A. Kuyper: Liebt einander

Abraham Kuyper mahnt zur brüderlichen Liebe über Gemeindegrenzen hinweg:

Welchen Segen der Einzelne auch von seiner besonderen Kirche haben möge, sobald es dahin kommt, dass er sich deswegen einschließt in den eigenen Kreis und abschließt von den anderen Kindern Gottes, dann ist ihm seine Kirche, wie gut und tadellos sie auch sei, zur Ursache der Sünde geworden, und diese Sünde wird sich rächen in seinem geistlichen Leben. Daher muss jedes Kind Gottes über die eignen kirchlichen Zäune hin allen Kindern Gottes die Hand brüderlicher Liebe reichen, nicht kühler platonischer, sondern warmer christlicher Liebe. Selbst wo zuweilen ernster kirchlicher Streit uns zu scheiden droht, darf nie und nimmer eine bittere Wurzel aufwachsen.

A. Kuyper: Das Himmelreich

Abraham Kuyper über das „Reich der Himmel“:

Wir reden vom „Himmelreich“ nicht, weil es himmlische Ideale verwirklicht oder ein himmlisches Ziel hat, sondern weil es jetzt schon tatsächlich im Himmel existiert. Es wird nicht erst aufgerichtet, auch erwarten wir sein Kommen nicht erst in der Zukunft, sondern es ist ein Königreich, das ist, das von Anbeginn war, das ewig bleiben wird. Vom Himmel her kann es allein wieder einbringen in diese Welt, aus der es durch den Sündenfall verschwunden ist.

A. Kuyper: Reinheit der Gemeinde

Abraham Kuyper schreibt über die Reinheit der Gemeinde:

Besser, dass die kleine Schar [der Gemeinde] zu einer Handvoll zusammenschmilzt, als dass wir durch falsche Losungen oder unsittliche Kompromisse die Hilfe des mächtigen Bundesgenossen im Himmel einbüßen.

„Wie ist deine Beziehung zu Gott?“

Das 12-jährige Mädchen Taylor Smith schrieb ihrem zukünftigen „Ich“ einen Brief, der im Jahr 2023 geöffnet werden sollte. Wenige Monate danach starb sie überraschend an einer Lungenentzündung. Ihre Eltern entdeckten das Schreiben beim Aufräumen und haben es veröffentlicht. Bewegend!

„Wie gehts? Das Leben ist ziemlich einfach zehn Jahre vor deiner Zeit“, beginnt das Mädchen die Notiz und bohrt ihr zukünftiges Ich dann mit Fragen: „Gehst du aufs College?“ „Wie ist deine Beziehung zu Gott?“

Mit kindlichem Ernst pocht sie darauf, den Glauben an Jesus Christus nicht zu vernachlässigen: „Er wurde für dich verspottet, geschlagen, gefoltert und gekreuzigt.“ Dann wechselt sie wieder zu weltlichen Themen: „Läuft ‚Dr. Who‘ noch im Fernsehen?“

 Mehr hier: www.spiegel.de.

Das Heil des Einzelnen

Pierre Bühler, Professor für Systematische Theologie und Leiter des Instituts für Hermeneutik und Religionsphilosophie an der Universität Zürich, schreibt im Vorwort seiner Auseinandersetzung mit der politischen Theologie (Kreuz und Eschatologie, 1981, S. 1):

Es darf ruhig gesagt werden, daß das zentrale Interesse des Kreuzes, und deshalb auch des christlichen Glaubens im ganzen, das persönliche Heil des Einzelnen ist. Es muß auch ruhig – jedoch mit Entschiedenheit gesagt werden, denn sonst ist kaum einzusehen, wie man einem langsamen, aber sicheren finis christianismi entgehen will. Diese Kategorie des Einzelnen hatte schon Kierkegaard stark hervorgehoben und als eine für die Zukunft des Christentums entscheidende Dimension betont. „Der Einzelnem das ist die christlich entscheidende Kategorie, und sie wird auch entscheidend werden für die Zukunft des Christentums.“ Die Interpretation des Kreuzes hat an dieser Kategorie ihr kritisches Maß: das soll sich auch in unserer Behandlung des Verhältnisses von Kreuz und Eschatologie zeigen.

A. Kuyper: Die Königsherrschaft Christi

Abraham Kuyper über die Herrschaft Jesu Christi:

Sobald die Königsherrschaft Christi in den Schatten gestellt wird, entsteht zweierlei Leben: ein Leben in der Kirche, ein anderes außerhalb derselben. Die Einheit von beiden kommt nicht mehr zu ihrem Recht. Man gerät schließlich dahin, dass man mit der Majestät Christi außerhalb der der Kirche gar nicht mehr rechnet.

Das göttliche Ich

Michael Schumacher, Thomas Hitzlsperger, Christian Wulff: Das ganz Private der Promis ist maximal öffentlich geworden, Millionen nehmen Anteil daran. Das Internet ist die Vollendung des Menschenkults. Mathias Müller von Blumencron hat für die FAZ den mediengestützten Narzissmus, der zum Götzendienst werden kann, und das Phänomen der geliehenen Identitäten, treffend auf’s Korn genommen:

Das Privatfernsehen schuf neue Formen der irdischen Anbetung. Wie eine Prominentenmanufaktur machte es Menschen einfach nur deshalb berühmt, weil sie von den TV-Machern dazu erkoren wurden, berühmt zu werden. Einer ganzen Generation wurde vorgegaukelt, dass das Sosein genüge, um berühmt zu werden.

Nichts allerdings hat die Vergötterung des Ichs so befördert wie das Internet. Plötzlich hatte jeder Mensch ein multimediales Werkzeug an der Hand, das nicht etwa die Verbindung zur Transzendenz erleichtert, sondern eine fast göttliche Aura verschafft, wenn man nur die richtige Melodie trifft. Das Netz ist die Vollendung des Menschenkults, irdisch in seinen Schwächen, aber fast überirdisch kraftvoll. Das griechische Universum ist endgültig auf der Erde angekommen.

Interessant finde ich die Leserfrage von W. Klein:

Diese Art von Religion bewegt sich auf niederstem geistigen Niveau, weil es hier noch nicht einmal um metaphysische Fragestellungen geht sondern nur noch um primitive Projektionen der eigenen Psyche (möchte sein, möchte haben). Warum befasst sich die Kirche nicht mal mit dieser Art modernen Heidentums und arbeitet sich stattdessen am Kapitalismus ab?

Mehr: www.faz.net.

VD: RN

Friedrich Dürrenmatt im Gespräch (1968)

Nicht jeder wird nachvollziehen können, dass ich Friedrich Dürrenmatt schätze. Ich halte ihn für einen großen Schriftsteller und Dramaturgen. Dürrematt, der in einem reformierten Pfarrhaus aufwuchs, hat übrigens einmal geschildert, wie er seinen kindlichen Gottesglauben verloren hat.  Lothar Veit beschreibt das in seiner Seminararbeit Ein gläubiger Zweifler:

Dürrenmatt erzählt nun eine Episode aus seiner Kindheit, die für seine Religiosität (oder Areligiosität, das wird noch zu klären sein) prägend gewesen sein muß. Gemeinsam mit anderen Kindern saß Dürrenmatt in der Sonntagsschule und sang gläubige Lieder, „ahnungslos, was wir da behaupteten“. Gottes Liebe wurde Dürrenmatt als etwas Vollkommenes beigebracht, eine „über jeden Verdacht erhaben(e)“ Liebe. Der Kinderglaube an eine vollkommene Liebe erfährt jedoch einen herben Rückschlag, als in der Nähe der Sonntagsschule der „Blaukreuz-Inspektor“, der auf dem Wege zum Sonntagsessen der Familie Dürrenmatt war, in seinem Auto von einer Eisenbahn überfahren und getötet wird. Zu allem Überfluss ereignete sich dieser Unfall, so schreibt Dürrenmatt, „während es aus den offenen Fenstern fröhlich herüberscholl: ‚Gott ist die Liebe, drum sag ich’s noch einmal, Gott ist die Liebe, er liebt auch mich‘“.

Nachfolgend ein Interview mit Friedrich Dürrenmatt aus dem Jahre 1968, das Einblick in sein „Theaterdenken“ erlaubt und ausserdem zeigt, wie schön TV sein könnte. In einem gewissen Sinn ist das Interview auch eine beißende Kritik unserer Unterhaltungskultur (deren Dumpfheit Dürrenmatt damals nur erahnen konnte).

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