Skizze zur Dreieinigkeit

Philipp Melanchthon schreibt in seiner Apologie, die bekanntlich zu den lutherischen Bekenntnisschriften zählt, über den dreieinen Gott (BSLK, S. 145):

Den ersten Artikel unsers Bekenntnisses lassen ihnen die Widersacher gefallen, in welchem angezeigt wird, wie wir glauben und lehren, daß da sei ein ewiges, einiges, unzerteiltes göttliches Wesen und doch drei unterschiedene Personen in einem göttlichen Wesen, gleich mächtig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. Diesen Artikel haben wir allzeit also rein gelehrt und verfochten, halten auch und sind gewiß, daß derselbe so starken, guten, gewissen Grund in der Heiligen Schrift hat, daß es niemand möglich sei, den zu tadeln oder umzustoßen. Darum schließen wir frei, daß alle diejenigen abgöttisch, Gotteslästerer und außerhalb der Kirche Christi seien, die da anders halten oder lehren.

Es ist ein geradezu ökumenischer Artikel. Die Reformatoren haben die Dreieinigkeit gelehrt und verfochten, weil sie ihrer Überzeugung nach einen festen Grund in der Schrift hat. Weil die Schrift den dreieinen Gott offenbart, konnten sie nicht anders, als dies rein zu lehren.

Das ist allerdings 500 Jahre her. Heute sehen das viele anders. Sehr viele.

Nehmen wir Siegfried Zimmer. Für ihn ist die altkirchliche und reformatorische Trinitätslehre etwas für den „Hasen“. Vorstellungen wie diese seien seit der Aufklärung – so sagte er 2015 in einem Worthausvortrag –  zu einem großen Anstoß für denkende Menschen geworden. Die altkirchliche Lehre sei in dieser Form nicht zu retten. Die Dreieinigkeit Gottes stehe zudem dem interreligiösen Gespräch im Weg. Muslime vermögen mit einem dreieinen Gott nichts anzufangen. Vor allem aber liefere die Heilige Schrift selbst keine Begründung für die kirchliche Lehre der Dreineinigkeit. Die Theorie vom dreieinen Gott werde vielmehr, nachdem sie einst von der Alten Kirchen in von Blut und Machtpolitik getränkte trinitarische Begriffe und Formeln gekleidet worden ist, in die Bibel hineinprojiziert.

Was wir heute vom Geheimnis der Trinität lernen könnten, gehe in eine andere Richtung als die alte Dogmatik sie vorgab. Zimmer greift Überlegungen von Eberhard Jüngel und Jürgen Moltmann auf. Nämlich: Die drei Metaphern Vater, Sohn und Heiliger Geist kommen gut miteinander klar. Es geht um die Lebendigkeit Gottes. Gottes Sein ist im Werden. Gott bejaht das andere in sich selbst. Es geht um das Leben. Zimmer: „Was [den] frühen Christen in ihrem Erkundungsgang Trinität […] mehr oder weniger deutlich klar geworden ist […]: Leben ist ein Leben in Beziehungen. Leben heißt, aufeinander bezogen sein. Leben ist ein Verhältnis. Das merken wir an Gott. Gott lebt in sich selber ein beziehungsreiches Leben […] Das Lebendige am Leben ist der Beziehungsreichtum. Gott ist ein Verhältniswesen. Sein ist ein Zusammensein […] Gott duldet in sich selbst auch Unterschiede […] Gott hat einen eigenartigen Reichtum“ (ab 1:11h im vollständigen Vortrag).

Der Ertrag dieser Einsichten könne uns eine Inspirationsquelle werden. Es gehe um etwas Erfahrungsgesättigtes. Davon könnten wir allerhand lernen. Daran dürfen wir uns – so Zimmer – orientieren: Denn ich kann in meinem urpersönlichen eigenen anderen mich einbetten in eine Gemeinschaft. Wir sind einig, obwohl wir verschieden sind. Weil wir verschieden sind, sind wir einig. Das, was uns unterscheidet, trennt uns nicht, sondern ist unsere Einheit. Je verschiedener wir sind, desto einiger können wir uns werden. Aus der Trinität lernen wir das Ja zum anderen, auch zum anderen in uns selbst. Man könne das gut zusammenfassen: Von der Herrschaft zur Gemeinschaft.

Viele Einwände, die Siegfried Zimmer gegen die Dreieinigkeitslehre vorbringt, kommen mir recht bekannt vor. In der Gemeinde, zu der ich zwischen 1986 bis 1987 gehörte, machte sich eine „Jesus only“-Gruppierung breit. Die Dazugehörenden, meist jungen Leute, waren felsenfest davon überzeugt, dass die Lehre der Dreieinigkeit eine Idee sei, die maßgeblich erst im vierten Jahrhundert entfaltet wurde und die sich nicht auf die Bibel berufen könne. Die Lehre von der Dreieinigkeit sei ein menschliches Konstrukt und blockiere den Glauben an den einen wahren Gott. Auch wenn Siegfried Zimmer keinen großen Gefallen an der „Jesus only“-Bewegung haben dürfte, immerhin versucht er ja die Trinität noch irgendwie zu retten, trägt er ähnlich kritische Thesen vor.

Ich wurde damals von der Gemeindeleitung gebeten, in einem Vortrag dazu Stellung zu nehmen. Nachdem ich mir den Vortrag von Siegfried Zimmer angehört hatte, habe ich das Skript noch einmal ausgegraben. Auch wenn ich nicht mit allem zufrieden bin, habe ich es digital erfasst und kann es zur Verfügung stellen.

Ich war damals 21 Jahre alt. Eine gewisse Unreife und Naivität wird dem Leser mit geschultem Blick schnell in’s Auge springen. Dennoch kann der Text ein Einstieg dafür sein, die Bibeltexte selbst zu befragen. Getragen sind die Ausführungen nämlich von einer Überzeugung, die Melanchthon und die anderen großen Lehrer der Kirche und der Reformation geprägt hat: Die Trinität hat einen so starken, guten und gewissen Grund in der Heiligen Schrift, dass es niemandem möglich ist, diese zu tadeln oder umzustoßen.

Heute würde ich stärkere Argumente vorbringen als mir das damals möglich war. Ich verweise deshalb ich im digitalisierten Skript auf weiterführende Literatur.

Hier der Vortragstext aus dem Jahre 1986: Dreieinigkeit1986.pdf.

Die Vorlesung von Siegfried Zimmer gibt es hier in voller Länge. Nachfolgend die Kurzversion:

Kommentare

  1. Christ meint:

    Diese Haltung findet man bedauerlicherweise wirklich öfter als man für möglich hält.

    Manchmal denke ich, die hochgradige Individualisierung unserer Gesellschaft schlägt sich auch in einem starken Hang zur Individualisierung bei der theologischen Erkenntnis nieder. Man will es einfach nicht mehr über sich bringen, sich auf die alten Bekenntnisse zu stützen (da sie ja nicht Gottes Wort sind). Dass man sich damit (bei gleichzeitiger Blindheit in Bezug auf die Vorgänge in der alten Kirchengeschichte) die alten vor langer Zeit ausgefochtenen Kämpfe wieder ins Haus holt und die damals schon gegangenen Irrungen und Wirrungen zum eigenen Weg macht, ist einfach nur traurig.

    Demn gegenüber steht eine Position des Laissez-faire, die relativ kritiklos alles gelten lässt, solange die Harmonie nicht beschädigt wird.

    Ich bin Ulrich Parzany dankbar, dass er dem Bekenntnis in diesem Zusammenhang die ihm zukommende Bedeutung einräumt.

  2. Holger Lahayne meint:

    Den Vortrag sollten sich alle Theologiestudierenden und Verwantwortlichen in Kirchen und Werken mal reinziehen – und man würde erkennen, mit wem man es da zu tun hat. Mich erstaunt immer wieder, wie lang der Schatten von Sozzini und anderen Antitrinitariern ist. Auf FB hatte ich schon mal was zu dem Vortrag gepostet, s. hier:
    http://bibelkreis-muenchen.de/?p=3945

  3. Tim-Christian meint:

    Hier mal eine längere Ermahnung, die der freudlose, am Buchstaben klebende Erz-Fundamentalist Karl Barth seinen Studenten 1946 zukommen ließ:

    „Man hat viel geklagt und gescholten über diese [nicaenokonstantinopolitanische] Formel und wahrscheinlich werden Sie früher oder später in Ihrem Studium auf Literaten und auch Lehrer stossen, die das auch tun und es schrecklich finden, dass diese Sache auf diese Formel gebracht wurde. Ich wollte wohl, dass Ihnen, wenn Sie auf solche Seufzer stossen, diese Kollegstunde in Erinnerung kommen und eine kleine Hemmung bei Ihnen auslösen möchte. Dieses Aufbegehren gegen die sogenannte ‚Orthodoxie‘ ist nämlich wirklich ein ‚Wolfsgeheul‘, das man schon als gebildeter Mensch nicht mitmachen sollte. Denn es liegt etwas Barbarisches in diesem Schelten über die Väter. Ich würde denken, selbst wenn man nicht Christ ist, müsste man so viel Respekt haben, zu erkennen, dass das Problem hier in einer grossartigen Weise umschrieben worden ist. Man hat von der nicaenokonstantinopolitanischen Formel gesagt, sie stünde so nicht in der Bibel. Aber es steht Vieles, was wahr und notwendig und zu erkennen ist, nicht wörtlich in der Bibel. Die Bibel ist kein Zettelkasten, sondern die Bibel ist das grosse Dokument der Offenbarung Gottes. Diese Offenbarung soll zu uns sprechen, daraufhin, dass wir selber begreifen. Die Kirche musste zu allen Zeiten antworten auf das, was in der Bibel gesagt wird. Sie musste antworten in anderen Sprachen als der griechischen oder der hebräischen und in anderen Worten als denen, die da standen. Eine solche Antwort ist diese Formel, die sich bewährt hat, als die Sache angegriffen wurde. Es musste wirklich um das Jota gestritten werden: entweder Gott selber oder ein himmlisches oder irdisches Wesen. Das war nicht eine gleichgültige Frage, es ging in diesem Jota um das Ganze des Evangeliums. Entweder wir haben es in Jesus Christus mit Gott zu tun oder aber mit einer Kreatur. Gottähnliche Wesen hat es in der Religionsgeschichte immer wieder gegeben. Wenn die alte Theologie hier bis aufs Blut gestritten hat, so wusste sie warum. Gewiss ist es manchmal recht menschlich zugegangen dabei. Aber das ist gar nicht so interessant, auch Christen sind keine Engel. Wo es um eine wichtige Sache geht, da darf man nicht kommen und ‚Friede, Friede, liebe Kindlein!‘ rufen, sondern da will der Streit mit aller Unerbittlichkeit zu Ende geführt sein. Ich würde sagen: Gott sein Dank haben die Väter damals in aller Torheit und Schwachheit und mit aller ihrer griechischen Gelehrsamkeit sich nicht gescheut, zu kämpfen. Alle diese Formeln sagen ja nur das Eine: der Eingeborene, der vom Vater vor aller Zeit Gezeugte, der Sohn, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, also nicht Kreatur sondern Gott selber, gleichen Wesens mit dem Vater nicht nur ähnlichen Wesens, Gott in Person. ‚Durch welchen das All geschaffen wurde und welcher um unseretwillen vom Himmel, von oben herabgestiegen ist.‘ Herab zu uns: dieser ist Christus. So hat die Alte Kirche Jesus Christus gesehen, so stand ihr seine Wirklichkeit vor Augen, so hat sie sich zu ihm bekannt in ihrem christlichen Glaubensbekenntnis, das eine Aufforderung an uns ist, dass wir es auch so zu sehen versuchen. Wer das begreift, warum soll der nicht einstimmen in den grossen Consensus der Kirche? Was ist es für eine Kinderei, angesichts dieser Sache über Orthodoxie und griechische Theologie zu seufzen! Das hat mit der Sache nichts zu tun. Und wenn es bei der Entstehung problematisch zugegangen sein mag, so wollen wir eben zugeben, dass alles, was wir Menschen tun, problematisch, beschämend und unerfreulich ist und dass es dann je und je dennoch so laufen darf, dass die Dinge genau so herauskommen, wie es notwendig und recht ist. Dei providentia et hominum confusione! – Es geht in diesem Bekenntnis ganz schlicht und ganz praktisch darum, dass wir unserer Sache sicher sein dürfen: In diesem Bekenntnis zu Gottes Sohn unterscheidet sich ja der christliche Glaube von allem, was man Religion nennt. Wir haben es mit Gott selber zu tun, nicht mit irgendwelchen Göttern.“

    Karl Barth, Dogmatik im Grundriss, S. 99ff.

  4. @Holger Lahayne: Ja, in der Tat. Ich bin mir nur nicht mehr sicher, ob sich all zu viele an den von SZ gewählten Aussagen stören oder stören würden. Er redet authentisch, rhetorisch stark, einfach anders. Er glaubt (irgendetwas, an das Geheimnis Gottes oder die Unverfügbarkeit des Lebens usw.) und ist zugleich ein Akademiker. Das reicht doch.

    Wie anders kann ich sonst deuten, dass SZ gern in evangelikalen Einrichtungen und Gemeinden eingeladen wurde und wird? Es sind doch geistliche Leiter, die solche Einladungen aussprechen. Aber es ist ja nicht nur SZ. Fehlen nicht bereits – viel allgemeiner – etlichen Gemeinden und Werken die Voraussetzungen, die für ein Unterscheiden zwischen heilsamen Lehren, Sonderlehren oder Irrlehren gegeben sein müssen? Meines Erachtens hat sich eine Methodologie ausgebreitet, die es nicht mehr erlaubt, zwischen guter, ungesunder und falscher Lehre zu unterscheiden. Eine Methode, die unterscheidet und trennt, erscheint heute eher als Teil des Problems, nicht als Teil einer notwendigen Lösung.

    Das klingt hart. Ich aber ich habe keine Lust mehr, um den heißen Brei herumzureden.

    Liebe Grüße, Ron

  5. @Tim-Christian: Schönes Zitat. Dei providentia et hominum confusione! Daran glaube ich auch.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Andreas meint:

    Sehr gutes Buch zum Thema Dreieinigkeit, das dir gefallen würde ist „The forgotten Trinity“ von James White.

    Gruß,
    Andreas

  7. Ich habe mir den Vortrag Zimmers vor einiger Zeit auch mal angeschaut. Mir sind nicht mehr alle Details im Kopf, doch geblieben ist mir, dass Zimmer zuerst eine Stunde lang die altkirchlichen Erklärungsversuche zur Trinität kritisiert und verwirft. Dann folgt aber plötzlich der Umschwung, dass die Trinität in der Praxis eben doch einiges zu bieten hat. Hier bringt er meines Erachtens auch gute Einsichten. Was mir aber letztendlich fehlte, war sein eigenes Erklärungsmodell der Trinität. Der Sohn ist einfach irgendwie anders als der Vater. Hier bleibt er sehr schwammig und unbestimmt und erklärt auch nicht, warum er unbestimmt bleibt.
    Von mir aus kann man die altkirchlichen Väter kritisieren und ja, sie haben das Geheimnis der Trinität in griechischer Prägung wiedergegeben (wie hätten sie es sonst tun sollen?), doch wer kritisiert, soll auch gute Lösungsansätze bringen. Hier hätte ich von Zimmer doch mehr erwartet oder es scheint für ihn einfach unnötig zu sein. Ich meine aber, dass es zwischen Denken und Handeln einen Zusammenhang geben muss. Gerade Worthaus hat sich dies doch auf die Fahnen geschrieben? So muss doch ein Christ in intellektueller Redlichkeit zumindest nach Lösungsansätzen suchen. Und dabei war wohl den meisten Christen und auch den Vätern bewusst, dass wir mit unserer Theologie Gott nie ganz ergründen können und darauf warten, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

  8. Schlotti meint:

    Und dann kommt die Praxis. Ich habe vor kurzem über die Dreieinigkeit gepredigt. Denn erstaunlicherweise bin ich in den letzten Jahren immer wieder auf Leute angesprochen worden, die die Gottheit Jesu leugnen, aber voll für den Glauben brennen. Gemeint waren übrigens keine Zeugen Jehovas, sondern „Evangelikale“. Also habe ich über die Trinität gepredigt. Zu meiner Schande musste ich mir eingestehen, dass ich mich nicht erinnern konnte, wann ich zuletzt darüber gepredigt hatte. Wer einmal eine solche Diskussion selbst führen oder verfolgen möchte, braucht nur ins Forum von Jesus.de gehen. Dort geschieht es regelmäßig, mit erstaunlich vielen, die die Trinität leugnen.

    Ich durfte wieder neu selbst lernen, wie grundlegend, wunderbar und unverhandelbar diese Lehre ist, weil sie zeigt, wer Gott ist und wie er handelt. Selbstverständlich habe ich mich dabei auch auf „harte“ Fragen eingestellt. Sie kamen. Jemand fragte mich, ob ich glauben würde, dass jemand der nicht an die Trinität glaubt Christ sein könne. Er selbst würde jemanden kennen, der die Dreieinigkeit ablehnt, aber Jesus von ganzem Herzen liebt. Ich musste von meiner Überzeugung her sagen, dass so jemand kein Christ ist. Denn die Trinität betrifft den Kern, das Wesen Gottes, wer er ist und wie er handelt.

    Das macht mich natürlich in den Augen vieler zu einem hoffnungslosen Fundamentalisten. Was eigentlich lachhaft ist, wenn man bedenkt, dass die Trinität tatsächlich von allen christlichen Kirchen, sei es die Orthodoxe, RKK, Protestanten usw. bekannt wird. Wie weit sind wir also, wenn Christen, die das glauben, was Christen von Beginn an geglaubt haben, als Fundamentalisten, engstirnige Biblizisten oder was auch immer gebranntmarkt werden?!

    Ich glaube nicht nur derjenige kann ein Christ sein, der die Dreieinigkeit erklären kann. Die Terminologie der ökomenischen Konzilien zeigt, wie schwierig das ist und wie lange darum gerungen wurde. Es ist aber meine Überzeugung, dass nur derjenige Christ ist, der die durch das Wort Gottes bezeugte Trinität anerkennt und dem dreieinigen Gott vertraut.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  9. Tim-Christian meint:

    Noch eins:

    „Wo immer christlicher Glaube im Sinne des Evangeliums lebendig ist, da ist er trinitarisch. Das ist ganz einfach Tatsache. So ist es nicht nur unter Theologen, sondern auch in jeder Bauerngemeinde, in jedem Herzen, das christlich Weihnacht, Ostern und Pfingsten feiert, auch wenn das formulierte Dogma der Kirche als solches ganz unbekannt ist.“

    Werner Elert, Der christliche Glaube, S. 218

  10. Florian meint:

    Wo SZ recht hat: Die Dreieinigkeitslehre ist schwer zu fassen und klingt als ob sie am Schreibtisch entworfen wurde – so geht es der Quantenmechanik auch. Aber ist sie dadurch weniger wahr?

    Mich stört an SZ, dass bei ihm der ängstliche Christ, der in der Lehre unsicher ist, aber an ihr trotzdem festhält, viel Spott abbekommt. Agnostiker, Moslems und Atheisten scheinen bei ihm willkommener zu sein. Vielleicht macht er sich auch durch diese Kritik bei eben jenen beliebt.

  11. 《Die Dreieinigkeit Gottes stehe zudem
    dem interreligiösen Gespräch im Weg.
    Muslime vermögen mit einem dreieinen
    Gott nichts anzufangen.》

    Ich drücke mich mal etwas plump aus und frage: NA UND?!

    Ich wollte es lange nicht wahrhaben, aber es sieht zunehmend so aus, als ob in den Freikirchen eine grosse Spaltung bevorstünde.

  12. PeterG meint:

    @Sergio

    Ich wollte es lange nicht wahrhaben, aber es sieht zunehmend so aus, als ob in den Freikirchen eine grosse Spaltung bevorstünde.

    Da muss ich widersprechen:
    Die Spaltung steht nicht bevor, sie bereits vor vielen Jahren (80er?) geschehen.

  13. @Sergio und PeterG:
    Es ist die Frage, was man unter Spaltung versteht: eine geistliche/innerliche oder organisatorische. Es gibt in vielen Freikirchen nach meiner Beobachtung ein immer weiter auseinanderlaufendes toleriertes geistliches Spektrum (was man als eine Spaltung verstehen könnte), was aber in den meisten Fällen organisatorisch immer noch zusammengehalten wird. Die EFGs oder FeGs oder ähnliche haben sich ja bis jetzt ja nicht gespalten. Was es gibt sind viele einzelne Leute die auf der Suche nach einer neuen Gemeinde sind. Dabei spielt aber nicht immer nur das Kriterium Bekenntnistreue eine Rolle.
    @PeterG
    Was soll da in den 80er Jahren geschehen sein?

  14. Markus Jesgarz meint:

    Meine Meinung ist:
    Die geschichtsrevisionistische Aussage ist falsch: (2:55 / 13:31)
    In der Bibel gibt es keine Lehre von der Trinität.
    1.
    In dem Beitrag:
    Norman Geisler-The Tri Unity of God
    https://www.youtube.com/watch?v=M4FntRJ78Ys&list=RDM4FntRJ78Ys&t=2
    steht auf der Folie: (4:43 / 41:57)
    Biblical Basis for Tri-unity
    A. There is only One God (Deut. 6:4).
    B. Three Persons Are Called God:
    1. The Father is God
    2. The Son is God
    3. The Holy Spirit is God
    C. All Three are Distinct Persons
    1. The Father is a Person
    2. The Son is a Person
    3. The Holy Spirit is a Person
    D. Hence, there are three distinct
    Persons in one God = the Trinity.
    2.
    In dem Beitrag von „Trinity Apologetics“:
    A Biblical Case for the Trinity in 5 minutes
    https://www.youtube.com/watch?v=vqqiKHTeM70
    steht auf der Folie: (4:45 / 5:14)
    Conclusion
    The Trinity comes from Scripture and was discovered by the people of God;
    He purposefully revealed it to the church.
    We see the personality and Deity of each person: Father, Son and Holy Spirit
    and yet their personal interactions, relations and distinctions.
    And we know the Bible teaches absolutely one God.
    This is exactly what the biblical Trinity teaches.

  15. Stephan meint:

    Auch wenn es weiter weg war: der amerikanische Baptistenbund ist vor ein paar Jahren und in Nord- und Südbund zerfallen. Das war organisatorische Spaltung.
    Hierzulande es subtiler vor sich: da werden 100 Gemeinden in 10 Jahren gegründet, die nennen sich dann „Kirche für Stadt xy“ oder „Stadtxy-Projekt“ und bieten eventorientierte Veranstaltung mit wenig theologischem Tiefgang. Und überhaupt, man ist ja ein „freier“ Bund und entsprechend gibt es keine verbindliche Theologie und Lehre mehr, weder im Bund noch in den Gemeinden. Gleichermaßen wie Neugründungen stattfinden stagnieren doch die Mitgliederzahlen und Altgemeinden schließen. Das ist eine schleichende Transformation. Der Bund FeG oder EfG ist nicht mehr das, was er vor 30 Jahren war.
    Der Beginn liegt irgendwo in den 70ern bis 80ern – es ging los mit Frauen als Pastorinnen, warnende Stimmen wurden überhört, so dass wir auch schon Tendenzen so Homosexuellentrauungen in den Freikirchen sehen, praktizierende Homosexuelle dürfen ja auch schon hier und da Ämter in den Freikirchen bekleiden. Liberale Theologie, bibelkritische Ansätze usw. sind an Ausbildungsstellen und in Gemeinden eingezogen, und mittlerweile wird von den Gemeindegliedern die Literatur von Sarah Young und per Bibel-TV Joyce Meyer mehr konsumiert als die Bibel studiert wird.
    Bei Nehemia finden wir noch das Wächteramt, aber niemand will Wächter. Es wird alles reingelassen, wenn es nur „erbaulich“ erscheint. Gemeindeleitungen verstehen sich heute oftmals als Manager und nicht mehr als verantwortlich für die Lehre, und die Debatten um die Gestaltung der Vorgärten der Gemeindehäuser nimmt einen breiteren Raum ein als die Diskussion um gesunde Lehre.
    Organisatorische Spaltungen braucht man nicht mehr, die angestrebte Transformation hat nicht die Gesellschaft, sondern die Gemeinden transformiert, und wer dem Zeitgeist als nachplappert fühlt sich endlich gesellschaftsrelevant.

  16. @Matze
    Beim BefG könnte man die Affäre Eduard Schütz nennen. Andere haben ihr eigenen ‚Highlights‘.

  17. @Stephan und PeterG
    Danke für die Infos und stimme ich im wesentlichen überein
    Was aber weiter festzustellen ist:
    – In den Gemeindebünden, die theologisch so weit auseinanderlaufen wagt fast keiner aus der Deckung zu kommen. Es gibt fast nirgends einen erkennbaren größeren Widerspruch in den Gemeindebünden. Z.B. nimmt eine Gmeinde aus dem Bund des neuen DEA Vorsitzenden am örtlichen interreligiösen Friedensgebet mit Muslimen teil. Freikirchen arbeiten mit der NAK in der ACK zusammen, alles anscheinend kein Problem. Und Reaktionen in den betroffenen Gemeinden: fast null.
    – Dann wird nach der Allianzgebetswoche heute bei Idea gefordert, dass die evangelikale Welt medienwirksame Leiter braucht. Gerade das brauchen wir nicht: Wir brauchen nicht noch mehr Hartls und Zimmers, denen die Leute ungeprüft alles glauben

    Was notwendig ist, dass sich alle, die Jesus nachfolgen wollen auf das Wirken des Heiligen Geistes einlassen und vertrauen, dass er durch uns hindurch wirkt und an vielen Orten Neues schafft. Mit unserer Kraft ist nichts getan. Wenn aber überall an vielen Orten Menschen sich in Demut auf Jesus einlassen im Sinne von: „Ich kann nichts erreichen aus mir selbst, Du kannst Grosses wirken, benutze mich als Dein Werkzeug, ich kapituliere vor der Not.“ dann kann wirklich noch viel Gutes und Neues entstehen. Wir sollten uns in diesem Sinn immer wieder ermutigen, denn Gott kann sich aus Steinen kinder erwecken

  18. Markus Jesgarz meint:

    In den Präsentationen des reformierten Standpunktes zu der Trinitätslehre:
    1.
    R.C. Sproul: For the Doctrine of the Trinity
    https://www.youtube.com/watch?v=Sh72wgZEcKk&t=254s&index=3&list=PL30acyfm60fWYoVqKX7GxMgXANLBEsLkz
    von „Ligonier Ministries“ steht:
    The one true God is one in being or essence and three in person:
    Father, Son, and Holy Spirit.
    2.
    R.C. Sproul’s brilliant lecture series on the Trinity in one video
    https://www.youtube.com/watch?v=GWEKwrxlmBk
    von „Trinity Apologetics“ steht:
    Lecture 1: Monotheism
    Lecture 2: The Biblical Witness
    Lecture 3: Early Controversies
    Lecture 4: Fifth Centuries Controversies
    Lecture 5: Contradiction vs Mystery
    Lecture 6: One in Essence, Three in Person

  19. Roderich meint:

    @Matze,

    – Dann wird nach der Allianzgebetswoche heute bei Idea gefordert, dass die evangelikale Welt medienwirksame Leiter braucht. Gerade das brauchen wir nicht: Wir brauchen nicht noch mehr Hartls und Zimmers, denen die Leute ungeprüft alles glauben.

    Klar, die von Dir genannte Alternative („alle sind fromm und suchen selber Gott“) wäre natürlich viel besser. De facto ist es aber so, dass es leider immer nur wenige (gute oder schlechte) „Leiter“ gibt, denen die breite Masse quasi hinterherläuft.
    Es gibt auch in der Bibel eine enorm große Rolle von Vorbildern. (Jesus, Paulus, Petrus etc.: „folgt meinem Beispiel“, sagt Paulus, und andersherum: unser Verhalten kann Anstoß geben, und zwar umso mehr, je exponierter man ist.

    Das weiß der Teufel auch, und greift daher Pastoren etc. gerne und oft an.
    Erschlage den Hirten, und die Schafe laufen auseinander.

    Gott wählt übrigens auch gerne das Prinzip, uns seine Gnade „mittelbar“ über andere zukommen zu lassen.

    Diese Prinzipien (Vorbild – Nachfolger; Hirte – Schafe etc.) wird man also leider nicht „wegkriegen“.

    Daher würde ich an diesem Punkt eher dem IdeaSpektrum Artikel zustimmen.

  20. @Roderich

    Daher würde ich an diesem Punkt eher dem IdeaSpektrum Artikel zustimmen.

    Ein deutliches Jain von mir dazu 😉 Du hast recht, wir brauchen ‚gute‘ Leiter, geistliche Menschen, die ihr Leben und ihr Denken an der Bibel ausrichten. Diese sind aber wohl eher nicht medienwirksam, sondern eher stille Menschen (also nicht schweigende, sondern solche, die man auch gerne übersieht). Die Not in den Gemeinden besteht m. E. darin (jetzt kommt mein Lieblingsthema), dass es einerseits an guter biblischer Lehre (auch an Bekenntnisschriften ausgerichtete Lehre) und andererseits an geistlichen Vätern/Müttern in Christo fehlt.

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