of her rich life: her Steinway baby grand Piano, her dozens of paintings by her son Frank, her gorgeous antiques and linen drapes.

All these precious things surrounded her as she so hoped, on the night she talked with her son-in-law and pastor Udo Middelmann about the resurrection with fresh flowers next to her, watched a concert on BBC Four TV with delight, fell asleep and never woke on Holy Saturday. She will, we know, be raised as God promised, from her burial place next to her husband Francis Schaeffer in Rochester MN.

Hier: www.legacy.com.

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