Betreutes Denken

Die Kultur des politisch Korrekten treibt immer buntere Blüten. Jetzt wurde in den USA ein Sammelband, der die drei kritischen Werke des Philosophen Immanuel Kants enthält, mit folgendem Warnhinweis ausgestattet:

Dieses Buch ist das Produkt seiner Zeit und reflektiert nicht die gleichen Werte, die es reflektierte, würde es heute geschrieben. Eltern sollten mit ihren Kindern diskutieren, wie sich die Ansichten zu Rasse, Gender, Sexualität, Ethnizität und zwischenmenschlichen Beziehungen verändert haben, bevor sie ihnen erlauben, dieses klassische Werk zu lesen.

Ich kann nur hoffen, dass viele Studenten, Professoren und mündige Bürger diesen Freiheitsentzug und das Volkspädagogentum durchschauen und deutlich machen, dass sie bereit sind, selber zu denken und sie auch ihren Kindern dieses Vergnügen gönnen. Die Historiker werden eines Tages mit großem Unverständnis auf eine Epoche zurückschauen, in der den Menschen das eigenständige Denken abgewöhnt wurde. Eine kantische Portion Aufklärung könnte hier hilfreich sein: Habe den Mut, dich von den politisch-pädagogischen Gängelungen zu lösen und gebrauche deinen eigenen Verstand!

Hier mehr: www.nzz.ch.

VD: AW

Kommentare

  1. Joachim meint

    Ich habe nach der Wende in der Transformationszeit in Greifswald bei Prof. Rauh studiert. Er erzählte mir, dass die KrV in der DDR im Giftschrank war und nur ideologisch gefestigten Personen zum lesen gegeben wurde…

  2. Markus Jesgarz meint

    Meine Meinung ist:
    1.
    Selbstverständlich sollte der potenzielle Leser in der Lage sein den Inhalt richtig einordnen zu können.
    Im Beitrag:
    Der Verlag versieht Kants Kritik mit einem politisch korrekten Warnhinweis
    http://www.openculture.com/2014/03/publisher-places-a-politically-correct-warning-label-on-kants-critiques.html
    am 20.03.2014 von Josh Jones steht im 4. Absatz ab dem 3. Satz:
    Zweitens, für wen ist diese Ausgabe? Der Philosoph Brian Leiter, der uns darauf aufmerksam gemacht hat,
    https://leiterreports.typepad.com/blog/2014/03/kants-3-critiques.html
    nennt es humorvoll „Kants 3 Kritiken – bewertet mit PG-13“. Man würde hoffen, dass jeder junge Mensch, der frühreif genug ist, um Kant zu lesen, die Fähigkeit hat, den historischen Kontext zu erkennen und kritisch an Aussagen, die unethisch, bigott oder wissenschaftlich veraltet für seine modernen Ohren klingen, herangeht. Man würde hoffen, dass Eltern, die Kant für ihre Kinder kaufen, dasselbe tun könnten, ohne den Verlegern etwas vorzuwerfen.
    Das alles soll nicht heißen, dass es keine sachlichen Gründe gibt, die schädlichen Annahmen und Verzerrungen klassischer Philosophen zu untersuchen und zu kritisieren.
    2.
    Die Texte von Immanuel Kant sind kritikwürdig.
    http://fbcweb.org/Doctrines/Kant.pdf

  3. Schandor meint

    Nun, KrV ist weder Vergnügen noch sonst was, sondern Kants katastrophalste Schrift, in grottenschlechtem Deutsch gehalten, um die Leser zu quälen und so zu tun, als verbergen sich dahinter tief(s)te Gedanken. Immerhin hat darin der Alleszermalmer einen zerstörerischen Hammer geschaffen. Der gehört aber weder in den Giftschrank, noch muss davor auf die bezeichnete Art gewarnt werden, sondern dazu gehören Kommentare, die zeigen, wie und wo Kant irrt. Das ist aber sehr schwer, weil er unverständlich geschrieben hat und die Kantexegeten so tun, als hätten sie ihn verstanden. Wer wissen will, wie es sich damit verhält, kann ja in Schopenhauers Welt und Wille als Vorstellung nachlesen, was es damit auf sich hat. Schopenhauer war kantgläubig, keine Frage. Aber der Stilist hatte erkannt, wie oft Kant die Dinge verkannt hatte. Die Hoffnung nun, genügend Professoren werden durchschauen, was die Gedankengängelung vorhat, teile ich nicht. Wes Brot ich eß, des Lied ich sing. Man erinnere sich an den Film Expelled. Dort erfährt man, was Professoren und Unis tun, die an eine Ideologie glauben.

    Man kann auch sehen, wenn man möchte. https://www.youtube.com/watch?v=LWVIzw0mTOw

  4. Oliver meint

    Sehr interessant! Mich hat Kants KrV vor Jahren in arge Glaubenszweifel gestürzt. Gibt es denn einen empfehlenswerten deutschen Text, der sich aus christlicher Sicht kritisch mit Kant auseinandersetzt?

  5. Markus Jesgarz meint

    @Markus Jesgarz:
    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage:
    Die Texte von Immanuel Kant sind kritikwürdig.
    Meine Meinung ist:
    Der Agnostizismus nach Immanuel Kant ist kontrafaktisch.
    Im Beitrag:
    Eine Antwort auf den philosophischen Postmodernismus
    http://normangeisler.com/a-response-to-philosophical-postmodernism/
    im Jahr 2012 von Norman L. Geisler steht unter
    1.
    „Vorläufer der Postmoderne“ am Anfang:
    Das moderne westliche Denken beginnt mit zwei Hauptströmungen: Empirismus und Rationalismus. David Hume vertrat die erstere und Rene Descartes die letztere. Die Empiriker betonten die Sinne und der Rationalist den Verstand. Die Empiriker begannen a posteriori mit Sinneserfahrungen, aber der Rationalist begann a priori mit angeborenen Ideen im Kopf. Immanuel Kant fasste die beiden Ströme zusammen und argumentierte, dass die Sinne den Inhalt unseres Wissens liefern, der Geist ihm jedoch Form gibt. Er behauptete, der Geist ohne die Sinne sei leer, aber die Sinne ohne den Geist seien blind. Das unglückliche Ergebnis seiner brillanten, aber tragischen Synthese war Agnostizismus. Wir können die Realität nicht als solche erkennen, sondern nur als solche, nachdem sie uns durch die Sinne vermittelt und durch die Kategorien in unserem Geist geformt wurde. Metaphysik – die Realität an sich zu kennen – ist daher unmöglich.
    Der kantianische Agnostizismus führte einerseits zu Søren Kierkegaards Fideismus und andererseits zu Nietzsches Atheismus. Kierkegaard erkennt die kantianische Kluft zwischen Erscheinung und Wirklichkeit an und schlägt einen „Glaubenssprung“ zu dem „ganz anderen“ Gott vor, der alle Möglichkeiten überschreitet, ihn mit unserem Verstand zu erkennen. Nietzsche hingegen zog es vor, nicht zu einem unbekannten Gott zu springen, sondern Gott für tot zu erklären und einfach bereitwillig die ewige Wiederholung des Zustandes zu akzeptieren.
    2.
    „Vergleich von Modernismus mit Postmodernismus“ am Ende:
    Die Natur des Postmodernismus
    Der Postmodernismus ist ein Zustand, in dem [da Gott tot ist] „alles möglich und nichts sicher ist“ (Vaclav Havel). Nietzsche sprach aus: „Gott ist tot“, aber es gibt verschiedene Bedeutungen, die man diesem Satz „Gott ist tot“ geben kann. Es kann bedeuten, dass Gott tot ist
    1. Erkenntnistheoretisch – Kant
    2. Mythologisch – Nietzsche
    3. Dialektisch – Hegel
    4. Sprachlich – Ayer
    5. Phänomenalologisch – Husserl
    6. Existenziell – Sartre
    7. Kognitiv – Wittgenstein
    8. Hermeneutisch – Heidegger / Derrida
    Natürlich glauben viele dieser Denker außerdem, dass Gott tatsächlich tot ist (z. B. Nietzsche, Sartre und Derrida), aber das ist nebensächlich hier. Die Hauptsache ist die Methodik des postmodernen Dekonstruktivismus.
    3. „Eine Kritik einer postmodernen Hermeneutik“ im 5. Absatz:
    Viertens ist die postmoderne Hermeneutik eine Form des sprachlichen Solipsismus. Nach Wittgenstein glaubt Derrida, dass wir in einer Art Sprachblase in der Sprache eingeschlossen sind und nicht herauskommen können. Dies ist jedoch eine Form des „Reduktionismus“-Trugschlusses. Für alle Aussagen, die implizieren, dass wir nichts wissen können, außer was sich in der Sprachblase befindet, bedeutet dies, dass wir mehr wissen als was sich in der Blase befindet. Dies ist wie der Widerspruch von Kant. Man kann nicht über die Realität wissen, dass man nichts über die Realität wissen kann. Sprache ist keine Mauer, die uns von der Realität absperrt. Es ist ein Fenster, das die Realität kundgibt, die wir kennen.

  6. Schandor meint

    @Oliver

    Da muss ich passen; habe nur immer wieder bei christlichen Autoren über ihn gelesen, nachdem ich mich selbst durchgequält hatte.

    Kant war mW der erste, der sinngemäß sagte: Was, wenn das, was wir sehen, gar nicht das ist, was es ist? Dann müssen wir uns die Augen aus dem Kopf nehmen und sie selbst erst mal auf Sehtauglichkeit prüfen.
    So ist der Weise zum Narren geworden.

    @Markus Jesgarz

    Guter Kommentar!

  7. Roderich meint

    @Oliver,
    Adolf Schlatter: „Die Philosophische Arbeit seit Cartesius. Ihr ethischer und religiöser Ertrag“ (enthält einige grundlegende Kritikpunkte an Kant).

    Wilhelm Lütgert: „Kant als Idealist und Realist“ (den Aufsatz kann Dir vermutlich Ron Kubsch schicken).

    Giovanni B. Sala: Kant über die menschliche Vernunft.

    Karl-Heinz Michel: Immanuel Kant und die Frage der Erkennbarkeit Gottes. Eine kritische Untersuchung der „Transzendentalen Ästhetik“ in der „Kritik der reinen Vernunft“ und ihrer theologischen Konsequenz.

    Im Prinzip enthält jeder Kant-Kommentar eine Mischung aus Kritik, Rechtfertigung („Kohärent-Machung“) und Zustimmung.

    „Klassiker auslegen“ enthält im Kapitel über die Antinomien z.B. einige stark kritische Töne etc.

    Holm Tetens: Kants „Kritik der Reinen Vernunt“ enthält auch überall einige Kritikpunkte, etc.

    Ich glaube, das Hauptproblem besteht darin, Kant erst mal zu verstehen – dann hat sich das Problem der Kritik meist schon von selbst erledigt.

    Vielleicht magst Du ansonsten mal sagen, was Dich an Kant genau bewegt bzw. was Dir Zweifel bereitet hat?

  8. Roderich meint

    @Oliver,
    „History of Philosphy“, Lektion 51-54, von Arthur F. Holmes bietet eine Einordnung aus christlicher Sicht, ist aber natürlich nur kursorisch.

    https://www.youtube.com/watch?v=Wc9Q3TBFMFs&list=PL9GwT4_YRZdBf9nIUHs0zjrnUVl-KBNSM&index=51

  9. Roderich meint

    Generell wird jede Verteidigung des Realismus sich kritisch mit Kants Transzendentalem Idealismus auseinandersetzen, welcher ja das Grundgebäude ist, auf welchem ja letztlich auch Kants Kritik der Gottesbeweise ruht.

    Norman Kemp Smiths „A Commentary to Kant’s Critique of Pure Reason“ (von 1918) und Jonathan Bennetts „Kant’s Dialectic“ enthalten viele Kritikpunkte an Kant, wenn auch Smiths Buch schon älter ist, und Bennett in seiner Kritik als etwas zu grobschlächtig gilt (und manches wohl falsch versteht). … (Auch Sala wird z.T. entsprechend kritisiert).
    Man kann diese Werke aber dennoch lesen zur Kenntnisnahme bzw. um bestimmte Anregungen zum Weiterdenken zu erhalten.

    State of the Art wäre aber z.B. „Klassiker auslegen“.

  10. Markus Jesgarz meint

    @Markus Jesgarz:
    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage:
    Der Agnostizismus nach Immanuel Kant ist kontrafaktisch.
    Meine Meinung ist:
    1.
    Herr Immanuel Kant kannte Indizien, die für die Existenz Gottes sprechen.
    1.
    Im Beitrag:
    Kritik der praktischen Vernunft
    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kant,+Immanuel/Kritik+der+praktischen+Vernunft/Beschluß
    steht unter „Zweiter Teil. Methodenlehre der reinen praktischen Vernunft“ und „Beschluß“ am Anfang:
    Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.
    2.
    In Psalm 19,2 steht:
    https://www.bibleserver.com/text/SLT/Psalm19%2C2
    Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände.
    3.
    Im Beitrag:
    Können Atheisten es rechtfertigen, ohne Gott gut zu sein?
    normangeisler.com/can-atheists-justify-being-good-without-god/
    von Norman L. Geisler steht am Ende:
    Sechstens, Atheisten versäumen eine wichtige Unterscheidung zu machen. Man kann gut sein (wie viele Atheisten), ohne an Gott zu glauben. Aber ohne einen Gott kann man nicht gut sein. Das heißt, sie können an ein moralisches Gesetz glauben (und dementsprechend leben), ohne an Gott zu glauben. Aber sie können nicht diesen Glauben ohne Bezug auf einen moralischen Gesetz Geber (Gott) rechtfertigen. Dies führt zu einer letzten Beobachtung.
    Siebtens, Tatsache ist, dass man ohne einen moralischen Gesetz Geber kein objektives moralisches Gesetz haben kann. Aber Atheisten sind die Ersten, die darauf bestehen, dass es ein moralisches Gesetz gibt – ansonsten, wie können sie ihre Argumente gegen Gott aus den Ungerechtigkeiten in dieser Welt erheben. C. S. Lewis sagte dies deutlich, als er schrieb: „[Als Atheist] war mein Argument gegen Gott, dass das Universum so grausam und ungerecht wirkte. Aber wie bin ich auf diese Idee von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit gekommen? Ein Mann nennt nicht eine Linie krumm, es sei denn er hat eine Vorstellung von einer geraden Linie” (Christentum schlechthin, 15). Also argumentierte er von diesem objektiven moralischen Gesetz zu einem moralischen Gesetz Geber (Gott). Der Atheist muss seine schmerzhafte Entscheidung treffen: Entweder er verliert die Grundlage für seine Argumentation gegen Gott wegen dem Bösen, oder er muss zugeben, dass es ein objektives moralisches Gesetz gibt, das zu einem moralischen Gesetz Geber führt. Eines ist sicher: Ohne Gott kann der Atheist keine objektive Güte haben, um Himmels willen. In der Tat, da „um Himmels willen“ ein euphemistischer Ausdruck ist, der „um Gottes willen“ bedeutet, sollte die atheistische Anzeige, sowohl wörtlich als auch logisch, lauten: „Warum an Gott glauben? Sei einfach gut um Gottes willen.” Mit anderen Worten, genau weil es einen Gott gibt, können wir wirklich gut sein. Ohne einen absolut guten Gott gibt es keinen wirklichen objektive Grund, um gut zu sein.
    2.
    Die Indizien, die für die Existenz Gottes sprechen, sind Argumente gegen den Agnostizismus des Immanuel Kant.
    Im Wikipedia Beitrag zu „Kritik der reinen Vernunft“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft#Rezeption
    steht unter „Rezeption“ im 3. Absatz am Anfang:
    Die KrV hat bis weit über die Philosophie hinaus gewirkt. Sie erweist zentrale Lehrsätze der traditionellen Theologie als unhaltbar, insbesondere weist sie traditionelle Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, als dogmatisches Scheinwissen und als Weltanschauung aus. Moses Mendelssohn nannte Kants Philosophie „alles zermalmend“.
    3.
    Der Agnostizismus des Immanuel Kant (1724-1804) wurde von Michael Glossner (1837-1909) und Benedikt Stattler (1728-1797) abgelehnt.
    Im Beitrag:
    Aus dem Giftschrank
    https://literaturkritik.de/id/8779
    Über die wechselvolle Beziehung des Katholizismus zu Immanuel Kant
    am 21.11.2016 von Ursula Homann steht im 5. Absatz am Ende:
    Was manche katholische Kant-Kritiker, wie Michael Glossner (1837-1909) und Benedikt Stattler (1728-1797), besonders erboste, war, dass Kant die Möglichkeit dogmatischer Metaphysik bestritt und von spekulativen Beweisen für das Dasein Gottes nichts wissen wollte.

  11. Clemens Altenberg meint

    Wow, welch Kant-Expertise hier! Danke für die spannenden Kommentare und links, das werd ich mir bei Zeiten genauer anschauen. Ich kann da nicht mithalten, hab Kant kaum im Original gelesen, aber durch geniale Vorlesungen von Günther Pöltner hat sich mir seine Bedeutung erschlossen. Egal wie verschnörkselt sie auch geschrieben sein mag, die Quintessenz der Kritik der reinen Vernunft ist ja, dass Metaphysik als Wissenschaft nicht möglich ist. Dahinter zurückzugehen ist schwer, Respekt vor jedem, der es versucht, aber der soll einmal die berühmten Antinomien der reinen Vernunft auflösen…

  12. Roderich meint

    @Clemens,
    Kants Antinomien wurden schon vielfach kritisiert. Für sich genommen, taugen sie keineswegs, um Metaphysik zu diskreditieren.

    Einige wichtige Kritiker und Kritikpunkte an Kants Beweisgängen in den Antinomien listet Lothar Kreimendahl: Die Antinomie der reinen Vernunft, 1. und 2. Abschnitt (A405/B432-A461/B489), in: Mohr, Georg und Marcus Willaschek (Hrsg.): Kritik der reinen Vernunft. Berlin 1998: Akademie Verlag. (Klassiker Auslegen. Herausg. von Otfried Höffe, Band 17/18, S. 413-446.)
    Marcus Willascheck ist übrigens sehr anerkannter Kantianer – man wird hier also keinen schlechten Willen unterstellen dürfen.

    Kant verwendet öfters „Transzendentale Implantate“, um die (zu widerlegenden) Argumente der dogmatischen Metaphysik zu rekonstruieren; eine darauffolgende Widerlegung ist natürlich dem Vorwurf des Strohmann-Fehlschlusses ausgesetzt. (Ein „transzendentales Implantat“ heißt: er setzt seinen transzendentalen Idealismus schon voraus, den er ja selber erst entwickelt hat, um ein Argument der vorherigen Metaphysik darzustellen, um es dann abzuschießen… Somit hat er die Argumente falsch rekonstruiert, die er dann widerlegt).

    Kreimendahl schlussfolgert: Die „Mehrzahl der Interpreten betrachtet die Antinomie in unterschiedlichem Grade kritisch“ (Ebd., S. 442). Kritiker an den Antinomien wie gesagt dort.

    Jeder, der z.B. eine Version des kosmologischen Arguments verteidigt, wird sich mit Kants erster Antinomie (KrV A426/B454) auseinandersetzen. „Thesis: „Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raum nach auch in ihren Grenzen eingeschlossen“ vs. Antithesis „Die Welt hat keinen Anfang, und keine Grenzen im Raume, sondern ist, sowohl in Ansehung der Zeit, als des Raums, unendlich.“
    William Lane Craig verteidigt in seinem Buch „The Kalam Cosmological Argument“ ja das folgende Argument:
    P1: Alles, was angefangen hat, hat eine Ursache.
    P2: Das Universum hat einmal angefangen zu existieren.
    Konklusion: Daher hat das Universum eine Ursache.

    Um P2 verteidigen zu können, und wenn er Kant berücksichtigen will, muss er die Thesis in der 1. Antinomie verteidigen, und die Antithesis widerlegen. Das tut er auch. (In „The Kalam Cosmological Argument“, Wipf and Stock, 1979, S. 149-151, z.B. unter Verweis auf eine „relationale“ Theorie der Zeit, nach der Zeit erst gemeinsam mit einem Ereignis anfängt (in „Relation“ zu einem Ereignis steht, also logisch nach dem Ereignis beginnt), und also Zeit nicht vor einem Ereignis existieren muss. Näheres dort.)

    Siehe ferner z.B. Daniel von Wachter, „Die Kausale Struktur der Welt“, S. 14-22, Abschnitt 1.3. „Metaphysik“, welches sich gegen Kants Ablehnung der Metaphysik wendet.
    https://epub.ub.uni-muenchen.de/1975/1/wachter_2007-ursachen.pdf

    Siehe ferner Richard Swinburnes Aufsatz: „Why Hume and Kant were Mistaken in Rejecting Natural Theology“:
    http://users.ox.ac.uk/~orie0087/pdf_files/Papers%20from%20Philosophical%20Journals/Swinburne_2012-hume-kant.pdf

  13. Roderich meint
  14. Roderich meint

    Mein anderer Kommentar ist leider verschwunden.

    Siehe Daniel von Wachter: „Die Kausalität der Welt“, steht online: https://epub.ub.uni-muenchen.de/1975/1/wachter_2007-ursachen.pdf, Kapitel 1.3. Metaphysik (er verteidigt die Metaphysik gegen Kant). Er zeigt darin, warum die Forderung nach apodiktischer Gewissheit in der Metaphysik bei Kant falsch ist.

    Siehe William Lane Craig: The Kalam Cosmological Argument, Wipf and Stock 1979, S. 141-151 (da er das kosmologische Argument verteidigt, muss er natürlich die Antithesis der 1. Antinomie widerlegen).

    Siehe z.B. Lothar Kreimendahl: Die Antinomie der reinen Vernunft, 1. und 2. Abschnitt (A405/B432-A461/B489), in: Mohr, Georg und Marcus Willaschek (Hrsg.): Kritik der reinen Vernunft. Berlin 1998: Akademie Verlag. (Klassiker Auslegen. Herausg. von Otfried Höffe, Band 17/18).
    Die „Mehrzahl der Interpreten betrachtet die Antinomie in unterschiedlichem Grade kritisch“, so Kreimendahl, S. 442. (Er nennt zahlreiche Kritiker – dort kann man dann die Literaturangaben finden).
    Marcus Willascheck, Herausgeber des Bandes, ist bekannter Kantianer.

    Fazit: Kants Antinomien sind für sich alleine genommen noch kein guter Grund, die Metaphysik abzulehnen.

  15. Clemens Altenberg meint

    Mit den Antinomien und der Kritik daran muss ich mich noch genauer auseinandersetzen, ich habe gerade den Text THE PERNICIOUS INFLUENCES OF IMMANUEL KANT von Donald Ray Hargrove gelesen und vergeblich gehofft, darin etwas darüber zu finden. Leider bleibt dieses paper an der Oberfläche und genießt sich bloß in einseitiger Verteufelung:

    Kant’s materialistic philosophy also spawns a host of deterministic worldviews like “behaviorism, existentialism, fascism, Freudianism, hedonism, humanism, liberationism, Marxism, neo-Darwinism, nihilism, pragmatism, relativism.”

    An dieser Stelle habe ich mich gefragt, ob ich noch weiterlesen soll und stellte mir in Anlehnung an Kramp-Karrenbauer die Frage, warum der Autor Kant nicht auch für die 7 (oder 10, je nach Bibelstelle) Plagen in Ägypten verantwortlich macht.
    Kants Philosophie ist bei all ihren Schwächen immer noch einer der besten Ausgangspunkte, um gegen all die genannten Strömungen zu argumentieren. Ich kann mich z.B. noch sehr gut daran erinnern, wie Prof. Pöltner in einer Vorlesung unter Rückgriff auf Kant die „Evolutionäre Erkenntnistheorie“ auseinandergenommen hat.

    Hargroves Zuschreibung liegt meilenweit daneben: Kant ist ja bekanntlich weder Materialist noch Determinist, gerade wegen seiner Freiheit transzendiert der Mensch die empirische Welt der Gegenstände und hat Teil an der noumenalen Welt, ist „Bürger zweier Welten“.

    Ein paar Seiten später wirft Hargrove Kant dann das genaue Gegenteil von Materialismus vor: „Kant’s system is nothing but a new form of Idealism.“ Er sollte sich schon entscheiden, von welcher Seite er Kant angreifen will, so heben sich die Vorwürfe gegenseitig auf.

    Auch, dass Kant der Urheber einer „new subjective philosophy“ sei stimmt so nicht. Er ist eben kein Konstruktivist, der behauptet wir schaffen uns die Welt wie sie uns gefällt. Denn als Anker gibt es bei ihm ja das Ding an sich, etwas, das sich außerhalb von Raum und Zeit befindet und Intersubjektivität garantiert. Nur weil wir es nicht so erkennen können, wie es an sich ist, ist es doch vorhanden als „metaphysisches Gerät“, das uns zu einer gemeinsamen Erkenntnis führen kann.
    Ganz zu schweigen von Kants Ethik, die den Existenzialisten ja immer zu objektiv war, weil sie die Subjektivität des Einzelnen außen vorlässt.

    Genauso wenig hatte Kant einen „anti-metaphysical spirit“: Es ist „die Metaphysik, in welche ich das Schicksal habe verliebt zu sein“ schreibt er. Auf ihr beruhe „das wahre und dauerhafte Wohl des menschlichen Geschlechtes“; eben darum könne ihr Gegenstand „der menschlichen Natur nicht gleichgültig sein.“ Es ist Kants Überzeugung, dass der Mensch vom Grunde seines Wesens her dazu getrieben wird, über sich und die endliche Welt hinauszufragen; verzichtete er darauf, so wäre er nicht mehr Mensch und müsste in Barbarei und Chaos versinken. Darum auch muss Kant einen neuen Atemzug metaphysischen Denkens tun: „Dass der Geist des Menschen metaphysische Untersuchungen einmal gänzlich aufgeben werde, ist ebenso wenig zu erwarten, als dass wir, um nicht immer unreine Luft zu schöpfen, das Atemholen einmal lieber ganz und gar einstellen würden.“

    Ich will Kant nicht in allem verteidigen und verstehe, warum man ihn auch als Waffe gegen jede theologische Dogmatik gebrauchen kann, aber bei Hebräer 11,1 muss ich immer an ihn denken: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“

  16. Clemens Altenberg meint

    Man muss Kant ja auch als Gegenreaktion auf David Hume verstehen, in dessen radikalem Empirismus überhaupt kein Platz mehr für Gott und eine nicht rein subjektive Moral bleibt. Kant wollte genau dem Skeptizismus und Relativismus, den Hargrove ihm vorwirft, Grenzen setzen.

  17. Clemens Altenberg meint

    Bei Francis Schaeffer, dem ich sonst nicht alles was er über Philosophiegeschichte schreibt eins zu eins abnehme, liegt Kant ja auch zu Recht oberhalb der line of despair.

    Ein kurzer Gedanke zu den Gottesbeweisen, denen Kant die Wissenschaftlichkeit absprach: Der durchaus bewundernswerte William Lane Craig sieht die Existenz Gottes also wieder als bewiesen, Wikipedia stellt es so dar (ich hoffe richtig):

    1. Whatever begins to exist has a cause;
    2. The universe began to exist;
    Therefore:
    3. The universe has a cause.

    1. The universe has a cause;
    2. If the universe has a cause, then an uncaused, personal Creator of the universe exists who sans (without) the universe is beginningless, changeless, immaterial, timeless, spaceless and enormously powerful;
    Therefore,
    3. An uncaused, personal Creator of the universe exists, who sans the universe is beginningless, changeless, immaterial, timeless, spaceless and infinitely powerful.

    Der auf Kausalität beruhende Gottesbeweis ist aber nur dann gültig, wenn man sich an Hume vorbeischummelt, der die Kausalität in seinem radikalen Empirismus als erkenntnistheoretisch letztlich nicht beweisbar erwies:
    Wenn ich mich streng auf das beschränke, was ich wahrnehme, so sehe ich nicht mehr, als dass auf den Vorgang A der Vorgang B folgt. Die Wahrnehmung zeigt mir stets nur ein Nacheinander, niemals ein Wegeneinander. Unsere Erwartung, dass auf den Vorgang A der Vorgang B folgen werde, beruht auf der Erfahrung, dass bisher immer B auf A gefolgt ist. Wir wissen nicht, aber wir glauben, dass es in Zukunft so sein werde. All unser Wissen, das sich auf Kausalitäten bezieht, ist daher nur ein Wahrscheinlichkeitswissen, ein hypothetisches Wissen. Und eine Hypothese ist keine geeignete Prämisse für einen unumstößlichen Gottesbeweis. Hume hat zwar selbst an die Kausalität geglaubt, anders lässt es sich schwer leben, aber er hat die Erkenntnistheorie unwiederbringlich auf wacklige Beine gestellt.

    Vielleicht hat Lane Craig dieses Problem ja auch gar nicht umschifft und hat das humesche Argument widerlegt. Auf Wikipedia sehe ich nur, dass er Kausalität als metaphysische Wahrheit postuliert, aber ich kann nicht nachvollziehen wie er das macht. Wäre dankbar für Aufklärung die auch ich als halber Laie verstehe (bin vor allem Ethiker)!

  18. Roderich meint

    @Clemens Altenberg,
    Es überzeugt mich nicht, dass man etwas wie Kausalität erst „beweisen“ muss.

    Es ist auch kein Gottes-„beweis“ nötig, sondern Craig nennt es ein „Argument für die Existenz Gottes“. Ein Argument ist gut, wenn es logisch gültig ist und beide Prämissen (zusammen) plausibler als ihre Verneinung sind. (Sowie wenn es sprachlich klar definiert ist, keine Zirkelschlüsse hat etc.)

    Ein Argument, dessen Konklusion (vereinfacht gesagt) „gefühlt zu 90% gewiss“ ist, ist sicherlich ein gutes Argument.

    Müsste man alle Prinzipien, von denen man ausgeht, beweisen (auch alle common-sense-Annahmen, z.B. „Die Welt ist älter als 5 min, und wir wurden nicht mitsamt Gedächtnis vor 5 min geschaffen“; „wir sind nicht ein Gehirn in einem Tank“; „Sprache funktioniert, Sätze ergeben Sinn“; „ich habe Zugang zu Gesetzen der Logik“; „ich habe hermeneutische Fertigkeiten“; „es gibt noch andere Menschen außer mir (die anderen sind nicht Roboter)“; und unzählige weitere), dann würde gar kein Argument funktionieren.

    Dass es etwas wie Kausalität gibt, merken wir täglich, z.B. wenn wir uns entscheiden, in 5 min. einen neuen Kaffee zu holen. Wir machen es dann tatsächlich, also haben unsere Gedanken / unsere Entscheidung den Gang in die Küche / zur Kaffeemaschine verursacht.
    Oder: unsere Hand, die den Knopfdruck verursacht, verursacht damit das Anlaufen der Kaffeemaschine, etc.

    Zu fordern, dass solche zu 99,99999999999% gesicherten Grundannahmen „erst mal bewiesen“ werden müssten, wie Hume es tat, zeugt nicht von Rationalität, finde ich.

    Nebenbemerkung: aus dem Wikipedia-Artikel:

    Craig notes:
    „Hume himself clearly believed in the causal principle. He presupposes throughout the Enquiry that events have causes, and in 1754 he wrote to John Stewart, ‚But allow me to tell you that I never asserted so absurd a Proposition as that anything might arise without a cause'“

  19. Roderich meint

    Hier drei Artikel von Craig gegen Humeaner (zumindest Mackie und Sobel sind Hume-Anhänger) und gegen deren Kritik am Kalam-Argument:

    1.) https://www.reasonablefaith.org/writings/scholarly-writings/the-existence-of-god/professor-mackie-and-the-kalam-cosmological-argument/

    2.) https://www.reasonablefaith.org/writings/scholarly-writings/the-existence-of-god/j.-howard-sobel-on-the-kalam-cosmological-argument/

    3.) https://www.reasonablefaith.org/writings/scholarly-writings/the-existence-of-god/graham-oppy-on-the-kalam-cosmological-argument/

    Von Craigs Antwort auf Oppy:
    „Whatever Begins to Exist Has a Cause

    Oppy’s lack of differentiation between logical and ontological modality resurfaces in his discussion of the kalam cosmological argument’s intuitively plausible and empirically verified first premiss, that whatever begins to exist has a cause. He states, „Essentially, Mackie’s view is that, given the standard test for judgments of possibility (i.e. conceivability in which there is no appearance of logical consistency), we have good reason to suppose that it is possible for something to begin to exist uncaused.“ [10] But we have already seen that mere freedom from logical inconsistency is no indication of metaphysical possibility. Indeed, since Kripke, it is widely acknowledged that there are even synthetic, metaphysically necessary, a posteriori truths, whose contradictories are quite conceivable in Oppy’s sense. [11] I cannot think of any good reason to believe that something’s coming to exist out of nothing is metaphysically possible, even if there is no logical inconsistency in so conceiving. Hence, Oppy is mistaken when he says, „If the proponent of the kalam cosmological argument wishes to deny that it is possible for something to begin to exist uncaused, then s/he needs to provide some argument which shows that there is a logical inconsistency in this claim.“ [12] Not only does this assertion conflate logical and ontological modality, but even more fundamentally, I do not see that the kalam proponent is obligated to provide any sort of argument for his causal premiss. We do not require arguments against the possibility of solipsism or for the existence of other minds, for the truth concerning these matters is obvious and any argument in this regard would be based on premisses less obvious than the conclusion. In the same way, the premiss ex nihilo nihil fit is so obvious that even Hume accepted it without argument, regarding its denial as an instance of unlivable Pyrrhonic scepticism.

    Consider, nonetheless, Jonathan Edwards’s argument on behalf of the causal principle: if something can come into being uncaused out of nothing, then it is inexplicable why anything and everything does not do so. Oppy says that any and everything does not come into being uncaused out of nothing because some things have actual causes. Of course, they do; but what is the explanation for that fact and for the fact that people, televisions, and Eskimo villages do not pop into being uncaused out of nothing, if this is, as Oppy proceeds to assert, possible? He seems to answer that „. . . our universe is governed by certain conservation laws which ensure that such things do not actually happen.“ [13] But this explanation is inadequate because insofar as natural laws are inductive generalizations, they are merely descriptions of what does or does not happen in the universe; and insofar as they are invested with nomic necessity, such necessity derives solely from the causal powers and dispositions of things that actually exist. In neither case is any sort of constraint placed on things‘ springing uncaused out of nothingness into being. After all, there is nothing there to be constrained. So does it not strike one as peculiar that it is only the universe which comes magically into being out of nothing rather than all sorts of other things as well?“

    Weitere Artikel dazu hier:
    https://www.reasonablefaith.org/writings/scholarly-writings/the-existence-of-god/

  20. Clemens Altenberg meint

    Ach so, danke, dann ist William Lane Craig was die Beweisbarkeit der Gottesbeweise angeht ja eh Kantianer und auf dem Boden der modernen Philosophie geblieben. Gute Argumente für die Existenz Gottes gibt ja auch Kant. Craig weiß also, dass er nichts beweist, sondern nur eine sehr plausible These aufstellt. (Dass 99% Glaubwürdigkeit für manche nicht reicht sieht man ja an den Leugnern des anthropogenen Klimawandels, denen reicht das eine Prozent Skepsis um mit ruhigem Gewissen weiter den Planeten zu zerstören.)

    Trotzdem ist ein Dogma etwas anderes als eine 99 prozentige Wahrscheinlichkeit. Der letzte Schritt zum dogmatischen Denken bleibt immer ein Sprung ins Vertrauen, mit einem gewissen Grad an Restblindheit – für manche ein kleiner Hüpfer, für andere ein großer Sprung.

    Zu Hume: Natürlich hat er selbst praktisch nicht an der Kausalität gezweifelt. Er wusste schon, dass radikale philosophische Zweifel an allem nicht alltagstauglich sind. Aber im Moment des Philosophierens gilt immer sein Wort: „Wenn wir Philosophen sind, sollten wir es wir nur nach skeptischen Grundsätzen sein.“
    Hume hat ja in Paris auch die radikalen atheistischen Aufklärer ausargumentiert. Wenn es keine absoluten Beweise für das geben kann, was außerhalb unserer Wahrnehmung existiert, so ist es auch unmöglich zu beweisen, dass es nicht existiert. Wer sich als Atheist bezeichnet, tut dies mit genauso wenig logischer Berechtigung wie jemand, der behauptet, die Sonne werde morgen aufgehen – es ist eine intellektuelle Abkürzung, eine Denkgewohnheit, keine logische Notwendigkeit. Für Hume stellte der Atheismus eine philosophisch unzulässige Sicherheit dar, weshalb er mit den radikalen Pariser Aufklärern Holbach und Diderot in Konflikt geriet.

    Große Philosophen geben Theisten wie Atheisten zu denken und sind Dogmatikern jedweder Spielart ein Dorn im Auge. Eine Philosophie, die einen bloß in Sicherheit wiegt, ist keine Philosophie.

  21. Roderich meint

    Kants Skepsis an der Metaphysik lag ja u.a. an zwei Gründen:
    1.) An seiner Forderung apodiktischer Gewissheit (da war Kant noch ganz der Rationalist, wie Spinoza, Descartes, Leibniz, Wolff – also noch kein „moderner Philosoph“). Zu dem Thema darf ich noch mal auf Daniel von Wachters kostenlos einsehbare Habilitation „Die Kausalität der Welt“ verweisen, Abschnitt 1.3 „Metaphysik“, (S. 14-22). Er kritisiert dort die Forderung der „apodiktischen Gewissheit“ als wenig rational.
    https://epub.ub.uni-muenchen.de/1975/1/wachter_2007-ursachen.pdf

    Die Ablehnung der apodiktischen Gewissheit ist übrigens keineswegs „modern“. Siehe Dominik Perler: „Zweifel und Gewissheit. Skeptische Debatten im Mittelalter“ (Frankfurt 2006: Vittorio Klostermann). So war es im christlichen Mittelalter gar nicht gang und gäbe, immer apodiktische Gewissheit zu fordern. Zitat aus Perlers Buch: „Im Gegensatz zu Descartes, der ein fundamentalistisches Projekt entwickelt und jede Erkenntnis auf eine absolut unbezweifelbare Grundlage stellen will, verfolgen die bislang diskutierten Autoren eher ein Projekt, das man in moderner Terminologie „reliabilistisch“ nennen könnte. Das heißt, sie versuchen zu zeigen, wie mithilfe zuverlässiger kognitiver Prozesse, die von Natur aus stattfinden, korrekte Erkenntnis von materiellen Gegenständen gewonnen werden kann. Sie streben also nicht danach, eine einzige, absolut unbezweifelbare Grundlage zu finden und jede Erkenntnis auf diese Grundlage zurückzuführen, sondern untersuchen, welche Erkenntnisbedingungen und welche kognitiven Mechanismen vorliegen müssen, damit korrekte Erkenntnis gewonnen werden kann. … Betrachtet man den mittelalterlichen Umgang mit skeptischen Szenarien in dieser Perspektive, führt er weniger zu Descartes als zu gegenwärtigen antiskeptischen Strategien, die sich auf die prinzipielle Zuverlässigkeit kognitiver Prozesse berufen. Die Beweislast liegt dann nicht beim Antiskeptiker, der von dieser Zuverlässigkeit ausgeht, sondern beim Skeptiker, der erst einmal nachweisen muss, dass die Zuverlässigkeit in konkreten Fällen nicht gegeben ist.“ (Perler, ebd., S. 204).
    Der Wissensbegriff des Mittelalters war nicht wie bei Descartes fundamentalistisch und internalistisch, sondern reliabilistisch und externalistisch. (Vgl. Perler S. 301). „Verkürzt ausgedrückt könnte man sagen: Über Wissen verfügt jemand, wenn er durch zuverlässige kognitive Prozesse wahre mentale Sätze bildet und ihnen zustimmt. … Damit eine Person [nach mittelalterlicher Erkenntnistheorie) über Wissen verfügt, muss sie nicht zusätzlich ein höherstufiges Wissen haben, mit dem sie feststellt, dass tatsächlich zuverlässige Prozesse vorliegen. Es reicht aus, dass die wahren Sätze durch zuverlässige Prozesse erworben werden. Es ist auch nicht erforderlich, dass ausnahmslos wahre Sätze gebildet werden; Irrtümer und Fehler sind immer möglich.“ (Perler, S. 301).

    So wird ja heute auch in der Wissenschaft nicht mehr „Beweisbarkeit und Verifizierbarkeit“ gefordert, sondern intersubjektive Überprüfbarkeit.

    Craig sagt über den kosmologischen Beweis, dass er zwar nicht apodiktische Gewissheit bietet, wohl aber ein sehr gutes Argument ist. Allerdings verteidigt Craig eine Form des ontologischen Arguments. (Ich zitiere aus einem Interview mit Theoblog: „Prof. Dr. Craig: Kant sagte, Existenz sei kein Prädikat. Aber die modernen modallogischen Versionen des ontologischen Gottesbeweises unterstellen in ihren Prämissen gar nicht, dass Existenz ein Prädikat sei, sondern dass Notwendigkeit ein Prädikat ist. Daher sind die modernen modallogischen Versionen des ontologischen Gottesbeweises schlichtweg immun gegen Kants Kritik.“)
    WENN der ontologische Gottesbeweis in der modallogischen Version funktioniert, dann käme man damit nahe an diese Gewissheit. Allerdings kommen die Zweifel durch die „Metaebene“ wieder herein, nämlich: man kann darüber streiten, ob er funktioniert, etc.

    2.) Kants Skepsis an der Metaphysik lag zum zweiten an seinem Transzendentalen Idealismus und seiner These, über die Dinge an sich könne man nichts wissen; Wissen gäbe es nur im Bereich des Phänomenalen (was streng genommen nur unsere eigenen Wahrnehmungen sind, die von uns ja mit-konstruiert werden gemäß unserer Kategorien). Das gilt dann nicht nur für Gott (da er im Bereich des Noumenalen sei, nicht im Wahrnehmbaren Bereich), sondern auch für Alltagsdinge (den Tisch vor mir). Laut Kant kann ich nichts über „den Tisch an sich“, sondern nur über unsere Erscheinungen des Tisches wissen, das dann aber mit Gewissheit.
    Das ist schon etwas seltsam.

    Zu bezweifeln wäre da erstens die These, dass Gott nicht erfahrbar sei. (Ich verweise auf William Alston: „Perceiving God“). Auch die orthodoxe Tradition sagt, man könne (wenn man seinen Geist reinigt) Gott „sehen“.

    Ferner ist die Frage, ob zu der Wahrnehmbarkeit nicht auch die indirekte Wahrnehmung (aus seinen Handlungen heraus) gehören darf. Wenn ich bete, und Gott tut ein Wunder, und ich habe Gründe, dies für ein Wirken Gottes zu halten, darf ich ja rückschließen auf Gott.
    Nur war für Kant – wegen seines transzendentalen Idealismus – dieser Rückschluss eine „dialektische Anmaßung“, weil die Vernunft ja nicht über den Bereich des direkt wahrnehmbaren irgendwelche Schlüsse ziehen dürfe. Somit auch seine Ablehnung des kosmologischen Arguments, da es ja von dem Wahrnehmbaren (die Welt) auf die Ursache dahinter (nicht wahrnehmbar) schließe. Und daher auch seine Ablehnung des teleologischen Arguments.

    Dieser Transzendentale Idealismus mag ein brilliantes Gedankengebäude sein – aber er ist schon sehr schräg. Es gibt gute Gründe für die Annahme, er sei inkohärent, und wenn nicht inkohärent, dann dennoch vermutlich falsch.

    Craig hat also sicherlich sehr wenig mit Kant gemeinsam, und wir sollten nicht unbedingt Kant als den Maßstab oder das Koordinatensystem der Philosophie nehmen, mit dem alle anderen Denker verglichen werden.

  22. Clemens Altenberg meint

    Danke für die profunde Antwort und die wertvollen Verweise!

    Ich hätte nicht erwartet, dass in diesem Theoblog die Begriffe „apodiktisch“ und „fundamentalistisch“ so negativ konnotiert werden (Decartes´“fundamentalistisches Projekt“).

    Ich finde es auch problematisch, dass Descartes die exakte Methode der Mathematik auf die Philosophie zu übertragen versuchte. (Er wird deshalb immer wieder als Begründer der modernen Philosophie bezeichnet, auch wenn er noch in der Neuzeit lebte – wenn Kant ihm dabei folgt ist er daher für mich auch ein moderner Philosoph).

    Daniel von Wachters Habilitationsschrift liest sich sehr gut:

    „Nichts kann eine These, sei es eine These der Metaphysik oder eine These der Naturwissenschaft, im strengsten Sinne unbezweifelbar machen.“

    „Daß wir in der Metaphysik und auch sonstwo keine apodiktische Gewißheit erlangen können…“

    Das hätte Hume nicht besser sagen können!

    Von Wachter schreibt weiters:

    „Meine These wäre, daß vor Descartes (der in seinen Meditationen über die Erste Philosophie (1661) nach einer unbezweifelbaren Grundlage alles Wissens suchte) selten oder nie apodiktische Gewißheit für metaphysische Thesen behauptet wurde.“

    Da kenne ich mich zu wenig in der mittelalterlichen Wissenschaft aus um das zu beurteilen, aber auf die Theologie trifft das wohl kaum zu. Oder gibt es eine Dogmatik (die ja metaphysische Aussagen beinhalten muss) die sich als bloß reliabilistisch versteht, wo am Ende zu lesen ist „Irrtümer und Fehler sind immer möglich.“?

    Wenn dies nicht der Fall ist, ist dogmatische Theologie im strengen Sinn nicht wissenschaftlich (was nicht bedeutet, dass sie überflüssig ist).

    Die Frage nach den modallogischen Versionen des ontologischen Gottesbeweises überfordert mich. Ist damit Gödels Formel gemeint, die auch von einem Computer bestätigt wurde? Kritiker meinen ja, damit könne man auch die Existenz einer Teetasse beweisen, die um die Erde fliegt, und es gäbe gute Gründe, warum man in der Mathematik mit der normalen Prädikatenlogik arbeitet. Aber damit habe ich mich zu wenig befasst und wahrscheinlich würde mir auch die Kapazität fehlen um das vollständig zu verstehen.

    Dass wir nicht den „Tisch an sich“ wahrnehmen halte ich jedoch nicht für seltsam, sondern für eine wahrnehmungspsychologische Binsenweisheit, natürlich ist unsere Wahrnehmung nicht völlig beliebig, aber sehr wohl durch unseren Erkenntnisapparat mitgestaltet.

    Insgesamt sind wir uns also einig, dass wir ganz ohne zu glauben nicht ans Ziel kommen!

  23. Roderich meint

    @Clemens,
    nur ganz kurz zur Klärung der Begriffe:

    – „Fundamentalistisch“ in der Verwendung von Perler bezieht sich auf die Struktur der Rechtfertigung, und ist ein erkenntnistheoretischer Begriff.
    Er ist zu unterscheiden vom „Fundamentalismus“ als theologischer Begriff.

    Über die Struktur der Rechtfertigung gibt es – auch unter Christen – verschiedene Meinungen.

    Man kann übrigens erkenntnistheoretisch ein „Fundationalist“ (oder wie manche sagen „Fundamentalist“) sein, ohne anzunehmen, dass man dieses Fundament mit apodiktischer Gewissheit weiß.

    Der theologische Begriff „Fundamentalist“ sagt ja zunächst nur, dass die Bibel für den Christen ein wesentliches Fundament ist. (Er wäre auch damit vereinbar, dass man rational an die Bibel herangeht, also mit reformatorischen Prinzipien der Hermeneutik etc.)
    Diskursive Argumente der Philosophie bieten nie 100% Sicherheit, aber Gott hat Mittel und Wege, uns durch das „innere Zeugnis des Heiligen Geistes“ die „Plerophoria“ (volle Gewissheit) zu geben (1. Thess. 1,5).

    Am besten ist es daher, man geht als Christ auf zwei Beinen:
    – Auf dem Bein der Vernunft und natürlichen Theologie
    – Auf dem Bein der Offenbarung (und dem inneren Zeugnis des Heiligen Geistes).
    (Weitere Beine wären Erfahrung, Kirchengeschichte, etc.)

    Was den Unterschied zwischen Dogmatik und Philosophie angeht: Philosophie arbeitet nur mit dem Verstand (und Wahrnehmung), und lässt Offenbarung als alleinige Begründung nicht zu; die Theologie hingegen geht von der Offenbarung aus.

    Zum Ontologischen Argument: Lectures 23-26 hier:
    https://www.reasonablefaith.org/podcasts/defenders-podcast-series-3/s3-excursus-on-natural-theology/P20

    Nein, eine unsichtbare fliegende Teetasse kann man damit leider nicht beweisen, denn sie ist kein maximal großer Gegenstand / hat keine notwendige Existenz. 🙂 (Den Einwand hatte schon Anselm gegenüber Gaunilo entkräftet…)

    Ob wir den „Tisch an sich“ direkt wahrnehmen oder nicht, ist die eine Frage. (Der sogenannte nicht-naive direkte Realismus lebt ja wieder auf, siehe z.b. Alva Noe und viele andere). Wie dem auch sei: Krass ist aber Kants These, dass wir über den Tisch an sich gar nichts wissen können. Das halte ich für falsch.

    Auch sagt Kants Transz. Idealismus, dass Kategorien (wie Kausalität) nur auf sichtbare Dinge angewendet werden können. Gleichzeitig meint er, die Dinge an sich würden unsere Wahrnehmung „affizieren“. Wenn aber die Dinge an sich nicht sichtbar sind, könnten wir – auch laut Kant – folglich gar nicht sagen, dass die Dinge an sich unsere Wahrnehmungen (das „Rohmaterial“ der Erfahrung) kausal verursachen.
    (Geht bei Kant auch schwer, denn laut Kant sind die Dinge an sich außerhalb von Raum und Zeit. Das ist noch schwerer vorstellbar, denn dann haben die Dinge an sich keine Ausdehnung, und daher auch keine Form und keine Farbe. Das „Ding an sich“ des Tisches wäre nicht zu unterscheiden vom „Ding an sich“ des Laptops oder des Stuhles.)

    Auch sei Existenz eine Kategorie, somit sei es schon inkohärent, über die „Existenz“ von noumenalen Dingen zu sprechen. Dafür, dass der Begriff selber schon inkohärent ist, erörtert Kant selber aber recht ausführlich die Frage der Existenz Gottes.

    Ich empfehle auch den genannten Aufsatz von Lütgert, der zahlreiche Inkohärenzen in Kants Sicht von Gott darstellt.
    Ferner auch das genannte Buch von Karl-Heinz Michel, welches die nicht-Erfahrbarkeit Gottes in Frage stellt.

    Und ja: Glauben ist nötig. Aber es geht Gott nicht nur darum, dass wir „Glauben“ im Sinne von „für-wahr-Halten“ haben. Es reicht ihm nicht, dass wir die Proposition „Gott existiert“ für wahr halten. Vielmehr geht es ihm um eine personale Beziehung zu uns. Ohne diesen Glauben, ohne dieses „fiducia“ (herzliches Vertrauen auf Gott, welches durch den Heiligen Geist gewirkt wird), und ohne entsprechende Früchte der Buße zu zeigen, wird niemand gerettet.

  24. Roderich meint

    Wie Craig es definiert: Glauben heißt: Vertrauen auf Dinge, bei denen wir gute Gründe haben, sie für wahr zu halten.

  25. Markus Jesgarz meint

    Meine Meinung ist:
    Der Agnostizismus nach Immanuel Kant ist selbstzerstörerisch.
    Im Beitrag:
    WHY I AM A CHRISTIAN – Norman Geisler & Paul Hoffman
    https://www.academia.edu/35420898/WHY_I_AM_A_CHRISTIAN_-_Norman_Geisler_and_Paul_Hoffman
    steht in dem Artikel von NORMAN L.GEISLER unter
    „PART 1 WHY I BELIEVE IN TRUTH“,
    „WHY I BELIEVE TRUTH IS REAL AND KNOWABLE“,
    „TWO HURDLES TO KNOWABLE TRUTH“,
    „AGNOSTICISM“ und
    „AN EVALUATION OF AGNOSTIC ARGUMENTS“
    am Ende:
    Antwort auf Kants Agnostizismus. Kants Argument, dass die Kategorien des Denkens (so wie Einheit und Kausalität) nicht auf die Realität zutreffen, ist erfolglos, denn wenn die Kategorien der Realität nicht denen des Verstandes entsprechen, können keine Aussagen über die Realität getroffen werden, einschließlich der Aussage, die Kant gemacht hat.15 Das heißt, wenn die reale Welt nicht verständlich wäre, würde keine Aussage darüber zutreffen. Eine Vorbildung des Geistes zur Realität ist notwendig, ob man etwas Positives darüber oder etwas Negatives sagen will. Wir können nicht einmal denken, dass die Realität undenkbar ist. Wenn nun jemand das Argument vorbringt, dass der Agnostiker überhaupt keine Aussage über die Realität treffen muss, sondern nur die notwendigen Grenzen dessen, was wir wissen können, definieren muss, kann gezeigt werden, dass selbst dies selbstzerstörerisch ist. Zu sagen, dass man nicht mehr als die Grenzen des Phänomens oder der Erscheinung kennen kann, bedeutet, eine unübertreffbare Linie für diese Grenzen zu ziehen. Aber man kann solche festen Grenzen nicht ziehen, ohne sie zu überschreiten. Es ist nicht möglich, dass die Erscheinung hier endet und die Realität dort beginnt, es sei denn, man kann auf der anderen Seite zumindest eine gewisse Entfernung erkennen. Mit anderen Worten, wie kann man den Unterschied zwischen Erscheinung und Wirklichkeit erkennen, wenn er nicht bereits beide kennt, um einen Vergleich anzustellen?
    Eine andere selbstzerstörerische Dimension impliziert Kants Geständnis, dass er weiß, dass das Noumenon da ist, aber nicht, was es ist. Kann man wissen, dass etwas ist, ohne etwas darüber zu wissen, was es ist? Bedeutet nicht alles Wissen ein gewisses Wissen über Eigenschaften? Sogar eine seltsame Kreatur, die man noch nie zuvor gesehen hat, kann nur beobachtet werden, wenn sie erkennbare Merkmale wie Größe, Farbe oder Bewegung aufweist. Man muss den Ursprung oder die Funktion von etwas nicht kennen. Jedoch, man muss etwas von dem beobachten, was es ist, oder er kann nicht wissen, dass es ist. Es ist nicht möglich zu behaupten, dass etwas ist, ohne gleichzeitig etwas darüber zu sagen, was es ist.
    15 Für eine durchdringende Kritik an Kant siehe Stuart Hackett, The Resurrection of Theism (Chicago: Moody, 1957), Teil 1.

  26. Clemens Altenberg meint

    Vielleicht war Kant bloß von der Bibel inspiriert 😉

    „Jetzt sehen wir im Spiegel nur dunkle Umrisse, dereinst aber geht es von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dereinst werde ich erkennen so ganz, wie ich erkannt bin.“

    Roderich hat die schöne Definition von Craig zitiert: Glauben heißt: Vertrauen auf Dinge, bei denen wir gute Gründe haben, sie für wahr zu halten. Zu diesem Ergebnis kam auch Kant mit seinen Postulaten der praktischen Vernunft. Selbstzerstörung abgewendet. Kein Grund also, denn Mann nur zu verdammen, ohne ihn wäre der Weg zur postmodernen Beliebigkeit schneller und direkter gewesen, er hat uns noch eine gewisse Verschnaufpause gegönnt.

  27. Markus Jesgarz meint

    Meine Meinung ist:
    Ein betreutes Denken durch eine Christliche Apologetische Erziehung (CAE) ist wichtig.
    Im Beitrag:
    Christliche Apologetische Erziehung: Eine Perspektive https://www.academia.edu/7292898/CHRISTIAN_APOLOGETICS_EDUCATION_A_PERSPECTIVE
    von Douglas E. Potter steht auf der Seite 1 von 4 unter „Eine Begründung“ am Anfang:
    Nach Ansicht des großen Princeton-Theologen B. B. Warfield ist Apologetik „die Wissenschaft, die die Wahrheit des Christentums als absolute Religion begründet“. Ein CAE-Programm (Christliche Apologetische Erziehung) sollte aus zwei Hauptzielen bestehen. Erstens sollte es sich um eine intellektuelle Verteidigung des christlichen Glaubens handeln. Dies soll nicht nur zeigen, dass das Christentum wahr ist, sondern auch zeigen, dass alles, was dagegen ist, falsch ist. Zweitens sollte das Studium der Apologetik das nichtchristliche Denken herausfordern.

  28. Schandor meint

    Meine Meinung ist:
    1.
    Ja, aber eine solch komplexe und komplizierte Apologetik ist etwas für Leute, die auf das hören (können), was Leute aus dem Elfenbeinturm sagen.
    2.
    Für das Fußvolk braucht es andere Mittel. Da wäre man besser geraten, auf ihr Moralempfinden zu appellieren. Das funktioniert meiner Erfahrung nach wesentlich besser. Denn unter dem Fußvolk ist es so, da hört dir niemand zu, wenn du von Dingen wie vom Kalam-Argument und dergleichen redest. Das trifft nicht. Es muss was kommen, was einen Zuhörer ins Herz trifft. Aber auf akademischen Niveau ist der Satz mit Sicherheit zu begrüßen: Das Studium der Apologetik soll das nichtchristliche Denken herausfordern.

  29. Markus Jesgarz meint

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage am Ende:
    Habe den Mut, dich von den politisch-pädagogischen Gängelungen zu lösen und gebrauche deinen eigenen Verstand!
    Meine Meinung ist:
    1.
    Glücklicherweise gebrauchen einige Theologen aus dem englischsprachigen Raum ihren eigenen Verstand.
    In dem Kommentar von „MARKUSJESGARZ“ zu dem Artikel in „ZEIT Campus“:
    Kann man beweisen, dass Gott existiert?
    https://www.zeit.de/campus/2018-01/gottesbeweis-glaube-wissen-naturwissenschaft-religion/komplettansicht
    am 30. Januar 2018 von Jakob Simmank
    http://www.zeit.de/campus/2018-01/gottesbeweis-glaube-wissen-naturwissenschaft-religion?cid=17937340#cid-17937340
    steht am Anfang:
    Dies ist eine Bestätigung der Aussage von Herrn Dirk Evers
    unter „Dann kam Immanuel Kant“:
    Denen (Theologen aus dem englischsprachigen Raum) leuchtet Kants Position nicht ein.
    2.
    Glücklicherweise ist die Frage nach Gott ein wichtiges Thema in dem
    „LEHRPLAN EVANGELISCHE RELIGION“ in Hessen.
    Im Beitrag:
    LEHRPLAN EVANGELISCHE RELIGION
    Gymnasialer Bildungsgang
    Gymnasiale Oberstufe
    https://kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/go-evangelische_religion.pdf
    im Jahr 2010 vom Hessischen Kultusministerium steht
    1.
    auf der Seite 36 und der Seite 12 von 33 in der Anzeige
    unter „Verbindlicher Inhalt“
    1.
    zu „E1 Religion erfahren“:
    Religion zwischen Säkularisierung und neuen Formen von Religiosität
    2.
    zu „Q3 Nach Gott fragen“:
    Biblischer Gottesglaube
    Gott des Christentums und Gottesvorstellungen in den Religionen
    Religionskritik und Theodizeefrage
    2.
    auf der Seite 49 und der Seite 25 von 33 in der Anzeige
    unter „3.3.1 Q3“ am Anfang:
    Für Schülerinnen und Schüler ist die Frage nach Gott die Kernfrage der Religion. Was ist für sie die alles bestimmende Wirklichkeit?
    3.
    Glücklicherweise beantwortet der Kurs „Christian Apologetic“ von Herr Norman Geisler die Frage nach Gott pädagogisch seriös.
    In dem Kommentar von „Markus Jesgarz“ steht:
    https://www.facebook.com/ideade/posts/2616092111752440?comment_id=2616589178369400&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R%22%7D
    2.
    Gutes Lehrmaterial ist essenziell für gute Apologetik.
    Dies ist der kostenfreie Kurs „Christian Apologetic“ von dem Gründer von Southern Evangelical Seminary Dr. Norman Geisler:
    https://academy.ses.edu/courses/introduction-to-christian-apologetics/
    4.
    Glücklicherweise hat Herr Norman Geisler den Mut, sich von den politisch-pädagogischen Gängelungen zu lösen und gebraucht seinen eigenen Verstand.

  30. Clemens Altenberg meint

    Zur Betreuung im Denken gehört für mich dazu, dass man den Betreuten Kants „sapere aude“ mitgibt.

    Oder Nietzsche: „Nicht ungedacht lassen, was gegen deinen Gedanken gedacht werden kann.“

    John Stuart Mill formuliert es so:

    „Unsere gesichertsten Überzeugungen haben keine verlässlichere Schutzwache als eine ständige Einladung an die ganze Welt, sie als unbegründet zu erweisen.“

    Oder einfach Paulus: Prüfet alles, und das Gute behaltet!

    Auch im theoblog weht dieser Geist, weiter so!

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