Doktorand darf Gott nicht danken

So zeigt sich die angeblich reine Vernunft an der Universität: Eine Dissertation wird nicht angenommen, weil der Student der Tierzuchtwissenschaften in der Danksagung Gott erwähnt hat.

Kann denn Danken Sünde sein? Nein, dachte Jerke de Vries – bis er seine Doktorarbeit fertig geschrieben hatte. Der junge Mann, ein gläubiger Christ, promovierte in Tierzuchtwissenschaften an der Wageningen Universität in den Niederlanden, und offenbar verdankt er Gott sehr viel. Jedenfalls verspürte er das dringende Bedürfnis, ihn in der Danksagung seiner Dissertation zu erwähnen: „Gott Allmächtiger, ich danke Dir, es ist das Schönste, von Dir geliebt und geachtet zu werden“, schrieb er dort laut „Die Presse“.

Was für ein Aufruhr er damit verursachen würde, war de Vries offenbar nicht klar. „Er ist ein sehr zurückhaltender junger Mann, der nur seine Doktorarbeit fertigstellen wollte. Und jetzt sprechen alle über ihn“, sagt Simon Vink, Pressesprecher der Wageningen Universität. Denn: Die Uni akzeptierte die Dissertation nicht. „An unserer Hochschule sind religiöse oder politische Aussagen in wissenschaftlichen Arbeiten nicht erlaubt – es sei denn, sie sind Thema der Forschung“, sagt Vink.

Mehr: www.spiegel.de.

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44 Comments
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Robert
6 Jahre zuvor

Und dann erzählen mir Leute, die Menschen würden nicht in offener Feindschaft gegen Gott leben.

Der darf bestimmt jedem Menschen und auch seinem Hund danken, aber nicht Gott.

Joschie
6 Jahre zuvor

Wie sich wohl die Uni verhalten hätten, wenn sich einStudent bei Allah bedankt hätte?

Alexander
Alexander
6 Jahre zuvor

@Joschie: Wenn sie sich an ihre Statuten hält, würde die Universität Wageningen auch eine Dissertation, der eine Danksagung an Allah vorangestellt ist, nicht annehmen, da sie (wie oben nachzulesen) grundsätzlich keine „religiösen oder politischen Aussagen in wissenschaftlichen Arbeiten“ erlaubt.
Ich kann die Aufregung darum ehrlich gesagt nur in Maßen nachzuvollziehen. Der oben zitierte Passus ist höchstwahrscheinlich der Promotionsordnung entnommen, über deren Bestimmungen sich jeder Doktorand vor Abgabe seiner Dissertation tunlichst kundig macht. Wenn es dort klipp und klar drin steht, sollte ich mich als Doktorand auch daran halten und eben nicht unnötig Ärger heraufbeschwören. Man kann die Bestimmungen der Promotionsordnung für übertrieben halten. Aber wenn die Promotionsordnung für jeden nachlesbar die entsprechende Regelung enthält, ist es durchaus ratsam, sie zu befolgen.

Peter
Peter
6 Jahre zuvor

Hallo Ron!
Ist doch klar, was Sebastian Bach gesagt hätte: soli deo gloria 😉

Peter

Markus
Markus
6 Jahre zuvor

Ron, danke für den Passus, den Du zitierst hast:

„It is therefore unsuitable…“

Aha. Ein normatives Statement. Aber wie ist das begründet? Es ist letztlich eine so (durch Macht) festgesetzte weltanschaulich bzw. politisch motivierte Regel. Die vorgeschobene Haltung, man wolle weltanschaulich, religiös oder politisch neutral sein, ist unlauter, bzw. selbstwidersprüchlich. Tatsächlich wird eine bestimmte weltanschauliche Position totalitär als verbindlich vorgegeben, nämlich der Säkularismus.
Es ist wichtig, dass wir so was zu durchschauen lernen!

Markus

Alexander
Alexander
6 Jahre zuvor

Ich finde die Formulierungen der Ordnung auch etwas überzogen, aber trotzdem denke ich, man macht es sich als Christ zu einfach, wenn man den Schwarzen Peter in dieser Angelegenheit komplett der Uni Wageningen zuschiebt. Mal ganz praktisch gesehen: Wäre dem Doktoranden irgendein Zacken aus der Krone gebrochen, wenn er angesichts der Vorgaben der Ordnung auf die Danksagung verzichtet hätte? Wohl nicht. Und mal ehrlich: Was hat das offene und ziemlich allgemeine Bekenntnis „Danke, Gott, dass du mich liebst“ (sinngemäß) mit einer Diss in Tierzuchtwissenschaften zu tun?

Den Hinweis auf Bach verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Bach war soweit ich weiß nie an einer Uni tätig.

Peter
Peter
6 Jahre zuvor

Hallo Alexander,
Bach hat alle seine Werke mit „sdg“ gekennzeichnet – also soli deo gloria – und musste sich, soweit ich zumindest weiß, nicht dafür rechtfertigen.

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

@Alexander: „Sogar“ ich als agnostischer Atheist, der säkulares Denken politisch befürwortet, finde diese Regelung extrem fragwürdig und pflichte Rons Totalitarismus-Vorwurf bei. Es gehört doch zu der ja auch humanistisch geschützten Religionsfreiheit in der persönlichen (!) Danksagung, die ja nicht Teil der wissenschaftlichen Argumentation ist, der Quelle zu danken, von der man eben je individuell der Meinung ist, dass sie existiert. Und (@Joschie) ob das nun der christliche Gott, islamischer Allah oder germanischer Thor ist, sollte dabei selbstverständlich vollkommen unerheblich sein.
Freundliche Grüße,
Felix

Alexander
Alexander
6 Jahre zuvor

Dann würde ich sagen, der Vergleich mit Bach hinkt etwas: anderes Genre.

Ich will die Sache nicht unnötig in die Länge ziehen, versuche es aber noch einmal mit einer Präzisierung:
Ja, die Vorgaben der PromOrd sind überzogen, völlig d’accord, das habe ich auch schon zweimal gesagt. Und jeder sollte im Vorwort seiner Diss danken dürfen, wem er will. Ein Freund von mir hat einem gewissen „Hugo“ gedankt – das war der Labor-Teddy.
Aber: Angesichts der Vorgaben in Wageningen – wie verhält sich ein Christ angesichts dessen ‚weise‘? Indem er sagt: mir sind die Vorgaben egal, ich schreib rein, dass Gott mich liebt (was keine Danksagung im strengen Sinne ist, aber das wirklich nur nebenbei), und beschwer mich hinterher darüber, dass mir die Promotionskommission das nicht durchgehen lässt?
*Darum* geht’s mir: Nicht um die Bewertung der intellektualistischen PromOrd in Wageningen, sondern um die Frage: Wie verhalte ich mich als Christ in solch einer Situation weise?

Alexander
Alexander
6 Jahre zuvor

[P.S. @Felix: „agnostischer Atheist“ – ist das nicht ein Oxymoron?!]

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

[@Alexander: Nein, agnostisch fügt nur hinzu, dass ich nicht behaupte zu wissen, dass es keine Gottheiten gibt. –>Agnostizismus. Bspw. steh ich auch den Göttern der Maya agnostisch gegenüber, sie lassen sich ja nicht völlig ausschließen. Wenn mich aber jemand fragen würde, ob ich denke, dass es sie gibt oder ob ich an sie glaube, sag ich trotzdem ganz klar: nein. –> Atheismus]

Alexander
Alexander
6 Jahre zuvor

[@Felix: Also doch ein Oxymoron ;-)]

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

[@Alexander: und warum?]

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

: „Agnostischer Atheismus: Agnostische Atheisten sind atheistisch, weil sie keinen Glauben an die Existenz einer Gottheit haben, und agnostisch, weil sie nicht behaupten zu wissen, dass keine Gottheit existiere.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Agnostizismus#Varianten_des_Agnostizismus
Da widerspricht sich begrifflich überhaupt nichts.
Liebe Grüße, Felix

Alexander
Alexander
6 Jahre zuvor

Exakt.
Agnostizismus: Ich weiß nicht, ob es Gott/Götter gibt, kann sein, kann auch nicht sein, beide Möglichkeiten sind offen.
Atheismus: Es gibt keine/n Gott/Götter.

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

: Nein. Agnostische Atheisten wissen sehr wohl, dass sie nicht an Gott glauben. 😉
Sie denken nur, dass sie letztendlich nicht wissen können, ob er existiert.

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

: Natürlich nicht. Wie kommen Sie denn darauf?
Liebe Grüße, Felix

Roderich
Roderich
6 Jahre zuvor

@Felix,
da empfehle ich mal zwei Bücher:
„Gibt es einen Gott?“ von Richard Swinburne und
„Pardon, ich bin Christ“ von C.S. Lewis.

Das zum „Warmwerden“, und um überhaupt mal ein paar gute Argumente für den Glauben vernommen zu haben.
Wenn man überzeugter Agnostiker bzw. Atheist ist, hätte man ja nichts zu „fürchten“ von christlichen Argumenten.

Schandor
Schandor
6 Jahre zuvor

@Felix

Ravi Zacharias – The Real Face of Atheism.

Wie man nach der Lektüre dieses erschreckenden Buches noch Atheist bleiben kann? Felix – lesen Sie das Buch! Wenn Sie dann auch nicht vom Atheismus loskommen: Ich verspreche Ihnen, dass ihnen ein furchtbar unangenehmer Eindruck im Hinblick auf den Atheismus zurückbleiben wird. Und dass Sie viele wunderschöne Denkanstöße bekommen werden. Dieser Mann schwärmt nicht.
Vorab: Sie finden seine Vorträge auf YouTube. Und Hand aufs Herz: bei den Vorträgen dieses Mannes „fährt es einem durchs Herz“.

Dieser Mann hält sich nicht mit unsinnigen „Gottesbeweisen“ auf, sondern zeigt, wozu der Atheismus führt und immer geführt hat. God help us all!

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

@Sandor: Was wurde und wird schon alles theistisch gerechtfertigt?

Ich zähle einfachmal ein paar Dinge auf:
Inquisition, Hinrichtungen von ‚Ketzern’, Kreuzzüge, „Hexen“verbrennungen, „Teufels“- und „Dämonen“-Austreibungen, Selbstmordattentate, Steinigungen, „God-hates-Fags“-Kampagnen, das gesetzliche Unter-Strafe-stellen von Homosexualität, Beschneidungen männlicher und weiblicher Genitalien, rassistische Gewalttaten, Kondomverbote in von Aids geplagten Ländern…

Fallen Ihnen ähnlich entsetzliche Dinge ein, die atheistisch gerechtfertigt wurden oder werden?
Fällt Ihnen auch nur ein einziger Mensch ein, der einem anderen Menschen Gewalt angetan hat, weil er das Gefühl hatte, sein Atheismus, sein Nicht-Glaube an Gottheiten rechtfertige dies?

schandor
schandor
6 Jahre zuvor

@Felix Selbstverständlich. Josef Stalin. Sie wissen, dass die Liste weitergeht und dass sie vermutlich lange genug ist, um das Internet um einige Bytes zu bereichern. Aber exemplarisch: Auf sein Konto gehen ca. 30.000.000 Menschen. Sein pro-aktiver Atheismus ist unumstritten. Zu den Dingen, die Sie aufzählen: Glauben Sie, hier auf Theoblog finden sich Christen, die diese Dinge theistisch rechtfertigten? Aber lassen wir das mal kurz beiseite, um einen wichtigeren Gedanken aufzugreifen: Die, die diese Dinge getan haben und die Frechheit hatten, sie auch noch „theistisch zu rechtfertigen“, haben in fürchterlichem Widerspruch zur Botschaft und zur Methodik des Evangeliums gehandelt. Die dagegen, die vom Atheismus herkommen, haben in völliger Harmonie gehandelt, ja, sie sind, wenn man das „survival of the fittest“ ins Kalkül zieht, der Aufforderung eben jener Ideologie gefolgt, die ihre Taten rechtfertigt. Nicht dass ich glaubte, Atheisten seien an sich schlechtere Menschen als Theisten! Oh nein – das gebe ich Ihnen gerne zu, dass Inquisitoren, Ketzerhinrichter, Kreuzzugsmortifikationsmeister und Hexenverbrenner usw.… Weiterlesen »

Peter
Peter
6 Jahre zuvor

Hallo Felix!
„Fällt Ihnen auch nur ein einziger Mensch ein, der einem anderen Menschen Gewalt angetan hat, weil er das Gefühl hatte, sein Atheismus, sein Nicht-Glaube an Gottheiten rechtfertige dies?“
Ja – sämtliche Verfolgungen von kommunistischen Regimen gegenüber Christen, Moslems ….

Markus
Markus
6 Jahre zuvor

Das Problem der Atheisten ist (ich fürchte mittlerweile wirklich, man muss es so allgemein sagen), dass sie es vorziehen, die Kraft der Argumente und Indizien hartnäckig NICHT zu betrachten. „Augen zu und durch“ ist ihre Devise.
In Debatten spielen sie nur auf der Gefühlsebene (man nennt das „Manipulation“). Z.B. wenn sie (wirklichen oder angeblichen?) Gläubigen „Inquisition, Hinrichtungen von ‚Ketzern’, Kreuzzüge, „Hexen“verbrennungen, „Teufels“- und „Dämonen“-Austreibungen, Selbstmordattentate, Steinigungen“ usw. vorwerfen. Sie setzen dann eine objektive Moral voraus. Aber auf was – um alles in der Welt – soll sich diese „Moral“ der Atheisten objektiv gründen? Es bleibt ein bloßes Spiel mit Gefühlen – Unendlich weit entfernt von Rationalität, Logik, Wahrheit. Im Rahmen ihrer eigenen Weltanschauung ist JEDER moralische Vorwurf vollkommen sinnlos.

schandor
schandor
6 Jahre zuvor

@Markus Ins Schwarze getroffen. Das ist der „blinde Fleck“ der Atheisten – das können sie nicht sehen. Da sie von diesem blinden Fleck gar nicht wissen und eine Heidenangst haben, es könne ihn dennoch geben, fahren sie alle verfügbaren emotionalen Geschütze auf, um Strohmänner zu töten. Diese Angst freilich verbergen sie hinter mondäner Abgeklärtheit. Wenn es nicht Angst ist, ist es unbestimmtes Unbehagen. Das Evangelium gilt ihnen als pudendum, und ohne zu wissen, passen sie so exakt in die Beschreibung des Paulus, dass man jedesmal nur staunen kann, wie wissenschaftlich exakt Paulus damals schon alles skizziert hat. Du wirst EINES IMMER WIEDER beobachten können im Gespräch mit Atheisten: Sie sind klug und merken ganz genau, wenn sie argumentativ in die Zwickmühle zu geraten drohen. Dann erweitern sie die Thematik oder weichen aus. Das ist IMMER so. IMMER. Sie fühlen sehr, sehr gut, dass sie nichts, aber auch gar nichts in Reserve halten gegen die mächtigen Argumente echter Apologetik. Daran zeigt… Weiterlesen »

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

– Atheistische Verfechter der Evolutionstheorie schließen aus dem „survival of the fittest“ nicht, dass wir uns auch so verhalten sollen. Nur angemerkt: Die Forderung nach radikalem Kapitalismus ohne staatliche Umverteilung, durch die Konkurrenz und Selektion gefeiert werden, ist ein solches „survival or the fittest“ und wird bspw. von der christlichen Rechten in den USA befürwortet. – Atheismus und die Behauptung einer objektiven Moral geht widerspruchslos zusammen. Atheisten sind keine Relativisten, im Gegenteil die meisten machen sich für die universelle Gültigkeit von Menschenrechten stark. – Die Gräueltaten kommunistischer Regime wurden von Atheisten begangen, sie wurden aber nicht atheistisch gerechtfertigt. Kein mir bekannter Atheist begründet das Leid, das er anderen Menschen antut, damit, dass er nicht an Gottheiten glaubt, während umgekehrt enorm viel Ungerechtigkeit theistisch gerechtfertigt wird, indem behauptet wird, eine angebliche existente Gottheit möchte das so. – Die kommunistische Ideologie ist zwar atheistisch, ähnelt strukturell aber der christlichen Ideologie: Vereinfachtes Freund-Feind-Denken, determinierte Geschichtsentwicklung, die paradieshaft-utopische Prophezeiung der klassenlosen Gesellschaft oder die… Weiterlesen »

schandor
schandor
6 Jahre zuvor

Atheistische Verfechter der Evolutionstheorie schließen aus dem „survival of the fittest“ nicht, dass wir uns auch so verhalten sollen. Gott sei Dank tun das viele nicht. …von der christlichen Rechten in den USA befürwortet Ja – was für ein Spott, nicht? Sich „christlich“ zu nennen! Pastor Busch hat einmal treffend bemerkt: Was nicht blau ist, ist bläulich, was nicht grau ist, ist gräulich und was nicht Christ ist, ist christlich. Atheismus und die Behauptung einer objektiven Moral geht widerspruchslos zusammen. Sorry, das stimmt einfach nicht. Es ist ein Widerspruch in sich. Denn der Atheismus hat keine Autorität außer sich selbst. Er ist auto-nom, also selbst-gesetzgebend. Der Atheismus ist notwendigerweise ein Humanismus. Damit macht er sich seine Gesetze selbst. Woher hat er seine Moral? Jedenfalls nicht aus sich selbst, denn aus einer Amöbe entsteht keine Moral. Atheismus muss immer Relativismus sein. Die Geschichte zeigt auch: Der Atheismus ist nicht alt. Allerdings ist er keine Entdeckung und keine Errungenschaft, sondern der größte… Weiterlesen »

Roderich
Roderich
6 Jahre zuvor

@Felix, Atheistische Verfechter der Evolutionstheorie schließen aus dem „survival of the fittest“ nicht, dass wir uns auch so verhalten sollen. Da empfehle ich Ihnen „From Darwin to Hitler“ von Richard Weikart. Was den Kapitalismus angeht: So lange es einen Rechtsstaat gibt, kann von „Survival of the Fittest“ nicht die Rede sein. Beim Kapitalismus gehen schwache Unternehmen unter – weil sie nicht gut wirtschaften. Menschen haben angesichts einer Tendenz zur „Vollbeschäftigung“ (Ludwid Erhard) stets die Chance, sich neu zu bewerben und werden auch nicht an Leib und Leben bedroht, wenn eine Firma untergeht. Der Vergleich ist also Quatsch. Atheismus und die Behauptung einer objektiven Moral geht widerspruchslos zusammen. Atheisten sind keine Relativisten, im Gegenteil die meisten machen sich für die universelle Gültigkeit von Menschenrechten stark. Das ist doch gerade die Inkonsistenz. Wie kann denn der Atheismus die Gültigkeit von Menschenrechten begründen? (Und woher kommt die Motivation, sich daran zu halten?). Nein, so einfach kommen Sie nicht davon. Die Gräueltaten kommunistischer Regime… Weiterlesen »

Markus
Markus
6 Jahre zuvor

@Felix. Natürlich geht der Atheismus mit der bloßen Behauptung einer objektiven Moral oder jeder anderen beliebigen, bloßen Behauptung zusammen. Aber zu sagen, dass es in einer Welt ohne Gott objektive Moral tatsächlich geben könne, weil Atheisten so etwas behaupteten, wäre ein äußerst leicht durchschaubarer Fehlschluss. (Wollten Sie das etwa sagen?) Tatsache ist: Atheismus und objektive Moral gehen überhaupt nicht zusammen. Gäbe es keinen Gott, wäre jede moralische Aussage unbegründbar, irrational und rein willkürlich. Denn jede (potenziell) moralische Forderung M geht logisch mit einer Rechtfertigungspflicht ein: Warum soll ausgerechnet M Gültigkeit haben? Hierzu brauchen wir eine absolute Autorität. Dies können weder menschliche Meinungen sein noch Elementarteilchen oder das, was aus ihnen besteht. Die absolute Autorität können wir nur in einer absolut heiligen, autoritativen Person, also Gott finden. Das Schlimme am Atheismus ist ja, dass er faktisch keine objektive Moral haben kann, und dann aber nichtmoralische, subjektive, ideologisch und letztlich persönlich motivierte Normen für die Allgemeinheit für verbindlich erklären möchte und das… Weiterlesen »

Peter
Peter
6 Jahre zuvor

Hallo Felix! Und einem solch ekelhaft-grausamen Monster von Gottheit danken Sie auch noch, ordnen sich ihm unter und stellen es als „guter Gott“ dar! In meinen Gesprächen mit Atheisten und aus welchen Gründen auch immer Ungläubigen kommt irgendwann die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes. Sie läuft stets darauf hinaus, wie ein gerechter Gott all die Ungerechtigkeit in der Welt zulassen kann. Das ist ja eine altbekannte Frage! Allerdings stellt sich für mich da die Gegenfrage, welche Art von Gerechtigkeit das sein soll, wenn nicht gestraft werden darf. Ist das Gerechtigkeit? Jeder möchte, wenn er Ungerechtigkeit erfährt, dass Wiedergutmachung geleistet und der Täter bestraft wird. Eigenartigerweise will aber auch jeder, der Ungerechtigkeit begeht, dass es einen gnädigen Gott gibt, der vorbehaltlos jedem einfach so vergibt. Das ist ein offensichtlicher Widerspruch, der auch bei dir mit anklingt. Kommunistische Regime haben ihr Gräueltaten aus ihrem Nicht-Glauben bzw. aus ihrem Glauben an die Allmacht des Menschen heraus begründet. Religion ist Opium fürs Volk, religiöse… Weiterlesen »

Peter
Peter
6 Jahre zuvor

(Irgendwie ging mein Beitrag verloren 🙁 – als nochmals) Hallo Felix, Die Gräueltaten kommunistischer Regime wurden von Atheisten begangen, sie wurden aber nicht atheistisch gerechtfertigt. Aber sicher doch! Religion ist Opium fürs Volk. Daher müssen alle religiösen Vertreter bekämpft, gefoltert, getötet oder in Arbeitslager geschickt werden. Nachdem div. humnistische Verbände und bewusst atheistische Organisationen Veranstaltungen mit Ritualen (Weihen …) anbieten, halte ich eigentlich den Atheismus für zutiefst religiös. Diese Verbände achten auch darauf, dass sich die Jugendlichen bei ihren Weihe-Ansprachen deutlich von Religion distanzieren. Das ist also eine sorgfältig zu beachtende Vorschrift. Hoppla – nach einem etymologischen Wörterbuch bedeutet aber das Wort Religion genau das! Komisch – oder? Und einem solch ekelhaft-grausamen Monster von Gottheit danken Sie auch noch, ordnen sich ihm unter und stellen es als „guter Gott“ dar! In meinen Gesprächen mit Atheisten kommen wir immer (!) auf die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes. Wenn Gott gerecht ist, wie kann er all das Leid zulassen? Keine wirklich neue… Weiterlesen »

Johannes G.
Johannes G.
6 Jahre zuvor

Hallo Felix Atheismus und die Behauptung einer objektiven Moral geht widerspruchslos zusammen. Atheisten sind keine Relativisten, im Gegenteil die meisten machen sich für die universelle Gültigkeit von Menschenrechten stark. Abgesehen davon, dass diese Pauschalierung so sicher nicht zutreffend ist, können sich Atheisten natürlich für alles mögliche stark machen. Die entscheidende Frage hierbei ist jedoch, ob sie eine rationale bzw. ontologische Grundlage für ihren moralischen Realismus angeben können (D.h. was sind die Wahrmacher von moralischen Fakten und wie können diese in einer fundamental zweck- und geistlosen Realität verortet werden). Dass ein moralischer Realismus mit einer atheistischen Weltanschauung (welche frei von aristotelischer Metaphysik ist bzw. deren Konzepte von Form- und Finalursachen ausschließt) vereinbar ist, wird von vielen Theisten und nicht wenigen Atheisten bestritten. Um z.B. die universelle Würde des Menschen zu begründen, muss der Atheist eine natürliche bzw. physische Eigenschaft finden, die folgende Kriterien erfüllt: (a) ist bei allen Menschen vorzufinden (b) ist bei keinem irdischen Tier vorzufinden (c) kann plausibel als… Weiterlesen »

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

– Zur Hölle: Angenommen ich werde die Meinung, die ich auf diesem Blog vertrete, mein Leben lang nicht ändern und weiter nicht an Eure Gottheit glauben, ansonsten aber ein gutes Leben führen. Vorausgesetzt nun diese Gottheit existiert und sie verhält sich so, wie Ihr sagt, dann wird Sie mich BIS IN ALLE EWIGKEIT QUÄLEN! Haltet Ihr das nicht für ein klein wenig unverhältnismäßig? Mal angenommen, Ihre Gottheit bietet Ihnen die Möglichkeit an, zu entscheiden, was mit mir geschehen soll. Ich vermute, Ihr würdet mich nicht in die Hölle schmeißen, weil ich Euch für so grausam nicht halte. Weil Ihr selbst eine bessere Ethik vertretet als die Gottheit, die Ihr verehrt. Wiederum angenommen, die Gottheit könnte Sich noch anders entscheiden und wäre offen für Eure Worte: Kann ich darauf zählen, dass Sie alles nur Erdenkliche tun würden, um Ihre Gottheit von ihrem Willen abzubringen? Würdet Ihr Euch solidarisch für mich einsetzen? Oder würden Ihr es einfach passieren lassen und Euch denken:… Weiterlesen »

Roderich
Roderich
6 Jahre zuvor

@Felix, Angenommen ich werde die Meinung, die ich auf diesem Blog vertrete, mein Leben lang nicht ändern und weiter nicht an Eure Gottheit glauben, ansonsten aber ein gutes Leben führen. In der Prämisse ist schon ein Denkfehler. Wir können nicht „nicht an Gott glauben“ und „ansonsten ein gutes Leben führen“. Dieser Prämisse liegt ein mangelndes Verständnis der Sündhaftigkeit des Menschen zugrunde. Mal angenommen, Ihre Gottheit bietet Ihnen die Möglichkeit an, zu entscheiden, was mit mir geschehen soll. Ich vermute, Ihr würdet mich nicht in die Hölle schmeißen, weil ich Euch für so grausam nicht halte. Weil Ihr selbst eine bessere Ethik vertretet als die Gottheit, die Ihr verehrt. Das ist eine gute Annahme, denn in 1. Kor. 6,2 ist davon die Rede. „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?“. Wir haben die Aufgabe, Sie JETZT vor den Konsequenzen der Hölle zu warnen, das tun wir aus Nächstenliebe und in Überzeugung, dass es diese Hölle gibt. Daher hat… Weiterlesen »

Peter
Peter
6 Jahre zuvor

Hallo Felix, Roderich hat ja schon ausführlich geantwortet. Daher von mir nur eine Randbemerkung: Die Bibel sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Mt. 19,19) Wenn Du dem kategorischen Imperativ Kants Relativismus vorwirfst, wie steht es dann mit diesem fundamentalen ethischen Gebot? Ich muss den anderen also nur so sehr lieben, wie ich mich – subjektiv – eben selbst liebe? Wenn das dieser Satz aus der Bibel bedeuten würde, hättest du recht. Allerdings geht die Bibel von der Sündhaftigkeit des Menschen aus, also Selbstbezogenheit, um sich selbst kreisen … Luther nannte das incurvatus in se. Man könnte auch (etwas freier) sagen: Selbstverliebtheit des Menschen. Natürlich liebt sich jeder Mensch. Und bevor du das Beispiel eines Suizides nimmst – auch diese Person liebt sich in gewisser Weise, da sie sich ihren Qualen nicht länger aussetzen will. Außerdem fordert uns die Bibel zu allem anderen als Selbstliebe auf: Selbstverleugnung, Selbstverzicht, den anderen höher achten als sich selbst, dem anderen zum… Weiterlesen »

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

Schön, dass hier Habermas erwähnt wurde, und ja, ich bin durchaus offen für Deine Buchempfehlung. Ich halte das, was ich hier „christliche Ideologie“ genannt habe, aus ideengeschichtlicher Perspektive auch durchaus für interessant, eine aktuelle philosophische (!) Reflexion des Christentums für vielversprechend. Problematisch wird es für mich dort, wenn man glaubt, der Mythologie des Christentums könnte man einen buchstäblichen Wahrheitsgehalt zusprechen (z.B.: es gibt die Hölle; Jesus ist auferstanden; Gott existiert; wir sind alle Sünder (bevor wir etwas getan haben); das Ausleben von Homosexualität ist sündhaft). Ich plädiere zwar unterm Strich für ein säkulares Denken, bin mir aber der Schattenseiten der Säkularisierung und Aufklärung durchaus bewusst, und spreche dem religiösen Denken durchaus ein kritisches Potential zu. Ich fühle mich keineswegs ausschließlich dem Denken des Neuen Atheismus verpflichtet. (Müsste ich mich selbst grob (!) verorten, würde ich eher Poststrukturalismus und Phänomenologie nennen.) Mein Interesse gilt gerade vielmehr dem kritischen Potential religiösen Denkens für die Probleme unserer Zeit. Diesbezüglich ein sehr ernst zu… Weiterlesen »

Roderich
Roderich
6 Jahre zuvor

@Felix, Problematisch wird es für mich dort, wenn man glaubt, der Mythologie des Christentums könnte man einen buchstäblichen Wahrheitsgehalt zusprechen (z.B.: es gibt die Hölle; Jesus ist auferstanden; Gott existiert; wir sind alle Sünder (bevor wir etwas getan haben); das Ausleben von Homosexualität ist sündhaft). Ist es denn erwiesen, dass diese christlichen bzw. biblischen Aussagen „Mythologie“ sind (und damit falsch bzw. nicht wörtlich zu nehmen)? Unterstellt man damit nicht eine oder mehr von folgende Dingen: a) Es gibt keinen Gott ? b) Wenn es einen Gott gibt, kommuniziert er nicht ? c) Wenn er kommuniziert, dann nicht in verbal propositionaler Form ? Warum muss man a, b, c annehmen? Kann nicht aus das Gegenteil wahr sein, also dass es einen Gott gibt, er sich dazu noch verständlich offenbart hat? (Es geht mir nicht um die Verteidigung von Verbalinspiration, aber von dem grundsätzlichen Konzept der Offenbarung.) Wenn Gott allmächtig ist, wenn er Person ist, wenn er kommuniziert, dann dürfte es ein… Weiterlesen »

Felix
Felix
6 Jahre zuvor

Ja, das Argument von Leibniz hätte ich gern gehört!

Hast Du dir mal die Frage gestellt, dass – wenn es einen Gott gibt und er sich offenbaren würde – das eventuell gar nicht in der Bibel, sondern bspw. im Koran gemacht hat?

Roderich
Roderich
6 Jahre zuvor

Gottfried Wilhelm Leibniz‘ Argument für die Existenz Gottes: das „Argument aus Kontingenz“. (1) Für alles, was existiert, gibt es eine Erklärung. (2) Wenn das Universum eine Erklärung seiner Existenz hat, dann ist diese Erklärung Gott. (3) Das Universum existiert. Aus diesen drei Prämissen folgt: (4) Für das Universum gibt es eine Erklärung seiner Existenz. (5) Diese Erklärung ist Gott. Das Argument ist logisch gültig, d.h. die Konklusionen folgen aus den Prämissen. Wenn die Prämissen 1-3 wahr sind, müssen die Konklusionen 4, 5 also auch wahr sein. Prämisse (3) ist auf jeden Fall wahr. Die Frage bleibt also, ob die Prämissen (1) und (2) wahr sind. (Bzw. es muss wahrscheinlicher sein, dass die Prämissen wahr sind, als dass sie falsch sind). Ist Prämisse (1) wahr? Der Skeptiker könnte sagen: „Prämisse (1) stimmt nicht. Denn wenn Gott – wie Christen behaupten – existiert, was ist dann die Erklärung für Gott? Gott KANN gar keine Erklärung haben, denn wenn Gott eine Ursache hätte,… Weiterlesen »