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Francis Schaeffer: Das Kreuz und wahre Geistlichkeit

Bruce A. Little beschreibt in seinem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), wie Francis Schaeffer geistliches Leben verstand (S. 74–75): 

Schaeffer erklärte: „Wenn wir etwas von der Wirklichkeit des christlichen Lebens, etwas von wahrer Geistlichkeit erfahren wollen, müssen wir ‚täglich unser Kreuz auf uns nehmen‘.“ Jesus sagte: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27). Schaeffer wies darauf hin, dass Jesus „nicht sagt, dass ein Mensch ohne dies nicht gerettet werden kann, sondern dass man nicht zu Christus gehört, im Sinne der Nachfolge.“ Die Vorstellung von unserem Kreuz ist nicht irgendeine Unannehmlichkeit oder Widrigkeit im Leben, vielmehr ist das Kreuz ein Instrument des Todes, wie Schaeffer in Geistliches Leben – was ist das? deutlich machte. Es bedeutet, die eigenen egoistischen Wünsche zu verleugnen und die eigenen Wünsche im Interesse Gottes zu ordnen.

Die Frage, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist keine einfache Angelegenheit; tatsächlich ist es schwer, wie Schaeffer erklärte: „Wir sind von einer Welt umgeben, die zu nichts ‚Nein‘ sagt. Wenn wir von dieser Art von Mentalität umgeben sind, in der alles nach Größe und Erfolg beurteilt wird, dann muss es schwer erscheinen, plötzlich zu erfahren, dass es im christlichen Leben diesen starken negativen Aspekt gibt, zu Dingen und zu sich selbst ‚Nein‘ zu sagen. Und wenn es sich uns nicht schwer anfühlt, lassen wir es nicht wirklich auf uns wirken.“ Es bedeutet, „Nein“ zu den Wegen der Welt und zur Verführung durch die eigenen egoistischen Wünsche zu sagen. Wie bereits erwähnt, sagt die Bibel, dass dies möglich ist, weil wir der Welt gekreuzigt sind und die Welt uns. Dieses Aufnehmen unseres Kreuzes ist jedoch keine einmalige Entscheidung; es ist Teil eines Lebens von Augenblick zu Augenblick in der Realität von Christi Tod und Auferstehung, und es erfordert Opfer und Hingabe. Wie Schaeffer zugab, ist es schwer.

Schaeffer betitelte Kapitel zwei von Geistliches Leben – was ist das? mit „Die Zentralität des Todes“. Dort untersuchte er die Schriftstellen bezüglich der Rolle des Todes für das Verständnis der Botschaft vom Wandeln in der Neuheit des Lebens – der wahren Geistlichkeit.

Im Zusammenhang mit dem „Wandeln in der Neuheit des Lebens“ lesen wir: „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib, dass ihr seinen Begierden gehorcht“ (Röm 6,12). Es ist schwer, „Nein“ zu den Dingen der Welt zu sagen, die uns anziehen, doch sie führen Krieg gegen die Seele. Das zuvor erwähnte Lied „Moment by Moment“ drückt es so aus: „Mit Jesus sterben, den Tod als meinen annehmen, für Jesus ein neues göttliches Leben leben.“ Die Idee des Kreuzes besteht darin, alles abzulehnen, was den Wunsch untergräbt, für Christus zu leben, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14,6). Christen sollen aus der Realität von „Christus in mir“ leben und ihren Anspruch auf ein autonomes Leben aufgeben. Laut Schaeffer muss diese Wahrheit verwirklicht werden, wenn Selbstverleugnung mehr sein soll als bloßer Legalismus. Dies ist der Kern von Schaeffers Lehre über wahre Geistlichkeit.

Francis Schaeffer: Moment für Moment auf Gottes Verheißungen vertrauen

Bruce A. Little beschreibt in dem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), dass Francis Schaeffer am Ende seines Lebens sehr darüber besorgt war, dass Christen geistliches Leben mechanistisch verstanden.

Bruce A. Little schreibt (S. 70–71): 

Als Schaeffer den Anhang A für die fünfbändige Ausgabe seiner Werke von 1982 verfasste, äußerte er eine Sorge, die er in den 1980er Jahren hatte – nämlich dass Christen versuchen würden, wahre Geistlichkeit als mechanische Formel zu leben. Schaeffer betonte jedoch wiederholt, dass wahre Spiritualität in der vollen Realität des Todes und der Auferstehung Christi gelebt wird. Es ist Leben, keine Formel. Dies, so Schaeffer, sei das Herzstück von L’Abri. Wahre Geistlichkeit bedeutet, die Realität des Todes und der Auferstehung Christi zu leben, damit der Christ in der Neuheit des Lebens wandeln kann. Es ist keine einmalige Verpflichtung. Diese Art zu leben bedeutet, von Moment zu Moment auf Gottes Verheißung zu vertrauen, dass wir mit Christus gekreuzigt worden sind und das Leben der Auferstehung erhalten haben, um in der Gegenwart zu leben.

Schaeffer verwies auf Texte wie Römer 6,1–12, um zu erklären, dass wahre Geistlichkeit keine ferne Realität in „dem zukünftigen Millennium oder der Ewigkeit“ ist; das ist etwas anderes. Jetzt können wir „in der Neuheit des Lebens wandeln“. Durch das Bekenntnis zu Christus wird der Geist des Menschen lebendig gemacht und das wiederhergestellt, was durch den Sündenfall verloren gegangen war. Wie sieht das in der täglichen Praxis aus? Schaeffer antwortete entschieden: „Zunächst einmal bedeutet es ganz sicher Folgendes: In unseren Gedanken und in unserem Leben sollen wir jetzt so leben, als wären wir bereits gestorben, im Himmel gewesen und als Auferstandene zurückgekehrt.” Er spricht hier nicht von einer physischen Erfahrung, sondern von einer geistlichen Realität, etwas, das im Bereich des Geistes geschieht, zu dem Christen gehören, ob sie es nun erkennen oder nicht.

Das Wort „geistlich“ bedeutet nicht, dass es nicht real ist, denn in gewisser Weise ist es realer als der Stuhl, auf dem ich gerade sitze. Schaeffer erklärte: „Wir, die wir jetzt die ‚Bürgschaft‘ des Heiligen Geistes haben und somit aufgrund der Realität des vollbrachten Werkes Christi Zugang haben – nicht in der Theorie, sondern in der Realität – zur Kraft des gekreuzigten, auferstandenen, verherrlichten Christus durch die Vermittlung des Heiligen Geistes.“ So wie man durch den Glauben errettet wird, so kommt auch wahre Geistlichkeit durch den Glauben; es ist ein momentanes Vertrauen in das Kreuz und die Auferstehung Christi, das nun für den Christen gilt. Es geschieht durch den Glauben und unabhängig von Werken, wie Schaeffer klarstellte: „Wahre Geistlichkeit wird nicht durch unsere eigene Kraft erreicht. Das „Wie“ der Art von Leben, von der wir gesprochen haben, das wahre christliche Leben, die wahre Spiritualität, steht in Römer 6,11: „So achtet auch ihr euch selbst (da ist der Glaube, dann der negative Aspekt) als tot für die Sünde (aber dann der positive Aspekt), aber lebendig für Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Das ist das „Wie“, und es gibt kein anderes.“

Francis Schaeffer: Warum Wahrheit wichtig ist

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Bruce A. Little hat ein kleines Buch über Francis Schaeffer veröffentlicht. Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad) stellt sein einflussreiches Wirken vor und unterstreicht dessen Überzeugung, dass wahre Geistlichkeit ein Leben im Glauben ist, das jeden Augenblick von dem unfehlbaren Wort Gottes geprägt und geleitet wird. Ohne Vertrauen auf die objektive Offenbarung in der Heiligen Schrift läuft das christliche Leben Gefahr, die Orientierung vor Gott und in der Welt zu verlieren.

Ich werde ab heute einige Zitate aus dem gut lesbaren Buch veröffentlichen. Ich beginne mit einigen Ausführungen zu Geistliches Leben – Was ist das? (Haus der Bibel, 1975, #ad), ein Buch, dass für Schaeffer sehr wichtig war.

Bruce A. Little schreibt (S. 68–69): 

In Geistliches Leben – Was ist das? verdeutlichte Schaeffer die Grundlage dessen, was er als wahre Geistlichkeit bezeichnete – nämlich das christliche Leben. Er schrieb:

„Die Realität, im Glauben zu leben, als wären wir bereits gestorben, im Glauben in offener Gemeinschaft mit Gott zu leben und dann in die äußere Welt zurückzukehren, als wären wir bereits von den Toten auferstanden – das ist keine einmalige Angelegenheit, sondern eine Frage des Glaubens von Augenblick zu Augenblick und des Lebens von Augenblick zu Augenblick. Der Glaube von heute Morgen reicht für heute Mittag nicht aus. … Gott sei Dank für die Realität, für die wir geschaffen wurden, eine Kommunikation mit Gott selbst von Moment zu Moment. Wir sollten in der Tat dankbar sein, denn die Qualität von Augenblick zu Augenblick bringt das Ganze auf die Größe, die wir haben, so wie Gott uns geschaffen hat.“

Wie Jesus uns sagt, sollen wir um unser tägliches Brot beten, nicht um unser monatliches Brot So wie das Manna im Alten Testament, das am Montag gegeben wurde, für den Dienstag nicht ausreichen würde, so reicht der Glaube von heute Morgen nicht für heute Abend aus.

Über die Beziehung zwischen Rechtfertigung und wahrer Geistlichkeit sagte Schaeffer:

„Lassen Sie mich wiederholen: Der einzige Unterschied in der Praxis besteht darin, dass die Rechtfertigung ein für alle Mal geschieht, während das christliche Leben von Augenblick zu Augenblick gelebt wird. Das christliche Leben besteht darin, von Moment zu Moment nach dem gleichen Prinzip und auf die gleiche Weise zu handeln, wie ich im Moment meiner Rechtfertigung gehandelt habe.“

Später erklärte er: „Wenn wir also an Gottes Verheißungen glauben, wenden wir sie an – die gegenwärtige Bedeutung des Werkes Christi für den Christen – für und in diesem einen Moment – einen Moment nach dem anderen. Wenn man das nur erkennen kann, ändert sich alles.“

Existentiell gesehen wirkt wahre Spiritualität von Augenblick zu Augenblick, da der Christ aus dem Glauben an die Wahrheit der Gegenwart Gottes in ihm lebt, die durch den Glauben an das vollendete Werk Christi ermöglicht wird. Das habe ich einmal geglaubt, aber im Laufe der Jahre verlor diese Realität langsam ihren Platz in meinem Leben. Ich bin Schaeffer dankbar, dass er mich zu dieser grundlegenden Wahrheit des Christentums zurückgebracht hat.

Francis Schaeffer und dekonstruktivistische Spiritualität

Im Jahr 1951 erlebte Francis Schaeffer eine Glaubenskrise, die später als sein „Heuboden‑Erlebnis“ betitelt werden sollte. Nachdem er die inkonsequente christliche Praxis bei den Menschen um ihn herum und in seinem eigenen Leben beobachtet hatte, erklärte Schaeffer, er müsse zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren und seine gesamte Position in Bezug auf das Christentum neu überdenken. Er gab an, er sei an den Anfang seines Denkens zurückgekehrt und habe sich durch all seine Überzeugungen in Bezug auf das Christentum hindurchgearbeitet, wobei er zu dem Schluss kam, dass es tatsächlich wahr ist.

Christopher Talbot meint, dass sich aus Schaeffers radikalem Umgang mit seinen Zweifeln einiges für den heutigen Umgang mit der sogenannten „Dekonstruktion“ lernen lässt. In dem Aufsatz „Die Sonne kam raus und das Lied erklang“ zeichnet er die Krise nach und gibt einige hilfreiche Hinweise für die Gegenwart. 

Zitat: 

Schaeffers Krise führte nicht dazu, dass sein Pendel zu einer anderen Art von Christentum oder gar keinem Christentum ausschlug; sondern dazu, dass er sowohl die intellektuelle als auch die geistliche Realität des historischen christlichen Glaubens bejahte. Schaeffer hatte seine eigene spirituelle Krise durchlebt, in der er das Christentum in seiner Gesamtheit überdachte. Er war bereit, es vollständig zu verwerfen. Dennoch überwand er diese Zeit tiefer Zweifel; er brach durch zu einem neu entfachten Eifer für die Wahrhaftigkeit des christlichen Glaubens. Sein eigenes Engagement, seine apologetische Methode und seine Sichtweise auf das Zeugnis der Kirche im 20. Jahrhundert sind Belege eines Menschen, der sich mit Zweifeln auseinandergesetzt hat und sich um diejenigen kümmerte, die selbst mit Zweifeln kämpfen.

Schaeffer bemühte sich nicht um eine Weiterführung der Dekonstruktion, sondern führte sich und diejenigen, denen er diente, in Richtung Rekonstruktion – hin zu einer Sichtweise, die den christlichen Glauben als wahr für das gesamte Leben betrachtet. Er sah das historische Christentum als etwas Ganzheitliches und Absolutes an. Er erlebte tiefe Zweifel und diente konsequent denen, die zweifelten, während er gleichzeitig auf den ewigen, persönlichen Gott hinwies, der tatsächlich da ist. Schaeffer war nicht perfekt und bietet kein makelloses Vorbild. Dennoch verstand er das Christentum als etwas, das man nur entweder vollständig annehmen oder aber vollständig ablehnen kann. Dies spiegelt sich wieder in seiner Apologetik, die eine ganzheitliche Welt- und Lebensanschauung bietet, welche verifiziert und getestet werden kann. Voll Mitgefühl setzte Schaeffer diese überzeugende Apologetik in die Tat um. Schließlich stellte er die wahre christliche Position konsistent klar und versuchte, das wahre Christentum von unnötigem oder schädlichem kulturellen Ballast zu befreien. Durch die konsequente Umsetzung dieser Elemente bietet uns Francis Schaeffer heute eine überzeugende Vision, wie wir Menschen begleiten können, an denen Dekonstruktion und Zweifel nagen – eine Vision, die heute weitsichtiger denn je erscheint. Wenn wir Schaeffers Vorbild folgen, können wir Menschen, die selbst geistliche Zweifel durchleben müssen und daraus hervorgehen, dazu verhelfen, zu sagen: „Allmählich kam die Sonne raus, und das Lied erklang.“

Mehr: www.evangelium21.net.

Francis Schaeffer’s Whole-of-Life Theology and the Making of the L’Abri Mind

Andrew Carter hat an der Durham University die Untersuchung „Francis Schaeffer’s Whole-of-Life Theology and the Making of the L’Abri Mind“ veröffentlicht.

Im Abtract heißt es: 

Francis Schaeffer (1912–1984) war ein bedeutender evangelikaler Pastor und Apologet, der in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa tätig war. Im Laufe seines Lebens kontextualisierte er das Evangelium für eine neue Generation, verfasste über 22 Bücher, hielt unzählige Vorträge zu zahlreichen Themen, drehte zwei Dokumentarfilmreihen und beeinflusste persönlich Tausende von Menschen. 1955 gründete er zusammen mit seiner Frau Edith die L’Abri Fellowship, eine christliche Gemeinschaft, die die Realität Gottes durch das normale Leben demonstrieren soll. Heute gibt es weltweit zehn Zweigstellen von L’Abri, die Gäste einladen, um gemeinsam die tiefsten Fragen des Lebens zu erforschen.

Teil 1 dieser Studie stellt Schaeffer vor und untersucht, warum er so wichtig ist. Teil 2 enthält vier Kapitel, die den integrierenden Faktor in Schaeffers Theologie untersuchen: die Herrschaft Christi über das gesamte Leben und seine Ablehnung einer Spiritualität, die das Leben in verschiedene Bereiche aufteilt. Die Schlussfolgerung dieser Kapitel lautet, dass Schaeffers Herangehensweise an den christlichen Glauben so einzigartig ist, dass man sie als „Schaeffer-Denken” bezeichnen kann. Teil 3 untersucht, wie der Schaeffer-Gedanke von einer neuen Generation von L’Abri-Führern und -Denkern aufgegriffen, modifiziert und weiterentwickelt wurde.

Zu diesem Zweck betrachten wir drei Themen, die zwar bei Schaeffer vorhanden sind, aber von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft weiterentwickelt wurden: Erstens die These von Jerram Barrs und Ranald Macaulay, dass Erlösung die Wiederherstellung der wahren Menschlichkeit darstellt, zweitens Dick Keyes’ kulturelle Apologetik und drittens Wade Bradshaws Auseinandersetzung mit einer rivalisierenden Geschichte. Abschließend betrachten wir Nancy Pearcey, die zwar nicht streng genommen zu L’Abri gehört, aber dennoch in dieser Tradition schreibt, Schaeffers Lehre auf den neuesten Stand bringt und sie auf neue Bereiche anwendet.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sich Schaeffers Denken zu etwas entwickelt hat, das in der breiteren evangelikalen Welt seinesgleichen sucht. Ich nenne dies die L’Abri-Denkweise. Die Studie schließt mit dem Versuch, ihre wichtigsten Bestandteile zusammenzufassen und zu erläutern, warum sie von Bedeutung ist.

Die Untersuchung kann hier heruntergeladen werden: Final_PhD_Document_July_2024_.pdf.

Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können

Am Donnerstag, den 25. September 2025, bin ich in Zürich. Es gibt ein Seminar über Francis Schaeffer und seine Apologetik.

Francis August Schaeffer (1912–1984) zählt zu den bedeutendsten christlichen Apologeten des 20. Jahrhunderts. Durch seine Bücher (z. B. Gott ist keine Illusion, Wie sollen wir denn leben? oder Preisgabe der Vernunft), Vorträge und das 1955 gegründete Schweizer Studienzentrum L’Abri (dt. Zufluchtsort) wurden er und seine Frau Edith weltweit bekannt und halfen unzählbar vielen Menschen, ihren Glauben zu festigen sowie intellektuell verantwortbar und kulturrelevant zu bezeugen. In diesem Seminar wird sein Leben sowie seine apologetische Arbeitsweise vorgestellt. Beleuchtet wird jedoch ebenfalls der weniger bekannte Francis Schaeffer, z. B. seine Sicht auf das geistliche Leben, seine Kritik der Mediengläubigkeit oder des Hypercalvinismus.

Gasthörer sind herzlich willkommen.

Mehr Infos hier: 2025-09-25-MBS-Studientag.pdf.

Francis Schaeffers letzte Ansprache

Vor wenigen Tagen wurde Francis A. Schaeffers letze aufgezeichnete Rede auf der Plattform YouTube veröffentlicht. Schaeffer war schwer gezeichnet von seiner Krebserkrankung. Die Aufnahme entstand zwei Monate bevor er heimgegangen ist (während der L’Abri Conference 1984).

Hier: www.youtube.com.

Francis Schaeffer: Die unverzeihliche Sünde

Nachdem eine Pastorenfrau Markus 3,28–30 gelesen hatte, überkam sie der Eindruck, dass sie einmal den Heiligen Geist verflucht und damit die unverzeihliche Sünde der Lästerung des Heiligen Geistes begangen hatte. Sie hat dies gebeichtet und Buße getan, aber sie fand keinen Frieden. In ihrer Not bat sie Francis Schaeffer, der damals in Huémoz (Schweiz) lebte, um einen seelsorgerlichen Rat. Ich zitiere aus seinem Antwortbrief (Letters of Francis A. Schaeffer: Spiritual Reality in the Personal Christian Life, 1985, S. 145–146):

Wenn wir die Passagen in den Evangelien über die unverzeihliche Sünde untersuchen, bezieht sich das nur auf eine Sache, nämlich auf diejenigen, die sagen, dass Christus sein Werk in der Macht des Teufels verrichtet hat. Wenn es sich nur um diese Stellen in den Evangelien handeln würde, dann gäbe es eigentlich überhaupt kein Problem, denn das hat eindeutig keinen Bezug zu Ihnen. Es gibt jedoch eine Stelle in einem der Briefe, in der von einer unverzeihlichen Sünde die Rede ist und die über das hinauszugehen scheint, was in den Evangelien steht [vermutlich ist 1Joh 16–17 gemeint, Anm. R.K.].

Dennoch glaube ich, dass die Antwort, die von den meisten aufmerksamen Theologen, die das Wort Gottes lieben, gegeben wurde, die richtige und die einzig mögliche biblische Antwort ist, nämlich dass die Sünde gegen den Heiligen Geist ein fortwährender, nicht endender und beständiger Widerstand gegen das Wirken des Heiligen Geistes im Leben eines Menschen ist, der ihn zum Heil führen will.

Ich möchte Ihnen von ganzem Herzen ans Herz legen zu erkennen, dass die Art des Studiums von „Beweistexten“, die wir alle in gewisser Weise betreiben, nicht wirklich die richtige Art ist, die Bibel zu lesen. Die gesamte biblische Lehre zu einem Thema ist immer reichhaltiger als ein einzelner Abschnitt. Die Bibel spricht zu uns in Gleichgewichten – und es ist die Fülle des Gesamtgleichgewichts der Schrift, die uns die Fülle der Lehre Gottes vermittelt.

Wenn wir die Frage der unverzeihlichen Sünde im Licht der gesamten Lehre des Neuen Testaments betrachten, bin ich sicher, dass die Erklärung, die ich oben gegeben habe, die einzige biblische ist. Die unverzeihliche Sünde ist nicht etwas, das man einmal getan hat und das, wenn man es getan hat, nicht mehr zu ändern ist. Sie ist der ständige, unablässige Widerstand gegen das gnadenvolle Wirken des Heiligen Geistes zur Erlösung. Dies ist eindeutig nicht Ihr Fall: Was Sie getan haben, war falsch, aber es ist nicht falscher, als wenn ich und andere Christen gegen Gott murren, was wir alle tun. Sowohl in Ihrem als auch in meinem Fall sollte die Sache unter das Blut Christi gebracht, dort belassen und vergessen werden – mit einem „Dankeschön“ an den liebenden Vater, der den liebenden Sohn in den Tod geschickt hat, damit wir diese Vergebung erhalten können.

Sobald wir diese oder eine andere Sünde unter das Blut Christi gebracht haben, ist es eine Entwertung des Werkes Christi, wenn wir uns weiter damit beschäftigen. Sein Tod hat unendlichen Wert, weil er Gott ist und jede Sünde bedeckt. Daher sollte ein Christ nichts auf seinem Gewissen haben. Sobald wir wissen, dass wir gesündigt haben, sollten wir diese spezielle Sünde unter das Blut Christi bringen. Und wenn sie einmal da ist, ist es entehrend für den unendlichen Wert des Werkes Christi, sie noch auf dem Gewissen zu haben.

Ich bitte Sie, diese Sache ein für allemal unter das vollendete Werk Christi zu stellen; und wenn Satan Sie danach mit Sorgen darüber verführt, weisen Sie ihn zurück, indem Sie in Ihrem Kopf oder laut sagen: „Lass mich in Ruhe. Das ist vergeben aufgrund des Werkes Christi, als er am Kreuz starb.“

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Francis Schaeffer: Sichtbare Liebe zwischen Christen

Francis Schaeffer schreibt über die Liebe zwischen wahren Christen (Die Kirche Jesu Christi, 1981, S. 65):

Ich bitte euch deshalb inständig, daß, wenn der Augenblick für euch kommen sollte, ihr es möglich macht, sichtbare Liebe zwischen wahren Christen in eurer Nähe vor den Augen der Welt auszuüben. Teilt euch nicht in häßliche Parteien auf. Dann nämlich sieht die Welt etwas Häßliches, was sie abstößt. Eure Kinder werden die Häßlichkeit sehen, und ihr werdet einige von euren Söhnen und Töchtern verlieren. Sie werden solche harten Dinge von euren Lippen gegen die Menschen hören, die sie als eure Freunde kannten, daß sie sich von euch abwenden werden. Werft eure Kinder nicht so einfach weg, werft andere Menschen nicht so einfach weg, indem ihr vergeßt, mit Gottes Hilfe zwei Prinzipien gleichzeitig in die Praxis umzusetzen: Liebe zu erweisen und die Reinheit der christlichen Kirche zu erhalten.

Schließlich dürfen wir auch nicht vergessen, daß die Welt in Flammen steht. Wir verlieren nicht nur unsere Kirche, sondern auch unsere gesamte Kultur. Wir leben in einer nachchristlichen Welt, die unter Gottes Gericht steht. Ich glaube, daß wir heute wie der Prophet Jeremia sprechen müssen. Manche Leute scheinen zu denken, daß – bloß weil Amerika Amerika ist oder Großbritannien Großbritannien ist – dieses Land nicht unter das Gericht Gottes fallen kann. Das ist ein Irrtum! In Nordeuropa haben wir seit der Reformation einen Einblick in die Wahrheit Gottes besessen, wie es wenige andere Völker je gehabt haben. In unserer Kultur haben wir das mit Füßen getreten. Unsere Kinos, unsere Romane, unsere Kunst schreien zum Himmel, weil sie das mit Füßen treten – und am schlimmsten von allem ist die Tatsache, daß die moderne Theologie die Wahrheit mit Füßen getreten hat. Glaubt ihr, daß Gott unsere Länder deshalb verschonen wird, weil es unsere Länder sind? Glaubt ihr, daß der heilige Gott nicht richten wird?

Francis Schaeffer: Wenn der Heilige Geist den Finger auf mein Leben legt

Francis Schaeffer sagt über die progressive Heiligung (Geistliches Leben – was ist das?, 1972, S. 99):

Je mehr der Heilige Geist den Finger auf mein Leben legt, je tiefer er in mein Leben eindringt, desto mehr begreife ich, daß es in meinem Wesen tiefe Abgründe gibt. Die moderne Psychologie befaßt sich in der Begrifflichkeit von Unter- und Unbewußtem damit. Wenn auch die philosophischen Voraussetzungen der modernen Psychologie oft grundfalsch sind, hat sie doch sicher recht, wenn sie darauf hinweist, daß wir mehr sind als wir oberflächlich zu sein scheinen. Wir sind wie ein Eisberg: ein Zehntel ist sichtbar an der Oberfläche, und neun Zehntel sind uns selbst und anderen verborgen. Deshalb geschieht es so leicht, daß wir uns über uns selbst täuschen, und darum müssen wir dieses Wort „wissentlich“ in Frage stellen. Wenn ich behaupte, daß ich von aller „wissentlichen“ Sünde frei sein kann, muß ich mich der berechtigten Frage stellen: Was weiß ich denn überhaupt? Bevor ich diese Frage nicht beantworten kann, ist es doch sinnlos, weiterzufragen, ob ich von „wissentlicher“ Sünde frei sein kann. Je mehr der Heilige Geist im Laufe der Jahre an mir gearbeitet hat, desto mehr bin ich mir der Abgründe meines eigenen Wesens bewußt geworden. Ich bin mir als Mensch selbst entfremdet.

Das Buch gibt es als Logos-Version unter: www.logos.com.

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40. Todestag von Francis A. Schaeffer

Heute vor 40 Jahren erlag Francis A. Schaeffer nach langer Krankheit seinem Krebsleiden im Alter von 72 Jahren. Ich dem Buch Wahrheit und Liebe: Was wir von Francis Schaeffer lernen können (#ad) schrieb ich 2006 im Vorwort:

In seinen letzten Lebensjahren erinnerte Schaeffer an den klagenden Jeremia. Er war erschöpft und besorgt. Die schleichende Entertainisierung der Evangelikalen Bewegung hielt seiner Meinung nach die Christen davon ab, auf ernste Fragen seriöse Antworten zu geben. Die auch an den evangelikalen Ausbildungsstätten fortschreitende Relativierung der Aussagen der Heiligen Schrift hielt er für eine Tragödie mit vorhersehbaren Folgen. Schaeffer sah betroffen, dass die Verkündigung zu oft nicht durch einen heiligen und barmherzigen Lebensstil gedeckt war. Und es quälte ihn, dass so viele Gläubige auf die großen Herausforderungen in den Lebensrechtsfragen mit dem Rückzug in das bequeme Privatleben oder dem Aufbau ‚seliger Inseln‘ reagierten. Betend und sorgenvoll rief er der Gemeinde zu, auf die Heilige Schrift zu hören und den Gehorsam in der Lehre durch ein entsprechendes Leben zu dokumentieren.

Freundlicherweise haben die Schaeffer-Leser anlässlich des 40. Todestages Texte verfasst. Zunächst der Hinweis auf „40 Jahre nach Francis Schaeffer – was bleibt?“ von Jonas Erne. Uwe Brinkmann hat den Beitrag „Zum 40. Todestag von Francis A. Schaeffer (1912–1984) – eine persönliche Reflexion“ geliefert. Seine ehrlichen Erinnerungen sprechen mir aus dem Herzen:

Ich war gerade dabei, mein eigenes gemeindliches Erbe aufzuarbeiten, das von strenger Gesetzlichkeit geprägt war. In Francis Schaeffer fand ich jemand, der an „Bibeltreue“ den Altvorderen meiner kleinen Fraktion in nichts nachstand, aber gleichzeitig eine intellektuelle Weite ausstrahlte, die ich als echte Befreiung begriff.

Im Rückblick war er ein echter Rettungsanker in meinem intellektuellen Dilemma, die Bibel ernst nehmen zu wollen obwohl ich gleichzeitig mit einen Koffer voll ungelöster Fragen unterwegs war. Ohne die Hilfe von Schaeffer wäre ich wahrscheinlich in einer Sackgasse gelandet, oder hätte meinen ererbten Glauben ‚dekonstruiert‘, wie wir es 40 Jahre später, überall erleben.

Das jemand, der die Bibel ernst nahm und das Thema Weltmission und Gemeinde als Herzensanliegen verteidigte, sich gleichzeitig mit philosophischen Fragen beschäftigte und sich „sogar“ mit Fragen der Kunst und des Umweltschutzes auseinandersetzte … –, das war für mich geradezu unerhört. Francis Schaeffer wurde in meinen frühen 20-ern zu einer wahnsinnig starken Ermutigung, die ganze geschöpfliche Wirklichkeit als die eine Welt Gottes zu verstehen und mein Leben nicht in einen religiösen und weltlichen Teil aufzuspalten.

Das in seinem Vermächtnis von 1984 nachgedruckte „Kennzeichen des Christen“ hat mich tatsächlich zu Tränen gerührt, weil hier für mich die Spannung zwischen Einheit und Reinheit der christlichen Kirche – was mein traumatisches Metathema war – aufgearbeitet wurde: „Wer hat aber je von einer Konferenz gehört, die von der Frage bestimmt war, wie wahre Christen durch ihr Handeln Gottes Heiligkeit und gleichzeitig Gottes Liebe vor den Augen der Welt darstellen können? Wer hat je von Predigten oder Schriften gehört, die eingehend darlegen, wie man nach zwei Grundsätzen leben kann, die einander auszuschließen scheinen: 1.) nach dem Grundsatz der Reinheit der sichtbaren Kirche in Bezug auf Lehre und Wandel und 2.) dem Grundsatz der sichtbaren Liebe und Einheit unter allen wahren Christen?“

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Francis Schaeffer: Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz sind?

Francis Schaeffer (Jeder ist von Bedeutung, 1982, S. 73):

Nach seiner Bekehrung muß der Christ immer wieder moralischeEntscheidungen treffen, in jedem neuen Augenblick erwarten ihn andere Entscheidungen. Dabei muß er sich ständig zur praktischen Hingabe an Gott entschließen:

„So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, Gehorsam zu leisten seinen Gelüsten. Auch ergebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern ergebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, die ihr ja nicht unter dem Gesetze seid, sondern unter der Gnade. Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne! Wisst ihr nicht: welchem ihr euch als Knechte ergebet zum Gehorsam, dessen Knechte seid ihr und müsset ihm gehorsam sein, sei es der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? (Röm 6, 12-16).“

Den Christen, die vom Geist dieser Welt umgeben sind, gibt das Wort Gottes praktische moralische Anweisungen, die auf absoluten Maßstäben basieren, Wir dürfen diese absoluten Maßstäbe jedoch nicht nur als theoretische Konzepte gebrauchen, wenn wir

Beispiel mit einem Menschen diskutieren, der einen moralischen Relativismus vertritt, sondern wir müssen die biblische Moral mit Hilfe der Gnade Gottes auch in unserem eigenen Leben in die Tat umsetzen. Wir sollen unser Leben auf der Grundlage dessen leben, was uns Gott als Ausdruck seines Wesens offenbart hat. Es hat keinen Sinn, wenn wir unser biblisches Wissen lediglich als Argumentationshilfe gebrauchen, ohne daß es in unserem eigenen Leben Wirklichkeit geworden ist.

Francis Schaeffer: Kunst als schöpferisches Werk

Francis Schaeffer schreibt über den Wert von Kunst (Kunst und die Bibel, 1981, S. 31–32):

Als Christen wissen wir, warum ein Kunstwerk Wert besitzt. Warum? Erstens, weil es ein Produkt schöpferischer Tätigkeit ist, und das ist wertvoll, weil Gott der Schöpfer ist. Der erste Satz in der Bibel erklärt, daß der Schöpfer schuf: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Gleichermaßen lauten die ersten Worte des Prologs zum Johannesevangelium: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort … Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und oh ne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist“ (Joh. 1,1.3). Der erste Grund, warum schöpferische Tätigkeit wertvoll ist, besteht also darin, daß Gott der Schöpfer ist.

Zweitens ist ein Kunstwerk als ein Schöpferwerk des halb wertvoll, weil der Mensch nach dem Bilde Gottes gemacht ist, und darum kann der Mensch nicht nur lieben, denken und Emotionen empfinden, sondern er hat eben falls die Fähigkeit, schöpferisch tätig zu werden. Weil wir nach dem Bilde Gottes geschaffen worden sind, sind wir dazu berufen, schöpferisch zu sein und zu wirken. Ein Tier wird niemals ein Kunstwerk anfertigen. Nirgendwo jedoch werden wir Menschen oder eine Kultur finden können, die keine Kunst hervorbringen. Kreativität ist eines der Unterscheidungsmerkmale zwischen Mensch und Nicht-Mensch. Alle Menschen sind in gewissem Maße schöpferisch. Kreativität ist ein Grundbestandteil unseres Menschseins.

Aber diese Aussage läßt sich nicht einfach umkehren. Nicht jede Schöpfung ist große Kunst. Auch ist nicht alles, was der Mensch macht, gut, sei es vom moralischen oder intellektuellen Standpunkt her betrachtet. Wenn Kreativität an sich selbst etwas Gutes ist, bedeutet das nicht, daß jedes Produkt der menschlichen Kreativität unbedingt gut ist. Denn obwohl der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen wurde, befindet er sich jetzt in einem gefallenen Zustand. – Abgesehen davon haben verschiedene Menschen unterschiedliche Gaben und Talente, und deshalb kann auch nicht jeder alles gleich gut schaffen. Wir wollen jedoch festhalten, daß Kreativität an sich etwas Gutes ist.

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Bill Edgar über Schaeffer, Clowny, Van Til und Keller

Bill Edgar begann seine akademische Karriere als Professor für Apologetik am Westminster Theological Seminary in Philadelphia (USA) im Jahr 1989 und ging 2022 in den Ruhestand. Collin Hansen hat ihn interviewt und wir hören, wir er bei Francis Schaeffer in L’abri zum Glauben kam und wie er die Apologetik und Persönlichkeit von Cornelius Van Til beschreibt. Und wir hören viele andere interessante Dinge.

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Frank Schaeffer in der NZZ

Die NZZ hat den Artikel „Der Mann, der die amerikanischen Abtreibungsgegner radikalisierte“ veröffentlicht, in dem vor allem die Sichtweise von Frank Schaeffer zu seinen Eltern und der Abtreibungshaltung der Evangelikalen protegiert wird. Es heißt in dem Artikel: 

Etwas mehr als zwanzig Jahre alt war Frank, als er seinen Vater zu einer Sache drängte, die er dann während seines weiteren Lebens bereuen sollte. Im Januar 1973 fällte der amerikanische Supreme Court das wegweisende Urteil «Roe v. Wade». Darin anerkannte das Oberste Gericht ein verfassungsmässiges Recht auf Abtreibung. Francis Schaeffer arbeitete zu diesem Zeitpunkt an seinem Buch und der gleichnamigen Dokumentarfilmserie «How should we then live?». Das Thema Abtreibung spielte darin keine Rolle. Es ging um eine Kulturgeschichte: darum, wie die Renaissance und die Aufklärung mit ihrem säkularen Humanismus angeblich den «christlichen Konsens» und damit auch die Grundlage der Freiheit in den USA zersetzen.

Doch Frank Schaeffer drängte seinen Vater dazu, das Skript umzuschreiben und das Recht auf Abtreibung zu kritisieren: «Wie kannst du sagen, dass du an die Einzigartigkeit jedes menschlichen Wesens glaubst, ohne für diese Sache einzustehen?» Doch Francis Schaeffer antwortete: «Ich will nichts zu tun haben mit dieser katholischen Angelegenheit.»

Francis Schaeffer war zu diesem Zeitpunkt bereits eine bekannte und ungewöhnliche Stimme in der evangelikalen Welt. Für ihn war jedes Wort in der Bibel wahr, aber er sprach nicht nur in Bibelversen. Er verstand sich nicht nur als Pastor, sondern auch als Kunsthistoriker und Philosoph. «Er konnte auch Vorlesungen über Bob Dylans Songtexte oder Woody Allens frühe Filme halten», erzählt Frank Schaeffer. Sein Vater teilte die Kritik der linken Hippiegeneration an der materialistischen Bourgeoise, nicht aber ihre Lösungen. Leute wie Jimmy Page, der Gitarrist von Led Zeppelin, oder Eric Clapton sollen Francis Schaeffers Buch «Escape from Reason» gelesen haben. Auch der LSD-Hohepriester Timothy Leary besuchte L’Abri.

Zu dem Artikel gäbe es viel zu sagen (es gibt übrigens viele ähnliche Beiträge in der englischsprachigen Welt). Nur zwei kleine Hinweise:

(1) Frank erweckt den Eindruck, dass sein Vater sich bis zur Finalisierung des Drehbuchs zum Film Wie sollen wir denn leben? nicht für das Thema Abtreibung interessiert habe. Es sei eine „katholische Angelegenheit“ gewesen. Richtig ist, dass die Evangelikalen sich in den 70er-Jahren in der Frage des Schwangerschaftsabbruchs nicht einig waren. Es stimmt auch, dass Frank seinen Vater davon überzeugt hat, das Thema politisch anzugehen (vgl. dazu: Barry Hankins, Francis Schaeffer an the Shaping of Evangelical America, 2008, S. 175). Freilich hatte Francis Schaeffer schon früher eine ethische Position zum Schwangerschaftsabbruch, wie etwa in seinem Buch Back to Freedom and Dignity (1972) deutlich wird. Er war allerdings skeptisch, was den Aktivismus anbetrifft und ist erst von seinem Sohn dazu überredet worden und dann tatsächlich zu einem Vorreiter der politischen bzw. religiösen Rechten geworden. Randall Balmer schreibt in „The Religious Right and the Abortion Myth“ (Politico):

Als Francis Schaeffer, der intellektuelle Pate der religiösen Rechten, in den späten 1970ern versuchte, Billy Graham für seine Anti-Abtreibungs-Kampanie zu gewinnen, lehnte Graham, der berühmteste Evangelikale des 20. Jahrhunderts, ab. Sogar James Dobson, der Gründer von Focus on the Family, der später zu einem unerbittlichen Gegner der Abtreibung wurde, räumte 1973 ein, dass die Bibel zu diesem Thema schweige und es daher für einen Evangelikalen plausibel sei zu glauben, dass „ein sich entwickelnder Embryo oder Fötus nicht als vollwertiges menschliches Wesen angesehen wird“.

Nun Francis Schaeffer als jemanden hinzustellen, der Trump den Weg geebnet hat, ist meines Erachtens Effekthascherei. Ich vermute, dass die Schaeffers gegenüber dem Trump-Kult genauso kritisch gewesen wären wie gegenüber einer Verehrung Obamas. 

(2) Die Sache mit Frank Schaeffer und seiner Bewertung der Arbeit seiner Eltern und L’Abri ist insgesamt recht kompliziert. Eine nach wie vor hilfreiche Quelle zur Wertung seiner Sichtweise ist eine Rezension, die Os Guinness anlässlich der Veröffentlichung des Buches Crazy for God: How I Grew Up as One of the Elect, Helped Found the Religious Right, and Lived to Take All von Frank Schaffer geschrieben hat. Er verteidigt dort, übrigens ohne zu beschönigen, die Schaeffers mit Haut und Haaren gegen den Vorwurf der Heuchelei:

Ich bestreite diesen zentralen Vorwurf von Frank mit allem, was ich habe. Ich und viele meiner engsten Freunde, die die Schaeffers gut kannten, sind sich sicher, dass sie sie ebenfalls in Frage stellen würden. Francis und Edith Schaeffer waren Verteidiger der Wahrheit für andere und selbst Menschen der Wahrheit.

Sechs Jahre lang stand ich Frank so nahe wie niemand außerhalb seiner eigenen Familie, und wahrscheinlich näher als viele in seiner Familie. Ich war sein Trauzeuge bei seiner Hochzeit. Das Leben hat uns in den letzten dreißig Jahren in unterschiedliche Richtungen geführt. Aber ich betrachtete ihn als meinen lieben Freund und erlebte viele der Eskapaden, von denen er erzählt, und noch viele mehr, die es nicht wert wären, in gedruckter Form wiedergegeben zu werden. Es schmerzt mich daher zu sagen, dass sein Porträt grausam, verzerrt und eigennützig ist. Aber ich kann es nicht unwidersprochen lassen, ohne nachdrücklich auf eine andere Sichtweise der Geschichte zu drängen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Fehlern und Heuchelei. Francis und Edith Schaeffer waren Löwen für die Wahrheit. Niemand könnte weiter von Betrügern entfernt sein, selbst von unwissentlichen Betrügern, als die Francis und Edith Schaeffer, die ich kannte, mit denen ich lebte und die ich liebte.

Hier die gesamte Rezension von Os Guinness in englischer Sprache: banneroftruth.org.

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Francis Schaeffer: „Sogar die ‚sicheren‘ Richtlinien unseres ethischen Systems vergehen“

Francis Schaeffer schreibt über den ethischen Relativismus (Bitte, laß mich leben!, 1981, S. 155–156):

Mit der Zeit werden sogar die »sicheren« Richtlinien unseres ethischen Systems vergehen – die Rechte in unseren Staatsgrundgesetzen, die Freiheiten in unseren Verfassungsurkunden, die Prinzipien unserer Rechtssprechung, alles. Alexander Solschenizyn versteht dies nicht nur als theoretisches Problem in der humanistischen Philosophie. Er hat die konkreten Auswirkungen am eigenen Leib verspürt. Er schreibt:

Der Kommunismus hat niemals die Tatsache verschleiert, daß er jeden absoluten Moralbegriff verneint. Er lacht über »gut« und »böse« als unbestreitbare moralische Begriffe. Für den Kommunismus ist Moralität relativ. Je nach den Umständen kann jede Handlung, auch die Ermordung von Tausenden, gut oder schlecht sein. Es hängt alles von der Klassenideologie ab, wie sie eine Handvoll Menschen definiert – Worte wie gut und böse ernsthaft in den Mund zu nehmen, wird als peinlich empfunden. Wenn wir uns aber dieser Begriff e berauben lassen, was bleibt uns dann ? – Dann werden wir zu Tieren.

Wir im Westen müssen verstehen, daß es nicht nur die Länder hinter dem Eisernen Vorhang sind, die mit Hilfe dieser relativen Moral operieren. Auch der Westen geht jetzt diesen Weg. Die materialistische Weltanschauung hat diesen Teil der Erde genauso beeinflußt. Deshalb können wir auch bei uns dieselben Unmenschlichkeiten erwarten, vor denen Solschenizyn warnt. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen und denken: »Hier kann so etwas nie geschehen.« Vor allem dürfen wir nicht der irrigen Meinung verfallen, daß dies doch zum Großteil oder überhaupt nur eine Frage der militärischen und wirtschaftlichen Macht sei. Das Problem ist viel subtiler, viel akuter, ja schon ein krebsartiges Geschwür in unserer Mitte: es ist die materialistische Philosophie, die der westlichen humanistischen Weltanschauung zugrunde liegt. Marx hat wohl ein Wirtschaftssystem vorgeschlagen, das sich von dem unseren unterscheidet, aber wir teilen seine grundsätzliche Weltanschauung.

Francis Schaeffer über das Jahr 2020

Elliot Clark hat das Buch Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts von Francis Schaeffer noch einmal hervorgekramt und dabei herausgefunden, dass es sehr aktuell ist:

Wenn wir darüber nachdenken, was Francis Schaeffer in seinen späten Jahren für das Christentum geleistet hat, denken wir oft an L‘Abri in den Schweizer Alpen und seine herausragenden Bücher wie Gott ist keine IllusionPreisgabe der Vernunft und Wie können wir denn leben?. Wahrscheinlich hat gegen Ende des Jahres 2020 allerdings eines seiner weniger bekannten Werke, nämlich Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, die größte Bedeutung für Gemeinden.

Dieses kleine Buch, das vor genau 50 Jahren veröffentlicht wurde, mag zwar sehr veraltet wirken, wenn ich meine Ausgabe aus dem Jahr 1970 betrachte, doch sind die Themen darin überraschend aktuell. Schaeffer spricht den Verlust von Wahrheit und persönlicher Verantwortung, den Zerfall von Autorität und die wachsende Bedrohung durch Gewalt an. Er warnt vor einer bevorstehenden ökologischen Katastrophe, wissenschaftlicher Manipulation und sogar der Möglichkeit, dass Staaten ein tödliches Virus entwickeln und als Waffe benutzen könnten.

Die Tendenz zur Panikmache mag der größte Schwachpunkt dieses Buches sein. Und doch verharrt Schaeffer in seiner Analyse nicht dabei, sondern bietet der damaligen und heutigen Kirche eine sowohl positive, ganzheitliche als auch hoffnungsvolle Antwort.

Hier der vollständige Artikel: www.evangelium21.net.

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Francis Schaeffer kritisierte christlichen Antisemitismus

Francis Schaeffer hat im Jahre 1943 einen Artikel publiziert, in dem er den christliche Antisemitismus scharf kritisiert. Er schrieb (The Independent Board Bulletin, October 1943, S. 16–19):

Wir leben in einer Zeit, in der der Antisemitismus eine mächtige Kraft ist. In vielen Ländern hat er zum Tod unzähliger Juden geführt. Sogar in unserem eigenen Land zeigt er sich von Zeit zu Zeit in verschiedenen Erscheinungsformen. Selbst unter denen, die sich als fundamentalistische Christen bezeichnen, finden wir gelegentlich eine Person, die einen großen Teil ihrer Zeit damit verbringt, über die Juden herzufallen.

Wenn man den Antisemitismus betrachtet, ist das Erste, was sich in meinem Denken fixiert, die Tatsache, dass Christus ein Jude war. Wenn wir das Neue Testament bei Matthäus 1,1 öffnen, finden wir als allererste Aussage über Christus, dass er von Abraham abstammt und ein Nachkomme Davids war. Die Bibel sagt nicht, dass Jesus zufällig ein Jude war, sondern das Wort unterstreicht immer wieder, dass er ein Jude war.

Mehr: www.pcahistory.org.

F. Schaeffer: Gottes Kirche inmitten der Verwirrungen des 20. Jahrhunderts

Am 23. September 1981 war Francis A. Schaeffer der Hauptredner für den Mittwochabend-Gottesdienst der 1. Generalversammlung in der Ward Presbyterian Church in Livonia, Michigan (USA). Der Vortrag wurde mitgeschnitten. Obwohl die Qualität zu wünschen übrig lässt, erlaubt die Aufnahme einen guten Einblick in die Art, wie Schaeffer in den letzten Lebensjahren zu den Gemeinden sprach. Er hatte gerade das Manuskript des Buches A Christian Manifesto abgeschlossen. Schaeffer zeigte in dem Buch, wie Recht, Regierung, Bildungseinrichtungen und die Medien zu einer Abkehr von den jüdisch-christlichen Wurzeln beigetragen haben.

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