Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?

Siegfried Zimmer, Pädagoge und evangelischer Theologe, war von 1993-2012 Professor für evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Inzwischen emeritiert, zieht er sich nicht zurück, sondern blüht noch einmal richtig auf. Er ist maßgeblicher Impulsgeber für die Initiative Worthaus, die sich so vorstellt:

Worthaus ist ein 2010 ins Leben gerufenes Experiment. Es ist der Versuch, einen unverstellten Blick auf die biblischen Texte und den Menschen zu gewinnen, an dessen Geburt sich nicht nur unsere Zeitrechnung orientiert. In aller denkerischen Freiheit wird mit Mitteln des Verstands, der Wissenschaft und des Herzens daran gearbeitet, einen neuen, authentischen Zugang zu den christlichen Quellen zu finden. Dabei steht bewusst alles zur Disposition. Alles auf null. In gewisser Hinsicht beginnt alles von vorn. Es gibt keine Tabus. Es gibt keine Denk- und Sprechverbote. Es gibt keine vorbestimmten Resultate. Vielleicht landet Worthaus irgendwann bei Altbekanntem, vielleicht aber auch ganz woanders. Das Ziel der Reise ist unbekannt. Die Stationen werden sich erst im Prozess ergeben. In jedem Fall wird aber jeder, der an Worthaus Anteil nimmt, sagen können, warum man da steht, wo man steht. Denn Worthaus ist kein Blindflug mit ausgeschaltetem Verstand, sondern ein Weg auf dem jeder Schritt bewusst gegangen wird.

UnknownSeit einigen Jahren ist Siegfried Zimmer Stammgast bei den Evangelikalen. Beispielsweise trat er als Redner bei dem Spring Festival 2013 auf oder ist im Programmangebot des ERFs zu finden. Zimmer, ein begabter Denker, sympathischer Zeitgenosse und fesselnder Redner, erinnert mich mit seinen existentialistischen Zuspitzungen (irgendwie) sowohl an Rudolf Bultmann wie auch an Eugen Drewermann (hier mal ein Beispiel).

Viel Beachtung hat sein Buch Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?: Klärung eines Konflikts (Vandenhoeck & Ruprecht; 4. Auflage 2012) gefunden. Gescheit versucht Zimmer darin, Feindbilder zwischen Wissenschaft und Glaube abzubauen und um mehr Verständnis für das Anliegen der historisch-kritischen Methode zu werben. So sehr ich seine Weltoffenheit, Wissenschaftsliebe oder auch „Zuwendungslust“ schätze, der hermeneutische Ansatz überzeugt mich nicht. Reinhard Junker benennt in einer Rezension einige Probleme, andere thematisiert Armin Baum.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Uh, oh, diese Masche also. Es geht den Wörtern an den Kragen. Der Begriff „Anfang“ hat sich seit zweihundert Jahren stark gewandelt.

    Ich hab mir unlängst eine Debatte zwischen einem Full-Preterist und einem Futuristen angehört. Es ist allerhöchst erstaunlich, was durch eine kleine Bedeutungsnuance, die man einem Text abliest (oder in ihn hineinliest), alles ausgelöst werden kann und zu welchen Absurditäten man kommen kann. „Anfang“ bedeutet also heute etwas anderes als damals. Er ist nicht zeitlich zu verstehen, sondern qualitativ. Was dann? Dann kommen die Henning Baaders und behaupten, der Begriff des „Ewigen“ findet sich gar nicht in der Schrift, sondern nur der des Äons. Die Allversöhnung taucht auf, die Annihilationstheorie und so geht es immer weiter. Zuletzt ist die Bibel so dekonstruiert, dass man nicht nur die Reinkarnationslehre darin finden kann, sondern sogar den Hinduismus daraus deduzieren wird können. Man fragt sich: Sind 2000 Jahre Kirchengeschichte egal? Hat der Heilige Geist seelenruhig dabei zugesehen, wie sich seine Gemeinde 2000 Jahre lang irrt, nur damit wir heute erfahren: Eigentlich ist es ja ganz anders. Die Bibel kann man nur mit einem gehörigen Maß Bildung verstehen. Ob der Schächer am Kreuz sich der soteriologischen Implikationen eschatologischer Präsuppositionen bewusst war? Wie konnte der richtig glauben?

  2. Genau, Zimmer besticht durch sein sympathisches Auftreten und verdreht nicht zuletzt dadurch bald allen Evangelikalen den Kopf. Zwischen den Zeilen liest man aber auch nicht so nette Aussagen heraus. So behauptet er z.B. im Vortrag über die Historizität von Adam und Eva, das richtige Verständnis (natürlich das unhistorische) sei eine „Frage der Bildung“, oder mit deutlicheren Worten: nur irgendwelche rückständigen evangelikalen Dummerchen halten daran fest, dass es wirklich lebende Menschen waren. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass die gleichsam härtere Seite von Worthaus durch Thromas Breuer repräsentiert wird. In seinem Beitrag zum Kreuzestod geht es richtig zur Sache, Bibelkritik pur. S. mein Kommentar hier: http://lahayne.lt/2013/12/16/vom-elend-mancher-theologie/

  3. Schandor meint:

    Abba, lieber Vater: Der zweite wichtige Baustein 🙂

    Nämlich: Abba – das zweite A muss betont werden, sonst liegt man falsch – heißt es, denn Abba war eine schwedische Popgruppe –––– loool!

    Ha A-damm (560x im AT) heißt also: „die Grundlagen des Menschseins“, nicht Mensch/Adam. Eine spezielle Bezeichnung, einen speziellen Menschen „Adam“ gibt es in der Bibel nicht. Aha. A da da da. Hu! Extra haebraeicum nullo salus?

    Die Erde ist eine Scheibe! Wir Tockern lassen uns von Google-Earth und unseren Lehrern völlig verblöden. Dabei ist es doch ganz einfach: Geh mal die Straße lang – die bleibt immer gerade! Da geht nix bergab.

    Wohl, ein konkordanter Mensch, indeed.

  4. Theophil Isegrim meint:

    Ich höre mir schon seit längerem Videovorträge von ihm online an und habe auch schon Veranstaltungen von ihm besucht. Im Juni werde ich bei der Worthaus-Veranstaltung mit dabei sein. Es gibt viele interessante Sachen zu höheren und einiges ist doch sehr gewinnbringend. Aber es ist auch vieles mit Vorsicht zu genießen. Beispielsweise soll die Schlange bei Adam und Eva im Paradies nicht der Teufel in Person sein, sondern eine Projektion des Menschen. Als ich das hörte, habe ich abgeschaltet. Und dann nörgelt er immer an den „Bibeltreuen“ herum. Wen auch immer er damit meint. Die Bibeltreuen kennen die Bibel nicht etc. Das nervt. Aber gut, ich höre mir auch gerne mal die wissenschaftliche Sicht auf die Bibel an. Einiges ist gut und das andere nutze ich, um mich damit auseinanderzusetzen. Ich muß schließlich wissen wogegen ich bin. 😉

  5. Theophil Isegrim meint:

    Ach ja, das Buch von ihm habe ich auch, aber noch nicht gelesen.

  6. Tim-Christian meint:

    Siegfried Zimmer:

    „Jesus Christus treu zu sein ist wichtiger, als der Bibel treu zu sein. (…) Im Konfliktfall argumentieren wir ohne jedes Zögern mit Jesus Christus gegen die Bibel.“

    J. Gresham Machen:

    „The impression is sometimes produced that the modern liberal substitutes for the authority of the Bible the authority of Christ. He cannot accept, he says, what he regards as the perverse moral teaching of the Old Testament or the sophistical arguments of Paul. But he regards himself as being the true Christian because, rejecting the rest of the Bibel, he depends upon Jesus alone. This impression, however, is utterly false.“

    Ich durfte die Folgen dieser Hermeneutik unlängst in einer freikirlichen Gemeinde (EFG) erleben: Die jesuanische Liebesethik trumpft jegliche Lehre und Gebote und wer dennoch meint, an den Geboten Gottes festhalten zu müssen, der hat halt noch nicht begriffen, was „Christum treibet“ bzw. was Jesus wirklich wollte. Der Pastor dieser Gemeinde empfahl mir kürlich Zimmers Buch. Hm.

  7. @tim: Fängt die Stadt mit W. an?
    Liebe Grüße, Ron

  8. Tim-Christian meint:

    @Ron

    Ne, mit M. Aber wenn ich die Zeichen der Zeit recht deute, dann ist diese Art und Weise, die Bibel zu deuten, schon auf sehr vielen Kanzeln im BEFG gang und gäbe.

  9. Schandor meint:

    So werden wohl noch einige kommen, die unseren Glauben unterwandern wollen. Wir aber, wir lassen uns davon nicht beirren. Sondern wir bleiben bei dem, was geschrieben steht und gehen nicht darüber hinaus.

  10. Peter meint:

    Hallo Tim-Christian,
    genau DAS war der Grund, warum ich aus dem BEFG ausgetreten bin. Solche Predigten kann ich auch in der Landeskirche hören. Leider haben mir inzwischen etliche (auch ehemalige) Studenten aus Elstal bestätigt, dass sich bibeltreue Menschen an dieser Ausbildungsstätte sehr schwer tun – einer sprach sogar von einer „Verfolgungssituation“ (nicht körperliche, aber doch eine Art Mobbing durch Dozenten). Es ist also nicht nur „gang und gäbe“ auf vielen Kanzeln des BEFG, es ist gewollter Inhalt. Spurgeon und Oncken würden sich im Grabe umdrehen.

  11. Theophil Isegrim meint:

    Hm, ein Baptistenpastor aus M. Fängt sein Name vielleicht mit D an? Ich war früher mal Baptist in K mit einem Pastor D. Der hat auch immer mit der Liebesethik alles mögliche ausgehebelt. Später ist er in eine Stadt nach M gezogen.

    Der BEFG ist schon vor Jahren immer weiter von der Bibel abgewichen. Die gehen konsequent den Weg, den die Landeskirche gegangen ist. Natürlich gibt es noch bibeltreue Pastoren/Gemeinden, aber da sieht es wirklich schlimm aus.

    Nun besuche ich eine FeG. Aber der BFeG fängt auch so an. Da haben sie alle paar Jahre die Frauenordination zur Abstimmung gegeben, bis sie dann durchgekommen ist. Ja, wenn man einmal anfängt die Bibel zu relativieren … Mal sehen, ob sich „meine“ FeG auch so verrückt machen läßt. Dann gehe ich woanders hin. Das Siechtum, was ich in der Baptistengemeinde mitmachte, möchte ich nicht nochmal mitmachen. Dann bleibt mir wohl nur noch die Brüdergemeinden.

  12. Josef meint:

    Bibeltreue werden kritisiert, weil sie die Bibel nicht kritisieren.

    „Im Namen der Gnade, Barmherzigkeit und der Vergebung haben wir die Maßstäbe so lange heruntergeschraubt, bis keine mehr vorhanden waren“. Das hat ein führender Mann einer Bewegung mal gesagt.

  13. Tim-Christian meint:

    Wie’s aussieht hat das Elstaler Abbruchsunternehmen bundesweit schon so einige Gemeinde-Fundamente erschüttert zurückgelassen. Aber weiteren Namens- und Ortsspekulationen möchte ich hier keinen Vorschub leisten. 😉

    @Peter

    Den BEFG habe ich ebenfalls inzwischen verlassen und vom Theologischen Seminar habe ich ähnliches gehört und gelesen. Umso dankbarer darf man sein, dass es in Deutschland inzwischen Inititiativen wie E21 und Ausbildungsstätten wie das MBS gibt …

  14. Theophil Isegrim meint:

    Worthaus 4 ist nun zu Ende. Es war interessant. Es gab viele Vorträge verschiedener Referenten. Alles Theologieprofessoren. Mir schien die meisten Leute waren begeistert. Ich war da schon skeptischer und einige Sachen konnten mir nicht gefallen. Die „bibeltreuen Fundamentalisten“ und warum sie sich irren, waren auch Thema in einem Vortrag. Wahrscheinlich wird das Video dazu irgendwann auf der Worthaus Webseite erscheinen.

    Mal eine Frage zu bestimmten Themen: Es wurde behauptet die alegorische Auslegung von Jesus und dem Sämann stammt gar nicht von Jesus. 1800 Jahre lang hat sich die Kirche geirrt, das ist ganz schlimm und endlich konnte die Bibelwissenschaft diesen Irrtum aufdecken etc. Bei der Auslegung werden von Jesus Worte benutzt, die er sonst nie benutzt und die erst zur Zeit der Apostel auftauchen. Gibt es gutes Material, die sich mit solchen Behauptungen der Universitätstheologie auseinandersetzen? Das ist eher eine Frage an Ron.

    Beim Feedbackbogen trug ich ein, daß sie ruhig auch mal einen Vertreter der bibeltreuen Wissenschaft einladen könnten. Ich bin mal gespannt, ob sie sich dazu durchringen könnten und ob die Einladung angenommen würde.

  15. Theophil Isegrim meint:

    Die MBS-Texte sind schonmal eine gute Wahl. Vor ein paar Wochen hatte ich mich mit dem Text zur „Apostolin“ Junia befaßt.

  16. „Bei der Auslegung werden von Jesus Worte benutzt, die er sonst nie benutzt und die erst zur Zeit der Apostel auftauchen.“
    Sind mit Apostel die Jünger Jesu gemeint? Haben die denn nicht zur gleichen Zeit gelebt?
    Ich ziehe die Frage zurück – war nicht ernst gemeint.

  17. Schandor meint:

    Was heißt „bibeltreu“?

  18. Lieber Theophil,

    Mal eine Frage zu bestimmten Themen: Es wurde behauptet die alegorische Auslegung von Jesus und dem Sämann stammt gar nicht von Jesus. 1800 Jahre lang hat sich die Kirche geirrt, das ist ganz schlimm und endlich konnte die Bibelwissenschaft diesen Irrtum aufdecken etc. Bei der Auslegung werden von Jesus Worte benutzt, die er sonst nie benutzt und die erst zur Zeit der Apostel auftauchen. Gibt es gutes Material, die sich mit solchen Behauptungen der Universitätstheologie auseinandersetzen? Das ist eher eine Frage an Ron.

    Bei solchen Formulierungen wie „die Bibelwissenschaft hat gezeigt“ sollte ein Hörer in der Regel die Ohren spitzen und konkret fragen: Welcher Bibelwissenschaftler hat was behauptet? Streng genommen bezeichnet der Ausdruck „Bibelwissenschaft“ ein Forschungsfeld. Und dort werden allerlei Vermutungen und Thesen kontrovers diskutiert. Im Blick auf den Sämann geht es vermutlich darum, dass die Parabel in einem koptischen Thomasevangelium auftaucht und deshalb einige Leute vermuten, dass Mk par und das Thomasev. auf eine gemeinsame Quelle zurückgreifen. Nun ja, solcherlei Thesen gibt es viele. Ich könnte auch sagen: Die Mehrheit der heutigen Bibelwissenschaftler geht davon aus, dass Jesus nicht leiblich auferstanden ist.

    Verheißungsvoller scheint es mir, nach dem jüdischen bzw. alttestamentlichen Hintergrund des Gleichnisses zu fragen. Da gibt es beispielsweise einen Aufsatz von Evans, der meint, in Jes 6 einen Hintergrund gefunden zu haben (Evans, C. A. (1985). On the Isaianic background of the Sower Parable. Catholic Biblical Quarterly, 47(3), 464-468).

    Liebe Grüße, Ron

  19. Schandor meint:

    @Theophil

    Stell Dir eine einfache Frage: Lässt der Heilige Geist zu, dass sich die Christen 1800 Jahre lang im Irrtum befinden? Wenn ja, dann sollten Christen den Spruch mit „in alle Wahrheit leiten“ nicht überstrapazieren, da er nichts als ein Bonmot Jesu an seine Jünger war. Wenn er aber über seinem Wort wacht (und alle, die das glauben, werden als „Fundamentalisten“ bezeichnet und damit als dumm hingestellt), dann Vorsicht vor allen, die den Text der Heiligen Schrift ändern, verlängern, verkürzen, infrage stellen etc.
    Dieser gute Zimmer ist ein sympathischer Kerl. Leider versteigt er sich in allerlei Spekulationen. Bist Du Christ? Dann halte Dich an das überlieferte Wort (sofern Du „bibeltreu“ bist). Bist Du nicht „bibeltreu“, dann bleibt Dir nichts übrig, als dein Herz an die „Erkenntnisse“ der so genannten „Bibelwissenschaft“ zu verkaufen. Hat der Feind Gottes erreicht, dass Gottes Volk diesen Philophastern Glauben schenkt, dann hat er leider doch gewonnen.

  20. Theophil Isegrim meint:

    @ Schandor:

    Ich bin Christ und bezeichne mich als bibeltreu. Ich bin nicht so erzogen worden. Es bei mir als Erkenntnis gereift. Es gab eine Zeit, da machte ich immer mehr Abstriche an der Bibel, ohne es tief zu durchdenken. Dann legte ich für eine Freizeit Offenbarung 17 aus und wurde mit dem Thema Verführung konfrontiert. Ich frug mich, auch als ich mich etwas mit den „Deuschen Christen“ und anderen Fehlentwicklungen beschäftige, wie man das wohl verhindern hätte können. Wir sind ja alle zeitgeistverseucht. Gibt es etwas, was mich quasi aus der Beeinflußung meiner Zeit heraustreten läßt? Ich kam auf die Evangelien, was Jesus sagte und vorlebte. Wenn alle die Lehre Jesu (oder die Lehre der Apostel) ernst nehmen würden, dann wären sie nicht auf Abwegen gekommen. Zugleich fiel mir auf, daß wenn es erweckliche Bewegungen gab, dann war da die Bibel im Zentrum. Und so wurde die Bibel für mich zum Maßstab. Und das ist sie bis heute geblieben.

    Ich habe nicht wegen mir nachgefragt. Ich habe so durch die Reihen geschaut und viele waren angetan. Die werden wahrscheinlich die Bibel relativieren, falls sie es nicht schon getan haben. Aber was kann man dagegen setzen? Die Erkenntnisse der Bibelwissenschaft einfach abtun, darüber läßt sich schlecht diskutieren. Und mal eben Theologie studieren, eine Doktarbeit schreiben und das widerlegen, das ist auch nicht so mein Ding. 😉 Eigentlich habe ich gar keine Lust mich allzusehr mit den Erkenntnissen der Bibelwissenschaft und deren Schwachstellen zu befassen. Das ist wohl ien Faß ohne Boden. Wahrscheinlich ist es da schon sinnvoller eine Methodenkritik zu üben. Hört sich immer gut an, wenn Ergebnisse präsentiert werden. Aber wie kamen sie zustande?

    Darum ging es mir. War sicher nett gemeint von Dir, aber Du mußt mir nichts über Bibel, Glauben etc. erzählen. Wir zeihen da eh am gleichen Strang – schätze ich mal.

  21. Theophil Isegrim meint:

    @ Ron:

    Vielen Dank für die Antwort!

    Die Literatur ist wohl etwas zu speziell für mich. Um das Thomasevangelium ging es da nicht. Das wurde eh sehr kritisch betrachtet. Ein Professor meinte, die Bücher, die im NT sind, sind zurecht drin. Und die, die nicht drin sind, sind zurecht draußen. Die alten Christen habe gute Arbeit geleistet. So ganz schlimm waren die Professoren da nicht.
    Ich weiß leider nicht mehr um welche zwei Worte es sich handelte. Sie tauchen nur dort auf und wurden sonst von Jesus nicht verwendet. Dafür aber in der apostolischen Zeit. Hm, ich meine „und die Begierden nach den übrigen Dingen“ (Markus 4,19) war so eine Passage. Es muß wohl das Wort „Begierde“/“Lust“ (epithymia) gewesen sein. Welches sonst nur bei der Einführung des Abendmahls vorkommt. Naja, im Prinzip hat sich damit Zimmer ja selbst schon widerlegt, weil es eben doch mehrmals vorkommt. Aber es ging da wohl um mehrere Begriffe.

    Ich hoffe, daß Worthaus wirklich mal versucht andere Bibelwissenschaftler einzuladen und nicht nur von den Hochschulen.

    Neben Worthaus war ich schon ein paar Mal bei „Bibel erlebt“ im November auf dem Schönblick. Was mir auffällt, es gibt wohl einige intelektuell bewegliche Christen, die sich gerne tiefergehender mit der Bibel befassen. Aber es gibt momentan wohl nur Veranstaltungen mit der relativierenden Hochschultheologie. Und die bekommen dann beigebracht, daß die Bibel doch recht menschlich entstanden ist. Und Paulus darf man eh nicht alles glauben, falls seine Briefe überhaupt von ihm sind etc.

    Eins fand ich auch sehr lustig. Ein Professor hatte früher Probleme beim Glaubensbekenntnis Jungfrau Maria mitzusprechen. Mittlerweile versteht er das als Symbol und kann es wieder beten. Ein Zuhörer frug dann später den Prof. Wenn er doch an die Auferstehung von Christus glaube, das ist doch ein viel größeres Wunder als die Jungfrauengeburt, wieso muß er das dann symbolisch verstehen? Das habe ich mich auch gefragt, weshalb man die „Krücke“ Symbol verwenden sollte. Gott ist der Schöpfer, wieso sollte er aus Marias Eizelle kein Leben hervorbringen können? Das ist doch kein Problem für ihn.

    Naja, also, ist jetzt vielleicht zu negativ meine Betrachtrungsweise, denn es gab auch wirklich gute interessante Sachen dort.

  22. @Theophil:

    Schon der große liberale Theologe Wilhelm Hermann meinte, man solle im Gottesdienst ruhig das alte Apostolikum weiter sprechen, denn kaum jemand halte sich für verpflichtet, alle seine Aussagen für wörtlich wahr zu halten. Den Vorschlag, ein neues Glaubensbekenntnis zu formulieren (z.B. ohne Jungfrau Maria, leibliche Auferstehung o. Gericht) lehnte er ab, da sonst die Hörer oder Sprecher denken könnten, es seien Sätze, die sie für wahr halten müssten.

    Nachzulesen bei Bultmann.

    Liebe Grüße, Ron

  23. Theophil Isegrim meint:

    Uh, ich glaube, da habe ich mich falsch ausgedrückt. Bei Worthaus 4 waren mehrere Theologen. Zimmer hat zur Jungfrauengeburt gar nichts gesagt. Das war ein anderer.

    Ansonsten ist das was Hermann meinte schon sehr interessant. Da wird Gottesdienst zum Mitmachtheater.

    Das ist schon grauenhaft. Da keiner sprechen: „Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“ Und wenn er es im Sinne Bultmanns tut, meint er etwas vollkommen anderes als wir.

  24. Jørg meint:

    Francis Schaeffer schreibt in seinem Werk „Die große Anpassung — Der Zeitgeist und die Evangelikalen“, Bielefeld 1998, S. 52:
    Innerhalb der evangelikalen Welt gibt es eine Anzahl von Menschen, die ihre
    Ansichten über die Unfehlbarkeit der Bibel abändern, so dass die unumschränkte
    Autorität der Bibel vollständig untergraben wird. Aber dies geschieht in einer sehr
    spitzfindigen Art und Weise. (Zitatende)
    Genau dem begegnen wir hier beim Einfluss, den Leute wie Zimmer auf viele Evangelikale ausüben. Was Zimmer hier zum besten gibt, kenne ich bereits seit gut 45 Jahren. Damals geriet ich in Lehrkonfrontationen mit einem jungen Existentialtheologen. Zimmer treibt mit sophistischer Rhetorik die dialektische Theologie voran. Was das Persönliche betrifft: Sympathisch finde ich die Art seiner Darbietung keineswegs, doch das betrifft mein eigenes Empfinden. Andere mögen etwas anderes empfinden. Allerdings: Warum muss er denn so eindringlich betonen, dass er bei seinem Auftritt nicht von Arroganz bewegt wird? Das hat ja wohl seinen Grund. Ich nehme an, dass Zimmer als Kritiker der Kleinkindertaufe von „täuferischen“ Kreisen allzuschnell einen Vorschuss–Pluspunkt verliehen bekommt. Das rächt sich im Sinne der von F. Schaeffer getroffenen Feststellung (siehe Zitat!).

  25. @Jørg: Ich habe inzwischen weitere Vorträge von S. Zimmer gehört. Ich würde heute nicht mehr sagen, dass er fesselnd vorträgt. Seine Redegewalt ist anderen gegenüber nicht nur arg herablassend, sondern meiner Meinung nach hin und wieder demagogisch.

    Liebe Grüße, Ron

  26. René meint:

    Ich habe einige Vorträge von Prof. Zimmer gehört. Die Vorträge enthalten interessante Hintergrundinformationen und regen zum Nachdenken an.
    Schade, dass Prof. Zimmer gegenüber seinen konservativen Glaubensbrüder und Schwestern so oft abwerten Bemerkungen machen muss. Herr Zimmer, das haben sie doch gar nicht nötig.

  27. Zitat:
    Ich durfte die Folgen dieser Hermeneutik unlängst in einer freikirlichen Gemeinde (EFG) erleben: Die jesuanische Liebesethik trumpft jegliche Lehre und Gebote und wer dennoch meint, an den Geboten Gottes festhalten zu müssen, der hat halt noch nicht begriffen, was „Christum treibet“ bzw. was Jesus wirklich wollte. Der Pastor dieser Gemeinde empfahl mir kürlich Zimmers Buch. Hm.

    … wow.
    Ich bin ja ganz einfach gestrickt .. und die meiste Fachliteratur, die hier so gehandelt hat, habe ich weder noch gelesen und das meiste verstehe ich gar nicht.
    Aber.
    .. was Jesus wirklich wollte. Sagt ER doch selbst: wer mich liebt, hält meine Gebote.
    Hat ER das nicht ernst gemeint ?
    Wenn seine „Liebesethik“ alles trumpft .. wie entkräften die dann solche Aussagen ?

    Also, ich bin so beschäftigt damit, zu lernen IHN zu lieben und damit so zu leben, wie ER das möchte .. dass ich für sowas gar keine Zeit habe… nur ab und zu muss ich hier dann doch meinen Senf auch noch dazu geben .. 😉 .. nehme mir das bitte niemand übel .. im Vergleich zu vielen von euch bin ich wirklich ungebildet …

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